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Die Bioethikkommission hat mit ihrer Sitzung am Mittwoch, dem 9. November 2005, im Bundeskanzleramt die dritte Funktionsperiode begonnen. In Vertretung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der sich im Ausland aufhält, hat Staatssekretär Franz Morak den Vorsitz geführt.
Die Bioethikkommission ist auf Initiative von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel vor vier Jahren gegründet worden. Aufgabe der Bioethikkommission ist die Beratung des Bundeskanzlers in allen gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen und rechtlichen Fragen aus ethischer Sicht, die sich im Zusammenhang mit der Entwicklung der Wissenschaften auf dem Gebiet der Humanmedizin und Humanbiologie ergeben. Neben veröffentlichten Stellungnahmen, Empfehlungen und Berichten haben sich die Bioethikkommission und ihre Mitglieder an vielen öffentlichen Debatten – auch parlamentarischen Diskussionen – zu biomedizinischen und bioethischen Fragestellungen prominent beteiligt.
16 Mitglieder der Bioethikkommission wurden für die dritte Amtsperiode bestätigt. Drei (über eigenen Wunsch) ausscheidenden Mitgliedern – UnivProf Dr Karl Acham, UnivProf DDr Meinrad Peterlik und UnivProf Dr Renée Schroeder – wurde ausdrücklich für ihre bisherige Arbeit gedankt. Entscheidungen über Neubestellungen weiterer Mitglieder sind noch nicht gefallen. UnivProf DDr Johannes C. Huber wurde zum Vorsitzenden und UnivProf Dr Günter Pöltner und UnivProf Dr Christine Mannhalter wurden zu Stellvertretern des Vorsitzenden bestellt.
Die Mitglieder der Kommission sind:UnivProf DDr Johannes C. HUBER (Vorsitzender), Medizinische Universität Wien, AKH Wien, Abt. f. Gyn. EndokrinologieUnivProf Dr Günther PÖLTNER (Stellvertreter des Vorsitzenden), Universität Wien, Institut für PhilosophieUnivProf Dr Christine MANNHALTER (Stellvertreterin des Vorsitzenden), Medizinische Universität Wien, AKH Wien, Institut für medizinische u. chemische Labordiagnostik UnivProf Dr Holger BAUMGARTNER, Medizinische Universität Innsbruck, Geschäftsstelle der Ethikkommission Tirol UnivProf Dr Richard GREIL, LKH Salzburg, Innere MedizinUnivProf Dr Hartmann HINTERHUBER, Medizinsche Universität Innsbruck, Universitätsklinik für Psychiatrie, InnsbruckUnivProf DDr Josef ISENSEE, Universität Bonn, Institut für öffentliches RechtUnivProf DDr Christian KOPETZKI, Universität Wien, Institut für Staats- u. VerwaltungsrechtUnivProf Dr Ulrich KÖRTNER, Universität Wien, Institut für Systematische TheologieUnivProf Dr Heinz LUDWIG, Wilhelminenspital, 1. Med. Abteilung/OnkologieUnivProf Dr Gerhard LUF, Universität Wien, Institut für RechtsphilosophieUnivDoz DDr Barbara MAIER, Landeskrankenhaus Salzburg, GynäkologieDr Heinrich SCHERFLER, Biochemie KundlUnivProf Dr Günter VIRT, Universität Wien, Institut für MoraltheologieUnivProf Dr Ina WAGNER, TU Wien, Institut für Gestaltungs- u. WirkungsforschungUnivProf Dr Kurt ZATLOUKAL, Medizinische Universität Graz, Institut für Pathologie
In der Pressekonferenz wurden die möglichen künftigen Themen der Kommission vorgestellt. Der Vorsitzende, UnivProf DDr Johannes Huber, nannte beispielsweise die Veränderung in der Lebenserwartung und in der Demographie, die ethische Fragen ersten Ranges aufwerfen würden. „Fragenkomplexe wie die Überalterung der Gesellschaft, die Zunahme neurodegenerativer Erkrankungen oder die Sterbehilfe bedürfen dringender Klärungen. Es gilt, aktuellen Debatten und Liberalisierungstendenzen, wie sie derzeit bereits in anderen Ländern vollzogen oder auch auf der Ebene des Europarates diskutiert werden, Augenmerk zu schenken, aber auch entgegenzutreten“, so Huber.
Der Stellvertreter des Vorsitzenden, UnivProf Dr Günther Pöltner, sprach sich für eine intensivere gesellschaftliche Debatte aus. „Neue Erkenntnisse im Bereich der Medizin zwingen uns dazu, die Diskussion auf einer möglichst breiten Ebene zu führen. Es gibt dabei auch keine weltanschauliche Neutralität“, so der Ethiker Pöltner.
Den thematischen Schwerpunkt der Kommission bilden derzeit Fragen im Zusammenhang mit „Biobanken für die medizinische Forschung“. „Wir haben bereits damit begonnen, uns mit der Problemstellung im Zusammenhang mit der Entwicklung v. a. der Nanotechnologie in der Medizin oder der Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien im menschlichen Körper, den sog. „converging technologies“ zu beschäftigen“, sagte UnivProf Dr Christine Mannhalter, Stellvertreterin des Vorsitzenden.
Weiteren Fragestellungen wird sich die Bioethikkommission in den nächsten Monaten und Jahren zu stellen haben. Eine Themenauswahl soll bei der nächsten Sitzung im Dezember erfolgen.
Rückfragehinweis:Bundeskanzleramt/Geschäftsstelle der BioethikkommissionDr Robert GmeinerTel.: (01) 53115 / 4319http://www.bundeskanzleramt.at/bioethik