Montag, 12. Juni 2006
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EU-Verfassung: Kanzler Schüssel plädiert für EU-Referendum
EU-Ratsvorsitzender Bundeskanzler Wolfgang Schüssel warnt vor einer Handlungsunfähigkeit der erweiterten Europäischen Union, sollte der Verfassungsvertrag nicht in Kraft treten. In einer Union mit demnächst 27 Mitgliedern müssten die komplizierten Entscheidungsstrukturen „drastisch vereinfacht“ werden, um handlungsfähig zu bleiben, erklärte Schüssel in der deutschen Zeitung „Bild am Sonntag“ am 11. Juni.
Wenige Tage vor dem EU-Gipfel in Brüssel (15./16. Juni) sprach sich Schüssel für die Abhaltung eines EU-weiten Referendums aus: „Eine Volksabstimmung, die in allen EU-Staaten gleichzeitig stattfindet, kann ich mir gut vorstellen. Angenommen wäre die Verfassung, wenn die Mehrheit der europäischen Bevölkerung und die Mehrheit der Staaten zustimmt“, so der EU-Ratsvorsitzende. ■

Italiens Premier Prodi in Wien
Der neue italienische Regierungschef Romano Prodi beginnt seine erste Besuchstour durch Europa mit einer Visite in Wien, wo er am 13. Juni mit EU-Ratspräsident Bundeskanzler Wolfgang Schüssel EU-Themen und die aktuelle Weltlage erörtern wird. ■

Grünes Licht für EU-Verhandlungen mit der Türkei
Die EU-Staaten haben sich mit Zypern über die Aufnahme konkreter Beitrittsverhandlungen mit der Türkei geeinigt. Dies teilte die österreichische EU-Ratspräsidentschaft beim Treffen der EU-Außenminister am 12. Juni in Luxemburg mit. In einer gemeinsamen Erklärung unterstreicht die EU die Notwendigkeit, dass die Türkei das Zusatzprotokoll umsetzt. Demnach ist Ankara verpflichtet, bis Ende 2006 seine See- und Flughäfen für Zypern zu öffnen. Weiters muss die Türkei Zypern im Laufe der Beitrittsverhandlungen diplomatisch anerkennen. Das erste Verhandlungskapitel „Wissenschaft und Forschung“ soll nach dem Verhandlungsstart vorläufig abgeschlossen werden.
Vorläufig abgeschlossen wurde das erste Verhandlungskapitel auch mit Kroatien. Mit Albanien wurde ein EU-Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen unterzeichnet. Dies gilt als erster Schritt zu einer EU-Mitgliedschaft. ■

Kanzler Schüssel in Berlin geehrt
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wurde am 1. Juni in Berlin vom Wirtschaftrat der CDU mit der Ludwig-Erhard-Gedenkmünze in Gold geehrt. Den Rahmen dafür bildete der „Wirtschaftstag 2006“ des Wirtschaftsrates der CDU, wo Schüssel auch eine Rede zum Thema „Reformerfolg Österreich – Perspektiven für Europa“ hielt. An der Tagung nahm auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel teil.
„Deutschland hat unglaubliches Potenzial“, betonte Schüssel und forderte Mut zu Reformen und Investitionen. In diesem Zusammenhang verwies der Bundeskanzler auf zahlreiche Beispiele für gelungene Reformen in Österreich – etwa in den Bereichen Infrastruktur, Forschung und Arbeitsmarktpolitik. So habe Österreich die durchschnittliche Vermittlungsdauer von Arbeitslosen auf 100 Tage reduziert, in Deutschland sei dieser Wert doppelt so hoch. ■

Kanzler Schüssel: Österreich führt substanziellen Integrationsdialog
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel kündigte nach dem Ministerrat am 1. Juni die Einsetzung von Arbeitsgruppen zu Themenbereichen wie Sicherheit, Familie, Bildung und Jugend sowie Arbeitsmarkt und Religion an, um weitere Schritte im Integrationsdialog einzuleiten. Ein besonderes Anliegen sei ihm der in Österreich traditionell gepflegte Dialog mit den Religionsgemeinschaften, der europaweit als beispielhaft gewürdigt werde, erklärte Schüssel. ■

15 Jahre Anwaltschaft für Gleichbehandlungsfragen
Heuer feiert die Anwaltschaft für Gleichbehandlungsfragen ihr 15-jähriges Bestehen. Allein im vorigen Jahr wurden 4418 Neuanfragen verzeichnet. Frauenministerin Maria Rauch-Kallat und Gleichbehandlungsanwältinnen loben, dass die Anwaltschaft das Bewusstsein in Genderfragen „sehr stark mitentwickelt“ habe. Zwar sei die Ungleichbehandlung weiterhin auf Seite der Frauen, doch bei der Ahndung „sexueller Belästigung am Arbeitsplatz“ gebe es Fortschritte. ■

US-Präsident George W. Bush kommt nach Österreich
Die Reise von US-Präsident George W. Bush zum EU-USA-Gipfel nach Wien am 21. Juni ist seit Jahrzehnten der erste offizielle Besuch eines amerikanischen Staatsoberhauptes in Österreich. An dem Treffen im Großen Redoutensaal der Hofburg nehmen auf amerikanischer Seite Bush und US-Außenministerin Condoleezza Rice, auf europäischer Seite EU-Ratsvorsitzender Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Außenbeauftragter Javier Solana teil.
Während des Bush-Besuchs besteht höchste Sicherheitsstufe. Mehr als 2000 Polizisten werden nach Angaben des Innenministeriums allein für den Schutz von Personen, Objekten und Fahrtrouten eingesetzt. ■

Außenministerin Plassnik: EU und USA sind „Wertegemeinschaft“
Zu keinem anderen Partner unterhalte die EU intensivere und vielfältigere Beziehungen als zu den USA. Gute und tragfähige transatlantische Beziehungen seien daher für jeden EU-Ratsvorsitz ein zentrales Anliegen, erklärte Außenministerin Ursula Plassnik am 31. Mai vor dem Europäischen Parlament in Brüssel. In diesem Sinne werde der österreichische EU-Vorsitz beim EU-USA-Gipfel in Wien neue Impulse im gemeinsamen Wirken für Frieden, Demokratie und Menschenrechte setzen. ■

EU-Staaten einigten sich auf gemeinsame Energie-Außenpolitik
Die EU-Mitgliedstaaten haben sich am 8. Juni in Luxemburg auf eine intensivere Kooperation bei der europäischen Energie-Außenpolitik geeinigt. Darüber herrsche „große Übereinstimmung“, sagte Ratsvorsitzender Wirtschaftsminister Martin Bartenstein nach dem Treffen der Energieminister. EU-Energiekommissar Andris Piebalgs sprach von einem „signifikanten Fortschritt in der integrierten EU-Energiepolitik“.
Einig sind sich die EU-Staaten auch darin, eine engere Energiepartnerschaft mit Russland zu forcieren. Vor allem seit der Gaskrise zu Jahresbeginn wird Russland zur Aufhebung des staatlichen Monopols aufgefordert, damit auch europäische Firmen in Russland Gas fördern können. Nur dann will die EU der russischen Gazprom auch das verstärkte Engagement am europäischen Endkundenmarkt erlauben. Russland hat die Energie-Charta bisher nicht unterzeichnet.
Der Energiegemeinschaftsvertrag hingegen, den die 25 EU-Staaten und neun südosteuropäische Länder unterzeichnet haben, soll mit 1. Juli in Kraft treten. ■

Mazedonischer Ministerpräsident Buckovski bei Kanzler Schüssel
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat am 8. Juni den mazedonischen Ministerpräsidenten Vlado Buckovksi empfangen. Zentrales Thema waren Mazedoniens Bemühungen um eine Annäherung an die EU. Mazedonien verfügt seit Ende 2005 über einen EU-Kandidatenstatus. ■

Wien: Großmächte einigten sich über Iran-Paket
Die Außenminister der fünf Vetomächte im UNO-Sicherheitsrat (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) und Deutschlands haben sich bei ihrem Gipfeltreffen am 1. Juni in Wien auf ein gemeinsames Angebot an den Iran geeinigt. Voraussetzung für wirtschaftliche Anreize ist ein Stopp der Urananreicherung durch Teheran. Im Gegenzug würden die UN-Vetomächte ihre Aktivitäten im Sicherheitsrat einstellen und die USA sich zu direkten Gesprächen bereit erklären. Für den Fall, dass der Iran nicht kooperiert, enthält das Offert nicht näher ausgeführte Strafmaßnahmen, jedoch keine militärischen Sanktionen. Erwartet wird eine Antwort Teherans bis zum G-8-Gipfel Mitte Juli.
EU-Außenbeauftragter Javier Solana überbrachte Teheran am 6. Juni das Wiener Kompromisspapier zur Beilegung des Atomstreits. Dabei signalisierte der Iran zwar Dialogbereitschaft, lehnte jedoch einen Verzicht auf Urananreicherung entschieden ab.
EU-Ratsvorsitzender Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat sich für die Schaffung eines stärkeren Instrumentariums zur internationalen Kontrolle von Atomtechnologie ausgesprochen, warnte aber auch davor, den Druck auf die Regierung in Teheran weiter zu erhöhen. Der Iran solle bis zum G-8-Gipfel Zeit haben, das EU-Angebot zu prüfen. ■

Europäischer Arbeitgeber-Gipfel in Wien
Am 8. und 9. Juni tagte in Wien der Präsidentenrat des europäischen Industrie- Dachverbandes¬UNICE. An dem Treffen nahmen mehr als 30 Präsidenten und Generaldirektoren der nationalen Industrie- und Arbeitgeberverbände unter Leitung von UNICE-Präsident Ernest-Antoine Seillière teil. Österreich war u.a. durch den Präsidenten der Industriellenvereinigung und UNICE-Vizepräsidenten, Veit Sorger, vertreten.
Erörtert wurden aktuelle wirtschafts- und europapolitische Themen, darunter die jüngst beschlossene EU-Dienstleistungs-Richtlinie, Entwicklungen bei der WTO und die Zukunft Europas. Die Ergebnisse sollen in die Verhandlungen mit den europäischen Arbeitnehmervertretungen einfließen und auch beim Juni-Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs beraten werden.
Wirtschaftsminister Martin Bartenstein forderte für die Zukunft einen EU-Focus auf vier Schwerpunkte: Beschäftigung, Forschung und Entwicklung, kleine und mittlere Unternehmen sowie Energieversorgung. ■

BAWAG-US-Vergleich
Nach wochenlangen harten Verhandlungen hat die durch Refco- und Karibikdebakel in schwere Turbulenzen geratene Gewerkschaftsbank BAWAG am 5. Juni in New York mit Refco-Gläubigern und US-Behörden einen Vergleich um rund 1,3 Mrd. US-Dollar (1 Mrd. Euro) erzielt. Damit konnten BAWAG und Alleineigentümer ÖGB (Österreichischer Gewerkschafts¬bund) Milliarden-Sammelklagen abwenden. Die formale Unterzeichnung vor dem US-Konkursgericht ist für Ende Juni geplant.
Mit diesem außerordentlichen Globalvergleich zwischen BAWAG und US-Geschädigten wurde zudem die längst fällige Bilanz 2005 ermöglicht und so der Weg für den Verkauf der Gewerkschaftsbank geebnet. Basis für die BAWAG-Bilanz 2005 (mit einem kleinen Gewinn von 6,2 Mio. Euro) ist die Bundeshaftung über 900 Mio. Euro, für die (formal) noch die Zustimmung der EU-Kommission erforderlich ist.
Der Vergleich mit den US-Gläubigern sieht eine Zahlung in zwei Raten vor: 150 Mio. Dollar stehen sofort bereit, 525 Mio. Dollar werden nach dem Verkauf der BAWAG fällig. ■

Bund hält 70 Prozent an der OeNB
Die Generalversammlung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hat am 30. Mai den Rückkauf der Notenbank-Anteile des ÖGB und der BAWAG in Höhe von insgesamt 20 % durch die Republik Österreich genehmigt. Damit ist die Republik im Besitz von 70 % der Anteile an der OeNB. Die Übertragung dieser Aktien an den Bund war als Teil des BAWAG-Rettungspaketes Anfang Mai vereinbart worden. ■

Wifo: Österreichs Wirtschaft wächst bis 2010 jährlich um 2,1 Prozent
Der Welthandel wird bis 2010 um fast 7 % pro Jahr und die Weltproduktion um 4,5 % wachsen. Davon geht das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in seiner jüngsten Prognose vom 6. Juni aus. Das sei merklich rascher als in den Jahren 2000 bis 2005. Unter den Industrieländern werde die US-Wirtschaft weiterhin eine höhere Steigerungsrate (+3,1%) erreichen als die EU-25 (+2,1%), so die Experten.
Die österreichische Wirtschaft wird laut Wifo bis 2010 ein reales BIP-Wachstum von 2,1 % jährlich verzeichnen und damit rascher als der Durchschnitt der Euro-Länder wachsen. ■

Post-Aktie auf Höhenflug
Einen fulminanten Erfolg feierte die Aktie der Österreichischen Post AG am 31. Mai bei ihrem Debüt an der Wiener Börse. Die Aktie startete bereits mit 20,90 Euro und lag damit deutlich über dem Ausgabekurs von 19 Euro. Seinen ersten Handelstag schloss der Börse-Neuling um 14,21 % höher bei 21,70 Euro. Die Staatsholding ÖIAG erlöst rund 650 Mio. Euro.
„Mit diesem Börsegang sind wir in die Champions League aufgestiegen“, freute sich Post-Generaldirektor Anton Wais. Für Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat die „höchst erfolgreiche Entwicklung“ der Postaktie gezeigt, „dass das Konzept hinter diesem Privatisierungsprojekt richtig war“. Schüssel verwies auf die hohe Mitarbeiterbeteiligung (rd. 5 %) und unterstrich, dass von den 49 %, die privatisiert wurden, mehr als die Hälfte in österreichischem Besitz geblieben sei.
Inklusive der Mehrzuteilungsoption wurden 34,3 Mio. Aktien verkauft (Stand: 2. Juni). ■

Österreichisches Kulturforum Rom feiert 125-jähriges Jubiläum
Das Österreichische Kulturforum nimmt unter den in Rom beheimateten ausländischen Instituten und Akademien eine besondere Stellung ein, zählt es doch mit der 1874 gegründeten „Ecole Francaise“ zu den ältesten Institutionen dieser Art in der Stadt. Im Juni 1881 gegründet, wurde es ursprünglich als historische Forschungsstelle unter der Bezeichnung „Istituto Austriaco di Studii Storici“ eingerichtet. In der Zwischenkriegszeit zum Kulturinstitut erweitert, wurde dies 1954 im österreichisch-italienischen Kulturabkommen bestätigt.
Seit jeher besteht eine traditionelle intensive Zusammenarbeit Österreichs mit Italien im Kultur- und Wissenschaftsbereich. Seit 1993 wird die österreichische kulturpolitische Arbeit in Norditalien vom Kulturforum in Mailand betreut, während sich das Kulturforum Rom auf Mittel- und Süditalien konzentriert. In den letzten Jahren versucht das Kulturforum vor allem durch Präsentation zeitgenössischen Kunstschaffens ein vielschichtiges Bild des gegenwärtigen Österreichs zu zeichnen. Dabei stehen Literatur, Architektur, Tanz, die audiovisuellen Medien mit Ausdrucksformen wie Design, Multimedia-Performances und Videokunst im Vordergrund.
Anlässlich des Gründungsjubiläums fand am 7. Juni am Kapitol ein Festakt statt, den der römische Bürgermeister Walter Veltroni eröffnete. Schon vorher hatte Außenministerin Ursula Plassnik betont, dass „das Kulturforum Rom und das Historische Institut beim Kulturforum in besonderer Weise Repräsentanten der kulturellen und wissenschaftlichen Leistungen Österreichs in Rom und Italien“ seien. „Seit seiner Gründung vor nunmehr 125 Jahren ist es dem Kulturforum in sehr erfolgreicher Arbeit gelungen, das Interesse an Österreich als unmittelbarer Nachbar Italiens sowie als Partner in Kultur und Wissenschaft in einer Stadt mit weltweiter kultureller Bedeutung dauerhaft zu festigen“. ■

Kiesler-Preis an Olafur Eliasson
Der austro-amerikanische Architekt, Bühnenbildner und Designer Friedrich Kiesler (1890-1965) gilt als einer der Visionäre ganzheitlichen organischen Denkens von Mensch und Raum. Nach ihm ist der höchstdotierte Preis für Kunst und Architektur benannt, den seit 1998 die Republik Österreich und die Stadt Wien alle zwei Jahre alternierend verleihen. Nach Frank O. Gehry, Judith Barry, Cedric Price und Asymptote wurde die hohe Auszeichnung nun am 7. Juni von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer an Olafur Eliasson verliehen. Der 1967 in Kopenhagen geborene, von isländischen Eltern abstammende bildende Künstler betreibt seit 1995 in Berlin ein Planungsbüro mit bis zu 50 Mitarbeitern. Soeben stellt es Entwürfe für die Fassaden der neuen Konzerthalle in Reykjavik und den Anbau der Hischhorn-Sammlung in Washington her. Für Olafur Eliasson ist interdisziplinäres Denken selbstverständlich, „elitäre Tendenzen in der Kunst“ lehnt er ab. Sie solle Spaß machen und stehe mitten in der Gesellschaft. Seine Präsentationen wie z.B. eine Installation eines monumentalen simulierten Sonnenaufgangs („Weather Project“) in der Londoner Tate Modern, schmelzende Eisberge in Kunsträumen oder auch seine eindrucksvollen Kunstlandschaften, die er 2001 in das Kunsthaus Bregenz gezaubert hat („The mediated motion“), schaffen stets Verbindungen zwischen Natur, Kunst und Architektur, die für die Betrachter direkt erfahrbar sind, ohne platt zu wirken. Dementsprechend hieß es auch in der Begründung der Jury, Eliasson schaffe „basierend auf wissenschaftlichen Untersuchungen, sowie philosophischen und wahrnehmungstheoretischen Modellen komplexe, sinnlich erfahrbare Modellierungen der Parameter Zeit und Raum – ganz im Sinne der inspirierenden umfassenden Werkidee von Friedrich Kiesler“.
Im Herbst wird eine Installation des neuen Kiesler-Preisträgers in Wien sicher für Furore sorgen: Der „Verbund“ kaufte Eliassons Arbeit „Yellow Fog“, die schon am Jüdischen Museum in New York aufstieg. Ab Oktober wird einmal in der Dämmerung und in der Nacht gelber Nebel an der Fassade der „Verbund“-Zentrale am Hof schwären. ■

Wien in Moskau zu Gast
Bis 2. Juli finden „Wien Tage in Moskau“ statt, an denen sich die Bundeshauptstadt umfassend präsentiert. Die „Tage“ symbolisieren die guten Beziehungen zwischen den Metropolen und bilden den Gegenbesuch nach den „Moskau Tagen in Wien“ im Herbst 2005. Wien zeigt sich nun klassisch und zeitgenössisch, als pulsierendes Kompetenzzentrum und als Drehscheibe im Zentrum Europas, auch als Ort von Lebensqualität und Genuss. Die Wirtschaftskammer Wien führt einen Workshop zum Thema „Wien Products“ durch. Bei der Eröffnungsveranstaltung am 8. Juni traten u.a. die Wiener Sängerknaben – die für ein Benefizkonzert auch 300 Moskauer Waisenkinder eingeladen haben – und die Wiener Strauß Solisten auf. Zu den Höhepunkten der „Wien Tage in Moskau“ gehören weiters Mozartopern-Filme im Rahmen des Filmfestivals „WienMozart2006“, die Ausstellungen „UNESCO Weltkulturerbe Wien“ und „Zeitgenössische Kunst – Sammlung Mauer“, sowie eine Schau mit Werken junger KünstlerInnen der Universität für Angewandte Kunst in Wien. An einem „Wiener Ball“ am 9. Juni nahmen rund 1.600 Gäste teil.
Über das Kulturelle hinaus präsentiert sich Wien in Moskau als Wissenschafts- und Forschungsstandort mit Symposien, Seminaren und Workshops. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bereiche Medizin (Herzerkrankungen, Brustkrebs, Chirurgie) und Biotechnologie, Psychoanalyse, Telekommunikation, Informations- und Verkehrstechnologie, Abfallwirtschaft, Gewässerschutz und Renaturierung von Gewässern. ■

Lange Nacht mit Sigmund Freud
Am 16. Juni zwischen 20 und 1 Uhr früh widmet das Wiener MAK (Museum für Angewandte Kunst) Sigmund Freud eine „Lange Nacht“, konzipiert von Reinhard Urbach und räumlich gestaltet von Herbert Kapplmüller. Unter dem Titel „Das sind wir! Sind wir das?“ lesen über 80 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Künstler und Wissenschafter, Texte, Briefe, Satiren, Polemiken und Hommagen, die seit vielen Jahren von, über, an und gegen den Vater der Psychoanalyse geschrieben worden sind. Wie Kunst- und Medienstaatssekretär Franz Morak erklärte, gehe es „darum aufzuspüren, wie Freud in dieser 150-jährigen Geschichte gesehen wurde, in seiner Arbeit als Arzt, Künstler und Literat bis zu seiner Vertreibung 1938, von der gesamten Wahrnehmung später im In- und Ausland bis zur Ikonographie der Gegenwart, in der Freud zu einer Medienfigur geworden ist“. Bei den Lesungen – etwa vom Schauspieler Michael Heltau, dem Architekten und Karikaturisten („Ironimus“) Gustav Peichl oder dem Historiker Gerald Stourzh – kommen u.a. Texte von Woody Allen, Thomas Mann, bis zu Vladimir Nabokov und Stefan Zweig zur Sprache. Das Publikum wird, in Anspielung auf die archetypische Situation von Therapeut und Patient, auf extra angefertigten Sesseln und Ottomanen Platz nehmen. Nach der „Langen Nacht“ werden diese verkauft, der Reinerlös geht an das Haus der (psychisch kranken) Künstler in Gugging bei Wien. ■

Anton Karas-Gedenken in Wien
Während die Jubilare Wolfgang Amadé Mozart und Sigmund Freud seit Monaten gefeiert werden, scheint Anton Karas (1906-1985) bisher kaum beachtet: Am 7. Juli jährt sich der 100. Geburtstag des Heurigenmusikers aus Wien-Sievering, der 1948 für Carol Reeds im Nachkriegs-Wien spielenden Filmklassiker „Der Dritte Mann“ (nach Graham Greenes Roman) die Musik komponierte. Unvergesslich das „Harry Lime Thema“, bezogen auf den zwielichtigen Orson Welles, das Anton Karas auf seiner Zither nervös, gefährlich und süß spielte.
Das „Dritte Mann Museum“ bringt bis 29. Juli einen Veranstaltungsreigen u.a. mit der Sonderausstellung „Die halbe Wahrheit: Karas gekonnt und geklont“. „Die halbe Wahrheit“ lautet auch eine vierköpfige Künstlergruppe, die sich skurril-ironisch mit Karas auseinander setzt. Das Museum bietet neben etlichen Filmdetails zahlreiche Lebenszeugnisse des Musikers wie die Original-Filmzither. Zithern – an sich keine vorrangigen Heurigeninstrumente – waren die bevorzugten Arbeitsutensilien von Anton Karas. Bei Carol Reeds Begräbnis in England spielte er das „Harry Lime Thema“ als Trauermarsch. Mit einer Zither wurde Anton Karas 1985 auf dem Sieveringer Friedhof auch begraben. ■

Konferenz in Wien: Digital Innovation through Cooperation in Europe
Auf Basis des Privatfernsehgesetzes 2001 erfolgte die Einrichtung der Arbeitsgemeinschaft „Digitale Plattform Austria“ zur Unterstützung der Regulierungsbehörde KommAustria bei der Ausarbeitung von Konzepten zur Digitalisierung der Rundfunk-Übertragungswege. Basierend auf dem 2003 veröffentlichten Digitalisierungskonzept der KommAustria wird Ende September 2006 das Digitale Antennenfernsehen in Österreich (Digital Video Broadcasting – Terrestrial) eingeführt. Das DVB-T ist ein internationaler Standard für das Digitale Antennenfernsehen. Dabei werden Bild- und Tonsignale in digitale Impulse umgewandelt und übertragen. Die Digitalisierung des Fernsehens nach Einführung des Farbfernsehens und der Übertragung via Kabel und Satellit ist der nächste technische Schritt in die Zukunft. Mit der Einführung von DVB-T folgt Österreich einer Empfehlung der EU-Kommission, wonach die digitale Übertragungstechnik das analoge Fernsehen bis 2012 in allen Mitgliedsländern der Europäischen Union ablösen soll.
Am 7. Juni fand in Wien eine von der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) organisierte, internationale Fachkonferenz im Rahmen des EU-Projektes DICE (Digital Innovation through Cooperation in Europe) statt, an der u.a. Kunst- und Medienstaatssekretär Morak, in dessen Zuständigkeit die 2001 begonnen Digitalisierungsaktivitäten Österreichs fallen, Prof. Jo Groebel vom Deutschen Digital Institut, ORF-Online-Direktor Ronald Schwärzler und Christof Schoser von der Europäischen Kommission, teilnahmen. Morak betonte dass „jedem Bürger und jeder Bürgerin – unabhängig von Einkommen oder Wohnort – Zugang zu den Diensten der Informationsgesellschaft gewährt sein“ müsse. Gerade digitales Fernsehen könne „einen wertvollen Beitrag zur Vermeidung des so genannten ‚digital divide’ leisten“. Die Digitalisierung müsse in allen Staaten Europas in notwenigen Gleichklang erfolgen, insbesondere was die Kompatibilität von digitalen Zusatzdiensten betreffe.
Das Projekt DICE wird von einem EU-Förderprogramm kofinanziert und dient dem Wissenstransfer zwischen den teilnehmenden Ländern Deutschland, Großbritannien, Litauen, Polen, Schweden, Ungarn und Österreich. Seit August 2004, als das Projekt begann, wurden in mehreren Arbeitsgruppen und Konferenzen die wesentlichen Aspekte der Einführung des DVB-T behandelt. ■

Innovatives Fotoarchiv zu Technologieentwicklung in Österreich
Ein Großteil der im Rahmen eines Fotowettbewerbs des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) unter dem Titel "Innovative Motive" prämierten Bilder wurden nun über eine Internetplattform der Öffentlichkeit präsentiert. „Die Bildagentur Buenos Dias hat dafür ein neues Archiv für Fotos zu Forschung, Technologie und Innovation aus Österreich eingerichtet. Mit diesem Archiv soll der Zugriff auf Fotos erleichtert werden, um textliche Inhalte über Wissenschaft, Forschung und Technologieentwicklung besser und zeitgemäßer zu illustrieren“, so Forschungsstaatssekretär Eduard Mainoni. Als Motive für die Aufsehen erregenden Bilder der österreichischen Forschung dienten ungewöhnliche Orte – etwa Messungen auf 3000 Meter Höhe am Stubaier Gletscher (Tirol) oder Wartungsarbeiten im Gebläse des weltweit größten Klima-Wind-Kanals in Wien. „Für diesen Fotowettbewerb konnten wir Unternehmen wie Austrian Aerospace, BMW Steyr, Böhler Edelstahl, Fronius, Lenzing, MAGNA Steyr oder OMV gewinnen. Daneben waren Universitätsinstitute und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie die Austrian Research Centers Ziel der Fotografen, um das breite Spektrum der modernen Forschung einzufangen“. ■

Design aus Österreich – ein Erfolg
Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) präsentierte mit Kunst- und Medienstaatssekretär Morak im Museum für Angewandte Kunst (MAK) das „Handbuch der Österreichischen Designgeschichte von 1900-2005“. Koren wies darauf hin, dass österreichisches Design ein wichtiger Kultur- und Wirtschaftsfaktor sei – eine „Visitenkarte“ Österreichs in aller Welt. Die 106 weltweiten AWO-Außenstützpunkte würden den jungen österreichischen Designsektor promoten. Morak meinte anschließend, dass eine derartige Produktion schon lange nötig gewesen wäre, weil das österreichische Design auch eine dokumentierte Geschichte brauche, die bisher fehlte. Der Bogen des Handbuchs spannt sich vom Möbeldesign des beginnenden 20. Jahrhunderts bis zum aktuellen Industriedesign. Weitere Schwerpunkte sind Alltagskultur allgemein, österreichisches Modedesign sowie auch ein Einblick in die Sportartikelindustrie als größten Ideenlieferanten für innovatives österreichisches Design. ■

Bundespräsident und Bundeskanzler ehren Olympioniken
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel überreichte gemeinsam mit Bundespräsident Heinz Fischer verschiedene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich an alle österreichischen Medaillengewinner der Olympischen Winterspiele und Paralympics von Turin 2006. „Die heuer bei Olympia so erfolgreichen österreichischen Sportler sind nicht nur Mutmacher und Vorbilder für uns alle, sondern mittlerweile auch Zugpferde einer ganzen Wirtschaftsbranche. Die Einnahmen aus dem Wintertourismus übersteigen heuer erstmals jene des Sommertourismus. Sport ist heute für Österreich zum Wohlstand erhaltenden Faktor geworden“, betonte der Bundeskanzler. Er sprach weiters von einem „Tag der Freude“ angesichts der so erfolgreichen Ausbeute der österreichischen Olympiateilnehmer und dankte allen Beteiligten und Unterstützern, die diesen Erfolg ermöglichten. „Mein Dank und meine Hochachtung geht im Speziellen an die Teilnehmer der Paralympics: Durch das Überwinden ihrer Barrieren und das Erreichen solcher sportlichen Erfolge sind sie Mutmacher und Vorbilder für viele Andere“, so Schüssel. Im Namen der geehrten Olympioniken bedankten sich Doppel-Olympiasiegerin Michaela Dorfmeister und mehrfache Paralympics-Olympiasiegerin Sabine Gasteiger für die Auszeichnungen und die jahrelange Hilfe von Seiten der Republik, des Bundesheeres, des ÖSV und der zahlreichen Sponsoren. ■

Schweitzer für mehr Transparenz und Sauberkeit im Fußballsport
Sport-Staatssekretär Schweitzer und Sport-Anwalt Christian Flick nahmen zur wirtschaftlichen und rechtlichen Situation im österreichischen Fußball Stellung: „Aufgrund der letzten Erfahrungen im Zuge der Lizenzvergaben für diverse Bundesligavereine und der oftmals nicht nachvollziehbaren finanziellen Gebarung sollten die Profilizenzabteilungen der Fußballvereine in eine Kapitalgesellschaft übergeführt werden“, so Schweitzer. Die Republik Österreich fördert mit Mitteln aus der Bundes-Sportförderung nicht nur das Nachwuchsförderungsprojekt „Challenge 2008“ im Zeitraum von 2003 bis 2008 mit ca. 2,7 Mill. Euro, sondern finanziert mit ca. 62 Mill. Euro auch die Errichtungs- und Ausbaukosten der Stadien für die Fußball-Europameisterschaft 2008. Dem Österreichischen Fußballbund stehen außerdem im Jahr 2006 aus der Besonderen Bundes-Sportförderung rund 14 Mill. Euro als Grundbetrag sowie gemäß § 10 Abs. 1 Ziffer 5b zusätzliche Mittel in der Höhe von 1,22 Mio. Euro zweckgewidmet für die Nachwuchsförderung zur Verfügung. ■

Schweitzer präsentierte neue Schwimmerabzeichen
Die neuen Österreichischen Schwimmer- und Rettungsschwimmerabzeichen wurden gemeinsam durch Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer und Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Österreichisches Wasserrettungswesen präsentiert. Schweitzer unterstrich die Bedeutung von Bewegung im Zusammenhang mit dem Schwimmsport. „Es ist ein besonderes Anliegen alle Österreicherinnen und Österreicher – besonders Kinder und Jugendliche – das Schwimmen zu lehren, es ist jedoch auch eine besondere Aufgabe und Herausforderung – meist von Ehrenamtlichen getragen – für alle Sportbegeisterten bei der Ausübung von Bewegung im Wasser in unseren Seen, Flüssen und Bädern immer bereit zu sein - eine Danke an alle Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer“. Diese Sportleistungsabzeichen werden gemäß Bundes-Sportförderungsgesetz verliehen und wurden gemeinsam mit allen Mitgliedsorganisationen und Bundesministerien der Arbeitsgemeinschaft Österreichisches Wasserrettungswesen aufgrund aktuellster Erkenntnisse im Bereich der Schwimmausbildung und des Rettungsschwimmens ausgearbeitet. Das gemeinsame Ziel lautet: „Jeder Nichtschwimmer ein Schwimmer – jeder Schwimmer ein Rettungsschwimmer“. ■