Österreichisch-sowjetische Beziehungen 1918-1938
Vortrag in der Reihe "Aus der Werkstatt der Forschung"
am Dienstag, den 10. Jänner 2012um 16:00 Uhrim Haus-, Hof- und StaatsarchivMinoritenplatz 11010 Wien
Referentinnen:Mag. Dr. Verena MoritzMag. Dr. Julia Köstenberger
Anmeldungen erbeten unterstabpost@oesta.gv.at oderTel.: 01-79540-115
Quellenrecherchen zu dem FWF-Forschungsprojekt über die österreichisch-sowjetischen Beziehungen der Zwischenkriegszeit haben die am Projekt Beteiligten in verschiedene Archive in Moskau, aber auch in Berlin, London oder Paris geführt.
Das Österreichische Staatsarchiv und seine Bestände lieferte aber gewissermaßen die Grundlage für die Arbeit an einer umfangreichen Studie zum Thema, die gegenwärtig im Entstehen ist. In diesem Zusammenhang erscheint nicht nur die breite Quellenbasis als wesentliche Voraussetzung für eine umfassende Darstellung der Beziehungen zwischen Österreich und der Sowjetunion, sondern auch ein methodische Vielfalt der aufzubereitenden Themen beziehungsweise Einzelthemen.
„Umfassend“ bedeutet aber nicht, einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben oder bereits vorliegende Forschungsergebnisse – man denke nur an die vorhandenen gründlichen Arbeiten zur Schutzbundemigration in die UdSSR – zu kopieren. Nichtsdestoweniger werden auch „alte“ Themen erneut aufgegriffen, um einerseits wichtige Ergänzungen anzubringen und andererseits neue, zusätzliche Fragestellungen zu formulieren, die gerade die österreichisch-sowjetischen Beziehungen in einer Geschichte der diplomatischen Beziehungen der Zwischenkriegszeit neu positionieren können.
Bei alldem sollen aber auch die Akteure der Außenbeziehungen nicht außer Acht gelassen werden. Immerhin waren sie diejenigen, die das Klima der diplomatischen Kontakte in keinem unerheblichen Maße beeinflussten. Selbst eine zunehmend von den Direktiven aus Moskau gleichsam ferngesteuerte sowjetische Diplomatie hatte mitunter einen bemerkenswerten Spielraum, um „gestalterisch“ zu wirken.
Eine Säule der sowjetischen Außenpolitik bildete die Auslandskultur, die zur Durchbrechung der politischen Isolation und zu einem positiven öffentlichen Image der UdSSR beitragen sollte. Der Zugang zu den Dokumenten der vom Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten kontrollierten Kulturorganisation VOKS (Gesellschaft für kulturelle Verbindung der Sowjetunion mit dem Ausland) in Moskau ermöglichte es, den bisher nur marginal aufgearbeiteten Bereich der kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und der UdSSR grundlegend zu erfassen. Dadurch ergaben sich konkrete Ansatzpunkte für vertiefende Recherchen in Österreich.
Als Ergebnis können nun die „Highlights“ der österreichisch-sowjetischen Kulturkontakte und deren Hintergründe präsentiert werden, wie. z.B. die Teilnahme Stefan Zweigs bei den Tolstoj-Feierlichkeiten in Moskau und die Auftritte des Leningrader Opernstudios bei den Salzburger Festspielen im Jahr 1928. Gleichzeitig sind Strukturen, Rahmenbedingungen, Probleme und Wirkung der sowjetischen Auslandskulturpolitik in Österreich zu diskutieren.
Mag. Dr. Moritz, Verena, geb. 1969, Geschichte- und Slawistikstudium an der Universität Wien; Lehraufträge an den Instituten für Geschichte und Zeitgeschichte der Universität Wien; zahlreiche Publikationen zur russischen/sowjetischen sowie zur österreichischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhundert, Filmgeschichte oder zum Ersten Weltkrieg; Leiterin des FWF-Projektes „Österreichisch-sowjetische Beziehungen 1918-1938“; Mitglied der österreichisch-russischen Historikerkommission
Mag. Dr. Julia Köstenberger, geb. 1973, Historikerin. Wissenschaftliche Mitarbeiterin des FWF-Projektes „Österreichisch-sowjetische Beziehungen 1918-1938“. Forschungs- und Tätigkeitsschwerpunkte: Geschichte Österreichs und der Sowjetunion 1918–1955, Stalinismus, Komintern, Widerstand, Exil, filmgeschichtliche Themen, Erinnerungskultur; Ausstellungen