Die Belagerung von Olmütz 1758
Die mittelmährische Stadt Olmütz war vor rund 250 Jahren eine bedeutende Festung. Im Siebenjährigen Krieg wollten die Preußen sie erstürmen, um somit freien Weg zur Eroberung von Wien zu haben.
Der Dritte Schlesische Krieg, besser bekannt unter dem Namen Siebenjähriger Krieg, war im Jahr 1756 ausgebrochen. Auf der einen Seite standen Preußen und Großbritannien, auf der anderen Österreich, Frankreich und Russland. Im Mai 1758 rückte das Hauptheer unter Friedrich dem Großen bis zur schlesischen Stadt Troppau vor. Auch für die stark befestigte Stadt Olmütz wurde nun die Lage immer bedrohlicher. Am 20. Mai hatten die preußischen Truppen die Festung eingekesselt.
Die Belagerung von Olmütz dauerte mehrere Wochen und forderte auf beiden Seiten erhebliche Opfer – auch unter der Zivilbevölkerung. Auf preußischer Seite wurde bald das Schießpulver knapp und es waren hohe Verluste an Soldaten zu beklagen. Daher gelang es den Belagerern auch nicht Stadt und Festung nachhaltig von der Versorgung aus den umliegenden landwirtschaftlichen Betrieben abzuschneiden. Deshalb wurde auf preußischer Seite eine neue Versorgungskolonne aus Schlesien zur Unterstützung der Belagerungstruppen vor Olmütz in Marsch gesetzt.
Diese Kolonne bestand aus 4000 Fuhrwerken, die zusammen eine Länge von 40 Kilometern bildeten. Auf dem Weg nach Olmütz wurde diese von österreichischen Truppen unter dem Kommando von Generalmajor Gideon Ernst Freiherr von Laudon angegriffen. Der erste Angriff wurde abgewehrt, da über 18.000 preußische Soldaten die Kolonne bedeckten. Zwei Tage später vollführte Generalmajor von Laudon jedoch ein erfolgreiches Manöver: Seine Truppen zerstörten fast alle Fuhrwerke der Versorgungskolonne und nahmen viele preußische Soldaten gefangen. Die Truppen Friedrich des Großen mussten wegen Mangel an Schießpulver und Soldaten letztlich die Belagerung aufgeben.
Die hier ausgestellte Karte stellt die Festung Olmütz zum Zeitpunkt der Belagerung 1758 dar. Der dazugehörige eigenhändig unterfertigte Brief Maria Theresias an den Kommandanten der Festung, Feldmarschall Ernst Marschall Graf von Bieberstein (1692-1771), enthält das Avis, dass der Überbringer des Schreibens angewiesen sei, Stadt und Festung Olmütz in ihrem aktuellen Zustand zu vermessen und kartographisch darzustellen.
2008 konnte das Schreiben im Kunsthandel für das Kriegsarchiv erworben werden, wodurch es gelang, den Zeichner der vorliegenden Karte zu identifizieren: Es handelt sich dabei um den am Wiener Hof tätigen Lothringer Offizier und Kartographen Jean-Baptiste Brequin (1712-1785), der auch als Mathematiklehrer Josephs II. und als Archivar des österreichischen Geniewesens fungierte.
Signatur: ÖSTA/KA Genie- und Planarchiv Inland C IV alpha Olmütz 30, 30a
Bernhard WenningRobert Rill
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