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46 Bildungsminister tagten von 10. bis 12. März in Budapest und in Wien.
15.03.2010Bundespressedienst/bth
Bologna-Prozess An der Idee zweifelt kaum jemand – an der Umsetzung sehr wohl. (© European Communities)
Im Zentrum stand dabei der vor zehn Jahren eingeleitete Bologna-Prozess, der den gemeinsamen Weg der akademischen Ausbildung in Europa und darüber hinaus bestimmen soll. Doch massive europaweite Proteste der Studierenden zeigen, dass sich bei der Reform nicht alles in die richtige Richtung bewegt.
1999 hatten die Vertreterinnen und Vertreter von ursprünglich 30 europäischen Staaten in Bologna in einer freiwilligen Erklärung vereinbart, für das tertiäre Bildungswesen einen gemeinsamen Hochschulraum zu schaffen. Dieser Reform-Vereinbarung, die von der Europäischen Union gefördert, den nationalen Regierungen oder Universitäten jedoch nicht aufgezwungen wird, haben sich in den vergangenen zehn Jahren weitere Staaten innerhalb des Europäischen Kulturabkommens des Europarats angeschlossen.
Zum zehnjährigen Jubiläum des Bologna-Prozesses, trafen sich nun 46 Bildungsministerinnen und Minister, gleichzeitig wurde Kasachstan als 47. Mitgliedsland aufgenommen. Ziel der Tagung war, den Bologna-Prozess mit neuem Leben zu erfüllen und darüber nachzudenken, wie die Pannen, die bei der Umstrukturierung der Universitäten passiert sind, ausgemerzt werden können. Man hat erkannt, dass Universitäten gleichwertig, aber nicht gleichartig gemacht werden dürfen. Und weil Strukturen in den einzelnen Ländern unterschiedlich sind, sollen auch individuelle Wege gegangen werden, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Die Rahmenbedingungen zu schaffen und die Finanzierung sicher zu stellen liegt bei den zuständigen nationalen Ministerien.
Die europäische Dimension des Bildungswesens und die Vergleichbarkeit von Abschlüssen sollte durch einen Umstieg der Studienpläne auf das dreistufige (amerikanische) Bachelor-Master-PhD-System, die internationale Anerkennung der Diplome und Studienzeiten sowie die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Bildungseinrichtungen erreicht werden. Gleichzeitig sollte vor allem auch das Erlernen und die Verbreitung der Sprachen der Mitgliedstaaten gefördert werden. Hier ging es um unterstützende Maßnahmen zugunsten der Mobilität von Lernenden und Lehrenden mit dem Vorhaben, dass 20 Prozent der Studierenden einen Teil des Studiums im Ausland absolvieren. Nicht zuletzt sollte auch der Hochschulzugang für sozial benachteiligte Gruppen erleichtert werden.
Die Umsetzung und Ausgestaltung des Europäischen Hochschulraumes sollte auf drei Ebenen erfolgen, für die gesamteuropäische Schwerpunkte und Eckpfeiler festgelegt und im Rahmen einer gemeinsamen Diskussion mit den beteiligten Interessengruppen, darunter Vertretungen der Hochschulen und der Studierenden, weiterentwickelt werden sollten. Die konkrete Umsetzung sollte dann unter Berücksichtigung des jeweiligen nationalen Bildungssystems innerstaatlich gemeinsam mit den Institutionen erfolgen. Und genau hier ist es zu Problemen gekommen, die verhindern, dass das Ziel der Umsetzung heuer schon erreicht werden konnte.
Eine EU-weite Studie zeigt zwar, dass 58 Prozent von 821 untersuchten europäischen Unis den eingeschlagen Weg als "sehr positiv" ansehen, dass 38 Prozent "gemischte Ergebnisse" sehen und nur 0,1 Prozent "Bologna" ausschließlich "negativ" sehen. Doch es finden sich zunehmend Kritiker, die die Idee eines europäischen Gleichklangs überhaupt infrage stellen. Europaweit gehen die Studierenden derzeit auf die Barrikaden. Ihr Protest richtet sich nicht in erster Linie gegen die Bologna-Reform als solche – an den österreichischen Fachhochschulen ist "Bologna" zu knapp 98 Prozent umgesetzt, an den Unis hat sich das System zu 83 Prozent durchgesetzt –, die Widerstände der Studierenden und zahlreicher Lehrender richten sich gegen die zweifelhafte Umsetzung der Bologna-Reform. Sie werden nun aufgefordert, sich künftig stärker in den Prozess einzubringen.
Tenor der Skeptiker: Für eine einheitliche Norm seien die Systeme und Traditionen akademischer Ausbildung viel zu unterschiedlich. Verschulung und Ökonomisierung verdränge an den Universitäten die freie Lehre, und die Generalisierung führe zu überfüllten Hörsälen, unübersichtlichen Studienabschlüssen. Überdies komme es in jenen Ländern, die bislang mit einem geringen Akademikeranteil zu kämpfen hatten, zu einer Inflation bei den akademischen Titeln. In Österreich hat etwa derzeit nur jeder Fünfte einen Studienabschluss. "EU-2020" peilt an, dass in zehn Jahren vierzig Prozent der 30- bis 34-Jährigen einen Uni-Abschluss haben. Die Skeptiker von "Bologna" fordern auch eine Abschwächung der rein ökonomischen Ausrichtungen und Fixierungen, stattdessen sollen die geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Studien eine stärkere Berücksichtigung im akademischen Ausbildungssystem zugesprochen bekommen.
An sich sieht "Bologna" das durchaus vor. Die Probleme dürften im Zusammenhang mit dem technokratischen Ansatz der Umstrukturierung stehen, der in einigen Staaten mit dem Prozess verquickt worden ist. Das wieder zu entwirren, die Verschulung und die Umsetzung der Anforderungen in kürzere Studienzeiten muss nun von den einzelnen Staaten gelöst werden.
Was der Bologna-Prozess in anderen Bereichen, etwa bei der Mobilität, gebracht hat, kann ebenfalls nicht genau gesagt werden. Denn derzeit mangelt es noch an ausreichenden Daten. Dies kritisiert auch der Dachverband der europäischen Universitäten, um gleichzeitig festzustellen, dass man sich bei der Stärkung der europäischen Hochschullandschaft zwar auf dem richtigen Weg befinde, doch ohne Unterstützung der Regierungen und mehr Geld die Probleme noch größer werden würden.
Im Anschluss an die Bologna-Konferenz wurde ein Maßnahmenkatalog erstellt, der in Österreich umgesetzt werden soll:
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