Montag, 11. April 2005
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FPÖ-Spaltung: Neues „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ)
Die sich seit Wochen abzeichnende Spaltung der FPÖ wurde am 4. April offiziell vollzogen. Ursula Haubner erklärte ihren Rücktritt und wechselte mit der gesamten bisherigen Parteispitze sowie einem Großteil der FPÖ-Parlamentarier in das neue „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ) mit nunmehr orangem Logo. Dessen Obmann wird der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F). Die Koalitionsmehrheit ist laut Klubchef Herbert Scheibner gesichert.
Als Termin für den BZÖ-Gründungskonvent wurde der 17. April festgelegt. Beitreten werden dem neuen Bündnis neben Sozialministerin Haubner auch alle übrigen FPÖ-Regierungsmitglieder.
Die Positionierung der FPÖ-Landesgruppen ist noch nicht abgeschlossen. Designierter Obmann der alten Bundes-FPÖ ist der Wiener Parteichef Heinz-Christian Strache.
Bundeskanzler Schüssel erklärte nach dem Ministerrat am 5. April, dass die „konstruktive Regierungszusammenarbeit“ im Interesse der österreichischen Bevölkerung bis zum Ende der Legislaturperiode 2006 fortgesetzt werde und der Koalitionspartner die Stabilität der Regierungszusammenarbeit garantieren könne. ■

Gedankenjahr 2005: 50 Jahre Österreichischer Staatsvertrag
Bei der Präsentation der Sondernummer der von Paul Lendvai herausgegebenen „Europäischen Rundschau“ zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrages verwiesen am 31. März Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Altbundeskanzler Franz Vranitzky auf die positive Entwicklung, die Österreich seit damals genommen habe.
Schüssel rief anlässlich des heurigen Jubiläumsjahres dazu auf, sich in Österreich – u.a. in der Innenpolitik – „auf die wirklich wichtigen Fragen“ zu konzentrieren. und nicht über Tagesereignisse zu streiten. Schon in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Staatsvertrag seien es Ereignisse von außen gewesen, die Österreich betroffen hätten – wie die „kommunistischen Umstürze“ Ende der 40er Jahre in Tschechien und Ungarn. Nach dem Zurückfahren des US-Marshall-Planes infolge des Korea-Krieges hätte sich Österreich auch wirtschaftlich auf „eigene Füße stellen“ müssen, so Schüssel. ■

Schulreform: Aus für Zweidrittelmehrheit im Nationalrat
Der Ministerrat verabschiedete am 30. März eine Verfassungsnovelle, mit der die Zweidrittelmehrheit bei Schulgesetzen abgeschafft wird. Schule dürfe aber, laut Bundeskanzler Schüssel, kein „Experimentierfeld“ werden. Lehrern, Eltern und Schülern müsse „Sicherheit“ durch klare Zielsetzungen gegeben werden. Außer Streit stünde die Schulgeldfreiheit für Pflichtschulen, die zudem in internationalen Verträgen abgesichert sei. Geplant ist laut Bildungsministerin Elisabeth Gehrer u.a. die Einführung der Fünf-Tage-Woche für alle Sechs- bis 14-Jährigen ab dem Schuljahr 2006/07. ■

Gleichbehandlungskommission nahm Arbeit auf
Die im Gleichbehandlungsgesetz (in Kraft seit 1. Juli 2004) vorgesehene Gleichbehandlungskommission nahm Anfang April ihre Arbeit auf. Damit ist eine wirksame Kontrolle des Gleichbehandlungsgesetzes gewährleistet, das u.a. in allen Bereichen des öffentlichen Lebens rassistische Diskriminierung untersagt und die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt vorschreibt. ■

Bundespräsident Fischer empfing NS-Vertriebene
Bundespräsident Heinz Fischer begrüßte am 6. April in der Wiener Hofburg rund hundert ehemalige Wiener, die von den Nationalsozialisten vertrieben wurden. Die Einladung sei eine Geste der Republik Österreich und der Stadt Wien, die Vertriebenen in ihrer früheren Heimat „herzlich willkommen zu heißen“.
Eingeladen wurden die Gäste zu ihrem einwöchigen Wien-Besuch vom „Jewish Welcome Service Vienna“. Sie kamen aus den USA, Kanada, England, Israel und Argentinien. Aus Berlin reiste Sophie Templer-Kuh, eine Nichte des legendären Wiener Kaffeehausliteraten Anton Kuh, an. Auch Leon Zelman, engagierter und verdienter Direktor der Plattform „Jewish Welcome“, war selbstverständlich einer der Gäste. ■

Präsident Fischer und Kanzler Schüssel bei Begräbnis des Papstes
Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen fanden am 8. April im Petersdom und auf dem Petersplatz in Rom die Begräbnisfeierlichkeiten für Papst Johannes Paul II. statt. Laut Behörden nahmen rund vier Millionen Menschen an dem historischen Ereignis teil, das über Großbildschirme auch an anderen Plätzen der Ewigen Stadt übertragen wurde. Unter den 200 internationalen Staatsgästen waren US-Präsident George W. Bush, Russlands Präsident Wladimir Putin und UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Österreich war durch Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Vizekanzler Hubert Gorbach und Nationalratspräsident Andreas Khol vertreten.
Von den Beisetzungsfeierlichkeiten berichteten bis zu 4.000 Journalisten aus aller Welt, auch die beiden arabischen Fernsehsender al-Jazeera und al-Arabiya hatten Reporter nach Rom entsandt.
Die dreistündige Totenmesse leitete Kardinal-Dekan Joseph Ratzinger, die in Rom anwesenden Kardinäle und die Patriarchen der unierten Ostkirchen konzelebrierten.
Auch Österreich trauerte um den verstorbenen Papst. Als Zeichen der Anteilnahme wurden auf dem Parlament, der Hofburg und dem Bundeskanzleramt die Fahnen auf Halbmast gesetzt, am Tag des Begräbnisses alle öffentlichen Gebäude schwarz beflaggt.
In den Reaktionen auf das Ableben des Pontifex Maximus wurden vor allem seine außergewöhnliche Persönlichkeit und sein Wirken für den Frieden hervorgehoben. Kardinal Christoph Schönborn sprach von einem „mutigen Querdenker“, der „gegen den Zeitgeist“ gestanden sei. Bundespräsident Fischer nannte ihn eine „allseits anerkannte moralische Instanz für Frieden, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Kampf gegen Armut“. Kanzler Schüssel betonte, der Papst sei für den Kommunismus eine „enorme Bedrohung“ gewesen. Österreich habe er als „Brücke und Tor“ zur Wiedervereinigung gesehen. ■

Bundespräsident Fischer würdigte verstorbenen Fürsten Rainier
Bundespräsident Heinz Fischer würdigte in einem Kondolenzschreiben an Regent Albert II. den am 6. April verstorbenen Fürsten Rainier III. von Monaco. „Seine besondere Herzlichkeit und herausragenden menschlichen Qualitäten haben ihm die Zuneigung aller Bürger Monacos gebracht, die ihn mit Hochachtung und Liebe in Erinnerung behalten werden“, hieß es in dem Schreiben. Fischer übermittelte „im eigenen sowie im Namen der Republik Österreich unsere tief empfundene Anteilnahme“. ■

Iranischer Präsident Mohammad Khatami zu Besuch in Österreich
Irans scheidender Staatspräsident Mohammad Khatami führte am 4. April bei einem Kurzbesuch in Wien Arbeitsgespräche mit Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Dabei bekräftigte er, dass sein Land an der friedlichen Nutzung der Atomenergie festhalten wolle und begründete dies mit dem iranischen Energiebedarf und der hohen Umweltbelastung durch fossile Brennstoffe. Zugleich verurteilte Khatami die Herstellung von Nuklearwaffen. Bei den Atom-Verhandlungen der EU mit Teheran hofft Khatami auf eine einvernehmliche Lösung. Die bilateralen Beziehungen bezeichneten beide Seiten als „ausgezeichnet“. ■

Kanzler Schüssel: EU-Verfassung wichtig für Zukunft Österreichs
Der Ministerrat beschloss am 30. März die neue EU-Verfassung. Danach wurde der Vertrag dem Parlament übermittelt, wo am 12. Mai darüber abgestimmt wird. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bezeichnete die EU-Verfassung als „wichtiges Dokument für die nächsten Jahre und Jahrzehnte“, das die Basis für die Arbeit der Union bilden werde. Eingedenk der 50-Jahr-Feiern zum österreichischen Staatsvertrag sehe er die EU-Verfassung auch als eine „Art zweiten, modernen Staatsvertrag“. ■

Rumäniens Außenminister Mihai Razvan Ungureanu in Wien
Österreich erwarte den EU-Beitritt Rumäniens für 2007. Daran werde gemeinsam gearbeitet, erklärte Außenministerin Ursula Plassnik am 7. April nach einem Treffen mit ihrem rumänischen Amtskollegen Mihai Razvan Ungureanu in Wien. Beide Politiker forderten eine „europäische Perspektive“ für die Balkanländer. ■

Kanzler Schüssel: Österreich mit beeindruckender Erfolgsbilanz
Mit den Stimmen der Koalitionsparteien verabschiedete der Nationalrat am 7. April das Budget 2006. Für das Jahr 2006 sind vom Finanzminister Ausgaben in Höhe von 66,17 Mrd. Euro und Einnahmen in Höhe von 60,36 Mrd. Euro veranschlagt. Daraus ergibt sich ein Defizit des Bundes von 2,2 % des Bruttoinlandprodukts (BIP). Das gesamtstaatliche Defizit soll dank Länderüberschüssen bei 1,7 % liegen.
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel verteidigte tags darauf im Plenum die Budgetpolitik der Bundesregierung und unterstrich mit Hinweis auf das heurige Jubiläumsjahr, dass Österreich in den letzten 60 Jahren eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorzuweisen habe. Daran hätten letztlich alle politischen Parteien mitgewirkt. Österreich sei gut aufgestellt im Vergleich zu den Nachbarn, „weil wir rechtzeitig jene Reformen gesetzt haben, die uns hoffentlich auch mittelfristig eine Standortgarantie geben“, so Schüssel.
Der Bundeskanzler verwies neuerlich auf die jüngsten Steuerentlastungen und die Reformmaßnahmen in den Bereichen Bildung, Jugend, Frauen und Pensionisten. ■

EU-Prognose: Österreich 2005/06 mit stabilem Wirtschaftswachstum
Österreichs Wirtschaft wird nach Ansicht der EU-Kommission in den nächsten beiden Jahren um 2,1 % wachsen. Die EU-Behörde weicht damit in ihrer am 4. April veröffentlichten Frühjahrsprognose nur geringfügig von den Angaben der heimischen Experten von Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und Institut für Höhere Studien (IHS) ab, wonach für 2005/2006 ein Wachstum von 2 ¼ bis 2 ½ Prozent vorhergesagt wird. Die Arbeitslosigkeit soll laut EU-Prognose heuer auf 4,1 Prozent und im kommenden Jahr auf 3,9 Prozent zurückgehen.
Die heimische Wirtschaft könne weiterhin mit einem stabilen Wachstum rechnen. Der Inlandsverbrauch werde positiv auf die jüngsten Steuersenkungen und die steigende Beschäftigung reagieren. Die Reduktion der Körperschaftssteuer erhöhe Österreichs Attraktivität für Auslandsinvestoren, so die EU-Kommission. Bestätigt wurde das von der Regierung veranschlagte Budgetdefizit 2006 von 1,7 %. ■

Staatsholding ÖIAG schuldenfrei
Seit dem Regierungswechsel im Jahr 2000 hat die bundeseigene Staatsholding ÖIAG im Zuge der Privatisierung neun von 14 Unternehmen verkauft. Dazu zählen vollständig voestalpine, Böhler Uddeholm, Austria Tabak, Flughafen Wien, P.S.K., Staatsdruckerei, Dorotheum und VA Tech. Ein weitgehender Rückzug erfolgte aus der Telekom Austria (TA). Staatlich blieben hier 25,2 % (exklusive Wandelanleihe) sowie 100 % der Österreichischen Post AG, 31,5 % der OMV, 39,7 % der AUA und die Graz-Köflach Bergbaugesellschaft.
Insgesamt erzielte die ÖIAG aus den Verkäufen rund 5 Mrd. Euro, die großteils zur Schuldentilgung verwendet wurden. Der Schuldenstand reduzierte sich seit 1999 von 6,3 Mrd. Euro auf praktisch Null. Der Bruttowert der ÖIAG-Beteiligungen blieb auf Grund des höheren Werts der Reste mit 5,3 Mrd. Euro weitgehend konstant. Die Dividenden-Einnahmen der Staatsholding aus den Beteiligungen sanken dagegen von 472 Mio. Euro (2001) auf 123 Mio. Euro (2004).
Da jedoch die Zinsendienste für die Schulden nunmehr wegfallen, kann die ÖIAG ihre Einnahmen künftig an den Finanzminister weitergeben. Die budgetwirksame Dividende der ÖIAG wird heuer deshalb von zuletzt 100 Mio. Euro auf 255 Mio. Euro erhöht werden. ■

Vermögen der Österreicher stieg 2004 auf 329,4 Mrd. Euro
Das Kapitalvermögen der Österreicher stieg 2004 durch Veranlagungen und Kursgewinne um 6,7 % auf 329,4 Mrd. Euro. Gleichzeitig wurden von den Privathaushalten allerdings, vor allem durch Kredite für den Kauf von Wohnungen oder Eigenheimen, mehr Schulden angehäuft. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Gesamtverschuldung laut vorläufigen Zahlen der Oesterreichischen Nationalbank um 7,8 % auf 118 Mrd. Euro.
Ursache des gestiegenen Geldvermögens der Österreicher waren auch Ansprüche aus Lebensversicherungen und wieder verstärkt Wertpapierveranlagungen. Insgesamt veranlagten die privaten Haushalte im abgelaufenen Jahr 16,8 Mrd. Euro – fast 15 % mehr als 2003 (14,6 Mrd. Euro) – in neue Finanzmittel. Mit fast 330 Mrd. Euro entsprach das private Finanzvermögen Ende 2004 140 % des heimischen BIP. ■

Schallaburg 2005: „Österreich ist frei!“ – Staatsvertragsschau 1955
60 Jahre nach Kriegsende und 50 Jahre nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages in Wien zeigt die Schallaburg bei Melk (Niederösterreich) eine umfassende Schau zum Staatsvertrags-Jubiläum. Sie verdeutlicht die vielschichtige Entwicklung Österreichs von 1945 bis 1955 auf politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Ebene. Erstmals werden noch nie gezeigte Dokumente aus russischen Archiven zu sehen sein, ebenso wie rund 1.000 Leihgaben aus ganz Österreich. Sie stammen u.a. aus einer dafür veranstalteten österreichweiten Sammelaktion von ORF und Printmedien. Die Ausstellung wird am 15. April eröffnet, genau 50 Jahre nach jenem Tag, als Bundeskanzler Julius Raab „frohe Kunde“ aus der Sowjetunion mitbrachte und auf dem Vöslauer Flugfeld den Österreichern verkünden konnte: „Wir werden frei sein!“. Höhepunkt der Ausstellung ist jener Moment, als Außenminister Leopold Figl am 15. Mai 1955 am Balkon des Oberen Belvederes in Wien allen Österreichern aus dem Herzen sprach: „Österreich ist frei!“ Figl und Raab sind, neben Kardinal Franz König, Innenminister Oskar Helmer oder Vizekanzler Adolf Schärf, auch die Wegbegleiter durch die Ausstellung. Ihr politisches Leben, ihre Entscheidungen für Österreich werden transparent und verständlich gemacht. Obwohl sich die Ausstellung Österreich in seiner Gesamtheit und allen vier Besatzungszonen widmet, liegt ein Schwerpunkt auf der sowjetischen Zone: Niederösterreich, großen Teilen Wiens, dem Burgenland und dem oberösterreichischen Mühlviertel. Einige Monate waren auch die Steiermark und die Landeshauptstadt Graz sowjetisch besetzt. Zusammen mit russischen Historikern wurden dafür die Grundlagen in einem eigenen, vom Bildungsministerium (BMBWK) geförderten Forschungsprojekt zur „Roten Armee in Österreich“ erarbeitet. ■

Jüdisches Museum Wien: Die Zweite Republik und ihre Juden
Das Jüdische Museum Wien zeigt von 20. April bis 4. Juli die Ausstellung „Jetzt ist er bös, der Tennenbaum. Die Zweite Republik und ihre Juden“, deren erster Satz aus dem „Herrn Karl“ von Helmut Qualtinger und Carl Merz stammt, einem satirischem Ein-Personen-Stück, das den österreichischen Kleinbürger als dauerhaften Opportunisten demaskiert. Der nach 1945 zurückgekehrte Jude Tennenbaum versteht offensichtlich keinen Spaß und trägt dem Herrn Karl die „Hetz“ nach, die sich dieser im März 1938 mit ihm geleistet hat und erwidert seinen Gruß nicht. Im Übrigen waren Xenophobie, Antimodernismus und Antisemitismus nicht Monopol politisch Konservativer, sondern wurden nach Bedarf auch von liberaler und sozialistischer Seite eingesetzt. Die Ausstellung widmet sich neuralgischen Punkten wie der so genannten „Stunde Null“ mit der Befreiung der KZs und der Errichtung von DP-Lagern, der leichten Annahme der Rolle als „erstes Opfer“ der Nazi-Aggression, der Haltung der Nachkriegsjustiz und der zögerlichen Durchführung von Entnazifizierung und Restitution. Die Einforderung der Auseinandersetzung der Zweiten Republik mit ihrem Erbe aus der NS-Zeit wird in Form einer „interaktiven“ dialogischen Art präsentiert. Das Museum soll für aktive Streitgespräche genutzt werden; Besucher sollen weniger als Konsumenten und mehr als Akteure handeln. ■

November 2005: 50. Jubiläum der Wiedereröffnung der Staatsoper
Dirigenten wie Zubin Mehta, Christian Thielemann, Franz Welser-Möst leiten am 5. November in der Wiener Staatsoper ein Festkonzert anlässlich des 50. Jubiläums der Wiedereröffnung des Hauses. 1955 hatte Karl Böhm die Premiere von Beethovens „Fidelio“ dirigiert. Sie wurde zum Symbol des freien und neutralen Österreich. Am 5. November stehen Auszüge jener Opern auf dem Programm, mit denen das Haus seinen Betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen hatte. Sänger wie Johan Botha, Thomas Hampson, Edita Gruberova treten als Interpreten von Mozart, Beethoven, Strauss und Verdi auf. Das Konzert wird weltweit ausgestrahlt. ■

Kino und Nationalsozialismus
Anlässlich 60 Jahre Weltkriegsende widmet sich das Filmarchiv bis 1. Mai dem Thema „Kino und Nationalsozialismus“, unterteilt in „Hitlers Hollywood“ mit NS-Propagandafilmen und US-Gegenreaktion „Hollywood gegen Hitler“. ■

Bundespräsident Heinz Fischer enthüllt Büste Rudolf Kirchschlägers
Der amtierende Bundespräsident Heinz Fischer nahm am 3. April an einer Gedenkfeier für Rudolf Kirchschläger teil, Amtsvorgänger von 1974 bis 1980, nach Wiederwahl bis 1986. Er enthüllte mit Witwe Herma Kirchschläger im Geburtsort des ehemaligen Bundespräsidenten, Niederkappel (Oberösterreich), in Anwesenheit von Landeshauptmann Josef Pühringer und seinem Stellvertreter Erich Haider, eine Büste. In Niederkappel wird derzeit ein eigenes „Dr.-Rudolf-Kirchschläger-Zentrum“ errichtet. Fischer würdigte Kirchschläger als einen Mann des Rechtes und der Gerechtigkeit, der versucht habe, beides in menschlicher Weise zusammenzuführen. Die Wahl Kirchschlägers für eine zweite Amtszeit sei ein „Liebesbeweis der Österreicher“ gewesen. Als gemeinsamer Kandidat von SPÖ und ÖVP erhielt er, 1970 vom damaligen Kanzler Bruno Kreisky als Parteiloser zum Außenminister bestellt (bis 1974), bei der Wiederwahl 1980 79,9 % der Stimmen. ■

Jandl-Preis: Morak würdigt Michael Donhauser und Thomas Kling
Der dritte Träger des Ernst-Jandl-Lyrik-Preises ist 2005 der Dichter Michael Donhauser (48). Der Preis wurde von Kunststaatssekretär Franz Morak im Jahr 2000 in Erinnerung an den großen österreichischen Dichter Ernst Jandl (1925-2000) ins Leben gerufen und wird alle zwei Jahre vergeben. 2003 wurde der Schweizer Felix Philipp Ingold ausgezeichnet. Der erste Preisträger 2001 war der deutsche Lyriker und Essayist Thomas Kling, der am 1. April 2005 47-jährig verstorben ist. Er war mit seiner Sprachpoetik („erprobung herzstärkender mittel“, „Auswertung der Flugdaten“) Vorbild für Lyrikperformer und Rockpoeten. Wie Morak erklärte, verliere mit Kling „die deutschsprachige Literatur einen großen Sprachkünstler. Sein Tod ist nicht nur ein großer Verlust für die Dichtkunst deutscher Sprache, sondern auch und ganz besonders für die österreichische literarische Familie, der er sich in seiner radikalen Sprachauffassung ebenso verbunden wusste wie in seiner fulminanten Vortragskunst“. Kling fühlte sich besonders den österreichischen Dichtern wie H.C. Artmann, Ernst Jandl und Friedericke Mayröcker verpflichtet.
Michael Donhauser ist der erste österreichische Jandl-Preisträger. Sein Werk umfasst u.a. die Prosa-Gedichte „Die Wörtlichkeit der Quitte“, den Lyrikband „Sarganserland“ sowie Rimbaud-Übersetzungen. ■

Wander-Schau: „Neue abstrakte Malerei aus Österreich“ in China
Gleichsam als Fortsetzung der großen Pekinger Max Weiler-Ausstellung von 1998 gehen nun seit April sechs Künstler der jüngeren Generation mit ihren rund 200 teils großformatigen Werken auf eine Tour durch Shanghai, Peking, Xian und Guangzhou. Mumok-Direktor Edelbert Köb hat als Kurator Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Gunter Damisch, Hubert Scheibl, Walter Vopava und Otto Zitko ausgewählt und wird die Schau ab Dezember unter dem Titel „China retour“ auch im Museum moderner Kunst in Wien zeigen. Die Wanderausstellung wurde vom Botschafter der Volksrepublik China in Österreich, Lu Yonghua, als „ein großes Ereignis für den Kulturaustausch zwischen China und Österreich“ gewürdigt. Die Werke der österreichischen Künstler sind vielfältig und bunt, generell an der Abstraktion orientiert. Von 22. April bis 31. Mai sind sie im Shanghai Art Museum zu sehen, dann vom 10. Juni bis 18. Juli in der Chinesischen Nationalgalerie Peking Stiftung Ludwig, von 28. Juli bis 5. September im Shaanxi Art Museum Xian und schließlich im Guangdong Museum of Art in Guangzhou. ■

Stift Seitenstetten: Arbeit und Feste – Das Leben einfacher Menschen
Das Benediktinerstift Seitenstetten im Mostviertel (Niederösterreich) zeigt bis 31. Oktober die Sonderausstellung „Arbeit und Feste – Bilder werden lebendig“. Kustos Pater Martin Mayrhofer: „Die Arbeit der Bauern draußen auf den Feldern und Äckern, dazu das Wirken unserer Mönche – das war immer schon ein wundersames Wechselspiel“. Die Schau dokumentiert es einprägsam zwischen Alltag und Festzeiten im Leben ganz einfacher Menschen des Mostviertels durch die Jahrhunderte. Der italienische Meister Leandro Bassano schildert diesen Arbeits- und Lebenszyklus im 16. Jahrhundert – bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts blieb er im Wesentlichen gleich. Fassbinderei, Käseherstellung, Erntearbeit werden in seinen Bildern lebendig. Eine Auswahl von Bildern zahlreicher Meister erweckt Feste und Brauchtum im Jahresablauf mehrerer Epochen zu neuem Leben. Begleitend zur Ausstellung präsentieren im Promulgationssaal des Stiftes Handwerker ihre Kunst. Zu bewundern sind u.a. der alte Korbflechter Franz Reisinger aus St. Georgen am Ybbsfeld, weiters Besenbinder, Strickbinderinnen und spinnende Bäuerinnen. Außerdem gibt es Flegeldreschen, eine Bezirksmostkost und vieles mehr. Abt Berthold Heigl entschlossen: „Das reiche Brauchtum der Menschen in unserer Region soll wieder lebendig werden“. Die Besucher der Ausstellung dürfen keinesfalls den Rosengarten des Stiftes mit seinen mehr als 100 historischen Rosensorten versäumen. Er ist schon seit Ostern geöffnet und lädt zur Meditation ein. ■

Joseph-Roth-Preis an Daniel Vernet
Der „Le Monde“-Journalist Daniel Vernet ist am 2. April in Wien mit dem Joseph-Roth-Preis, benannt nach dem aus der Donaumonarchie stammenden und in Paris verstorbenen Journalisten (1894-1939), Autor u.a. von „Radetzkymarsch“ und „Kapuzinergruft“, ausgezeichnet worden. Bei einer Feierstunde würdigten der französische Botschafter in Wien, Pierre Viaux, der österreichische Botschafter in Paris, Anton Prohaska, sowie Paul Lendvai, Chefredakteur der „Europäischen Rundschau“, Vernets Verdienste um die österreichisch-französischen Beziehungen. ■

Wiener Albertina: Goya bis Picasso
Die Wiener Albertina präsentiert unter dem Titel „Goya bis Picasso“ erstmals in Österreich die Privatsammlung von Jan Krugier und Marie-Anne Krugier-Poniatowski. Krugier zählt zu den bedeutendsten Kunsthändlern der Gegenwart. Gemeinsam mit seiner Frau baute er innerhalb von wenigen Jahrzehnten eine weltweit singuläre Kunstsammlung auf. Die Ausstellung zeigt 180 Arbeiten vom Beginn des 19. Jahrhunderts (Goya, Géricault, Ingres und Delacroix) über die Kunst des Realismus (von Menzel bis zum frühen Van Gogh) und Impressionismus (mit Hauptwerken von Manet, Monet, Degas und Seurat) bis zu den drei großen Einzelgestalten Cézanne, Matisse und Picasso. Mit Giacometti, ein jahrzehntelanger Freund von Jan Krugier, schließt dieser Überblick über die Geschichte der Moderne. ■

René Magritte im Kunstforum
Das Kunstforum Bank Austria in Wien zeigt bis 24. Juli unter dem Titel „René Magritte. Der Schlüssel der Träume“ die erste Retrospektive des belgischen Surrealisten (1898-1967) in Österreich. Rund 70 Meisterwerke werden gezeigt, u.a. Ikonen wie das Pfeifenbildnis „Der Verrat der Bilder“, der überdimensionale Apfel im „Zimmer des Lauschens“ oder die Varianten des „Mannes mit der Melone“ wie „Der gute Glaube“ und „Der große Krieg“. Für den vom französischen Philosophen und Sozialwissenschafter Michel Foucault geschätzten Maler waren Sprache und Semiotik ebenso bedeutend: Magrittes Bilder gelten auch als verschlüsselte Wortbilder. ■

Kunsthalle Krems: Renoir und das Frauenbild des Impressionismus
Bis 31. Juli steht Auguste Renoir im Zentrum einer 120 Werke umfassenden Impressionisten-Ausstellung in der Kunsthalle Krems. Sie ist bis dahin erfüllt von Glanz und Glamour des Paris im ausgehenden 19. Jahrhundert mit seinen Boulevard-Cafes, Varietés und Bordellen. Natürlich dürfen auch die Tänzerinnen von Edgar Degas nicht fehlen, nicht die Bilder von Toulouse-Lautrec, Bonnard, Gauguin. Bemerkenswert die Malerinnen des Impressionismus wie Mary Cassatt, Berthe Morisot und Eva Gonzalès. Die gezeigten Werke stammen aus rund 30 Museen und Privatsammlungen aus aller Welt, u.a. dem Musée d’Orsay und dem Metropolitan Museum New York. 73 Exponate allein kommen aus dem Depot des Belgrader Nationalmuseums, das seit dem Jugoslawien-Krieg gesperrt ist. Hier lagert ein großes Konvolut französischer Impressionisten, u.a. 70 Werke von Renoir und zahlreiche hervorragende Kohlezeichnungen von Degas. Der Bestand gehörte einst dem Serben Erich Chlomovitch, der, in Paris zu Wohlstand gekommen, in seine Heimat zurückkehrte und 1942 wahrscheinlich in einem KZ ermordet wurde. Seine kostbare Sammlung gelangte später ins Nationalmuseum Belgrad. ■

Countdown zur Eishockey-WM 2005 in Österreich läuft
Vom 30. April bis 15. Mai 2005 findet eine der bestbesetzten Eishockey-Weltmeisterschaften in Österreich statt. Aufgrund der Absage des Meisterschaftsbetriebes in der National Hockey League (NHL) werden viele Topstars an der Weltmeisterschaft in Wien und Innsbruck teilnehmen. Auch Staatssekretär Schweitzer ist vom Erfolg dieser Veranstaltung überzeugt: „Österreich hat wieder einmal bewiesen, dass es optimale Rahmenbedingungen für sportliche Großveranstaltungen organisieren kann. Die Erwartungen der Österreicher sind hoch, ob aus wirtschaftlicher oder sportlicher Sicht.“ Dies bestätigt auch eine volkswirtschaftliche Studie von der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Dabei wurden sämtliche wertschöpfungsrelevante Indikatoren in die Untersuchung einbezogen. Dazu zählen die je nach angenommenen Auslastungsgrad anzusetzenden Ticketverkäufe sowie wertschöpfungswirksame Ausgaben der ausländischen Besucher und der einzelnen Teams. Die Kosten der Ausrichtung der Eishockey-WM wurden dem ökonomischen Nutzen gegenübergestellt, um die volkswirtschaftliche Rentabilität der Veranstaltung zu erhalten. Es zeigt sich, dass bei Gegenüberstellung der volkswirtschaftlichen Effekte zu den budgetären Kosten, Österreich beträchtlich profitieren kann. Das Volumen des ökonomischen Nutzens muss jedoch relativierend zum Auslastungsgrad der Spiele, zur „Konsumfreudigkeit“ der ausländischen Gäste sowie generell zur konjunkturellen Situation gesehen werden. Somit kann ein Gewinn in der Höhe von zwischen rund 60,5 und 72,6 Mio. Euro im Jahr 2005 erwartet werden, der Beschäftigungseffekt lässt sich mit zwischen 660 und 743 gesicherten oder zusätzlich geschaffenen Arbeitsplätzen beziffern. ■

Europameisterschaft: „Sternstunde“ im österreichischen Tischtennis
Mit je zwei Mal Gold und Silber sowie ein Mal Bronze wurde in Dänemark das beste Ergebnis in der 47-jährigen Geschichte der Europameisterschaft erreicht. Neben den Titeln durch Werner Schlager und Karl Jindrak im Doppel und Liu Jia im Einzel, gab es noch Silber durch Chen Weixing sowie Bronze durch Schlager/Liu jeweils im Mixed- sowie Silber im Herren-Team-Bewerb. Als Draufgabe konnte erstmals auch die Medaillenwertung gewonnen werden. Für die von 30. April bis 6. Mai in China bevorstehende Weltmeisterschaft ein gutes Vorzeichen. Nach den sensationellen Ergebnissen der letzten Jahre ist der heimische Tischtennisverband sowie Staatssekretär Schweitzer bemüht die Ausrichtung der Tischtennis-WM 2009 nach Linz zu holen. Die hoffentlich positive Entscheidung fällt im Rahmen der Mannschafts-WM vom 24. April bis 1. Mai 2006 in Bremen. ■

Im Zeichen gesunder Bewegung
Bereits zum 3. Mal veranstaltete die Lauf- & Walkingarena in Bad Tatzmannsdorf gemeinsam mit der Nordic Walking Organisation und der Fachhochschule Burgenland in Pinkafeld, den Internationalen Nordic Walking Kongress. Die Arena im Südburgenland dient der gesundheitsfördernden Bewegung. Hier stehen die Freude am Laufen, Nordic Walking und Wandern in enger Verbindung mit einem großen Gesundheitsangebot. Im Zuge des Kongresses wurde auf die gesundheitsfördernde Bedeutung und Nachhaltigkeit von Nordic Walking hingewiesen. Schon seit 1997 wird diese Sportart in Finnland als Gesundheitstraining angeboten. „Ein optimales Ganzkörpertraining für Jedermann“, betonte Schweitzer in seiner Eröffnungsrede. In den folgenden vier Blöcken des Kongresses konnte man Wissenswertes zu den Themen Nordic Walking und Medizin, Biomechanik, Equipment und Innovation erfahren, ebenso gab es Anleitungen zu Workshops. „Im Zeitalter der Trendsportarten ist Nordic Walking dabei, auch in Österreich Fuß zu fassen. Das ist nicht nur für die Wirtschaft, sonder auch für Jung und Alt von Vorteil“, gab sich Schweitzer optimistisch.■