20.08.2010
Gabriele Heinisch-Hosek: "Will mehr Alltagspapas" (in "Österreich")
Österreich: Ihr Resümee aus der Zeitverwendungsstudie?
Gabriele Heinisch-Hosek: Zwei Drittel der unbezahlten Arbeit erledigen Frauen, ein Drittel Männer. Es beteiligen sich zwar deutlich mehr Männer an der Hausarbeit als noch vor 18 Jahren, aber sie wenden nicht mehr Zeit dafür auf. Männer picken sich gern die Rosinen raus. Sie sind gerne Sonntagspapas, es muss aber auch mehr Alltagspapas geben.
Österreich: Aber wie soll die Politik da in Beziehungen hineinregieren?
Heinisch-Hosek: Ich sehe es schon so, dass auch das Private politisch ist. Wir setzen jetzt einmal auf Bewusstseinsbildung. Im Herbst starten wir eine Kampagne für mehr Väterkarenz. An der beteiligen sich erfreulicherweise auch die Sozialpartner und die Industriellenvereinigung. Ich hoffe, dass letztlich 20 Prozent der Väter in Karenz gehen.
Österreich: Er verdient mehr, sie macht die Hausarbeit - ist das ein Argument?
Heinisch-Hosek: Damit das nicht so bleibt, gibt es ab 1. Jänner 2011 die Gehaltstransparenz. Dann müssen die Großbetriebe intern die durchschnittlichen Männer- und Frauenlöhne offen legen.
Österreich: Wie sehen Sie die Aufteilung der Hausarbeit in Bezug auf die gemeinsame Obsorge?
Heinisch-Hosek: Ich bin gegen eine automatische gemeinsame Obsorge. Väter entdecken ja oft erst nach der Trennung, wie wichtig ihnen das Kind ist. Die Studie zeigt ja da ein Missverhältnis. Wenn Väter sich mehr beteiligten, bekämen sie auch leichter die Obsorge.