17.10.2008
Silhavy: Wir dürfen Opfer von Menschenhandel nicht zu Täterinnen und Tätern machen!

Frauenministerin Heidrun Silhavy will eine Stelle zur Beobachtung von Menschenhandel in Österreich und Europa einrichten

Zum EU-Tag gegen Menschenhandel lud Heidrun Silhavy gemeinsam mit Helga Konrad, der ehemaligen Frauenministerin und derzeit international tätigen Konsulentin im Kampf gegen Menschenhandel, zur Pressekonferenz "um die Problematik in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken."

Denn Menschenhandel sei eine gravierende Menschenrechtsverletzung, von der überwiegend Frauen und Mädchen betroffen seien: "Daher spreche ich von Frauenhandel."

Silhavy betonte die Wichtigkeit klarer Begriffe: "Frauenhandel wird in der Öffentlichkeit meist mit Geheimprostitution gleichgesetzt." Häufig werde in diesem Zusammenhang von Schlepperei, Menschenschmuggel und illegaler Einwanderung gesprochen. "Damit wird suggeriert, dass diese Frauen Täterinnen sind, die gegen Gesetze verstoßen, um sich einen wirtschaftlichen Vorteil zu verschaffen. Diese Sichtweise verkehrt die Tatsachen", unterstrich Silhavy: "Frauenhandel ist gekennzeichnet durch Zwang und Ausbeutung, sei es sexuelle Ausbeutung oder Ausbeutung der Arbeitskraft. Frauen werden getäuscht und bedroht, eine Zwangslage wird ausgenutzt."

Das Geschäft mit dieser Ausbeutung floriere. "Derzeit wird der weltweite Umsatz des Menschenhandels auf 35 Milliarden Dollar geschätzt.", erläuterte Helga Konrad. "Auch Österreich ist durch seine Lage im Zentrum Europas betroffen - sowohl als Transitland als auch als Zielland."

Österreich habe bereits einige Maßnahmen zur Bekämpfung des Frauenhandels gesetzt, habe aber noch viel zu tun. "Die 50-prozentige Aufstockung der Budgetmittel für die Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels war im Sinne des Opferschutzes wichtig.", so Silhavy. Diese Einrichtung berate die Frauen und verfüge auch über Notwohnungen. 170 Opfer fanden im Vorjahr hier Zuflucht.

"Doch hier zeigt sich nur die Spitze des Eisberges!" betonte Silhavy. "Die Atmosphäre der Sicherheit für die Opfer muss erst geschaffen werden!"

Zwar bestehe die Möglichkeit, den Betroffenen humanitären Aufenthalt zu gewähren, was aber im Ermessen des jeweiligen Ministers liege. "Wir fordern daher ein Bleiberecht für diese Opfer", bekräftigte die Frauenministerin, "Denn wir wissen, dass mindestens 50 Prozent der Frauen, die abgeschoben werden, wieder in dieselben kriminellen Fänge geraten."

Zum Bleiberecht müsse auch der Zugang zum Arbeitsmarkt und zum Gesundheitssystem kommen: "Die Gesundheitsversorgung ist für diese oft ganz jungen, schwer traumatisierten Mädchen enorm wichtig!"

Um den Markt des Menschenhandels zu durchschauen, sei auch ein "Observatorium", eine Beobachtungsstelle, einzurichten "nicht nur in Österreich, sondern in allen Ländern Europas, um die aktuellen Tendenzen erkennen und sie aktiv bekämpfen zu können."

Frauenministerin Heidrun Silhavy will diese Forderungen nun in die Regierungsverhandlungen einbringen.