07.07.2011
Heinisch-Hosek bei Studienpräsentation "Partnergewalt gegen ältere Frauen": "Auf Gewalt gegen ältere Frauen muss aufmerksam gemacht werden"

Hundstorfer: "Studie ist Teil eines Gesamtprojektes gegen Gewalt gegen ältere Menschen"

"Jede fünfte Frau ist einmal im Leben mit Gewalt konfrontiert. Die Gewalt hat viele Gesichter und viele Dimensionen in den verschiedenen Lebensabschnitten. Die von uns beauftragte Studie fokussiert nun auf ältere Frauen", sagte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Die Studie wurde europaweit durchgeführt, der Österreichteil, verfasst von Birgitt Haller und Helga Amesberger vom Institut für Konfliktforschung, wurde heute im Palais Dietrichstein präsentiert, sie ist auf der Webseite des Institutes abrufbar.

"Die Gewalterfahrungen von älteren Frauen, das heißt Frauen ab 60, stellen sich oft ganz anders dar als bei Jüngeren. Die Frauen wissen meist nicht, wo sie Hilfe finden könnten und bleiben in sich verschlossen", so die Frauenministerin. Es gebe zehn gesetzlich verankerte Gewaltschutzzentren sowie 110 Mädchenzentren und Frauenberatungsstellen und die Frauenhelpline 0800 222 555.

Kürzlich sei außerdem vom Ministerrat auch der Ausbau der Opferschutzgruppen in den Spitälern beschlossen worden. "Wir müssen die Hilfsorganisationen für das Problem sensibilisieren und die Ansprechstellen den Betroffenen bekannt machen. Kurzum: Auf die Gewalt gegen ältere Frauen muss endlich aufmerksam gemacht werden." Schulungen für Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen, Psychologen und Psychologinnen sowie Ärzte und Ärztinnen sollen es den direkt befassten Berufsgruppen erleichtern, Gewalt zu erkennen und darauf zu reagieren.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer: "Diese Studie ist Teil eines Gesamtprojektes gegen Gewalt gegen ältere Menschen, ein Hilfsprogramm insbesondere für jene, die vielleicht nicht mehr in der Lage sind, sich selbst zu helfen", so der Minister. "In Summe wurden bereits 100.000 Folder verteilt, um aufmerksam zu machen, Gewalt zu erkennen und Hilfseinrichtungen bekannt zu machen", so Hundstorfer. Die Folder des Sozialministeriums "Gewalt erkennen. Fragen und Antworten zu Gewalt an älteren Menschen" sowie die Folder "Gewalt erkennen. Fragen und Antworten zu Demenz und Gewalt" sollen zur Sensibilisierung beitragen. "Einen weiteren wichtigen Schritt setzen wir mit der Workshopreihe 'Regionale Beratungskompetenz', bei der wir nun in regionalen Workshops die traditionellen Seniorenverbände mit Beratungsstellen und Frauenhäusern und städtische wie ländliche Institutionen vernetzen“, sagte Hundstorfer und weiter: "Gewalt kann nicht alleine gelöst werden. Es braucht eine breite Zusammenarbeit, um eine verlässliche Interventionskette aufzubauen."

Während sich Pflegeeinrichtungen nicht mit häuslicher Gewalt befassen, gebe es kaum Einrichtungen, die sich mit häuslicher Gewalt gegen ältere Frauen schwerpunktmäßig beschäftigen, erklärte Studienautorin Birgitt Haller. So fänden ältere Frauen oft keine Ansprechstelle. Einziger Ansprechpartner sei der Arzt oder die Ärztin. Und diese zögerten oft, Verletzungen anzuzeigen oder sie verschrieben jahrelang Psychopharmaka, ohne nachzuhaken. Ältere Frauen seien zudem häufig ökonomisch abhängig, in ihrem Rollenbild als Hausfrau und Mutter verhaftet, sodass sie auch keine Perspektive jenseits der Gewaltbeziehung erkennen könnten. "So erleben sie die Gewalt als persönliches Scheitern und flüchten nicht selten in Krankheit oder Sucht", so Co-Autorin Helga Amesberger. Ein Ausstieg sei nur durch massive Unterstützung von außen möglich.

Frauenministerin Heinisch-Hosek bekräftigte abschließend, dass man nun alle Hilfsorganisationen, Ansprechstellen, aber auch Institutionen wie die Ärztekammer auf die Probleme der Zielgruppe aufmerksam machen werde.

Rückfragehinweis:
Dr. Julia Valsky
Pressesprecherin der
Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek
Telefon: + 43 1 531 15-2149
julia.valsky@bka.gv.at

Mag. Elisabeth Kern
Pressesprecherin des Sozialministers
Tel.: +43 1 71100-2247
Internet: http://www.bmask.gv.at