Montag, 09. Oktober 2006
Innenpolitik
Europa / International
Wirtschaft
Kultur / Medien / Wissenschaft
Sportpolitik
Nationalratswahl 2006: SPÖ siegt knapp vor ÖVP
Österreich hat am 1. Oktober über die Zusammensetzung des neuen Nationalrates abgestimmt. Laut Endergebnis (inklusive Wahlkarten) konnte die SPÖ (Sozialdemokratische Partei Österreichs) unter Parteichef Alfred Gusenbauer mit 35,3 % die Wahl knapp für sich entscheiden. Die ÖVP (Österreichische Volkspartei) unter Parteiobmann Bundeskanzler Wolfgang Schüssel liegt mit 34,3 % der Stimmen auf Platz zwei. Nach Auszählung der Wahlkarten am 9. Oktober ergibt sich somit ein Rückstand von nur 1,0 %.
Wahlberechtigt waren 6,107.851 Bürgerinnen und Bürger (2002: 5,912.592). Die Wahlbeteiligung lag bei 78,5 % (4,793.735 abgegebene Stimmen; 2002: 84,3 %/4,982.261).
Das Endergebnis im Detail: Die SPÖ erhielt 1,663.986 Stimmen beziehungsweise 35,3 % (minus 1,2 %; 2002: 36,5 %) und ist nach vier Jahren wieder stimmenstärkste Partei. 1,616.493 Stimmen beziehungsweise 34,3 % (minus 8,0 %; 2002: 42,3%) entfielen auf die zweitplazierte ÖVP. Die Grünen landeten mit einem minimalen Vorsprung von 538 Stimmen beziehungsweise 0,01 % auf Platz drei und verwiesen die FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs) damit erstmals auf Rang vier: Grüne 520.130 Stimmen beziehungsweise 11,0 % (plus 1,5 %; 2002: 9,5 %), FPÖ 519.598 Stimmen bzw. 11,0 % (plus 1,0 %; 2002: 10,0%). Der orange Koalitionspartner BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich), das nach seiner Abspaltung von der FPÖ (2005) erstmals bei Nationalratswahlen kandidierte, kam auf 193.539 Stimmen beziehungsweise 4,1 % und hat damit den Einzug in das Hohe Haus geschafft.
Von den nicht im Parlament vertretenen Parteien beziehungsweise Listen entfielen auf die Liste MATIN (Liste Dr. Martin) 2,8 % und auf die KPÖ (Kommunistische Partei Österreichs) 1,0 %. Die Stimmenanteile der übrigen Kandidaten und Gruppierungen (NFÖ, IVE, STARK, SAU und SLP) liegen jeweils unter 1 %.
Die Mandatsverteilung im Nationalrat lautet: 68 SPÖ (minus 1), 66 ÖVP (minus 13), 21 Grüne (plus 4), 21 FPÖ (plus 3), 7 BZÖ (plus 7).
Die konstituierende Sitzung des neuen Nationalrates ist am 30. Oktober. Die ersten Schritte zur Regierungsbildung wurden mittlerweile gesetzt. Gemäß den Usancen hat Bundeskanzler Schüssel am 3. Oktober Bundespräsident Heinz Fischer die Demissionierung der Regierung angeboten. Im Anschluss daran betraute das Staatsoberhaupt die Bundesregierung mit der Fortführung der Amtsgeschäfte, bis eine neue Regierung angelobt wird.
Bundespräsident Fischer erklärte, dass der Auftrag zur Regierungsbildung den Gepflogenheiten entsprechend an den Chef der stimmenstärksten Partei – demzufolge an SPÖ-Vorsitzenden Gusenbauer (Anmerkung der Redaktion) – gehen dürfte, sobald das amtliche Endergebnis vorliege. Mit den Obleuten aller fünf Parlamentsparteien führte Fischer bereits erste Gespräche. Zu möglichen Koalitionsverhandlungen betonte der Bundespräsident, „dass es für das Land gut ist, wenn man eine Regierung bildet, die stabil ist und große Reformprojekte umsetzen kann“. ■

Plassnik: EU-Beitritt Bulgariens und Rumäniens gut für Österreich
Bulgarien und Rumänien können mit 1. Jänner 2007 der Europäischen Union beitreten. Diese Empfehlung gab die EU-Kommission am 26. September ab. Im Fortschrittsbericht, der dem EU-Parlament vorgelegt wurde, sind jedoch strenge Auflagen formuliert.
Außenministerin Ursula Plassnik nannte den Bericht „fair und realistisch“. Beide Länder hätten einen „beeindruckenden Aufholprozess unternommen, um fit für 2007 zu werden“, so Plassnik. Damit werde ein weiterer historischer Schritt zur Wiedervereinigung Europas gesetzt.
Für Österreich habe man Vorsorge getroffen, dass durch den Beitritt keine Störungen am heimischen Arbeitsmarkt entstünden. So könne jeder EU-Mitgliedstaat Übergangsfristen von bis zu sieben Jahren einführen. „Der EU-Beitritt Bulgariens und Rumäniens bringt uns Österreichern mehr Sicherheit, mehr Exportchancen und mehr Arbeitsplätze“, unterstrich Plassnik. ■

Wien: Eröffnung der EU-Infostelle "Europa vor Ort"
Die Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich hat am 2. Oktober in Wien ihre EU-Infostelle "Europa vor Ort" eröffnet. Damit will man einen Beitrag zur verstärkten Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die öffentliche Debatte über aktuelle EU-Themen leisten und den direkten Zugang zu EU-Informationen erleichtern. ■

Rom: Bundespräsident Fischer bei Papst Benedikt XVI.
Bundespräsident Heinz Fischer traf am 5. Oktober anlässlich eines offiziellen Vatikan-Besuches in Rom mit Papst Bendikt XVI. zusammen. Begleitet wurde er von seiner Frau Margit und einer 15-köpfigen Delegation.
Das Vier-Augen-Gespräch in der Bibliothek des Heiligen Vaters bezeichnete Fischer vor Journalisten als „absolut positiv, freundlich und unkompliziert“. Er habe dem Papst „die Grüße des österreichischen Volkes überbracht“ und die Einladung der österreichischen Bischofskonferenz zu einem Besuch im Wallfahrtsort Mariazell übermittelt. „Der Heilige Vater hat die Einladung mit Freude angenommen“, so der Bundespräsident. Die Österreich-Reise von Benedikt XVI. ist für September 2007 zum 850-Jahr-Jubiläum von Mariazell geplant.
Erörtert habe man auch aktuelle politische Themen und EU-Fragen, berichtete Fischer. Die Erweiterung der Union um Rumänien, Bulgarien und Kroatien befürworte das Kirchenoberhaupt nachdrücklich, wenngleich auch er die Auffassung vertrete, dass Europa „nicht unendlich ausgedehnt“ werden könne. In Bezug auf europäische Grundrechte und Menschenrechte herrsche zwischen dem Vatikan und Österreich „viel Übereinstimmung“, so Fischer.
Angesprochen wurde auch der Dialog zwischen den Religionen. Fischer erinnerte an Österreichs lange Tradition des Dialogs mit dem Islam, unter anderem bei der Wiener Islam-Konferenz 2005. Die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs sei während der Unterredung vom Papst mehrfach unterstrichen worden, erklärte Fischer. In Österreich würden die „konsequenten und unermüdlichen Bemühungen“ des Papstes, die Menschheit vor Krieg und Terror zu bewahren, sowie dessen „mahnende Worte gegen Fremdenfeindlichkeit und religiöse Intoleranz“ mit Aufmerksamkeit und Zustimmung verfolgt, hob der Bundespräsident hervor.
Auf dem politischen Programm der bis 6. Oktober dauernden Rom-Visite des Bundespräsidenten standen auch Gespräche mit Italiens Regierungschef Romano Prodi, Außenminister Massimo D´Alema und mit Staatspräsident Giorgio Napolitano. Abschließend traf Fischer mit dem Großmeister des souveränen Malteser Ritterordens, Fra Andrew Bertie, zusammen. ■

König Albert II. von Belgien zu Besuch in Österreich
König Albert II. von Belgien ist am 28. September mit Bundespräsident Heinz Fischer in der Wiener Hofburg zusammengetroffen. Im Zentrum der Gespräche standen die „sehr guten“ bilateralen Beziehungen.
Anlass der Wien-Visite von Albert II. war der derzeitige belgische Vorsitz in der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa). Bei seinem Besuch dort unterstrich der Monarch die Bedeutung des Kampfes der OSZE gegen Menschenhandel sowie organisierte Kriminalität und gratulierte der Organisation für das bereits Erreichte. Albert II. rief dazu auf, den gesetzlichen und institutionellen Rahmen für die Bekämpfung von Menschenhandel weiter auszubauen, um diese „inhumanen Praktiken“ zu beseitigen.
Auf dem kulturellen Programm stand eine Besichtigung der Sammlungen des Liechtenstein Museums. (Siehe Kulturteil) ■

Tod der UNO-Soldaten „tragische Verkettung von Umständen“
Die Kernaussage des UNO-Berichts zum israelischen Bombardement eines UN-Postens im Libanon sei, dass „es eine tragische Verkettung von Umständen war“, sagte Außenministerin Ursula Plassnik in einem ORF-Interview am 29. September. Die Evakuierung dieses Postens sei von UNO-Seite bereits beschlossen gewesen. Niemand habe davon ausgehen können, dass ein direkter Beschuss erfolgen würde. Laut UNO-Bericht habe das Personal die Standardprozeduren eingehalten, so Plassnik.
Bei einem Angriff der israelischen Luftwaffe auf den UNO-Beobachtungsstand im südlibanesischen Khiyam waren am 25. Juli vier UNIFIL-Soldaten, darunter der österreichische Major Hans-Peter Lang, getötet worden. ■

Österreich übernimmt Vizevorsitz im IAEO-Gouverneursrat
Der Botschafter Österreichs bei den Vereinten Nationen in Wien, Thomas Stelzer, ist am 25. September zu einem der beiden Vizevorsitzenden des Gouverneurrates der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) gewählt worden. ■

Wifo/IHS-Prognose: Starkes Wachstum der österreichischen Wirtschaft
Die österreichische Wirtschaft wächst heuer real um 3,1 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und damit so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das geht aus den neuesten Konjunkturprognosen für 2006/07 hervor, die von Experten des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) und des Instituts für Höhere Studien (IHS) am 6. Oktober präsentiert wurden. Bestätigt wurden damit auch die jüngsten Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), die vor kurzem ein BIP-Wachstum von 3,2 % prognostizierte.
Noch im Sommer lagen die Prognosen von Wifo und IHS um einen halben Prozentpunkt niedriger. Auch für 2007 haben die Institute ihre Annahmen nach oben revidiert und rechnen nun mit einem Wachstum von 2,5 bzw. 2,3 %. Gedrosselt wird die Dynamik im nächsten Jahr infolge der Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland und der schwächeren Weltwirtschaft.
Der Arbeitsmarkt entwickle sich weiterhin erfreulich. Heuer gehe ein deutlicher Anstieg der Beschäftigung mit einer geringeren Arbeitslosigkeit einher. Profitieren vom Wirtschaftswachstum würde jetzt auch die Vollzeitbeschäftigung.
Neben der besseren Konjunktur senken auch vermehrte Schulungen die Arbeitslosigkeit. Das IHS erwartet für 2006 ein Beschäftigtenwachstum um 1,6 %, das stärkste Plus seit Anfang der 90er Jahre. 2007 sei mit einem Zuwachs von 1,1 % zu rechnen. Die Arbeitslosenquote soll nach EU-Definition heuer 4,9 % und 2007 4,8 % betragen. Das Wifo rechnet mit jeweils 5,0 %. ■

Österreichs Handelsbilanz im Plus
Österreichs Außenhandelsbilanz hat in den ersten sieben Monaten 2006 ins Plus gedreht. Die Einfuhren sind um 11,3 % auf 60,12 Mrd. Euro gestiegen. Noch kräftiger haben die Ausfuhren um 12,2 % auf 60,21 Mrd. Euro zugelegt. Das besagen die vorläufigen Ergebnisse der Statistik Austria vom 29. September. Demnach weist die heimische Wirtschaft einen leichten Überschuss von rund 84 Mio. Euro auf – nach einem Defizit von 367 Mio. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Auf Basis dieser Daten bezeichnete es Wirtschaftsminister Martin Bartenstein als realistisch, dass die österreichischen Warenexporte heuer 40% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erreichen könnten. Im Jahr 1995 sei der Anteil der Exporte am BIP bei 25 % gelegen.
Das auf 1,97 Mrd. Euro verbesserte Handelsdefizit Österreichs mit den EU-Ländern konnte durch die noch dynamischere Steigerungsrate im Außenhandel mit Drittstaaten wettgemacht werden: Die Importe aus den Nicht-EU-Ländern legten um 20,6 % auf 15,74 Mrd. Euro zu, die Exporte dorthin wuchsen um 17,3 % auf 17,79 Mrd. Euro. Das ergibt ein Aktivum von 2,05 Mrd. Euro.
Aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union bezog Österreich im Berichtszeitraum Waren im Wert von 44,38 Mrd. Euro, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum einem Plus um 8,4 % entspricht. Österreichs Ausfuhren in diese Länder expandierten um 10,3 % auf 42,41 Mrd. Euro. ■

WKÖ-Chef Leitl: Export-Boom durch Internationalisierung
„Die starke internationale Verflechtung der heimischen Wirtschaft mit der Weltwirtschaft ist einer der Erfolgsfaktoren Österreichs. Es ist uns zudem gelungen, unsere Exporte nachhaltig anzukurbeln“, kommentierte der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Christoph Leitl, am 29. September die jüngsten Außenhandelszahlen der Statistik Austria. Der Ausfuhrzuwachs von 12,2 % und der Überschuss von 84 Mio. Euro in den Monaten Jänner bis Juli 2006 seien nach dem Minus im Vergleich zur Vorjahresperiode „ein besonders erfreuliches Ergebnis“, so Leitl. Dem Ziel, die Schallmauer von 100 Mrd. Euro zu durchbrechen, nähere man sich „mit großen Schritten“.
Für das Gesamtjahr 2006 rechnet Leitl mit einem Exportwachstum von 9 % und einer ausgeglichenen Handelsbilanz. „Damit schaffen wir rund 63.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Österreich und bringen 2,5 Mrd. Euro Mehreinnahmen für den Finanzminister“, betonte der WKÖ-Chef.
Die Internationalisierungsoffensive der Bundesregierung und der Außenwirtschaftsorganisation (AWO) der WKÖ zeige damit ihre positive und nachhaltige Wirkung für Wohlstand und Konjunkturwachstum in Österreich, erklärte Leitl. Mit verstärkter Cluster-Förderung und einem Export-Schwerpunkt soll das Internationalisierungsprogramm auch für Klein- und Mittelbetriebe den Sprung über die Grenze erleichtern. ■

Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur 2006 an Jorge Semprún
Wie Kunst- und Medienstaatssekretär Franz Morak am 4. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse bekannt gab, geht der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur heuer erstmals an einen spanischen Autor – an Jorge Semprún (82). Wie Morak ausführte, zähle Semprún „als Schriftsteller, Intellektueller wie als Politiker zu den bedeutendsten Gestalten des 20. Jahrhunderts“. Er habe uns gelehrt, dass „Schreiben und Literatur der Suche nach Identität dienen“. Die Bücher des 1923 in Madrid geborenen Autors seien „vielschichtige Konfessionen aus den Zeiten des Exils, des Widerstands und der Vernichtungslager, aus der Epoche des Nazismus und des sowjetischen Totalitarismus. Sie gehören zu den Meisterwerken der Erzählkunst der Gegenwart“. 1963 veröffentlichte er sein erstes Buch, „Die große Reise“, ausgezeichnet mit dem Prix Formentor. Berühmt wurden seine Drehbücher für Filme wie „Der Krieg ist aus“ (1966), für die Politthriller „Z“ (1968) und „Das Geständnis“ (1979).
2004 wird er für seinen Roman „Zwanzig Jahre und ein Tag“ („Veinte años y un día“) mit dem spanischen Lara-Literaturpreis ausgezeichnet. Das prämierte Werk ist der erste Roman, den Semprún in seiner Muttersprache verfasst hat. Seine früheren Werke hat er auf Französisch geschrieben.
Staatssekretär Morak gab noch weitere Preisträger bekannt: Der alle zwei Jahre vergebene Österreichische Staatspreis für Kulturpublizistik geht an Paul Lendvai. Dieser sei „eine journalistische Instanz, dessen Artikel, Kolumnen, Kommentare und Essays sich durch ihre analytische Schärfe, ihr untrügliches Urteil und ihren unprätentiösen und klaren Stil auszeichnen“. Wer Lendvai lese, habe stets „ein lebendiges Stück Mentalitätsgeschichte unserer nahen und fernen Nachbarn vor sich“. Mit seiner journalistischen und publizistischen Arbeit trage Lendvai nun fast schon ein halbes Jahrhundert lang zum „Prozess der europäischen Verständigung“ bei.
Den Würdigungspreis für Literatur erhält Christoph Wilhelm Aigner, ein „Meister der kleinen Form und des verdichteten Ausdrucks“ so Morak. Sein erster umfangreicher Roman „Die schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk“ ist kürzlich bei DVA erschienen. Hauptfigur des Buches ist ein 17-jähriges Fußballtalent.
Der Förderungspreis für Literatur geht heuer an Eugenie Kain und Thomas Glavinic. Eugenie Kain, deren Erzählung „Flüsterlieder“ zuletzt bei Otto Müller erschienen ist, verleiht in ihren „nüchternen Geschichten über die Sehnsucht nach einem geglückten Leben Menschen am Rand unserer Gesellschaft eine prägnante Stimme“, meinte Morak. Thomas Glavinic, der seit 1998 fünf Romane vorgelegt habe, „ist mit seinem letzten Buch ‚Die Arbeit der Nacht’ dort angelangt, wo er längst hingehört, nämlich in die erste Reihe der deutschsprachigen Romanciers“.
An Erwin Moser, einen „Klassiker der Kinderliteratur“, geht der Würdigungspreis für Kinder und Jugendliteratur. Er sei vielen jungen Leserinnen und Lesern ein „Lehrmeister der Menschenfreundlichkeit“ geworden, sagte Morak. Künstlerisch sei er eine jener „raren Doppelbegabungen, die sowohl als Zeichner wie auch als Erzähler einen unverwechselbaren Kosmos an Figuren erfunden und entwickelt haben“. Rachel van Kooij erhält den Förderungspreis für Kinder- und Jugendliteratur. „Sie gehört mit Sicherheit zu den wichtigsten österreichischen Kinder- und Jugendbuchautoren der mittleren Generation“, so der Staatssekretär abschließend. ■

Musik-Biennale Venedig: "Goldener Löwe" an Friedrich Cerha
Der österreichische Komponist Friedrich Cerha (80) erhielt am 7. Oktober im Teatro La Fenice den erstmals vergebenen „Goldenen Löwen für ein Lebenswerk“ der Musik-Biennale von Venedig. Cerha sei „einer der größten Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, heißt es in der Begründung der von Giorgio Battistelli, dem Leiter der 50. Musik-Biennale, vorgeschlagenen Entscheidung. Weiters wird sein „klarer Kompositionsstil und die Kohärenz des Werkes, Vorbild für mehrere Generationen“ gewürdigt. Besonders hervorgehoben werden seine Vervollständigung von Alban Bergs „Lulu“, mit der er Musikgeschichte geschrieben hat sowie sein „Spiegel“-Zyklus. Weitere Aufmerksamkeiten: Im Rahmen der 50. Biennale werden heuer mehrere Werke von Cerha aufgeführt. Im Foyer des Fenice-Opernhauses wird das ORF-TV-Porträt „So möchte ich auch fliegen können“ von Robert Neumüller gezeigt, als Teil des Musikprogramms der Gala wurde sein „Hymnus“ aufgeführt.
Der 1926 geborene Wiener Friedrich Cerha führte das Publikum seiner Heimatstadt an die zeitgenössische Musik heran, auch durch das Ensemble „die reihe“, das er mit Kurt Schwertsik gegründet hatte. Er studierte in Wien bei Alfred Uhl Komposition, bei Vasa Príhoda Violine und ist promovierter Germanist. Von 1959 bis 1987 lehrte Cerha an der Wiener Musikhochschule, ab 1969 als Professor für Komposition, Notation und Interpretation. Der Komponist Cerha, der lange auch als Dirigent wirkte, schaffte 1981 bei den Salzburger Festspielen den internationalen Durchbruch mit der Uraufführung seiner Oper „Baal“ – der Text stammt vom gleichnamigen Theaterstück des 20-jährigen Bertolt Brecht. Ähnlich erfolgreich wurde die Literaturoper „Der Rattenfänger“ nach Carl Zuckmayers Text.
Zentrales Thema in Cerhas Werk ist die Rolle des gesellschaftlichen Außenseiters. Er selbst war erklärter Gegner des NS-Regimes, der desertierte und auf eine Tiroler Almhütte flüchtete. Diese Außenseiterposition behielt er auch später bei, als dem Avantgardisten die Rolle eines „zerstörerischen Elements in der Wiener Musikkultur“ zugeschrieben wurde. Inzwischen ist der Außenseiter sozial voll integriert: 2002 wurde seine gemeinsam mit Peter Turrini verfasste Oper „Der Riese vom Steinfeld“ erfolgreich an der Wiener Staatsoper uraufgeführt, 2004 präsentierte er mit dem Requiem sein „Opus summum“. Cerha ist hoch dekoriert, u.a. mit dem Preis der Stadt Wien, dem Großen Österreichischen Staatspreis und mit dem Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. ■

König Albert II. von Belgien besucht Liechtenstein Museum in Wien
Im Rahmen seines Wien-Aufenthaltes vom 28. September, bei dem die Teilnahme an der Sitzung des Ständigen Rates der OSZE sowie ein Gespräch mit Bundespräsident Heinz Fischer auf dem Programm standen, erlebte der belgische König Albert II. den Besuch im Liechtenstein Museum als kulturellen Höhepunkt. Mit seiner Delegation ließ er sich durch das prunkvolle Gartenpalais führen, in dem die Kunstschätze der Fürstlichen Sammlungen präsentiert werden. Beeindruckt zeigte er sich von der Vielzahl an flämischen Gemälden und vor allem von der Darstellung der „Venus vor dem Spiegel“ (1613/14) von Peter Paul Rubens. Zum Abschied überreichte ihm Direktor Johann Kräftner vor dem so genannten Badminton Cabinet eine limitierte Sonderausgabe des Kataloges der Fürstlichen Sammlungen. ■

Georg Eisler-Preis an Bernd Koller
Der in Wien lebende Künstler Bernd Koller erhält nach einstimmiger Entscheidung einer internationalen Jury den Georg Eisler-Preis 2006 der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA). Der seit 1998 jährlich vergebene Preis, der vor allem junge Malerinnen und Maler ehren will, ist mit 12.000 Euro einer der höchst dotierten Kunstpreise Österreichs. Die Jury wies besonders auf Kollers Außenseiterrolle in der jungen Szene hin. „Seine sehr sensiblen und authentischen Aquarelle und Zeichnungen zwischen Abstraktion und Figuration entsprechen nicht dem Mainstream zeitgenössischer Kunst“, begründete die Direktorin des BA-CA Kunstforums, Ingried Brugger, die Entscheidung. Koller, 1971 in Fusch (Salzburg) geboren, studierte zwischen 1989 und 1995 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien u.a. bei Arnulf Rainer. Seit 1991 war er in zahlreichen Ausstellungen vertreten, zuletzt bei „Austrian Art“ im Meulenstein Art Museum in Bratislava. Der Künstler wird 2007 „mit seinen stillen und gleichzeitig intensiven Arbeiten“, so Brugger, im BA-CA Kunstforum präsentiert. ■

Staatspreis Werbung 2006 an Demner, Merlicek & Bergmann
Der „Staatspreis Werbung“ hat das Ziel, durch Prämierung beispielhafter österreichischer Werbekampagnen Maßstäbe für Qualitätswerbung zu setzen. Die österreichische Werbewirtschaft zeichnet sich durch ein hohes kreatives Potential aus und ist von hoher Bedeutung für Österreichs Wirtschaft. Mit dem neuen Staatspreis sollen die internationale Konkurrenzfähigkeit und das Image der österreichischen Werbung gestärkt werden. Der Staatspreis Werbung ist daher ein wichtiger qualitativer Beitrag für die österreichische Kommunikationswirtschaft.
Der Staatspreis Werbung 2006 geht an die Werbeagentur Demner, Merlicek & Bergmann. Ausgezeichnet wurde die Kampagne „Ja! Natürlich“ am 29. September im Rahmen der Österreichischen Medientage in Wien von Kunst- und Medienstaatssekretär Franz Morak und Hans-Jörgen Manstein. Den Staatspreis erhielt die bereits zuvor vierfach prämierte Kampagne mit einem sprechenden Schwein für die „durchgängig einprägsame, klare Markenstrategie“, hieß es in der Jurybegründung. Der Staatspreis sei als Benchmark für Qualitätswerbung ein wichtiger Faktor für internationale Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Werbewirtschaft, betonte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein. „Der Bruttowerbeaufwand hat sich in Österreich in den letzten zehn Jahren auf 2,2 Mrd. Euro verdoppelt“, so Bartenstein. ■

Meisterwerke deutscher Expressionisten im Leopold Museum in Wien
Die bis 10. Jänner 2007 im Leopold Museum des Wiener Museumsquartiers gezeigte Ausstellung „Deutsche Expressionisten – mit Meisterwerken aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza“ wurde am 27. September von Bundespräsident Heinz Fischer in Anwesenheit von Francesca von Habsburg, deren Vater der leidenschaftliche Kunstsammler Heinrich Thyssen-Bornemisza ist, und Rudolf Leopold feierlich eröffnet. Die rund 130 Ölgemälde, Zeichnungen, Grafiken, Aquarelle und Skulpturen wurden von Prof. Leopold und Michael Fuhr zu einer Ausstellung zusammengeführt. Die bedeutenden Leihgaben kommen aus dem Museo Thyssen-Bornemisza Madrid, der Nationalgalerie Berlin, der Nolde Stiftung Seebüll sowie aus öffentlichen Sammlungen und Privatbesitz in Deutschland, Spanien, den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz, in Schottland und Liechtenstein. Die Schau konzentriert sich auf die Generation junger Avantgardekünstler vor dem Ersten Weltkrieg, mit denen in Deutschland die Moderne begann. Der Bogen der ausgestellten Künstler reicht von Ludwig Meidner, Wilhelm Lehmbruck, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Otto Mueller, Emil Nolde, Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky und August Macke bis zu Otto Dix, Georg Grosz und Max Beckmann. ■

Filmfestival Viennale ’06
Die Viennale ’06 bringt zwischen 13. und 25. Oktober 315 Filme aus 47 Ländern. Eröffnet wird mit den Festival-Hit von Venedig, Stephan Frears „The Queen“ mit Helen Mirren. Das Festival schließt mit Robert Altmanns Alterswerk „A Prairie Home Companion“ über eine US-Country-Sänger-Show, in der Meryl Streep singt. Wie immer werden zahlreiche Erstlingsfilme gezeigt, aber auch aktuelle Arbeiten etablierter Regisseure wie Dario Argento, Jonathan Demme und Aki Kaurismäki. Österreich präsentiert sich vor allem in der Programmschiene „News from Home“ mit 12 Dokus, u.a. von Andrea Eckert, Ruth Beckermann und Anja Salomonowitz. Die Retrospektive im Filmmuseum gilt dem französischen Regie-Duo Jacques Demi und Agnès Varda. ■

Legaler Download von Musik
Mit einem neuen „Musiktank“ im Haus der Musik in Wien eröffnet nun nach dem Standort im Museumsquartier (MQ) der zweite „CD-On-Demand Music Store“, der rund 6000 Titel österreichischer Interpreten von Wolfgang Ambros bis Joe Zawinul zum Preis von 99 Cent pro Lied zur Verfügung stellt. Interessierte können ab sofort individuelle Compilations zusammenstellen, die vor Ort direkt auf CD gebrannt werden. Geboten werden auch Raritäten, die im Handel nicht mehr erhältlich sind. Die Qualität der Musik übertrifft das gängige MP3-Format. Mitgeliefert wird auch eine attraktive CD-Hülle und eine detaillierte Trackliste mit Angabe zu den ausgewählten Interpreten. ■

TschikTschak Festival in Wien
Der 2. Wiener Gemeindebezirk, die Leopoldstadt, stellt gegenwärtig wieder einen Mittelpunkt jüdischen Lebens in der Bundeshauptstadt dar. Hier will das TschikTschak Festival von 18. bis 24. Oktober neue Tendenzen zeitgenössischer jüdischer Kunst präsentieren und diskutieren. Europäische jüdische Identität kann sich nur in einer Auseinandersetzung zwischen Tradition und Moderne bilden, in der Reibung mit anderen Kulturen. Dies zeigen auch eine „Live Band – Musiker der Diaspora“ bzw. eine „DJ – Line“ mit Klezmer, Balkan, Rai, Oriental Mix oder das von Stefan Sablić (Belgrad) adaptierte Stück „The Blond Jewish Girl“, das zur österreichischen Erstaufführung gelangt. Das Festival wird u.a. vom Bundeskanzleramt, dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und der Stadt Wien unterstützt.

EURO 2008: Heinz Palme ist Chefkoordinator der Bundesregierung
Am 12. Dezember 2002 bekamen Österreich und die Schweiz den Zuschlag zur gemeinsamen Ausrichtung der Fußball-EM 2008. Mit diesem Auftrag wurde die weltweit drittgrößte Sportveranstaltung nach Österreich geholt. Die Finanzierungsverträge (technische Vorbereitung und Abwicklung der Erweiterungsbauten der EURO sowie die erforderlichen Investitionen) für die vier Stadien (Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg und Wien) wurden unterfertigt. Die Detailverhandlungen („stadium agreement“) hinsichtlich aller vier Stadienstandorte wurden mit 9. November 2004 abgeschlossen. Insgesamt investiert die öffentliche Hand (Bund, Länder, Gemeinden) rund € 160 Millionen in die Bereitstellung für die Fußball-EM. Aus politischer Sicht ergibt sich somit ein Koordinierungs- und Darstellungsbedarf, der über die unmittelbare Turnierorganisation hinausgeht. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Vizekanzler Hubert Gorbach sowie die Vorsitzenden des Vereins „Österreich am Ball“, Susanne Riess-Passer und Beppo Mauhart präsentierten Heinz Palme als Chefkoordinator der österreichischen Bundesregierung für das Begleitprogramm der Fußball-EM 2008. „Wir wollen die Fußball-EM 2008 zu einem wirklichen Topereignis machen und Österreich damit perfekt positionieren. Wir haben damit die enorme Chance, unsere Sportler, unsere Fähigkeiten als Gastgeber und Organisatoren in Europa zu präsentieren. Es ist eine große Chance für Tourismus, Sport, Kultur. Dafür müssen wir uns gut vorbereiten. Wir haben einen Top-Profi in unser Team geholt. Heinz Palme wird der Chefkoordinator der Bundesregierung für die Fußball-EM 2008. Er hat diese Aufgabe schon bei der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland hervorragend und äußerst professionell gemacht. Er hat damit bedeutende Akzente gesetzt und wir alle haben erlebt, was für ein Erfolg diese WM war“, so Schüssel. „Wir haben für die EM 2008 eine Botschaft und eine Mission zu vermitteln. Das ist bereits bei der Fußball-WM in Deutschland gut gelungen. Ich bin davon überzeugt, dass es auch gelingen wird, Österreich erfolgreich zu präsentieren. Österreich steht für Jugendlichkeit, Kreativität und Dynamik. Mit Österreich verbindet man in der Welt die Begriffe Lebenswert und Liebenswert“, sagte Heinz Palme. Er werde als Chefkoordinator der österreichischen Bundesregierung für die Wünsche der Menschen offen sein und die Idee der EM 2008 in Roadshows, Veranstaltungen und Vorträgen bewerben. „Wir müssen für dieses Großereignis Menschen gewinnen und einbeziehen. Für den Erfolg der EURO 2008 ist es wichtig, dass dieses Ereignis zur Chefsache erklärt wird. Die österreichische Bundesregierung stärkt mir dabei den Rücken“, so Palme abschließend. Die gesamte Reichweite der Fußball-EM liegt bei 8 Mrd. Menschen. Dadurch könne ein enormer Imageeffekt erzielt werden, der auch in der Volkswirtschaft seinen Niederschlag finden werde.
Laut einer Studie von Wirtschaftskammer und ÖFB wird die EM ein Volltreffer für die Wirtschaft werden. Die Bauwirtschaft rechnet mit einem Zuwachs an Wertschöpfung von rund 90 Millionen Euro, im Tourismus kann man mit einem Plus von rund 150 Millionen Euro rechnen. Die EM werde auch zwischen 5000 und 6000 neue kurz- oder mittelfristige Arbeitsplätze generieren. Die gesamten Wertschöpfungseffekte werden in Österreich mit ca. 400 Millionen Euro beziffert. Mit 1. März 2003 wurde weiters mit dem ÖFB ein Vertrag über die Förderung von Maßnahmen zum Aufbau einer bis zum Jahr 2008 international konkurrenzfähigen Nationalmannschaft abgeschlossen. Das ins Leben gerufene Projekt „Challenge 2008“ hat das Ziel, die hoffnungsvollsten Fußballer regelmäßig zu Lehrgängen und Spielen einzuberufen und somit international konkurrenzfähig zu machen. Durch gezielte Förderprogramme, Trainingslehrgänge, Seminare (Sportpsychologie, Medientraining) sowie sportwissenschaftliche Betreuung werden die Teams in Kooperation mit den Stammvereinen gezielt unterstützt. Die für „Challenge 2008“ vom Bund vorgesehene Gesamtsumme beträgt rund € 1,816,-- Millionen. ■