EU-Legenden

Wer kennt sie nicht, die Geschichten rund um die EU? Dass wir nicht mehr Marmelade sagen dürfen, dass ein Großteil des EU-Budgets für Personal und Verwaltung ausgegeben wird und überhaupt – dass Brüssel sich in alles einmischt! Viele dieser Geschichten gehören in das Reich der Halbwahrheiten. Auch über die Förderungen im Rahmen der EU-Strukturfonds gibt es zahlreiche falsche Informationen. Wir zeigen Ihnen anhand einiger Vorurteile, wie es sich wirklich verhält.

EU-Legende 1
Wer profitiert von den EU-Förderungen?
Sicher nur die "Großen", die wissen wie das geht!

Cartoon: Ein großer, dicker Mann steht auf einem kleinen Mann mit Hut. Der Dicke greift nach einem Geldstück, das der kleine Mann in seiner misslichen Lage nicht erreichen kann.

Falsch: Gerade kleine Betriebe nutzen die EU-Förderungen in besonders hohem Maße: Von den rund 3.630 durch den Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) in der Periode 2000-2006 geförderten betrieblichen Investitions-Projekten entfallen

  • 88 Prozent auf Klein- und Mittelunternehmen,
  • 12 Prozent auf große Unternehmen.

Weiters kamen mehrere tausend einzelne Beratungsprojekte Klein- und Mittelunternehmen zugute.

EU-Legende 2
Österreich lässt Geld in Brüssel liegen. Stimmt das?

Cartoon: Auf blauem Grund mit gelben Sternen liegen Geldsäcke mit Fördermittel. Der Mann mit Hut steht abseits und abgekehrt mit den Händen im Sack und blickt verdrossen über die Schulter auf das Geld.

Nein, kein Fördergeld bleibt in Brüssel – ganz im Gegenteil: Österreich liegt bei den Ausschöpfungsquoten der Fördermittel sogar im europäischen Spitzenfeld.

Bei der letzten EU-Programmperiode 2000-2006 liegt Österreich beim EFRE (Europäischer Fonds für Regionalentwicklung) und ESF (Europäischer Sozialfonds) mit einer Genehmigungsquote von insgesamt fast 100 Prozent der EU-Mittel im Plan. Die Endabrechnung wird erst nach Ende 2008 vorgenommen.

In der Periode 1995-1999 haben viele österreichische Strukturfondsprogramme eine Ausschöpfungsquote von 100 Prozent erreicht. Der österreichische Durchschnitt liegt bei etwa 97-98 Prozent. Damit rangiert Österreich bei der Ausschöpfung im Vergleich mit anderen EU-Ländern im europäischen Spitzenfeld.

EU-Legende 3
Der Aufwand und die Bürokratie, ein EU-Förderprojekt einzureichen und abzuwickeln, sind ein Wahnsinn!
Da lasse ich lieber die Finger davon.

Cartoon: Ein Mann mit Hut steht fassungslos vor einem Labyrinth. Der Weg zu den Fördergeldern scheint unüberbrückbar zu sein.

Förderungen sind kein Geschenk, sondern sollen die Umsetzung wichtiger und innovativer Projekte in den Regionen ermöglichen. Das bedeutet für den Förderwerber natürlich Arbeit: Genaue Projektbeschreibungen, Finanzierungspläne, Überwachung des Projektfortschritts, Abrechnungen und Berichte. Vor allem bei Kooperationsprojekten mit Partnern aus anderen EU-Staaten im Rahmen von Programmen der grenzüberschreitenden und transnationalen Zusammenarbeit (INTERREG beziehungsweise Europäische Territoriale Kooperation) kann dieser Aufwand sehr hoch werden. Wettgemacht wird dies bei diesen Kooperationsprogrammen durch eine höhere EU-Förderung.

Einerseits muss sich die Förderstelle aus der Vielzahl an Einreichungen mittels der Unterlagen der Förderwerber ein genaues Bild machen können. Andererseits handelt es sich bei Förderungen um öffentliche Gelder und es muss sicher gestellt werden, dass diese widmungsgemäß und sorgsam eingesetzt werden.

Allerdings gibt es für jedes Programm Experten und Expertinnen, die dem Antragsteller kostenlos zur Verfügung stehen. Sehen Sie sich den Abschnitt Förderungen auf dieser Website an, der Sie über den "Weg zur Förderung" informiert und direkt mit den Förderstellen verlinkt.

EU-Legende 4
Alle Projekte werden von Brüssel aus geplant
– wo bleibt da die Region?

Cartoon: Ein Mann mit Hut torkelt wie eine Marionette von Fäden gezogen entlang an widersprüchlichen Pfeilmarkierungen.

Die Menschen in der Region spielen bei allen EU-Projekten die wichtigste Rolle – als Ideengeber, als Umsetzer und als Nutznießer!

Für Projekte in der Region bilden die regionalen Strukturfonds-Programme im Rahmen der EU-Ziele "Konvergenz" (Burgenland), "Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung" (andere Bundesländer) und "Europäische Territoriale Zusammenarbeit" (Kooperation Österreichs mit Nachbarländern und anderen EU-Mitgliedstaaten) die Grundlage für die Förderung. Dabei ist der inhaltliche Gestaltungsspielraum für die Mitgliedstaaten und Regionen aber viel größer als man annimmt: "Brüssel" entscheidet nie über regionale Projekte. Die EU-Verordnungen mit den zu fördernden Zielen werden zwar vom Rat (das heißt: den Vertretern der Mitgliedstaaten) und dem Europäischen Parlament auf europäischer Ebene beschlossen, die inhaltliche Ausgestaltung und die Umsetzung der einzelnen Programme liegt aber in der Verantwortung der Mitgliedstaaten.

In Österreich werden die Regionalprogramme der Ziele "Konvergenz" und "Regionale Wettbewerbsfähigkeit" von den Bundesländern ausgearbeitet und mit den beteiligten Bundesstellen abgestimmt. Die Länder koordinieren auch die Programmumsetzung durch Förderstellen des Bundes und der Länder. Die Projektauswahl erfolgt bei diesen Programmen - genauso wie bei Projekten ohne EU-Förderung - auf der Grundlage der einschlägigen Förderrichtlinien des Bundes oder der Länder.

Ähnlich verhält es sich bei den Programmen des Ziels "Europäische Territoriale Zusammenarbeit". Von der EU vorgegeben ist, dass nur solche Projekte gefördert werden können, bei denen Partner aus zwei oder mehreren EU-Mitgliedsländern beteiligt sind. Über die Auswahl der Projekte entscheiden dann - auf der Basis der inhaltlichen Schwerpunkte des von ihnen ausgearbeiteten Programms - die Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten österreichischen Bundesländer und Bundesministerien sowie der anderen EU-Mitgliedsländer. Bei den Programmen für die Kooperation benachbarter Grenzregionen liegt auf österreichischer Seite die inhaltliche Hauptverantwortung bei den Bundesländern.

Klar ist jedoch: die Projektideen müssen von engagierten Menschen in den Regionen kommen! Nur so können qualitativ hochwertige, innovative und in der Region verankerte Projekte umgesetzt werden.

EU-Legende 5
Es sind ja doch immer wieder dieselben Leute,
die bei EU-Projekten mitarbeiten!

Cartoon: Drei uniform gekleidete Männer mit EU-Stern an der Brust marschieren mit präsentiertem Spaten im Gleichschritt. Der Mann mit Hut beobachtet das gespenstische Treiben mit Skepsis.

Falsch: Auch Sie haben die Möglichkeit, sich aktiv in Projekte einzubringen! Angefangen beim Entwickeln von Ideen bis hin zum Realisieren von Projekten können Sie mitgestalten. Wie kann das nun konkret erfolgen? Dazu bietet sich ein breites Spektrum an:

  • In Ihrem Unternehmen, Ihrer Institution im Rahmen Ihres Arbeitsplatzes
  • Als Unternehmerin beziehungsweise Wirtschaftstreibender
  • Als Teil einer Aktions- oder Arbeitsgruppe in Ihrer Gemeinde oder Region
  • Bei Bürgerkonferenzen oder Bürgerforen

Die Wahl, wo Sie mitmachen, liegt bei Ihnen. Es steht eine bunte Vielfalt an Themen bei EU-Projekten zur Auswahl: Beschäftigung, Chancengleichheit, Frauen, Wirtschaft, Tourismus, Technologie, Forschung, Umwelt, Nachhaltigkeit, kommunale oder regionale Entwicklung und dergleichen mehr. Wichtig ist, dass die Projekte mit den Zielen und Inhalten der EU-Programme in Österreich konform sind. Weiters sind die jeweiligen nationalen Förderbestimmungen einzuhalten.

Die Initiativ- und Umsetzungsgruppen – wie Lokale Agenda 21-Gruppen, Leader-Aktionsgruppen und Regionalmanagements – freuen sich, wenn sich möglichst viele Menschen an Projekten in ihrer Region beteiligen. In den meisten EU-Programmen ist die Einbindung der Bevölkerung nicht nur gewünscht, sondern sogar eine Vorgabe.

Werden Sie aktiv und bringen Sie sich ein: Projekte, die von möglichst vielen Menschen getragen werden, steigern die Lebensqualität - auch in Ihrer Region!

Ansprechpersonen in Ihrer Region oder Ihrem Bundesland:

www.nachhaltigkeit.at → Lokale Agenda (LA 21)
www.rm-austria.at
www.leader-austria.at
www.pakte.at
www.cipra.org
www.femtech.at
www.innovationszentren-austria.at
www.vto.at

EU-Legende 6
Warum zusammenarbeiten?
Kooperation mit EU-Projekt-Partnern aus anderen EU-Ländern zahlt sich sowieso nicht aus.

Cartoon: Zwei Männer sind gerade dabei, einen Baumstamm zu zersägen. Während der eine geduldig auf die Fortsetzung der Arbeit wartet, wendet sich der Mann mit Hut ab, verschrenkt die Hände und schaut trotzig.

Die Antwort dazu lautet: Es kommt auch auf Sie an, wie und mit welcher Einstellung Sie an EU-Projekte mit Partnerinnen und Partnern aus anderen EU-Ländern – so genannte Kooperationsprojekte - herangehen. Falsch wäre es gleich im Vorhinein zu sagen: "Das bringt nichts".

Natürlich haben Sie Recht, wenn Sie meinen, dass erfolgreiche Zusammenarbeit auch von den anderen europäischen Projekt-Partnerinnen beziehungsweise -Partnern, deren Persönlichkeit und Kompetenz sowie ihrer Herkunftsorganisation abhängt – ein gewisses Risiko ist immer mit grenzübergreifenden oder transnationalen Projekten verbunden. Letzten Endes aber können Sie und Ihre Partnerinnen oder Partner – bei einem funktionierenden Projekt-Management – dabei auch besonders profitieren.

Gewinnen Sie mit Ihren Partnerinnen und Partnern, indem Sie

  • Kompetenzen und Fähigkeiten bündeln
  • Wissen teilen und weiter entwickeln
  • gemeinsam Neues entwickeln und Probleme lösen
  • andere Kulturen oder Institutionen besser verstehen lernen
  • das Beziehungs- und KundInnen-Netzwerk vergrößern

Ein paar Tipps: Wichtig sind "Wachsames Vertrauen" in "Ihrer" Projekt-Partnerschaft sowie klare Regelungen über die anzustrebenden Ziele beziehungsweise Inhalte des gemeinsamen Projekts, die Aufgaben der beteiligten Partnerinnen beziehungsweise Partnern und deren (Mit-) Finanzierung. Obwohl dazu von der Europäischen Kommission und den nationalen Förderstellen des Bundes und der Länder viele formale und inhaltliche Voraussetzungen bei der Durchführung derartiger Kooperationsprojekte in Hinblick auf eine EU-Förderung zu erfüllen sind, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Informieren Sie sich bei den dafür zuständigen Kontaktstellen und Sekretariaten der jeweiligen EU-Programme des Ziels Europäische Territoriale Zusammenarbeit oder beim Contact Point Austria. Diese stehen Ihnen mit ihrem Service zur Verfügung.

Vielfältige Kooperationen innerhalb der EU sind möglich.

EU-Legende 7
Die komplizierte EU-Sprache ist nur etwas für Insider.
Das ist sicher Absicht, damit ein "normaler" Bürger oder eine "normale" Bürgerin
erst gar nicht mitreden kann!

Cartoon: Ein Mann mit Anzug und Brille spricht in unverständlichen Schriftzeichen. Der Mann mit Hut sucht in einem Europa-Österreich Wörtebuch scheinbar vergeblich nach einer Übersetzung.

In diesem Bereich werden viele Fachbegriffe angewendet, die "Nicht-Eingeweihten" schwer verständlich sind. Fakt ist jedoch, dass Fachbegriffe nötig sind, um Inhalte klar und exakt zu benennen. Immerhin muss innerhalb der insgesamt 23 verschiedenen Amtssprachen der EU sicher gestellt werden, dass man tatsächlich vom Selben spricht. Umso mehr, als es sich bei den Förderprogrammen um komplexe Inhalte handelt.

Vielleicht können wir das mit einem kleinen Beispiel illustrieren:
Der KFZ-Mechaniker in der Werkstätte teilt Ihnen beim Service Ihres PKW mit, dass der große schwarze Gummiring, der die Stromerzeugung des Autos antreibt, getauscht werden muss.
Oder er sagt Ihnen, dass der Keilriemen zur Lichtmaschine getauscht werden muss – was sicher besser verständlich ist.

Fachausdrücke bringen Klarheit und Dinge auf den Punkt.