08.03.2010
Gabriele Heinisch-Hosek beim Betriebsbesuch: "Wie halten Sie es mit 'halbe-halbe' im Haushalt und bei der Kinderbetreuung?"

Die Frauenministerin sucht am Frauentag den Dialog mit Männern in der OMV.

"Am Frauentag hab ich noch nie mit Männern über ihr Selbstverständnis im Privatleben und die Verteilung der unbezahlten Arbeit geredet", eröffnete Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek das Gespräch mit Männern in der OMV, "aber mich interessiert, wie Sie es mit der Hausarbeit und der Kinderbetreuung halten. Was ist ihr Anteil, wie viel leisten sie zuhause und wie geht es ihnen dabei?"

Leider sei es noch immer so, dass zwei Drittel der unbezahlten Arbeit in Familie und Haushalt bei den Frauen lägen. Und das obwohl so viele Frauen berufstätig seien wie nie zuvor und Frauen so gut ausgebildet seien wie nie zuvor. Nur an der Verteilung der häuslichen Arbeit habe sich nichts geändert. Noch immer waschen nur 15 Prozent aller Männer die Wäsche, nur elf Prozent bügeln diese, immerhin schwingen 32 Prozent hie und da den Kochlöffel.

"Wer von Ihnen bügelt?", fragte die Frauenministerin. Ein Herr meldet sich: "Ich trage Maßhemden, die lass ich mir nicht von meiner Frau bügeln, und auch für das Schuhputzen bin ich zuständig." Ein anderer sagt: "Ich habe vier Kinder, meine Frau ist zu Hause beim Jüngsten. Die Familie ist ein Logistik-Unternehmen, meine Frau ist 24 Stunden 'on duty', ich nur in der Nacht und am Wochenende, am Freitag erledige ich die schweren Einkäufe. Die Arbeit der Frauen in der Familie müsste besser honoriert werden, sie können besser als andere für Kinder sorgen."

Heinisch-Hosek dazu: "Das Kinderbetreuungsgeld ist so etwas wie ein Gehalt, auch die Kinderbetreuungskosten können neuerdings steuerlich abgesetzt werden. Wir geben jährlich neun Milliarden Euro für Familienleistungen aus, davon fließt nur eine Milliarde in die institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen." Zu bedenken sei auch die Zeit nach der Kindererziehung: Finden Frauen, die lange bei den Kindern bleiben, wieder den Einstieg ins Berufsleben, werden sie je eine eigene Pension beziehen?

Ein Herr berichtet, dass er nicht nur die Hausarbeit, sondern auch andere häusliche Aufgaben mit seiner Lebensgefährtin teile, etwa die persönliche Buchhaltung oder der enge Kontakt zur Verwandtschaft. Ein anderer: "Ich habe erst mit drei Frauen (zwei Töchter und Ehefrau) im Haus gelernt, über meine Rolle zu reflektieren. Ich dachte an Karriere und mehr Geld für die Familie, daheim war ich müde und ausgepowert. Und meine Frau war sehr unzufrieden. Im Beruf bewältigen wir die Herausforderungen, bilden uns weiter, aber die private Persönlichkeit fordern wir nicht. Bei uns im Betrieb gibt es die Möglichkeit, dass ein Vater mit seinem Kind zum Arzt geht, dass er Pflegeurlaub nimmt, aber tut er es auch? Wir müssen an uns arbeiten."

Heinisch-Hosek möchte nun den Dialog mit den Männern intensivieren: "Wir können nur gemeinsam mit solidarischen Männern die Situation von Frauen verbessern und damit die Gesellschaft verändern."

Im Anschluss an die Diskussion besichtigte die Frauenministerin gemeinsam mit Vorstand Werner Auli und Zentralbetriebsratsobmann Leopold Abraham den Betriebskindergarten.

Rückfragehinweis:
Mag. Dagmar Strobel
Pressesprecherin der
Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek
Tel.: 01 531 15-2149
dagmar.strobel@bka.gv.at