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02.09.2010
Verwaltung im Umbruch

Die Verwaltungselite im Burgenland
auf der Ebene der Abteilungsleiter und Bezirkshauptmänner
mit Blick auf die Jahre 1934, 1938 und 1945

Vortrag in der Reihe "Verwaltung im Umbruch"

am Donnerstag, den 23. September 2010
um 17:00 Uhr
im Österreichischen Staatsarchiv
Nottendorfer Gasse 2
1030 Wien

Referent.
Mag. Michael Hess

Anmeldung bitte an
stabpost@oesta.gv.at oder
Tel.:+43-1-79540-115

Durch die Verträge von Saint-Germain-en-Laye (1919) und Trianon (1920) wurde Österreich der größte Teil des deutschsprachigen Gebietes Westungarns zugesprochen bzw. Ungarn verpflichtete sich, dieses Gebiet an Österreich abzutreten. Allerdings sollte die offizielle Übergabe des neuen österreichischen Bundeslandes an die Republik Österreich – verbunden mit einigen Grenzänderungen (Stichwort Ödenburg) und Schwierigkeiten in der Landnahme – erst am 5. Dezember 1921 erfolgen.

Bereits im August 1919 wurde im Staatsamt für Inneres die „Verwaltungsstelle für den Anschluss Deutschwestungarns“ eingerichtet. Ihr gehörten bereits spätere prominente Politiker und Beamte des Burgenlandes wie Ernst Hoffenreich (nachmaliger Landtagspräsident) oder Hermann Alzner (nachmaliger Bezirkshauptmann und Abteilungsvorstand) an.

Im Frühjahr 1921 wurde schließlich die „Verwaltungsstelle für das Burgenland“ mit Sitz in Wien etabliert, deren wichtigsten Aufgaben waren zunächst die Einrichtung der Verwaltung sowie die Rechtsangleichung. Die Mitglieder der Verwaltungsstellen waren überwiegend Nicht-Burgenländer. Erst die 1922 installierte „dritte“ Verwaltungsstelle wurde mit politischen Führungskräften aus dem Burgenland beschickt.

Dem jungen Bundesland fehlte es, vor allem aufgrund der nationalstaatlich ausgerichteten ungarischen Schulausbildung, an „bodenständigem“ Verwaltungspersonal. Die höheren Verwaltungsbeamten wurden zum größten Teil von den umliegenden Bundesländern ins Burgenland geholt. Dies führte bis weit in 30er Jahre hinein immer wieder zu Spannungen zwischen den „gebürtigen“ burgenländischen und den „zugewanderten“ Beamten. Nichtsdestotrotz ist aus den Personalstandslisten eine jahrelange Kontinuität auf der Ebene der Abteilungsvorstände und Bezirkshauptmänner festzustellen. Die Jahre 1933/34 zeigen insofern einen Bruch, als von 31 Beamten des höheren Verwaltungsdienstes 10 „gegen Wartegeld beurlaubt“ bzw. ihres Dienstes enthoben wurden. Darunter auch der „zweite Mann“ unter den Beamten, WHR Dr. Paul Pilz, Landesamtsdirektorstellvertreter und langjähriger Leiter der Finanzabteilung.

In der Nacht von 11. auf 12. März 1938 vollzog sich in Eisenstadt die Übernahme der Regierung durch die NSDAP, mit der kurz darauf folgenden Auflösung des Landes Burgenland und somit auch des Amtes der Burgenländischen Landesregierung am 15. Oktober. „Österreichisch gesinnte“ Beamte wurden restlos vom Dienst suspendiert, mussten ins KZ oder hatten andere Maßregelungen zu erdulden. Andere wiederum wurden in den Dienststand der Reichsgaue Niederdonau und Steiermark übernommen und konnten ihre Karrieren fortsetzen.

Mit 1. Oktober 1945 trat das „Verfassungsgesetz über die Wiedererrichtung des selbständigen Landes Burgenland vom 29. August 1945“ in Kraft. Territorial und auf der Ebene der Verwaltungseinheiten wurden dadurch die Verhältnisse wiederhergestellt, die vor der Auflösung des Burgenlandes bestanden hatten. Die Verwaltung besetzte einerseits wieder leitende Funktionen mit jenen Beamten, die diese auch schon 1938 innehatten. Andererseits kehrten einige „38er“ nicht zurück. Die Gründe dafür reichen von Pensionierungen und anderen beruflichen Ausrichtungen über Todesfälle bis hin zu Berufsverboten aufgrund „Nationalsozialistengesetzgebung“. Gegen drei Spitzenbeamte des Jahres 1938 wurden beispielsweise Volksgerichtsprozesse geführt.

Mag. Michael Hess
Bibliothekar an der Burgenländischen Landesbibliothek, Europaplatz 1, A-7000 Eisenstadt
Forschungsschwerpunkt: Burgenländische Zeitgeschichte
Hess, Michael, Dornik, Wolfram, Knoll, Harald: Burgenländische Kriegsgefangene und Zivilverurteilte in der Sowjetunion 1941 - 1956. - Eisenstadt : Bgld. Landesarchiv, 2007 (= Burgenländische Forschungen ; 95)
Aktuelles Projekt: NS-Euthanasie im Burgenland

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