Generationenkonflikt – Nein danke!

Solidarität zwischen Jung und Alt steht in der EU heuer ganz oben auf der Agenda. Um das zu unterstreichen, hat die Europäische Union 2012 zum "Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" erklärt.

19.01.2012
Bundespressedienst/sw

Alt = am Abstellgleis? Dieser "Gleichung" sagt das "Europäische Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" 2012 den Kampf an. Die Menschen in Europa leben immer länger und bleiben dabei glücklicherweise auch gesünder. Diese an sich erfreuliche Nachricht stellt Politik, Gesellschaft und Wirtschaft und nicht zuletzt jeden Einzelnen jedoch auch vor immense Herausforderungen: Wie können wir unsere Sozialsysteme nachhaltig sichern? Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen, um ältere Arbeitnehmende länger im Job zu halten? Wie lange werden wir im Erwerbsprozess stehen (dürfen/müssen/können), wann können wir in Pension gehen? Und wie wird das in 20, 30 oder 50 Jahren aussehen?

Die Statistik gibt zu denken:

  • der Anteil der Bevölkerung in den 27 EU-Staaten, die 55 Jahre und älter sind, stieg von 25 Prozent im Jahr 1990 auf 30 Prozent im Jahr 2010. Laut Prognose wird dieser Anteil im Jahr 2060 ungefähr 40 Prozent erreicht haben
  • die durchschnittliche Lebenserwartung der Europäerinnen und Europäer steigt Jahr für Jahr um zwei bis drei Monate an
  • die Erwerbstätigenquote für 60- bis 64-Jährige stieg von 23 Prozent im Jahr 2000 auf 31 Prozent im Jahr 2010
  • das durchschnittliche Alter, in dem die Beschäftigten in Europa aus dem Arbeitsleben ausschieden, lag 2009 bei 61,5 Jahren – und das, obwohl die nationalen Gesetze im Großteil der EU-Staaten ein Pensionsantrittsalter von 65 Jahren vorsehen

Das positive Potenzial, das in der demographischen Entwicklung steckt, haben wir noch nicht wahrgenommen. 2012 sollen sich alle Beteiligten und die politischen Entscheidungsträger wie Parlamente intensiv mit diesen Fragen auseinandersetzen und Lösungsmöglichkeiten entwickeln. Das Konzept des aktiven Alterns erstreckt sich dabei auf viele Politikbereiche: Beschäftigung, soziale Sicherung, Bildung und Ausbildung, Gesundheits- und Sozialwesen, Wohnungswesen und öffentliche Infrastruktur. Insbesondere die Förderung der Erwerbstätigkeit von älteren Arbeitnehmenden stellt dabei ein Schlüsselziel dar, will die EU bis zum Jahr 2020 ihr in der "Europa 2020"-Strategie verankertes Ziel einer Beschäftigungsquote von 75 Prozent der 20- bis 64-Jährigen erreichen.

Der Großteil der Europäerinnen und Europäer ist laut einer aktuellen Eurobarometer-Umfrage über die demographische Entwicklung und deren Herausforderungen jedenfalls gut im Bilde:

  • 71 Prozent der befragten Europäerinnen und Europäer wissen, dass die Bevölkerung immer älter wird
  • 42 Prozent sehen diese Entwicklung aber als besorgniserregend an
  • über 60 Prozent befürworten, dass man auch nach dem Eintritt in die Pension weiterarbeiten dürfe
  • ein Drittel der Befragten würde selbst gerne länger arbeiten als gesetzlich vorgesehen

Diese Meinung wird interessanterweise besonders von Menschen knapp vor dem Pensionsantrittsalter vertreten. Lázló Andor, der für Beschäftigung, Soziales und Integration zuständige EU-Kommissar, sieht darin eine Bestätigung, "dass die Menschen bereit sind, im Alter aktiv zu bleiben".

Logo zum Europäischen Jahr 2012 für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen

Themenschwerpunkte des Europäischen Jahres 2012 in Österreich

Ziel aller Aktivitäten in Österreich ist es, die Öffentlichkeit stärker zu sensibilisieren, Best-Practice Beispiele zu identifizieren und Altersdiskriminierung besser zu bekämpfen. In Österreich wollen sich die Akteurinnen und Akteure des Europäischen Jahres 2012 auf vier Schwerpunktbereiche konzentrieren:

  • Aktiv Altern und Arbeitsmarkt:
    Hier gilt es, den Fokus auf den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit und auf den längeren Verbleib im Erwerbsleben zu legen. In Österreich ist die Beschäftigungsquote älterer Personen (Gruppe der 55- bis 64-Jährigen) von 28,8 Prozent im Jahr 2004 auf 42,4 Prozent im Jahr 2010 gestiegen (Quelle: Eurostat). Durch eine altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung, langfristige Präventionsstrategien und gute Arbeitsbedingungen soll diese Quote weiter erhöht werden.
  • Teilhabechancen und Partizipation älterer Menschen:
    Aktives Altern umfasst auch die aktive Teilnahme am (zivil-)gesellschaftlichen und politischen Leben. Ein zentrales Anliegen ist daher für die österreichischen Senior- und Jugend-Vertreterinnen bzw. Vertreter die gleichberechtigte Wahrnehmung politischer Mitspracherechte. In Österreich ist diese politische Mitgestaltung durch den Österreichischen Seniorenrat und die Bundesjugendvertretung gesetzlich gesichert.
  • Altern in Gesundheit und Würde:
    Aktives Altern zielt auf einen umfassenden Gesundheitsbegriff ab, der Aspekte wie Wohnen, Verkehr, Zugänglichkeit von Gebäuden, aber vor allem auch hochwertige Betreuung und Pflege beinhaltet. Ziel ist die Erhaltung und Stärkung der Lebensqualität von älteren Menschen.
  • Generationenpolitik und Generationensolidarität:
    In der (medialen) Öffentlichkeit wird vielfach von einem "Kampf der Generationen" gesprochen wird, etwa wenn es um die Frage der künftigen Finanzierbarkeit der Pensionen geht. Durch den Abbau von Vorurteilen und wechselseitige Akzeptanz soll das wechselseitige Verständnis und die Solidarität zwischen den Generationen gestärkt werden.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer betonte zum Start des Europäischen Jahres 2012, dass man den demographischen Wandel noch stärker als bisher als Chance begreifen müsse: "Das gilt für jeden Einzelnen, für die Entwicklung von Unternehmen und der Arbeitswelt und für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft insgesamt." Am 29. Februar findet die offizielle Eröffnung des Europäischen Jahres durch Bundespräsident Heinz Fischer im Rahmen einer Auftaktveranstaltung in Graz statt.

Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) hat die koordinierende Rolle für die zahlreichen Aktivitäten des Europäischen Jahres 2012 übernommen, die in Zusammenarbeit mit Jugend- und Seniororganisationen, den Sozialpartnern und anderen Institutionen umgesetzt werden.

Chancen sichtbar zu machen und eine Debatte darüber anzuregen sind zwei der Ziele der seit 1983 existierenden "Europäischen Jahre", die sich einem jährlich wechselnden Thema von gesellschaftlicher Bedeutung widmen. Die EU stellt für die Aktivitäten der Mitgliedstaaten ein Budget zur Verfügung, das üblicherweise mit nationalen Mitteln ergänzt wird.

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