19.04.2012
Gabriele Heinisch-Hosek: "Kärnten soll kein Macholand sein"
Frauenministerin Heinisch-Hosek im "Kleine Zeitung"-Interview über den Aufholbedarf in Kärnten und die in Villach abgesetzte Stadträtin Hilde Schaumberger.
Kleine Zeitung: Sie sind auf dem Weg zu einer Frauenveranstaltung in Villach: Dort wurde kürzlich die 58-jährige SPÖ-Stadträtin Hilde Schaumberger völlig überraschend abgelöst, um einer Erneuerung und Verjüngung - durch eine Frau - Platz zu machen. Sind Sie schockiert, dass in Ihrer SPÖ etwas so durchgezogen wird?
Gabriele Heinisch-Hosek: Das Vorgehen hat auch mich überrascht. Ich hätte mir mehr Zeit für die Vorbereitung und ein weniger verletzendes Vorgehen gewünscht. Es ist aber eine Frau durch eine Kollegin ersetzt worden, der Wechsel war durch eine Abstimmung legitimiert.
Kleine Zeitung: Haben Sie mit Hilde Schaumberger gesprochen?
Heinisch-Hosek: Ich habe jetzt bei meinem Kärntenbesuch ein Gespräch mit ihr. Es ist wichtig, an ihrer Zukunft zu arbeiten - gerade wenn eine Tätigkeit so plötzlich weg ist. Jemand, der in ein so tiefes Loch fällt, braucht Menschen, die ihn auffangen. Die Partei hat ihr hilfreich zur Seite zu stehen. Wie ich höre, tut sie das auch.
Kleine Zeitung: Der Aufschrei der SPÖ-Frauenpolitikerinnen ist ausgeblieben. Werden da Forderungen und Botschaften nicht zu leeren Hülsen, wenn es in der konkreten Situation die Solidarität nicht gibt?
Heinisch-Hosek: Man kann ja nicht gegen eine Frau unsolidarisch werden, weil sie statt einer anderen kommt. Das ist das Problem dran. Zur Vorgehensweise kann man sich sehr wohl äußern.
Kleine Zeitung: Wo sehen Sie in Kärnten bei Frauenthemen Aufholbedarf?
Heinisch-Hosek: Beim Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen für die Kleinsten, aber auch für Schulkinder. Die Frauenerwerbsquote ist hier nicht so schlecht. Doch viele arbeiten mangels Kinderbetreuungsplätzen Teilzeit.
Kleine Zeitung: Die Abwanderung von Frauen ist ein großes Problem. Ihr Rat?
Heinisch-Hosek: Arbeits- und Lebensbedingungen im ländlichen Raum müssen verbessert werden: Arbeitsplätze, Kinderbetreuung, die Unterstützung des Partners. Kärnten soll kein Macholand sein, sondern familienfreundlich.
Interview wurde geführt von: Andrea Bergmann