05.12.2008
Bundesministerin Heinisch-Hosek im Interview mit dem „Kurier“

"Es gibt auch minderqualifizierte Männer"

Die neue Frauenministerin Heinisch-Hosek will im Kurier-Interview mit einer "Maximalforderung" mehr Frauen in Top-Positionen bringen.
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek will in der Frauenpolitik Tempo machen.

Kurier: Frauenquoten kommen im Koalitionspakt nicht vor. War es klug, am Tag der Regierungserklärung Nachverhandlungen zu fordern?

Heinisch-Hosek: Ich habe sofort mit dem Wirtschafts- und dem Sozialminister Gespräche aufgenommen. Das Wort Quote ruft bei Männern manchmal Widerstand hervor. Im Regierungsprogramm steht, dass es mehr Frauen in Führungspositionen geben soll. Meine Maximalforderung dazu wäre, das auch in einer Quote festzulegen. Wir werden uns finden.

Kurier: Sie wollen 40 Prozent Frauen in Aufsichtsräten. Wenn das nicht erreicht wird – soll es Konsequenzen geben?

Heinisch-Hosek: Jetzt haben wir die Quote ja noch nicht. Ich muss erst mit den Kollegen reden, wie wir den Frauenanteil steigern können. In Norwegen verlieren die Unternehmen ihre Börsenotierung. Über so etwas reden wir später. Wir müssen anfangen.

Kurier: Viele meinen, dass dann schlecht qualifizierte Frauen genommen werden müssten – nur wegen der Quote.

Heinisch-Hosek: Das ist keine Frage des Geschlechts. Es gibt auch minderqualifizierte Männer, die manchmal in Positionen kommen, wo man sich fragt, wie das möglich ist.

Kurier: Gibt es genug qualifizierte Frauen?

Heinisch-Hosek: Es gibt sie und die Wirtschaft kann gerade in Zeiten wie diesen auf dieses Potenzial nicht verzichten. Das wäre fahrlässig.

Kurier: Können Quoten wirklich etwas bewirken?

Heinisch-Hosek: Definitiv Ja. Quoten sind nicht sehr elegant, aber wirksam. Quoten in Parteien haben im Laufe der Geschichte etwas gebracht. Im Bundesdienst ist der Frauen-Anteil in Führungspositionen langsam aber doch gestiegen. In der Privatwirtschaft sind Quoten sicher ein schwierigeres Thema. Gerade deswegen müssen wir das jetzt angehen.

Kurier: Die Quoten in der Politik haben auch nicht viel bewirkt. Im Parlament sind jetzt weniger Frauen als zuletzt, auch in der Regierung.

Heinisch-Hosek: Da bin ich nicht zufrieden. Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen. In fünf Jahren soll es besser sein. Auch der Anteil der Frauen bei Landtags- und Gemeinderatswahlen muss steigen.

Kurier: Ist nicht das Hauptproblem von Frauen, dass sie viel weniger verdienen als Männer?

Heinisch-Hosek: Bei gleicher Arbeit verdienen Frauen bis zu 25 Prozent weniger. Viele Frauen arbeiten Teilzeit und sie arbeiten in Branchen, die schlechter bezahlt sind, als andere. Wir müssen schon im Bildungsbereich schauen, dass Mädchen Interesse für technische und naturwissenschaftliche Berufe bekommen.

Kurier: Meistens sind Kinder das Karrierehindernis. Was muss da passieren?

Heinisch-Hosek: Uns wird diese Arbeit mit den Kindern zugeordnet, wir nehmen das noch immer an. Das datiert aus den Fünfziger Jahren heraus. Das müssen wir durchbrechen. Die Politik muss Rahmenbedingen anbieten.