Johannes Schöner (1477 - 1547) - 'Homo est nescio qualis'Aus dem Leben und Werk eines fränkischen Wissenschafters an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert
Vortrag in der Reihe "Aus der Werkstatt der Forschung"
am Dienstag, den 10. März 2009 um 16:00 Uhrim Dachfoyer des Haus-, Hof- und StaatsarchivsMinoritenplatz 1, 1010 Wien
Referent:Dr. Monika Maruska, MASFonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Im Vortrag wird Leben und Werk des Wissenschafters Johannes Schöner, der vor 500 Jahren im Bamberger und Nürnberger Raum gewirkt hatte, beleuchtet und versucht, seine Persönlichkeit anhand von Quellenbelegen zu erfassen und zu dokumentieren sowie ihn als Vertreter seiner Epoche zu zeigen.
Die bisherige Forschung konzentrierte sich vorrangig auf einzelne seiner Lebensabschnitte oder stellte oft nur eines seiner vielen Arbeitsgebiete in den Mittelpunkt des Interesses. Daher wurden viele Jahre von Schöners Lebens und wesentliche Bereiche seiner wissenschaftlichen Tätigkeit bis jetzt nicht oder nur unzureichend behandelt. Die Gründe dafür liegen freilich eindeutig in der zum Teil sehr dürftigen Quellenlage und darin, dass seine Biographie nur aus erhalten gebliebenen Quellen Dritter erschlossen werden kann, da sich von ihm selbst kein Schriftennachlass erhalten hat.
Dieser Umstand macht es jedoch in besonderem Maße möglich, sowohl den Menschen und Forscher Johannes Schöner als Vertreter seiner Epoche näherzubringen als auch sein Schaffen aus der Sicht seiner Zeitgenossen zu würdigen.
Ein weiterer Aspekt, der aus den Quellen erschlossen werden kann, sind Fragen zu seiner Persönlichkeit, zum Selbstbild und zum Fremdbild.
Um darüber hinaus möglichst viele Bereiche seiner Forschertätigkeit darzustellen, wird auf seine Bibliothek, seine Tätigkeit als Drucker und Herausgeber wissenschaftlicher Werke sowie auf seine Arbeiten als Globen- und Instrumentenhersteller eingegangen.
Johannes Schöner erkannte als einer der ersten das ungeheuere Potential, das das relativ neue Medium des Buchdrucks in sich barg, und nutzte es in großem Maßstab für sich. Gleiches gilt auch für die Globenherstellung. Auf diesem Gebiet nahm er tatsächlich eine Vorreiterrolle ein, indem er schon sehr früh der Massenproduktion von Globen gegenüber Einzelanfertigungen den Vorzug gab. Er sah die ungeahnten Möglichkeiten, die sich aufgrund der gesteigerten Nachfrage für die Vermarktung dieses Produkts ergaben, und tatsächlich beherrschen seine Globen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts den Markt. Dadurch, dass er traditionelle Vorstellungen beibehielt und nur mit Augenmaß neue Erkenntnisse und Entdeckungen aufnahm, fand er sein Erfolgsrezept, dem er ein Leben lang treu blieb.
Um der Person Johannes Schöner wirklich gerecht zu werden, soll er in seiner Gesamtheit als Mensch und Gelehrter seiner Zeit gezeigt werden, denn er war ein genialer Wissensmanager, ein Mediator im besten Sinn des Wortes.
Eintritt frei
Anmeldung erbeten unterE-mail: stabpost@oesta.gv.at oderTel.:(01) 79540-115 bis 6. März 2009
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