Gilad Margalit: Almanci und Shoah. Deutsch-Türken und NS-Vergangenheit
24. Mai, 18.30 Uhr Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs
Repräsentative Umfragen, aber auch diverse Berichte deutsch(-türkisch)er Lehrerinnen und Lehrer sowie Forscherinnen und Forscher zeigen sehr eindringlich, dass junge Deutsche türkischer Herkunft im Unterschied zu ihren Altersgenossinnen und -genossen ohne unmittelbar familiärer Migrationsgeschichte dazu neigen, die intensive deutsche Beschäftigung mit der Shoah für überflüssig, ja sogar für ein Zeichen von Schwäche zu halten. Die Almanci, wie sich Deutsche türkischer Herkunft, einen pejorativen Begriff für sich reklamierend, selbst bezeichnen, sprechen dieser Auseinandersetzung jede Vorbildfunktion für andere Nationen ab.
Mögliche Erklärungsansätze dafür werden im Mittelpunkt dieser Lecture stehen. Zu diesem Zweck werden die Ergebnisse einer Umfrage der Wochenzeitung »Die Zeit« zum Thema »Deutsch-Türken und Holocaust« aus dem Jänner 2010 herangezogen, und dabei auf einige Fragen hingewiesen, die überhaupt nicht aufgeworfen wurden oder unbeantwortet geblieben sind. Anschließend wird mithilfe quantitativer Umfragedaten und qualitativer Auswertungen versucht, diese Fragen zu beantworten.
Gilad Margalit Historiker, lehrt und forscht deutsche Geschichte an der Geschichtsabteilung der Universität Haifa und ist stellvertretender Direktor des Haifa Center for German and European Studies (HCGES). Seine Forschungen fokussieren auf verschiedene Aspekte der deutschen Vergangenheitsbewältigung, die Gedenk- und Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg und den Umgang mit Minderheiten (Juden, Roma, Türken). In jüngster Zeit befasst er sich auch mit Themen der israelischen Kulturgeschichte und mit der Erinnerung an die Shoah. Seine wichtigsten Veröffentlichungen neben zahlreichen Aufsätzen in mehreren Sprachen sind »Guilt, Suffering and Memory. Germany Remembers Its Dead in World War II« (2010) sowie »Die Nachkriegsdeutschen und “ihre Zigeuner”. Die Behandlung der Sinti und Roma im Schatten von Auschwitz« (2001).
Ort: Haus-, Hof- und Staatsarchiv1010 Wien Minoritenplatz 1
Anmeldung unter +43-1-79540-115 oder per Email an oestapost@oesta.gv.at