Theodor Kramer (*1. Jänner 1897 Niederhollabrunn+3. April 1958 Wien), Sohn eines jüdischen Gemeindearztes, besuchte die Volksschule in Niederhollabrunn, das Realgymnasium in Stockerau und die Realschule sowie 1914/15 die Exportakademie in Wien. Ab 1915 leistete er Kriegsdienst und wurde 1916 in Wolhynien schwer verwundet, danach an der Südfront eingesetzt. 1918 bis 1921 Studium an der Universität Wien, das er ohne Abschluss u. a. aus Geldmangel abbrach. 1919 bis 1921 war es als Staatsbediensteter in der Deutsch-Österreichischen Kriegs-Getreide-Anstalt in Wien tätig. 1921 bis 1931 war er Angestellter in verschiedenen Buchhandlungen sowie 1926 bis 1931 Verlagsvertreter auf Provisionsbasis. 1921 bis 1931 waren die Jahre seiner ausgedehnten Wanderungen durch Niederösterreich und Burgenland. Ab 1931 war Kramer als freischaffender Schriftsteller tätig und er wurde Vorstandsmitglied der 1933 gegründeten "Vereinigung Sozialistischer Schriftsteller Österreichs". Durch die politischen Entwicklungen in Deutschland und Österreich werden seine Publikationsmöglichkeiten immer mehr eingeschränkt und münden 1938 in Berufsverbot und Verlust der Wohnung. Er emigriert 1939 nach England, wo er bis 1941 als "feindlicher Ausländer" interniert war. 1943 bis 1957 arbeitete er in Guildford als College-Bibliothekar. Trotz mehrerer Angebote kehrt er erst 1957 nach Österreich zurück, wo er am 3. April 1958 in Wien starb.Mit Literaturpreisen und Auszeichnungen vor und nach dem Krieg geehrt, von Thomas Mann als "einen der größten Dichter der jüngeren Generation" bezeichnet, blieb er nach den langen Jahren im Exil in der breiten literarischen Öffentlichkeit lange vergessen. Sein literarisches Werk – vom Literaturhistoriker Eckart Früh treffend als "herbe Heimatkunst" bezeichnet umfasst alle Lebensbereich. Natur- und Landschaftsbeschreibungen sowie Randfiguren der Gesellschaft, Tagelöhner, Heimat- und Arbeitslose finden sich in seiner Lyrik.
Die im Österreichischen Staatsarchiv verwahrten Archivalien dokumentieren einen Teil seines Lebens.
Gertrude Enderle-Burcel
Zitate: KA GB NÖ 1897, KA OBA 215.508, AdR AHF 772
Zurück zur Übersicht