Montag, 19. Juli 2004

Innenpolitik

Europa / International

Wirtschaft

Kultur / Medien / Wissenschaft

Sport


Trauer um Thomas Klestil

Österreich nahm am 10. Juli Abschied von Thomas Klestil (71). Der in der Nacht zum 7. Juli einem Herzversagen erlegene Bundespräsident wurde im Rahmen eines Staatsbegräbnisses in der Präsidentengruft am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Zuvor zelebrierte Wiens Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn im Stephansdom ein Requiem.
An den Trauerfeierlichkeiten nahmen tausende Bürger, die gesamte politische Führung des Landes, Vertreter aller europäischen Königshäuser sowie 25 Staats- und Regierungschefs – darunter Russlands Präsident Wladimir Putin, der deutsche Bundespräsident Horst Köhler und für die USA der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger – teil.
Am Rande der Beisetzungsfeiern führten der neue Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bilaterale Gespräche. Im Anschluss an die Trauerzeremonien waren die Staatsgäste zu einem Empfang in die Präsidentenräume der Wiener Hofburg geladen.
Bereits am 8. Juli hatten Bundesregierung und Abgeordnete im Parlament unmittelbar nach Fischers Angelobung zum Bundespräsidenten in einer Trauersitzung Thomas Klestil ihre Reverenz erwiesen. ■

Top

Bundespräsident Heinz Fischer trat sein Amt an

Heinz Fischer wurde am 8. Juli zum achten Bundespräsidenten der Zweiten Republik angelobt. In seiner Antrittsrede gelobte das neue Staatsoberhaupt vor der Bundesversammlung eine unparteiische Amtsführung: „Ich kann und werde meine Herkunft aus der österreichischen Sozialdemokratie nicht verleugnen und den Idealen meiner Jugend nicht untreu werden – aber ich kann und werde jede Parteilichkeit hinter mir lassen“, sagte Fischer.
Zur Angelobung waren neben der Bundesregierung unter Führung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel rund 1.000 Gäste gekommen – darunter Altbundespräsident Kurt Waldheim, die Witwe des verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil, Margot Klestil-Löffler, sowie die früheren Bundeskanzler Fred Sinowatz und Franz Vranitzky. Vertreten waren auch die Sozialalpartner und Religionsgemeinschaften.
Gegenüber der Bundesregierung brachte Fischer seinen Willen zu „sachlicher Zusammenarbeit“ zum Ausdruck und plädierte für Fairness bei der Austragung politischer Konflikte sowie für soziale Gerechtigkeit. Bundeskanzler Schüssel bot dem Bundespräsidenten die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit der Bundesregierung an. ■

Top

Kanzler Schüssel zur Pensionsharmonisierung: „Fair und gerecht“

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel präsentierte am 12. Juli gemeinsam mit dem Koalitionspartner die Eckpunkte der Pensionsharmonisierung.
„Wir schaffen damit ein modernes, faires und gerechtes System. Die Pensionsharmonisierung basiert auf dem Prinzip, dass gleiche Beiträge gleiche Leistung erbringen. Dieses Modell, das auf der Pensionssicherungsreform von 2002 aufbaut, ist alternativlos und es gab kein ernstzunehmendes Gegenargument in der Diskussion. Neu ist, dass ab 2005 für alle unter 55-Jährigen ein einheitliches Pensionsversicherungssystem für alle Berufsgruppen gelten wird. Wichtig war uns dabei, dass keine alten Pensionsansprüche verloren gehen. Das ist mit dieser Reform gesichert“, betonte Schüssel unter Hinweis darauf, dass diese Pensionsharmonisierung von 80% der Bevölkerung gewünscht werde.
Die vorhandenen Pensionsansprüche nach dem alten System werden in einer Parallelrechnung weitergeführt, womit ab 1. Jänner 2005 ein Mischsystem von alten und neuen Ansprüchen besteht. Die Neuansprüche sind für alle Berufsgruppen gleich. Demnach können nach 45 Beitragsjahren im Alter von 65 Jahren 80% des Lebensdurchschnittseinkommens als Pension bezogen werden.
Besonders wichtige Verbesserungen seien, so Schüssel, u.a. die kontinuierliche Aufwertung der eingezahlten Beiträge (Beitragsgrundlagensteigerung), die Verlustdeckelung mit 5% sowie die deutlich verbesserte Bewertung der Kindererziehungszeiten. ■

Top

Staatssekretär Morak: E-Government ist Zukunft

Am 12. Juli fand in Weikersdorf (Niederösterreich) mit Medienstaatssekretär Franz Morak ein Erfahrungsaustausch zum Thema E-Government in Gemeinden statt, wobei die österreichischen E-Government-Mustergemeinden Weikersdorf, Inzersdorf-Getzersdorf (NÖ), Hitzendorf (Stmk.), Steyr und Kremsmünster (OÖ) ihre Projekte präsentierten. Morak, der die Wichtigkeit des elektronischen Amtsverkehrs für die kommunale Verwaltung betonte, sagte u.a.: „Er ist unser Einstieg in die Zukunft. Die österreichische Verwaltung ist ohne Internetnutzung nicht mehr vorstellbar, es muss einfach ein Umdenken stattfinden, das die Bürgermeister der E-Government-Gemeinden bereits eingeleitet haben. Die Anwendungen müssen so einfach gehalten sein, dass sie wirklich von allen Benutzern leicht gehandhabt werden können“.
Der österreichische Gemeindebund initiierte mit der Stabsstelle IKT-Strategie des Bundes 2003 das Projekt „Mustergemeinden“, wo E-Government beispielhaft umgesetzt wird und etwa die elektronische Signatur, Web-Formulare, Online-Zahlung und elektronische Zustellung in bereits bestehende Verwaltungssysteme integriert werden können. ■

Top

Bundespräsident Fischer in Ungarn und der Slowakei

Seine ersten offiziellen Auslandsbesuche führten den neuen Bundespräsidenten Heinz Fischer in die beiden Nachbarländer Ungarn (12. Juli) und Slowakei (15. Juli). Begleitet wurde er jeweils von seiner Frau Margit und von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner. Im Mittelpunkt der Unterredungen standen EU-Themen und bilaterale Fragen.
Nach seinen Gesprächen mit dem ungarischen Staatspräsidenten Ferenc Madl und dem Ministerpräsidenten Peter Medgyessy in Budapest konstatierte Fischer punkto EU-Verfassung „ein Höchstmaß an Übereinstimmung“ und lobte die „wunderbare Atmosphäre“. Madl bekräftigte Ungarns Interesse am Beschluss einer europäischen Verfassung.
In der slowakischen Hauptstadt Preßburg führte der Bundespräsident u.a. Gespräche mit seinem Amtskollegen Ivan Gasparovic und mit Ministerpräsident Nikolas Dzurinda. Zum Thema Infrastruktur erklärte Fischer, Österreich wolle die Verkehrsverbindungen zur Slowakei „mit großer Energie vorantreiben“. „Die Ampeln für den Bau einer Autobahn sind auf Grün geschaltet“, so der Bundespräsident. ■

Top

Niederländischer Außenminister Bot zu Besuch in Wien

Der niederländische Außenminister Bernard Bot traf am 14. Juli in Wien zu einem Arbeitsgespräch mit Außenministerin Benita Ferrero-Waldner zusammen. Erörtert wurden vor allem die Schwerpunkte des niederländischen EU-Vorsitzes, die EU-Beitrittsverhandlungen mit Bulgarien und Rumänien sowie die Lage auf dem Westbalkan und im Irak.
In Übereinstimmung mit den niederländischen Vorstellungen sprach sich Ferrero-Waldner dafür aus, den Zeitplan für die Verhandlungen mit Bulgarien und Rumänien mit Beitrittsdatum 2007 einzuhalten.
Hinsichtlich der Situation auf dem Westbalkan gelangten beide Seiten zu einer positiven Einschätzung des Ausgangs der jüngsten Präsidentschaftswahlen in Serbien. Ferrero-Waldner hob die konsolidierende Bedeutung einer EU-Perspektive für alle Staaten dieser Region hervor.
Besonderes Anliegen bleibe der Kosovo. Die starke Beteiligung österreichischer Soldaten an KFOR – mit nunmehr 600 Mann das größte heimische Truppenkontingent im Ausland – sei Ausdruck des großen Bemühens Österreichs um die Stabilisierung des Kosovo, erklärte die Außenministerin. ■

Top

UNO-Generalsekretär Kofi Annan in Wien

Anlässlich eines viertägigen Privatbesuches in Wien traf UNO-Generalsekretär Kofi Annan am 15. Juli mit Außenministerin Benita Ferrero-Waldner zusammen. Man habe über internationale Fragen gesprochen, wobei neben der Situation im Irak, Iran und Kosovo die Lösung der Krise in der sudanesischen Region Dafur ein zentrales Thema gewesen sei.
Bundespräsident Heinz Fischer lud abends zu einem Essen für Annan in die Wiener Hofburg.
Weiters nahm der UNO-Chef am UN-Panel „On Threats, Challenges and Changes“ in Baden bei Wien teil. Aufgabe des von Annan im Vorjahr gegründeten Panel ist es, künftige Bedrohungsszenarien für Frieden und Sicherheit zu analysieren und Maßnahmen vorzuschlagen. Das Panel besteht aus 16 Mitgliedern verschiedener Nationen. In Baden fand das vierte Meeting statt. ■

Top

Wirtschaftsminister Südosteuropas tagten in Wien

„Die Bemühungen um eine Verbesserung des Investitionsklimas in Südosteuropa zeigen Erfolge. Als Beweis dafür kann die heutige Verleihung der International Investors of the Year Awards 2004 gelten. Als österreichischer Wirtschaftsminister freut es mich besonders, dass unter den ausgezeichneten Unternehmen zwei aus Österreich sind“, erklärte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein am 8. Juli in Wien bei der Auftaktveranstaltung zur dritten Ministerkonferenz des unter der Schirmherrschaft von OECD und Stabilitätspakt für Südosteuropa stehenden “South East Europe Compact for Reform, Investment, Integrity and Growth“. Den Vorsitz führen seit 2002 Österreich, Rumänien und die OECD.
Auf der Agenda der Konferenz standen u.a. die Evaluierung des wirtschaftlichen Reformprozesses der Region und der Beschluss von Maßnahmen zur Verbesserung des Investitionsklimas. Teil nahmen die Wirtschaftsminister aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Moldawien, Rumänien, Serbien und Montenegro sowie Stabilitätspakt-Sonderkoordinator Erhard Busek und hochrangige OECD- und Wirtschaftsexperten.
Mit den heuer zum zweiten Mal vergebenen Auszeichnungen sollen erfolgreiche Beispiele von internationalen Investitionen in den Ländern Südosteuropas vorgestellt und damit Chancen und Möglichkeiten in dieser Region bewusst gemacht werden.
Die österreichischen Preisträger sind die Raiffeisen Zentralbank Österreich AG für Investitionen in Albanien in Höhe von 126 Mio. Euro und die SPB Industrieholding GmbH für die Errichtung eines Sägewerks mit 320 neuen Arbeitsplätzen und investierten 60 Mio. Euro. ■

Top

Österreichs Top-10-Marken sind 25 Milliarden Euro wert

Red Bull, Swarowski und Spar Österreich sind die wertvollsten heimischen Unternehmensmarken. Wie die erstmals in Österreich durchgeführte Markenwert-Studie zeigt, sind die Top-10-Marken insgesamt 25 Mrd. Euro wert, wobei Red Bull alleine einen Wert von 6,5 Mrd. Euro aufweist. Nach Red Bull folgen die Swarowski-Gruppe mit einem Markenwert von knapp 4 Mrd. Euro und Spar Österreich mit knapp 3 Mrd. Euro. Weiters befinden sich unter den Top 10 laut Studie Casinos Austria, ÖBB, Austrian Airlines, Österreichische Lotterien, VA Technologie AG, A1 mobilkom Austria und der ORF. In Summe seien die heimischen Top-50-Marken rund 40,5 Mrd. Euro wert, berichtete Studienautor Gerhard Hrebicek am 7. Juli bei einer Pressekonferenz in Wien.
Die Markenwert-Studie ermittelte auf Basis des „News“-Ranking der 1.000 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs vom Juni 2004 die 100 führenden Unternehmensmarken, die sich zu mehr als 45% in österreichischem Eigentum befinden. Die ausgewählten Markenunternehmen wurden nach einem Benchmarking-Vergleichsverfahren anhand der Kriterien Branche, Markenstärke, Trendentwicklung und Markenpotenzial sowie Umsatz ermittelt. ■

Top

OeNB: Wirtschaft gewinnt an Schwung

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) geht für Österreich von einer deutlichen Beschleunigung des Wirtschaftswachstums ab dem zweiten Quartal 2004 aus. Hauptverantwortlich dafür sei ein Anspringen der Exportkonjunktur. Am Arbeitsmarkt sei jedoch mit keinem spürbaren Rückgang der Arbeitslosenquote zu rechnen, teilte die Nationalbank am 16. Juli mit.
Der „OeNB-Konjunkturindikator“ prognostiziert für das zweite und dritte Quartal 2004 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Österreich von jeweils 0,5% (saisonbereinigt, im Vergleich zum Vorquartal). Gegenüber der letzten Veröffentlichung vom April wurde die Schätzung für das zweite Quartal damit um 0,1 Prozentpunkte angehoben. Im Jahresabstand liegt das Wirtschaftswachstum demgemäß bei 1,1% bzw. 1,4%.
Auf Grund des starken Wachstums des Arbeitsangebotes sei für die nächsten Monate noch kein deutlicher Rückgang der Arbeitslosenquote zu erwarten. Ein erstes Signal für eine mögliche Trendwende am Arbeitsmarkt könnte die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen – ein Indikator mit guten Vorlaufeigenschaften – sein, die seit Februar im Vergleich zu Vorjahr wieder kontinuierlich ansteige, so die OeNB. ■

Top

Carinthischer Sommer eröffnet

Die erste Saison des Carinthischen Sommers (CS) unter dem neuen Intendanten Thomas Daniel Schlee wurde am 11. Juli eröffnet. Die Grußbotschaft des neuen Bundespräsidenten Heinz Fischer, der sein Kommen wegen des plötzlichen Todes seines Vorgängers Thomas Klestil kurzfristig absagen musste, wurde von Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider verlesen. Fischer sagte u.a.: „Kunst und besonders moderne Kunst ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebens“. Für Fischer eingesprungen war Außenministerin Benita Ferrero-Waldner, die direkt von der Vereidigung des neuen serbischen Präsidenten Boris Tadic aus Belgrad kam und betonte, ein derartiges Musikfest könne nur in einem „friedlichen und prosperierenden Land wie Österreich stattfinden“. Es sei erst wenige Jahre her, dass es von Ossiach nach Wien weiter gewesen sei als zum Kriegsschauplatz Ex-Jugoslawien. Gerda Fröhlich, die den Carinthischen Sommer von 1980 bis 2003 leitete, wurde zur Ehrenintendantin ernannt. Ihr Nachfolger Schlee betonte in seiner Ansprache, er empfinde es als sehr verdrießlich, dass die Kunst ständig unter Rechtfertigungszwang stehe. Denn wirkliche Kunst zeichne sich durch „dauerhafte Wirksamkeit“ aus. Und er wies auf die gegenwärtige Kunst hin: „Es herrscht bei den Festivals bedauerlicher Weise die Furcht vor dem Zeitgenössischen“. Dabei sei es deren Aufgabe, möglichst viele neue Werke aufzuführen. Dies war offensichtlich Musik in den Ohren von Kunststaatssekretär Franz Morak, der von einer neuen Ära des Carinthischen Sommers sprach und sich erfreut zeigte, dass nun mit Thomas Daniel Schlee ein Künstler an der Spitze des Festivals stehe, der es erweitern und neue Schwerpunkte setzen würde. Sir Peter Maxwell Davies, Composer in Residence 2004, befasste sich in seiner Festansprache mit der seiner Ansicht nach unhaltbaren Einteilung der zeitgenössischen Komponisten in Avantgardisten und Traditionalisten. Im übrigen hätte ihm die Beschäftigung mit Alter Musik immer wieder bahnbrechende neue Erkenntnisse beschert. Landeshauptmann Haider nannte den Carinthischen Sommer abschließend einen „Leuchtturm“ der Kärntner Kulturszene, der sich durchaus mit großen internationalen Festivals messen könne. Der Carinthische Sommer endet in Villach am 28. August. ■

Top

Wittgenstein-Preis 2004 an Mittelalter-Historiker Walter Pohl

Seit 1996 vergibt das Wissenschaftsministerium jährlich den Wittgenstein-Preis: Er gilt als höchstdotierter „österreichischer Nobelpreis“. Als erster Historiker erhielt heuer diesen nach Ludwig Wittgenstein (1889-1951) benannten Preis der Mittelalter-Forscher Walter Pohl, 50, Direktor des Instituts für Mittelalter-Forschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Seit 25 Jahren widmet sich der Wiener der Entstehung der europäischen Völker im Frühmittelalter (ca. 5. bis 9. Jahrhundert). Seine Bücher, etwa „Die Völkerwanderung“ oder „Die Awaren“ gelten als internationale Standardwerke. Mit seinem Forschungsgebiet will Pohl zu einem besseren Verständnis der heutigen Welt beitragen. Mit dem Frühmittelalter habe man einen Zeitraum, in dem man Prozesse wie die Bildung ethnischer Identitäten sehr gut beobachten könne. Bei der Debatte um die Entstehung moderner Nationen werde oft zu wenig berücksichtigt, dass diese Art des Denkens schon im Frühmittelalter ihre Wurzeln zeige. Mit dem Preisgeld will Pohl sein ÖAW-Institut ausbauen und sich weiterhin dem Zusammenhang von vergangener Identität und moderner Nationsbildung widmen – aufbauend auch auf den Studien seines Doktorvaters Herwig Wolfram, laut Pohl Initialzünder einer „Wiener Schule der Frühmittelalterforschung“. ■

Top

Deutscher Bundespräsident Köhler ehrt Sozialhistoriker Mitterauer

Michael Mitterauer, 67, emeritierter Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien, erhält für sein Buch „Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs“ und sein Lebenswerk als erster österreichischer Forscher den Preis der deutschen „Stiftung Historisches Kolleg“, mit dem zuletzt Jan Assmann (1998) ausgezeichnet worden war. Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler ehrt am 26. November Michael Mitterauer persönlich in München. In dem genannten Buch analysiert Mitterauer die bis ins Frühmittelalter zurückführenden Besonderheiten Europas im interkulturellen Vergleich mit der islamischen Welt oder mit China. Sein umfangreiches Lebenswerk umfasst u.a. historische Familienforschung, Geschichte der Jugend, Geschichte der Arbeitsteilung, mittelalterliche Markt- und Stadtgeschichte, Geschichte der Land- und Reichsstände, Geschichte „einfacher Leute“ (u.a. mit Hilfe von „Oral History“). Stark engagiert hat sich der für seine Arbeitsgebiete geradezu missionarisch wirkende Historiker beim Aufbau seines Fachs in Mittel- und Osteuropa, beleuchtete etwa Familienstrukturen am Balkan. Für viele historisch Interessierte setzten vor allem Mitterauers Mittelalter-Forschungen Maßstäbe, so sein meisterliches Werk „Markt und Stadt im Mittelalter“ (Stuttgart 1980). ■

Top

START-Preise für Jungforscher

Während der Wittgenstein-Preis Wissenschaftlern für ihr Lebenswerk verliehen wird, geht der START-Preis an junge Forscher. Heuer wurden fünf ausgezeichnet, die für die nächsten sechs Jahre jeweils 200.000 € für ihre Arbeit erhalten und so neue Forschungsschwerpunkte schaffen können. Anlässlich der Preisverleihung betonte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer die Bedeutung der Forschungsförderung, denn: „Forschung fördern heißt Menschen fördern“.
Die Preisträger 2004:
Gerhard Schütz, 35, vom Institut für Biophysik an der Uni Linz, beschäftigt sich mit immunologischer Forschung auf der Ebene der einzelnen beteiligten Moleküle.
Thomas Bachner, 36, Jurist an der WU Wien, wurde für sein Projekt „Rechtsevolution und EU-Harmonisierung des Gesellschaftsrechts“ ausgezeichnet.
Michael Kunzinger, 35, Mathematiker an der Uni Wien, erforscht die „nichtlineare distributionelle Geometrie“.
An der Weiterentwicklung der so genannten Isotopenanalytik arbeitet Thomas Prohaska, 36, Chemiker an der Uni für Bodenkultur Wien. Mit dieser Methode lässt sich die Herkunft von pflanzlichem und tierischem Material bestimmen.
Vassil Palankovski, 35, beschäftigt sich an der TU Wien mit der Verbesserung von Computersimulationen für die Mikroelektronik. ■

Top

Brasilianischer Kulturminister Gilberto Gil begeistert Wien

Gilberto Gil, 62, Tropicalismo-Meister und zur Zeit Kulturminister Brasiliens, begeisterte mit seinem Gesang und seiner Band, in der der in Brasilien lebende Wiener Geiger Georg Mautner spielt, das Wiener Publikum bei einem Open Air Konzert im Arkadenhof des Rathauses. Vor seinem Auftritt erhielt der Kulturpolitiker quasi von einem Kollegen, dem Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, den „Goldenen Rathausmann“. Kulturstadtrat war Gil schon in Salvador de Bahia gewesen. Der singende, große Lebensfreude ausstrahlende Minister, sieht seine Arbeit folgendermaßen: „Ein Politiker ist ein Manager“, der vor allem gesellschaftliche Probleme begreifen müsse. Gilberto Gils musikalische gesellschaftspolitische Arbeit – seine letzte CD widmete er Jamaikas Bob Marley – ist offensichtlich höchst wirkungsvoll: Nach seinem Konzert in Wien brachte er mit brasilianischen Musikkollegen im Park der Villa Borghese in Rom 300.000 Menschen zum Kochen. ■

Top

Albertina: Michelangelo & Co.

Bis zum 25. Oktober zeigt die Wiener Albertina „Michelangelo und seine Zeit“. Die rund 100 Werke umfassende Ausstellung – Zeichnungen, Kupferstiche, Farbholzschnitte und Radierungen – zeigt die künstlerische Entwicklung des großen Florentiners von 1490 bis 1564: von den Anfängen der Hochrenaissance bis zum Ausklang des Manierismus in den großen Kunstzentren Italiens. Die Ausstellung erzählt von der Entdeckung und Interpretation des Körpers als Träger von Tugend und Laster. Für viele Jahrhunderte wurden die in der Albertina gezeigten Hauptwerke von Michelangelo, Leonardo und Raphael zum unübertroffenen Maßstab jeglicher Kunst, die den harmonischen Ausgleich zwischen der Nachahmung der Wirklichkeit und hoher Idealität anstrebt. Abgesehen von zentralen Werken der genannten Meister sind Arbeiten von Raphael-Schülern wie Giulio Romano, Perino del Vaga, Polidoro da Caravaggio zu sehen. Rosso Fiorentino, ein Freund Michelangelos, brachte dessen Ideen nach Frankreich. Erstaunlich welche Rolle Michelangelos Karton zur Schlacht von Cascina spielte, für viele seiner Kollegen war dies – was die Figurenproportion und -drehung betraf – die künstlerische Richtschnur. Auch Rubens war ein Fan des Buonarroti (1475-1564): Sämtliche Michelangelo-Zeichnungen der Albertina stammen aus seinem Besitz. ■

Top

Kunsthalle Krems: Sehnsucht nach dem Paradies – Gauguin bis Nolde

Der Traum von der Ferne, von einem Paradies jenseits der modernen Zivilisation – bis heute eine Triebfeder für Fernreisen in die Südsee – wurde beispielgebend von Paul Gauguin geträumt. Die Ausstellung macht diese Sehnsucht nach dem fernen Paradies im späten 19. und im frühen 20. Jahrhundert erstmals in Österreich umfassend zum Thema: 160 Exponate aus 40 Museen und Privatsammlungen führen von Gauguin bis zu Emil Nolde und Max Pechstein. Zahlreiche völkerkundliche Objekte der Südsee selbst runden die Ausstellung ab. Weiters zeigt die Kunsthalle im Rahmen des Paradies-Schwerpunkts eine Ausstellung zur österreichischen Künstlerin Susanne Wenger, der „weißen Priesterin an einem Fluss im tiefsten Afrika“. Anlässlich ihres 90. Geburtstag werden bedeutende Werke aus Batik und Malerei ausgestellt. Wenger lebt seit 55 Jahren in Nigeria. ■

Top

Wien: Domingo in Menottis „Goya“

Plácido Domingo singt im Theater an der Wien die Titelpartie in Gian Carlo Menottis Oper „Goya“, die der italienische Komponist auf Anregung des spanischen Tenors für ihn komponiert hat. 1986 wurde Menottis dreiaktiges Werk uraufgeführt, das ähnlich wie Lion Feuchtwangers Roman den Kampf des spanischen Hofmalers um seine künstlerische Integrität zwischen Liebe und Macht zeigt. Erstmals präsentiert sich Domingo als zerrissener Goya in Wien. Neben ihm sind Michelle Breedt, Iride Martinez, Andreas Conrad, Maurizio Muraro, Christian Gerhaher und Nadia Krasteva zu hören. Emmanuel Villaume dirigiert das Radio-Symphonieorchester Wien. Die Inszenierung stammt von Kasper Holten, die Ausstattung von Steffen Aarfing, das Lichtdesign von Jesper Kongshaug. Menottis Oper orientiert sich musikalisch stark am Belcanto des 19. Jahrhunderts, auch das Libretto hat der Komponist selbst verfasst. Für Wien hat er sogar seine Partitur neu überarbeitet. Termine sind am 19., 22., 25., 28. und 31. Juli. Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828) ist auch sonst in Österreich derzeit hoch im Kurs: Noch bis 20. September zeigt das Leopold Museum im Wiener Museum-Quartier eine Schau seiner Radierungen, ab 26. Juli widmet sich das Wiener Kunsthistorische Museum einer umfassenden Goya-Ausstellung. ■

Top

Festival Locarno: Spielmann-Film

Europa und Asien bilden den Schwerpunkt des diesjährigen Internationalen Filmfestivals von Locarno (Tessin/Schweiz) von 4. bis 14. August. Im Wettbewerb sind 18 Filme aus 17 Ländern, 12 der Filme sind Uraufführungen. Österreich schickt Götz Spielmanns Espisodenfilm „Antares“ ins Rennen und ist weiters mit Thomas Woschitz’ „Josef“-Trilogie und Georg Mischs Doku „Calling Hedy Lamarr“ außer Konkurrenz vertreten. ■

Top

Corinth-Preis an Chr. L. Attersee

Der österreichische Maler Christian Ludwig Attersee ehielt am 18. Juli den Lovis Corinth-Preis der Künstlergilde Esslingen (Baden-Württtemberg/Deutschland). Die Laudatio hielt der Kunstkritker Andreas Kühne. Anlässlich der Preisverleihung findet die Attersee-Ausstellung „Rechnung zur Braut“ mit großformatigen Bildern aus den Jahren 1992 bis 2004 im Kunstforum Ostdeutsche Galerie (Regensburg) statt. Attersee wurde für „sein umfassendes und vielschichtiges künstlerisches Werk von internationaler Bedeutung und seine erfindungsreiche sowie unverwechselbare Bildsprache“ ausgezeichnet. Den nach Lovis Corinth (1858-1925) benannten Preis erhielten seit seinem 30-jährigen Bestehen u.a. Oskar Kokoschka, Sigmar Polke und Markus Lüpertz. ■

Top

Schloss Laudon: Nataša Veljković

Im Rahmen einer vom BKA-Präsidialchef Manfred Matzka initiierten Kultur-Schiene „Konzerte im Schloss“ Laudon (Wien Mauerbach) gab als erste Künstlerin Nataša Veljković einen atemberaubenden Klavier-Solo-Abend. Die in Belgrad geborene Pianistin, Clara Haskil-Preisträgerin und Ao. Professorin an der Musik-Universität Wien, brillierte vor allem im hochromantischen Repertoire und hier besonders in der Interpretation der Werke von Franz Liszt. Die feine Konzert-Reihe möchte u.a. „jungen exzellenten Künstlern aus den Nachbarländern“ Österreichs einen Auftritt ermöglichen, wobei der gesamte Ticketerlös an die Künstler geht. ■

Top

Olympia 2004 in ATHEN: Gezielte Förderungsvergabe 2003/2004

Von 13. bis 30. August 2004 finden in Athen die XXVIII. Olympischen Sommerspiele statt. Um bei solchen Groß-Sportveranstaltungen Top-Leistungen zu erbringen und somit erfolgreich zu sein, müssen die Sportförderung und die Vergabe von Bundesmitteln gezielt und sorgfältig vergeben werden. TOP SPORT AUSTRIA (TSA) fungiert hiebei einerseits als Koordinierungsplattform des sowohl vorsitzenden, als auch geschäftsführenden Bundeskanzleramtes für bundesweit fördernde Einrichtungen und Institutionen des Österreichischen Sports unter Einbeziehung der frei gewählten Vertretung des Sports sowie der Bundesländer, anderseits als ein Beratungs- und Entscheidungsgremium zur Vergabe von Bundes-Sportförderungsmittel. Die vergebenden Mittel dienen nicht zur Basisfinanzierung von Bundes-Fachverbänden, sondern ausschließlich der Umsetzung von kurz-, mittel- und langfristigen, athletenspezifischen und bei Groß-Sportveranstaltungen Erfolg versprechenden Spitzensportprojekten. Als Förderungsinhalte gelten Trainingsaufenthalte mit speziellem Schwerpunkt hinsichtlich konkretem Ziel (wie Höhentrainingslager, Klimalehrgang, frühzeitiges Erkunden und Kennenlernen von Sportstätten bevorstehender Groß-Sportveranstaltungen), spezielle Sportmaterialanschaffungskosten (wie Bob, Ruderboot, Windsegel), sportwissenschaftliche (wie Biomechanik, Leistungsdiagnostik, Trainings- und Wettkampfanalysen), sportpsychologische und sportmedizinische (wie Ernährung, Therapie, Untersuchung) Betreuungen, regenerative Maßnahmen, Wettkampfentsendungen vor allem bei außergewöhnlicher Belastung aufgrund spezifischer Qualifikationskriterien des internationalen Verbandes für zukünftige Groß-Sportveranstaltungen sowie diverse leistungssportspezifische Miet- und Leihgebühren. Vorrangig gefördert werden Athleten, die eine Platzierung bei internationalen Groß-Sportveranstaltungen (Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften) unter den ersten Sechs beziehungsweise bei Junioren-Weltmeisterschaften unter den ersten Drei nachweisen können. Außerdem sollten die zu unterstützenden Athleten bereits in der österreichischen Spitzensportförderung integriert sein; hiebei ist bezüglich des Athleten als Idealkonstellation zu verstehen: Angehöriger des Olympiakaders, Welt- oder Leistungsklasse-Einstufung bei der Österreichischen Sporthilfe sowie Vertrag als Bundesheer-Leistungssportler mit dem Ressort Landesverteidigung. Das Entscheidungsgremium von TSA – geschäftsführend durch Mag. Matthias Bogner - hat in den Jahren 2003 in Hinblick auf die Olympischen Spiele in Athen Mittel in der Höhe von 825.560 Euro im Rahmen des Förderungsprogramms „SPITZENSPORT“ und 1.498.975 Euro im Rahmen des Förderungsprogramms „OLYMPIA“ vergeben.
Somit wurden insgesamt 133 Athleten von 19 Bundes-Fachverbänden in einer Gesamthöhe von 2.324.535 Euro unterstützt. Dieser Betrag inkludiert auch die Förderung des Medical Pools zuhanden des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung mit 169.940 Euro sowie die Finanzierung diverser Transportmaßnahmen des Österreichischen Olympischen Comités zu den Olympischen Spielen in der Höhe von 50.000 Euro.
Folgende Förderungsempfänger (Sportarten) bekamen Mittel (in Euro) für die oben genannten Förderungsprogramme (Spitzensport und Athen):
Badminton 7.000, Fechten 63.000 + 141.000, Handball 44.000 + 60.000, Gewichtheben 20.000, J.-W.-Schützen 9.000, Judo 34.200 + 100.000, Kanu 12.000 + 77.000, Leichtathletik 75.220 + 27.000, Radsport 30.500 + 67.000, Reiten und Fahren 86.000, Amateurringer 29.000 + 58.000, Rudern 80.600 + 51.175, Schützen 10.800 + 150.000, Schwimmen 74.700 + 175.300, Segeln 54.800 + 178.000, Taekwondo 35.000 + 14.000, Tischtennis 57.000 + 112.500, Triathlon 20.300 + 52.000, Volleyball 18.500 + 100.000. ■

Top