Montag, 19. Dezember 2005
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NS-Entschädigung: Auszahlungen beginnen noch in diesem Jahr
„Wir haben den Rechtsfrieden erreicht durch Abweisung der letzten Klage“, verkündete Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im Anschluss an sein Treffen mit US-Präsident George W. Bush am 8. Dezember in Washington. Einen Tag zuvor hatte ein New Yorker Gericht die letzte noch offene Sammelklage gegen österreichische Unternehmen abgewiesen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Auszahlungen aus dem NS-Entschädigungsfonds erfüllt.
Offiziell beschlossen wurde die Rechtssicherheit im Zusammenhang mit den NS-Entschädigungen im Ministerrat am 13. Dezember.
Die ersten Überweisungen bzw. Vorauszahlungen aus dem mit 210 Mio. US-Dollar (176 Mio. Euro) dotierten „Allgemeinen Entschädigungsfonds“ an die NS-Opfer (rund 19.300 Antragsteller) werden noch vor Jahresende erfolgen. Mit diesem Geld sollen Vermögensschäden abgegolten werden, die während der NS-Zeit auf dem Gebiet der heutigen Republik Österreich entstanden sind.
Befüllt wird der Fonds nun binnen 30 Tagen (ab Ministerratsbeschluss und Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt, BGBl. II Nr. 414/2005) von Bund, Gemeinde Wien, Banken, Versicherungen, Industrie, Wirtschaftskammer und der Privatisierungsholding ÖIAG.
Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, reagierte auf die Rechtssicherheits-Erklärung Schüssels „mehr als zufrieden“. „Wir jubeln“, so Muzicant. Mit der Israelitischen Kultusgemeinde war bereits im Frühjahr ein Sonderabkommen über eine getrennte Entschädigung in Höhe von 18,2 Mio. Dollar getroffen worden. Danach zog die IKG ihre Unterstützung für die letzte noch offene Sammelklage in den USA zurück. ■

50 Jahre Österreich in der UNO
Aus Anlass des 50. Jahrestages der Aufnahme Österreichs in die Vereinten Nationen fand am 14. Dezember in der Wiener Hofburg eine Festveranstaltung statt, an der die gesamte Staatsspitze und hochrangige Vertreter von UNO-Organisationen teilnahmen.
Bundespräsident Heinz Fischer bezeichnete die Vereinten Nationen in seiner Festrede als „unersetzlich“ und „das mit Abstand wichtigste globale Friedensinstrument. In Anspielung auf jüngste Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad kritisierte das Staatsoberhaupt, es sei völlig „unakzeptabel, einem UN-Mitglied – im konkreten Fall Israel – das Existenzrecht abzusprechen“.
Fischer würdigte ebenso wie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel die Verdienste des anwesenden Alt-Bundespräsidenten Kurt Waldheim. Dieser hatte als UNO-Generalsekretär (1971-1981) gemeinsam mit dem damaligen Kanzler Bruno Kreisky erreicht, dass Wien neben New York und Genf 1979 dritter Sitz der Staatengemeinschaft wurde.
Bundeskanzler Schüssel lobte in seiner Festansprache vor allem das Engagement Österreichs bei internationalen Friedenseinsätzen. Die Mitgliedschaft Österreichs bei der EU und bei der UNO sei „kein Gegensatz“, betonte Schüssel.
UNO-Chef Kofi Annan bezeichnete in einer Video-Grußbotschaft Österreich als „einen der stärksten Unterstützer der Friedenssicherung“.
Der frisch gebackene Friedensnobelpreisträger und Leiter der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohammed ElBaradei, führte aus, dass die „globalen Bedrohungen“ wie Terrorismus, Armut und Massenvernichtungswaffen nur durch multilaterale Diplomatie bewältigt werden könnten.
Außenministerin Ursula Plassnik sagte, Österreich und die UNO bedeuteten „50 Jahre Arbeit am Frieden in der Welt“. ■

Gedankenjahr 2005: Kanzler Schüssel zog positive Bilanz
„Das Gedankenjahr bot uns Gelegenheit für tief greifende Analysen unserer eigenen Vergangenheit. Wir können heute eine würdige Bilanz ziehen“, resümierte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel über das ablaufende Jubiläumsjahr.
In Summe seien mehr als 1,25 Mio. Besucher bei allen Veranstaltungen des „Gedankenjahres“ gezählt worden. Allein die beiden Großausstellungen im Wiener Schloss Belvedere und auf der Schallaburg (N.Ö.) hätten über 500.000 Besucher verzeichnet. Zusätzlich habe man 60 Buchpublikationen unterstützt, so Schüssel.
Für Kunststaatssekretär Franz Morak war das Gedankenjahr „ein Blick in den Spiegel der Erinnerung“. ■

Kanzler Schüssel zu EU-Budget: „Ergebnis ist vertretbar“
Erfreut zeigte sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel über die Einigung des EU-Gipfels (15./16. Dezember) zum EU-Finanzrahmen 2007 bis 2013. Dies sei ein „Moment, wo so etwas wie ein historischer Zusammenhang“ zu erkennen sei. Erstmals hätten sich die 25 EU-Staaten auf ein gemeinsames Budget geeinigt. „Selbst in schwierigen Zeiten kann die Zusammenarbeit funktionieren“, betonte Schüssel.
Für Österreich bedeute das künftige EU-Budget einen guten Kompromiss. Der heimische Nettobeitrag an die EU werde zwar von derzeit 619 Mio. Euro auf durchschnittlich 860 Mio. Euro pro Jahr steigen, doch hätte Österreich auch „überproportionale Chancen“, durch die Förderprogramme für die neuen Mitgliedsländer zu profitieren, erläuterte der Bundeskanzler in der ORF-„Pressestunde“ am 18, Dezember. Bei den Rückflüssen nach Österreich habe man auch für die kommende Finanzperiode ein Volumen von rund 11 Mrd. Euro halten können. Gesichert seien vor allem die Mittel für die ländliche Entwicklung, die mit 3,1 Mrd. Euro annähernd gleich bleiben. In Zukunft werde die EU Österreich pro Kopf und Monat neun Euro kosten, dies sei eine Steigerung von 1,50 Euro. „Das halte ich für vertretbar“, so der Bundeskanzler. ■

Bundeskanzler Schüssel zu Besuch bei US-Präsident Bush
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel traf am 8. Dezember in Washington zu einem ausführlichen Meinungsaustausch mit US-Präsident George W. Bush zusammen. Erörtert wurden unter anderem bilaterale Fragen und die österreichische EU-Präsidentschaft 2006. Im Anschluss an das Gespräch im Weißen Haus gab Schüssel „mit großer Freude“ bekannt, dass nach Abweisung der letzten US-Sammelklage gegen Österreich bei den NS-Entschädigungen nun Rechtsfrieden herrsche und noch heuer mit der Auszahlung an die Opfer begonnen werde (siehe Innenpolitik).
Im Zusammenhang mit dem kommenden EU-Vorsitz Österreichs habe Bush die große Bedeutung Europas als strategischer Partner der USA – insbesondere in den Krisenregionen Balkan und Naher Osten – hervorgehoben.
Der Westbalkan sei ebenso österreichischer EU-Schwerpunkt wie die transatlantischen Beziehungen, wobei die Sicherheitskooperation zwischen EU und Nato eine wesentliche Rolle spiele, erläuterte Schüssel in seiner Eigenschaft als künftiger EU-Ratsvorsitzender.
Zur Kritik an den umstrittenen CIA-Flügen über Europa habe der Präsident die Achtung der Menschenrechte und die Ablehnung von Folter ausdrücklich unterstrichen, so der Bundeskanzler. ■

EU-Generalsekretär Solana bei Außenministerin Plassnik
EU-Außenbeauftragter Javier Solana kam am 13. Dezember zu einem zweitägigen Besuch nach Österreich. Auf dem Programm standen ein Arbeitsgespräch mit Außenministerin Ursula Plassnik sowie Treffen mit Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.
„Ich habe keinen Zweifel, dass die österreichische EU-Präsidentschaft ein Erfolg wird“, erklärte Solana bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gastgeberin Plassnik. Der EU-Außenbeauftragte äußerte Zuversicht, dass die politischen Führer in Europa sich der wachsenden Zahl von EU-Vorhaben – etwa auf dem Balkan – bewusst seien und für Krisenma¬nagement „mehr Mittel“ bereitgestellt würden.
Außenministerin Plassnik brachte ihre Zufriedenheit darüber zum Ausdruck, dass am 13. Dezember im Parlament in Wien ein positiver Beschluss zu österreichischen Polizei- bzw. Militärbeteiligungen an fünf EU-Missionen (auf dem Balkan, in den Palästinenser-Gebieten und im Sudan) gefallen sei. ■

Besuch der Konferenz der Präsidenten des EU-Parlaments in Wien
Anlässlich des österreichischen EU-Vorsitzes im ersten Halbjahr 2006 besuchte die Konferenz der Präsidenten des Europäischen Parlaments am 19. Dezember Österreich. Angeführt wurde die Delegation vom Präsidenten des Europäischen Parlaments, Josep Borell Fontelles.
Bei einem Arbeitstreffen in der Wiener Hofburg informierte die Bundesregierung unter Leitung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel über die Schwerpunkte der österreichischen EU-Präsidentschaft. Im Anschluss daran fand ein Treffen mit Bundespräsident Heinz Fischer statt. ■

OeNB-Prognose: Österreich behält Wachstumsvorsprung
„Österreich wird seinen Wachstumsvorsprung im Euro-Raum halten“, sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Klaus Liebscher, am 5. Dezember bei der Präsentation der neuen gesamtwirtschaftlichen OeNB-Prognose. Demnach werde Österreichs Wirtschaftswachstum 2005 um 0,5 Prozentpunkte über jenem des Euro-Raums liegen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird heuer 1,9 % gegenüber 1,4 % im Euro-Raum betragen. In den nächsten beiden Jahren erwartet die OeNB für Österreich einen Anstieg um jeweils 2,3 % gegenüber einer Bandbreite von 1,4 bis 2,4 % im Euro-Raum.
Bemerkenswert sei das österreichische Wirtschaftswachstum auch insofern, als die beiden Haupthandelspartner Deutschland und Italien 2006 nur um 1,2 bzw. 1,5 % wachsen sollten, betonte Liebscher. Der OeNB-Chef wies in diesem Zusammenhang auf die günstige Entwicklung der heimischen Lohnstücknebenkosten sowie den Ausbau der Exportmärkte in Zentral- und Südosteuropa hin. Wesentliche Impulse hätten auch die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung (Steuerreform, Konjunktur- und Beschäftigungspakete) gebracht. Zudem werde der private Konsum als Wachstumsträger immer dominanter, so Liebscher. ■

Österreich unter Top-Fünf Innovations-Perfomern in der EU
Österreich konnte seine Innovationsleistung in den vergangenen Jahren deutlich verbessern. Laut aktuellem Innovationsanzeiger (European Innovation Scoreboard 2005) liegt Österreich im Ranking der 25 EU-Länder auf Platz fünf (Index: 0,51). Auf den Plätzen eins bis vier rangieren Schweden (0,72), Finnland (0,68), Dänemark (0,60) und Deutschland (0,58).
Für die Wertung wurde die Innovationsleistung der EU-Staaten und anderer europäischer Länder sowie der USA und Japans anhand von 26 unterschiedlichen Indikatoren verglichen: darunter Forschungsaufwendungen der öffentlichen Hand und der Wirtschaft, Zahl der Absolventen in naturwissenschaftlichen und technischen Studienrichtungen, Zugang zu Breitband-Internet, Zahl der Patente gemessen an der Bevölkerung oder Export von High-Tech-Produkten. ■

Erstes Waldprogramm für nachhaltige Forstwirtschaft
Die Zukunft der österreichischen Forste scheint gesichert. Am 5. Dezember wurde das „Österrei¬chische Waldprogramm“ beschlossen. Der Maßnahmenkatalog, an dem über 80 Organisationen unter Vorsitz von Umweltminister Josef Pröll mitarbeiteten, beinhaltet vor allem Aspekte der ökologischen Bewirtschaftung. „Damit können wir in Zukunft unseren Wald unter Berücksichtigung der großen Anforderungen von Wirtschaft, Umweltschutz und Gesellschaft vernünftig bewirtschaften und nachhaltig genießen“, so Pröll.
Dieser neue breit gestreute interdisziplinäre Ansatz in der Forstpolitik soll im Rahmen der österreichischen EU-Präsidentschaft in einen EU-Aktionsplan für nachhaltige Forstwirtschaft einfließen. ■

Siemens Österreich unter Brigitte Ederer weiter auf Erfolgskurs
Die neue Generaldirektorin und Vorstandsvorsitzende von Siemens Österreich, Brigitte Ederer, hat für Österreichs größten Industrie- und Technologiekonzern ehrgeizige Wachstumspläne und will auch in den kommenden Jahren Rekordergebnisse vorlegen. 2006 werde der Konzern mit 30.300 Mitarbeitern mehr als 7 Mrd. Euro Jahresumsatz erzielen. Geplant seien zudem weitere Zukäufe in Zentral- und Osteuropa, erklärte Ederer am 14. Dezember bei der Bilanz-Pressekonferenz mit Vorgänger Albert Hochleitner.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr2004/05 (per Ende September) hat Siemens in Österreich und den verantworteten zentral- und osteuropäischen Ländern – ohne VA Tech – den Umsatz um 4,5 % auf 4,029 Mrd. Euro gesteigert. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) erhöhte sich um 9 % auf 360,4 Mio. Euro. ■

Borealis-Zentrale kommt nach Wien
Borealis, Europas zweitgrößter Kunststoffkonzern und eine Tochter des arabischen OMV-Großaktionärs IPIC (65%) sowie der OMV (35 %), verlegt das Hauptquartier von Kopenhagen nach Wien. Damit habe sich die Donaumetropole gegen London und Brüssel durchgesetzt, gab Borealis-Aufsichtsratschef Gerhard Roiss am 5. Dezember bekannt. ■

Österreichische EU-Präsidentschaft 2006: Bildungspolitische Prioritäten
Am 1. Jänner 2006 übernimmt Österreich für ein halbes Jahr den Vorsitz des Rates der Europäischen Union. Als Vorsitzland führt Österreich die laufenden EU-Agenden und setzt zugleich eigene Schwerpunkte und Prioritäten. Im Bereich Bildung ist das übergreifende Motto „Die Qualität ist das Ziel“. An diesem Motto orientieren sich sämtliche Fachkonferenzen, denn in einer wissensbasierten Gesellschaft sind Qualität und Effizienz der Bildungssysteme eine grundlegende Voraussetzung für Demokratiebewusstsein sowie mehr Wachstum und Beschäftigung in Europa. Ein wichtiges Anliegen der österreichischen Präsidentschaft ist es, die strategischen Ziele im Rahmen des Lissabonprozesses weiterhin zu fördern. Beim Europäischen Rat von Lissabon haben die Regierungschefs im Jahr 2000 beschlossen, die EU bis 2010 zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ zu machen. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn nicht nur die Rahmenbedingungen der europäischen Wirtschaft umgestaltet werden, sondern auch die Bildungssysteme modernisiert und an die Anforderungen einer globalisierten Welt angepasst werden. Als Beitrag zu diesem Ziel haben die Bildungsminister/innen das „Arbeitsprogramm allgemeine und berufliche Bildung 2010“ beschlossen, das von den Mitgliedstaaten bis 2010 umgesetzt werden soll.
Ein wesentlicher Schwerpunkt ist die Fortführung der Verhandlung des Bildungsprogramms „Lebenslanges Lernen“. Dieses neue Programm umfasst neben den bekannten Programmen Comenius (Schulbildung), Erasmus (Hochschulbildung), Leonardo da Vinci (Berufsbildung), Grundtvig (Erwachsenenbildung) ein Querschnittsprogramm sowie das Programm Jean Monnet (Schwerpunkt: europäische Integration). Ziel ist, durch lebenslanges Lernen dazu beizutragen, dass sich die Gemeinschaft zu einer fortschrittlichen Wissensgesellschaft mit dauerhaftem Wirtschaftswachstum, mehr und besseren Arbeitsplätzen und größerem sozialen Zusammenhalt entwickelt.
Ziel der österreichischen Präsidentschaft ist es, die – vom Abschluss des EU-Budgets abhängigen – Verhandlungen für das neue europäische Bildungsprogramm im Rat und mit dem Europäischen Parlament so engagiert zu führen, dass eine volle politische Einigung unter Einbeziehung der finanziellen Aspekte erreicht wird.
Ein weiterer Schwerpunkt der österreichischen Präsidentschaft ist die Unterstützung des Integrationsprozesses der Westbalkan-Staaten in den erweiterten europäischen Bildungsraum. Österreich fördert seit 1999 die regionale Bildungszusammenarbeit in Südosteuropa, auch als Träger der Task Force „Bildung und Jugend“ des Stabilitätspaktes für Südosteuropa. Die Bildungsminister/innen der Region haben sich auf Initiative der Task Force bereits im Jahre 2003 in einem Memorandum of Understanding zur regionalen Kooperation, aber auch zur europäischen Dimension der nationalen Bildungsreformen verpflichtet. Die im Memorandum begründete und von Österreich initiierte Education Reform Initiative of South Eastern Europe (ERI SEE) bringt nun den Erfahrungsaustausch auf politischer und Expertenebene voran. Auf Grundlage dieser Prozesse werden im Rahmen des österreichischen EU-Ratsvorsitzes auch Minister/innen aus Westbalkan-Staaten in die aktuellen EU-Diskussionen einbezogen. Aber auch der internationalen Forschungszusammenarbeit mit Lateinamerika und der Karibik ist im Mai 2006 ein Gipfel gewidmet.
Ein wichtiges Thema der österreichischen Präsidentschaft stellt die Bildung für nachhaltige Entwicklung dar. Jugendliche sollen lernen, komplexe Zusammenhänge in einer global vernetzten Welt zu verstehen und ihr Handeln verantwortlich danach zu richten. Die österreichische Präsidentschaft spannt den Bogen von der niederländischen Initiative „Education for democratic citizenship“ über den Schwerpunkt der UK-Präsidentschaft „Youth participation“ zu „Education for responsible global citizenship“. Österreich wird daher eine Fachkonferenz zu „Education for responsible global citizenship“ als Beitrag zur „UN-Dekade der Bildung für nachhaltige Entwicklung“ veranstalten. Es geht dabei um den Erwerb von Wissen, Haltungen und Fähigkeiten für eine aktive Bürgerschaft in einer global vernetzten Welt. ■

Madrid: Bürgerkartenkonzept des Bundeskanzleramtes ausgezeichnet
Für das Konzept der österreichischen Bürgerkarte erhielt Österreich am 14. Dezember in Madrid den ersten Preis im Bereich Best Practices für Datenschutz in der europäischen öffentlichen Verwaltung. Der Preis möchte jene Institutionen der öffentlichen Verwaltung in Europa auszeichnen, die bei ihren Verfahren die Grundrechte und den Datenschutz in hervorragender Weise umsetzen. „Diese Auszeichnung für Österreich unterstreicht einmal mehr die beispiel¬gebende Rolle, die Österreich im Bereich e-Government innerhalb Europas einnimmt. Dieser Preis beweist die international anerkannte Kompetenz Österreichs im Bereich Identity Management und stellt einen weiteren Baustein auf dem erfolgreichen Weg der österreichischen e-Government-Strategie dar“, so Kunst- und Medienstaatssekretär Morak. Identity Management werde auch einen Schwerpunkt der österreichischen EU-Präsidentschaft im Bereich e-Government darstellen. Die österreichische Bürgerkarte in Form der Bankkarte, der e-card und anderer chipbasierter Karten oder auch des Mobiltelefons stellt auf Basis der elektronischen Signatur und der von der Datenschutzkommission verwalteten Stammzahlen-Identifikation eine hervorragende Möglichkeit für Bürgerinnen und Bürger dar, sich gegenüber der Verwaltung, aber auch gegenüber der Wirtschaft verlässlich zu identifizieren. Durch die bereichsspezifische Personenerkennung wird Rasterung und übergreifende Transparenz verhindert und damit der Bürger geschützt, dass elektronische Verfahren zusätzliche Datenschutzrisiken bewirken. ■

Milo Dor gestorben – Schüssel und Morak würdigen den großen Autor
Als „wichtigen Vermittler über die Sprachgrenzen hinweg“ bezeichnete Bundeskanzler Schüssel den am 5. Dezember 82-jährig in Wien verstorbenen, aus Serbien stammenden Autor Milo Dor. Dor habe „mit seiner Liebenswürdigkeit viele Brücken zwischen Österreich und den Balkanländern aufgebaut“ und aus seinen Büchern „hat Österreich die tragische Geschichte Jugoslawiens in den Jahren der nationalsozialistischen Okkupation erschreckend lebendig geschildert bekommen“. Der Kanzler bezog sich hier wohl auf die berühmte Trilogie „Die Raikow Saga“, mit den Romanen „Tote auf Urlaub“, „Nichts als Erinnerung“ und „Die weiße Stadt“. Kunststaatssekretär Morak sagte u.a., Dor habe „in ärmsten Zeiten mit großen Mühen seine Existenz als freier Schriftsteller verteidigt und schon vor Jahrzehnten die Gründung der Interessensgemeinschaft österreichischer Autoren und die Einrichtung eines Sozialfonds für Schriftsteller vorangetrieben“. „Die weiße Stadt“ war übrigens brillant verfilmt worden: von dem Regisseur und ehemaligen Leiter der Fernsehspielabteilung des ORF Michael Kehlmann, der am 1. Dezember 78-jährig gleichfalls in Wien verstorben ist. ■

Haneke und andere österreichische Filmemacher im Preisregen
In den letzten Wochen wurden österreichische Filmregisseure hoch geehrt: Michael Haneke schnitt bei den European Film Awards in Berlin triumphal ab: Bei der Gala der European Film Academy gingen vier Awards in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bester Darsteller (Daniel Auteuil) und Bester Schnitt (Michael Hudecek und Nadine Muse) sowie der Fipresci-Preis der internationalen Filmkritiker für den Besten Film 2005 an den siebenfach nominierten Film „Caché“.
Nikolaus Geyrhalters Doku „Unser täglich Brot“ erhielt beim Internationalen Dokumentarfilmfestival Amsterdam (IDFA), dem größten internationalen Festival für den Dokumentarfilm, den Special Jury Award. Michael Glawoggers Doku „Workingman’s Death“, die sich mit Schwerstarbeit auseinandersetzt, wurde nicht nur für einen European Film Award nominiert, sondern erhielt neben drei Festivalpreisen in Leipzig, London und Kopenhagen nun auch den Special Jury Award beim Internationalen Filmfestival von Gijón (Spanien). ■

Würdigungspreis zur Behindertenintegration an Mezzanin-Theater Graz
Den diesjährigen Würdigungspreis für Kunst- und Kulturprojekte zur Integration von Menschen mit Behinderung 2005 erhielt von Staatssekretär Morak das Mezzanin-Theater Graz für seine Initiativen zum Thema Behinderung und Kunst. Der Förderungspreis ging an die Künstlerinnengruppe bild.balance, die mit behinderten Künstlern gemeinsame Ausstellungen und Workshops erarbeitete. Der Würdigungspreis, 2003 gestiftet, habe die „nachhaltige gesellschaftliche Integration behinderter Menschen zum Ziel“, so Morak. ■

Egon Schiele in der Albertina
Die Wiener Albertina zeigt bis 19. März 2006 eine sensationelle Ausstellung mit Aquarellen und Zeichnungen von Egon Schiele (1890-1918) – 130 Arbeiten aus eigenem Bestand, zu denen sich 90 der bedeutendsten Leihgaben von vielen öffentlichen und privaten Sammlungen gesellen. Ein Höhepunkt der Schau sind jene 10 Aquarelle, die der Banner der existenziellen Einsamkeit des Menschen während seiner traumatischen Haft im Gefängnis von Neulengbach (Niederösterreich) malte. ■

André Heller – Projektflug: Fußball-WM, Afrika und Salzbergwerk
Die Organisation der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 wird sicher erstklassig sein – für das Kulturprogramm ist der Wiener Universalkünstler André Heller verantwortlich, der die Leitlinien für stilbildende Regisseure, Filmemacher, Dichter, Ausstellungsgestalter, Choreografen und Bildende Künstler schafft.
Ein typisches Heller-Projekt ist ein Zirkus mit Rap und Tanz, aber ohne Tiere: „Afrika! Afrika!“. Die Idee kam dem Wiener vor rund 40 Jahren, als er ein mehrtätiges Tanz- und Akrobatenfest in Zagora am Rande der Sahara (Südmarokko) sah. Rund 120 Künstler aus allen Gegenden Afrikas präsentierten nun bei der Premiere in Frankfurt/Main Artistik, Musik, Tanz und Komik. Das Projekt wird von der UNESCO und dem Goethe-Institut unterstützt, in begleitenden Ausstellungen wird afrikanische Kunst gezeigt. 2007 kommt die Show auch nach Wien.
Hatte Heller vor Jahren in Wattens (Tirol) die Swarovski-Kristallwelten geschaffen, die das Thema Kristall in allen Facetten beleuchten, so gestaltet er nun eine Erlebniswelt für das bayerische Salzbergwerk Berchtesgaden, wo er mit anderen Künstlern seine Ideen zum Thema Salz umzusetzen versucht. ■

„Sound of Europe“-Konferenz
In Rahmen des österreichischen EU-Ratsvorsitzes findet die internationale Konferenz „The Sound of Europe“ zum Thema „Europäische Identität und Kultur“ von 26. bis 28. Jänner 2006 in Salzburg statt, wo Wolfgang Amadé Mozart vor 250 Jahren geboren wurde. Rund 200 Entscheidungsträger, Meindungsbildner, Künstler und Wissenschaftler werden über Perspektiven diskutieren, wie das europäische Projekt vorangebracht werden kann. Die Wiener Philharmonika unter Riccardo Muti geben ein Festkonzert im Großen Festspielhaus. ■

BAWAG: Strich, Zeichnung Bild
Bis 25. Februar 2006 präsentiert die BAWAG FOUNDATION unter dem Titel „Strich Zeichnung Bild“ völlig divergierende Positionen von acht KünstlerInnen, u.a. von Mike Bouchet (USA), Maria Brunner, Trixi Groiss, Heimo Zobernig (Österreich) und Olaf Metzel (Deutschland). Diese erstklassigen Arbeiten scheinen noch die Zeichnungen von André Thomkins (geb. 1930 Luzern/Schweiz) zu überragen. Das Spektrum der Ausstellung reicht von Bleistiftzeichnungen oder selbstgebrautem Cola über Aquarelle, Gouachen, überzeichneten Zeitungsausschnitten, Lackskins bis zur bearbeitenden Wand und zum eigenständigen Ausstellungstransparent Zobernigs. Die Künstler zeigen sich fantastisch, hyperrealistisch, ironisch und spielerisch narrativ. ■

Resonanzen-Festival 2006: Fremde, Ketzer und Rebellen
Das Resonanzen-Festival widmet sich von 21. bis 29. Jänner 2006 im Wiener Konzerthaus den so genannten „Fremden, Ketzern und Rebellen“. Sie kommen aus anderen Kulturen, glauben an eine andere Religion. In zehn Konzerten wird den Andersartigen musikalisch nachgespürt: So singen I Fagiolini William Byrds katholische Kirchenmusik aus dem anglikanischen England, Lucidarium widmet sich der jüdischen Musik in der italienischen Renaissance, und Mudéjar begibt sich auf die Spuren der muslimischen Kultur im christlichen Spanien. Hiro Kurosaki, Fabio Biondi, Sette Voci, das Ensemble Matheus, Private Musicke widmen sich jenen Komponisten, die fremde Stile und Moden in die ganze musikalische Welt trugen und gegen den Widerstand ihrer Zeitgenossen vor Ort (weiter)entwickelten. Konzertant bieten die Orchester Europa Galante und Il Complesso Barocco zwei Opern, um 1730 verfasst: Vivaldis „Bajazet“ und Händels „Rodelinda“. Die „Ausstellung Historischer Instrumentenbau“ ergänzt das Programm. ■

Weltrekord von Markus Rogan
Mit 1:50,43 über 200 m Rücken holte sich Markus Rogan nicht nur den Kurzbahn-Europameistertitel, sondern auch die erste ÖSV-Schwimm-Weltbestzeit seit 93 Jahren. Als bis dahin letzter Österreicher hatte Josef Selmeczy 1912 in Wien über 400 m Rücken einen Weltrekord aufgestellt. „Der Weltmeistertitel ist ein neuer Höhepunkt in seiner Karriere, die von beständiger Leistung geprägt ist“, betonte Bundeskanzler Dr. Schüssel. „Markus hat mit dieser hervorragenden Leistung eine persönliche Bestmarke erreicht und wird mit dem Weltrekord in die Schwimm-Geschichte eingehen!“, zeigte sich Sport-Staatssekretär Mag. Schweitzer erfreut. Rogan hat somit bereits fünf Goldmedaillen (Europameisterschaften) und weitere vier Silberne (Olympische Spiele und Weltmeisterschaften) in seiner noch kurzen, aber sehr erfolgreichen Karriere gewonnen. ■

Sportveranstaltungen profitieren vom neuen Sicherheitspolizeigesetz
Der Nationalrat hat das neue Sicherheitspolizeigesetz beschlossen. Mit diesem Gesetz wird für die Exekutive unter anderem die Möglichkeit geschaffen, nach Erlaubnis eines Rechtsschutzbeauftragten auf Videoaufnahmen Privater zuzugreifen. Zusätzlich kann bei Sportveranstaltungen eine Schutzzone 500 Meter rund um den Ort des Geschehens geschaffen werden. Schließlich ist die Einrichtung einer Hooligan-Datei vorgesehen. ■

Business Athlete Award 2005
Betandwin-Co-CEO Norbert Teufelberger, mehrfacher Jugendstaatsmeister im Tennis, gewann die vierte Vergabe des „Business Athlete Award“ von wirtschaftsblatt:online und der Sporthilfe. Er setzte sich dabei gegen die ehemalige Nummer 1 im Tennis, Thomas Muster, und dem Ex-Fechtmeister und Stiefelkönig-Chef Toni Kampelmühler durch. Geehrt wurden die Sieger von Staatssekretär Schweitzer und den Business Athlete Award-Sponsoren Telekom Austria, Meinl Success, Alcatel, Wirtschaftskammer und PTI. Seit 2002 wird diese Auszeichnung an ehemalige Spitzensportler, die nun in der Wirtschaft erfolgreich sind, vergeben. Im Startjahr 2002 hatte Peter Schröcksnadel, 2003 Niki Lauda und 2004 Armin Assinger die Auszeichnung erhalten. „Das Sportland Österreich stärkt mit Medaillen und Siegen österreichischer Sportlerinnen und Sportler das weltweite positive Image und damit auch den Wirtschaftsstandort Österreich enorm“ betonte Reinhold Mitterlehner, Generalsekretär-Stellvertreter der Wirtschaftskammer Österreich. ■

Sporthilfe mit neuem Gesicht
Die langjährige Mitarbeiterin der Sporthilfe Ute Heidenreich wurde interimistisch als neue Geschäftsführerin eingesetzt. Auf Antrag des Präsidenten, Sport-Staatssekretär Schweitzer, übernimmt sie bis Ende September 2007 die Agenden von Anton Schutti, der als Geschäftsführer der „Salzburger Winterspiele 2014 GmbH“ vorgestellt wurde. Neben dieser Lösung konnte die Sporthilfe in einer Partnerschaftsbegründung mit dem Österreichischen Bundesheer einen weiteren Erfolg vorweisen. ■

Vertrag zum Neuen Bundes-Sportförderungsgesetz 2005
„Mit diesem Gesetz wird der effiziente Einsatz von Bundes-Sportförderungsmitteln sichergestellt sowie absolute Transparenz gewährleistet“, betonte Schweitzer. „Im Vergleich zu den Budgetzahlen des Jahres 2000 wurden somit die Fördersummen fast verdoppelt. Mit fast 100 Mill. Euro hat der Sport nun jene optimale Grundlage, welche er seit Jahren fordert“, so Schweitzer. Das neue Gesetz wurde am 16. November einstimmig im Nationalrat beschlossen und tritt ab 1. Jänner 2006 in Kraft. Schweitzer und Dr. Theo Zeh, Vizepräsident der Bundessportorganisation (BSO), unterzeichneten den neuen Vertrag. ■