28.06.2012
Gabriele Heinisch-Hosek: "Bilder dürfen nicht krank machen" (in: "News")

Frauenministerin für Kennzeichnung

News: Frau Ministerin, was haben Sie gegen schöne, faltenfreie Menschen in der Werbung?

Gabriele Heinisch-Hosek: Gar nichts. Aber wenn alle Gesichter faltenfrei, porenfrei sind, die Zähne strahlend weiß, die Haare immer füllig und schimmernd: So schaut man nicht jeden Tag aus. Dieses Schönheitsideal gibt es in Wirklichkeit nicht. Das hat mit der Wirklichkeit so viel zu tun wie ein Comic.

News: Was finden Sie schlecht daran?

Heinisch-Hosek: Die perfekte Schönheit ist künstlich geschaffen. Da wird geglättet, es werden Körperteile gestreckt und verändert, bis sie nicht mehr zusammenpassen. Das sieht man auf den ersten Blick nicht. Der ist: Wow! Ich will aber den zweiten Blick darauf schärfen. Deshalb will ich eine Ampel auf diesen Bildern, die zeigt, wie sehr (rot) oder wie wenig (grün) diese Bilder künstlich bearbeitet wurden.

News: Wem soll das helfen?

Heinisch-Hosek: Ganz besonders den jungen Mädchen. Uns werden jede Woche bis zu 5.000 retuschierte Bilder präsentiert. Das verändert den Blick so stark, dass wir uns nicht mehr richtig wahrnehmen. Kinder werden immer jünger Zielgruppe der Werbeindustrie. Mädchen und junge Frauen haben Essstörungen, weil sie die Bilder nachahmen, die sie sehen. Schönheitsoperationen boomen gerade unter den schutzbedürftigen ganz Jungen. Dem will ich Einhalt gebieten. Ich verbiete nichts. Aber ich will nicht, dass künstlich geschönte Bilder krank machen.