Montag, 21. Jänner 2008

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Bundesregierung einig bei Lehrlingen, Pflege und „Hackler-Regelung“

Die Bundesregierung startete ihr intensives Arbeitsprogramm 2008 mit einer zweitägigen Regierungsklausur und anschließendem Ministerrat am 10. und 11.Jänner. Akkordiert beziehungsweise finalisiert wurden dabei zentrale Maßnahmen und Zukunftsprojekte für Österreich, allen voran in den Bereichen Wachstum, Innovation, Forschung und Beschäftigung mit besonderem Akzent auf die Jugendbeschäftigung. Wichtige Beschlüsse wurden auch zu Pflege, Pensionen („Hackler“-Regelung) und EURO 2008 (Konzepte zu Sicherheit und Nachhaltigkeit) gefasst.
Geeinigt haben sich die Koalitionsparteien unter anderem auf ein Lehrlings- und Facharbeiterpaket. Wichtigste Neuerung: Eine Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen. Demnach werden alle, die nicht in die Schule gehen oder keine Lehrstelle haben, eine vollwertige Lehr-Ausbildung in überbetrieblichen Lehrwerkstätten bekommen. „In dieser Dritten Säule werden wir bis 2010 17.000 Ausbildungsplätze schaffen“, erklärte dazu Bundeskanzler Alfred Gusenbauer.
Auch die betriebliche Lehrlingsausbildung soll neu strukturiert und stärker gefördert werden. Betroffen sind alle Lehrverhältnisse, die ab 1. Juli 2008 beginnen. Neu ist, dass die Basisförderung für Lehrlinge künftig nicht mehr pauschal ausbezahlt, sondern deren Höhe der Lehrlingsentschädigung angepasst wird. Den so genannten Blum-Bonus (II bzw. neu), den es bisher für neu installierte Lehrplätze gab, bekommen in Hinkunft neu gegründete Unternehmen, Firmen, die in die Lehrlingsausbildung neu einsteigen oder nach einer mindestens dreijährigen Unterbrechung wieder Lehrlinge aufnehmen. Für Betriebe, deren Lehrlinge sich zur Mitte der Lehrzeit einer erfolgreichen Qualitätsprüfung unterziehen, ist ein Qualitätsbonus vorgesehen. Ein wesentlicher Aspekt beim Blum-Bonus neu gilt zudem der Förderung junger Frauen in typischen Männerberufen. Frauenministerin Doris Bures betonte in diesem Zusammenhang, dass die neue Förderung zukunftsträchtiger und technischer Berufe jungen Frauen bessere Karriere- und Verdienstmöglichkeiten eröffne. „Damit leisten wir auch einen Beitrag zur Schließung der Einkommensschere“, so Bures.
Ein weiterer Eckpunkt des Maßnahmenbündels ist die Förderung der Fachkräfteausbildung zur Deckung des heimischen Fachkräftebedarfs. Damit sollen doppelt so viele arbeitslose Facharbeiterinnen und Facharbeiter höher qualifiziert werden als bisher. Ziel sind 10.000 zusätzliche Fachkräfte bis 2010. Das Gesamtpaket wird rund 1,2 Milliarden Euro kosten und „dazu beitragen, dass Österreichs Staatswesen gesund bleibt und die Österreicher gute Einkommen erhalten“, betonte der Bundeskanzler.
Für März kündigten Bundeskanzler Gusenbauer und Vizekanzler Wilhelm Molterer ein Paket für ältere Arbeitnehmer an.
Geeinigt hat sich die Bundesregierung auch in der Pflege-Debatte. Der neuen Regelung zufolge verzichtet die Republik auf sämtliche sozialversicherungs-, arbeits- und steuerrechtliche Nachforderungen für die Zeit bis Ende 2007, wenn illegale Pflegekräfte bis 30. Juni 2008 (rückwirkend mit 1.1.2008) angemeldet sind. Die mit Ende 2007 ausgelaufene Amnestie hatte sich nur auf Verwaltungsstrafen bezogen. Rückwirkend mit 1. Jänner 2008 muss hingegen für bereits bestehende Arbeitsverhältnisse bezahlt werden. Einen entsprechenden Gesetzesantrag haben die Abgeordneten der Regierungsparteien am 16. Jänner im Nationalrat eingebracht.
Weiters vereinbarten SPÖ und ÖVP die Verlängerung der so genannten „Hackler“-Regelung bis zum Jahr 2013. Demnach können Männer mit 60 und Frauen mit 55 Jahren
nach 45 beziehungsweise 40 Versicherungsjahren abschlagsfrei in Pension gehen. Zudem können Krankenstandszeiten angerechnet und Erwerbsersatzzeiten nachgekauft werden.
Eine grundsätzliche Einigung gab es auch zum Thema Sexualstraftäter. Geplant sind eine Täterdatei, Berufsverbote und Strafverschärfungen.
Definitiv abgesegnet wurde der EU-Reformvertrag (von Lissabon). Damit könne das Ratifikationsverfahren im Parlament eingeleitet und die „zentrale Position Österreichs in Europa weiter gefestigt werden“, erklärte Gusenbauer und kündigte eine Informationsinitiative an. ■

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Großer Sieg der ÖVP bei der Grazer Gemeinderatswahl 2008

Die ÖVP erhielt bei den Grazer Gemeinderatswahlen am 20. Jänner 38,2 Prozent der Stimmen (23 Mandate), die SPÖ kam auf 19,8 Prozent (11), die Grünen auf 14,5 Prozent (8). KPÖ und FPÖ erzielten jeweils 11,2 Prozent (6) bzw. 11,0 Prozent (6). Das BZÖ kam auf 4,3 Prozent (2).■

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Bundespräsident Fischer: Islamfeindliche Aussagen unakzeptabel

Bundespräsident Heinz Fischer hat die islamfeindlichen Verbalattacken der Grazer FPÖ-Politikerin Susanne Winter mit großer Vehemenz verurteilt und sich im Namen Österreichs klar davon distanziert. „Wenn es in den letzten Tagen im Vorfeld eines regionalen Wahlkampfes in unserem Land absolut unakzeptable Aussagen gegen den Islam gegeben hat, die ich mit Entschiedenheit verurteile, dann füge ich mit aller Deutlichkeit hinzu: Das war nicht die Stimme Österreichs, das war eine Stimme, von der wir uns distanzieren“, sagte der Bundespräsident beim Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps in der Wiener Hofburg am 15. Jänner.
„Österreich bekennt sich aus Überzeugung zum friedlichen und respektvollen Dialog der Kulturen und Religionen“, so Fischer. Österreich sei viel an kontinuierlichen Bemühungen um Frieden und Verständigung in den internationalen Beziehungen gelegen. „Ein wichtiger Baustein dazu sind verstärkte Anstrengungen für einen ´Dialog der Kulturen und Religionen´, an dem Österreich mit seinen spezifischen Erfahrungen und seiner langen Tradition auf diesem Gebiet weiterhin aktiv mitwirken wird“, betonte der Bundespräsident. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die zeitgleich in Madrid stattfindende Dialogkonferenz mit dem Islam, bei der Österreich durch Außenministerin Ursula Plassnik vertreten war.
Auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer wies die Äußerungen der FPÖ-Politikerin zurück: „Wir werden in unserem Österreich nicht zulassen, dass Frieden, Freiheit und Toleranz mit Füßen oder auch mit den Bierkrügen getreten werden.“
Außenministerin Plassnik lobte die „besonnene“ Reaktion der Islamischen Glaubensgemeinschaft. „Ich möchte der Glaubensgemeinschaft meinen Respekt aussprechen, sie hat sich nicht provozieren lassen“, so Plassnik in der ORF-Nachrichtensendung „ZIB 2“ (15.1.). ■

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Bundeskanzler Gusenbauer für harte Strafen gegen Doping-Sünder

Anlässlich der jüngsten Doping-Affäre um ein Wiener Blutlabor, in die laut Tageszeitung „Kurier“ zahlreiche in- und ausländische Athleten verwickelt sein sollen, hat Bundeskanzler und Sportminister Alfred Gusenbauer in einem Kurier-Interview (12. Jänner) unter anderem neue Anti-Doping-Strategien und rigorose Strafen für Doping-Sünder gefordert.
Auf die Frage, ob effizientere Prävention Österreich davor bewahrt hätte, neuerlich in die internationalen Doping-Schlagzeilen zu geraten, antwortete Gusenbauer, dass Anti-Doping-Maßnahmen letztlich immer zu spät kämen. Sport und Politik hätten jedoch in den letzten Monaten in enger Kooperation das Thema Doping umfassend aufgearbeitet und etwa mit dem neuen Anti-Doping-Gesetz konkret reagiert. Dieses sei ein erster Schritt zur generellen Neustrukturierung von Doping-Bekämpfung, -Kontrolle und Prävention. Der ebenfalls neuorganisierten Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA Austria) stehen dafür laut Gusenbauer ab Juli rund 1,2 Millionen Euro zur Verfügung.
Da organisiertes Doping allerdings auf „mafiosen Strukturen“ beruhe, könne bei der Bekämpfung nicht das Anti-Doping-Gesetz zur Anwendung kommen, sondern nur das Strafgesetz im Bereich des Arzneimittelgesetzes. Die betroffenen Ministerien seien derzeit mit der Überprüfung allfälliger legistischer Modifikationen befasst. Der Bundeskanzler vertritt in diesem Zusammenhang jedoch nachdrücklich die Ansicht, das Strafrecht nur dort anzuwenden, wo Vertrieb oder professioneller Handel mit verbotenen Substanzen stattfinde. Individuelle Doping-Vergehen der einzelnen Sportler würden ohnedies mit einer Berufssperre geahndet, „was aus meiner Sicht Strafe genug ist“, so Gusenbauer. Der Sport selbst habe bereits Maßnahmen gesetzt: Das ÖOC habe Dopingsünder von den Olympischen Spielen ausgeschlossen, die Sporthilfe plane eine Sperre. Zu begrüßen sei auch die Initiative des ÖSV zur Einrichtung einer Datenbank, woraus sich möglicherweise ein Pilotprojekt für den gesamten österreichischen Profisport entwickeln ließe, erklärte der Bundeskanzler. Er wolle jedenfalls „kein Bild von Sportlerinnen und Sportlern in Handschellen“.
Ähnlich äußerte sich in einem Kurier-Interview vom 15. Jänner Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka. In Sachen Doping sei die NADA „ein wesentlicher Schritt nach vorne“, vor allem durch die Konstruktion als gemeinnützige GmbH mit einem unabhängigen Geschäftsführer. Die Hauptverantwortung liege jedoch immer bei den Sportlern und Sportverbänden. ■

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Wirtschaftskammer: Österreich ist Export-Europameister

2007 hat Österreich im Außenhandel erstmals seit Jahrzehnten einen deutlichen Überschuss von 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das besagen vorläufige Berechnungen der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Heuer soll sich der Außenhandelsüberschuss sogar auf rund 3 Milliarden Euro verdoppeln.
Im abgelaufenen Jahr erhöhten sich die Exporte um 9,8 Prozent auf 113,9 Milliarden Euro, die Importe stiegen um 7,9 Prozent
auf 112, 4 Milliarden Euro, berichtete WKÖ-Präsident Christoph Leitl am 10. Jänner bei einer Pressekonferenz in Wien. Eine leicht positive Handelsbilanz – mit einem Aktivum von 300 Millionen Euro – hatte Österreich bereits im Jahr 2002 ausgewiesen.
Für die Periode 2002 bis 2006 habe Österreich ein Exportplus von 49 Prozent
verzeichnet und sei ex aequo mit Deutschland „Export-Europameister“ unter den EU-15, wie Leitl betonte. „Früher waren wir schwer defizitär in unserer Warenbilanz. Tourismus und Dienstleistungen mussten das ausgleichen. Jetzt machen die Waren alleine einen Überschuss“, so der WKÖ-Chef.
Für 2008 rechnet die Wirtschaftskammer mit einer Verdoppelung des Außenhandelsüberschusses auf 3 Milliarden Euro. Die Ausfuhren werden jedoch voraussichtlich etwas schwächer als zuletzt, aber immer noch um 8 Prozent
zulegen. „Osteuropa wird die Konjunkturabflachung in Westeuropa kompensieren“, zeigte sich auch der Chef der Außenwirtschaftsorganisation der WKÖ, Walter Koren, von einem Anhalten der dynamischen Entwicklung überzeugt.
Wichtigstes Zielland für die heimischen Exporte bleibt Deutschland, wohin rund 31 % der Lieferungen gehen. Osteuropa nahm 2007 21,8 Prozent
der österreichischen Ausfuhren auf. „Die Länder Ost- und Südosteuropas sind Teil der österreichischen Erfolgsstory“, betonte Koren. Nach Weltregionen betrachtet bleiben 80 Prozent
der heimischen Erzeugnisse in Europa, 20 Prozent
werden nach Übersee exportiert.
Der wichtigste Überseemarkt und drittwichtigste Handelspartner Österreichs sind die USA. Die ungünstige Euro-Dollar-Währungsrelation habe allerdings zu einer massiven Verteuerung der heimischen Produkte in Amerika beigetragen, was vor allem der Konsumgütersektor zu spüren bekomme, erklärte Koren.
Einen Export-Rekord bei Lebensmitteln meldete die Agrarmarkt Austria (AMA) am 17. Jänner bei der weltgrößten Lebensmittelmesse „Grüne Woche“ in Berlin (bis 27. Jänner). Demnach überschritten Österreichs Agrarexporte 2007 erstmals die Grenze von 7 Milliarden Euro (+5,4 Prozent ). „Österreichische Agrarprodukte spielen am europäischen Markt definitiv in der Oberliga mit“, freute sich AMA-Geschäftsführer Stephan Mikinovic über die in West- und Osteuropa zunehmende Nachfrage an Lebensmitteln „Made in Austria“. Nach wie vor wichtigster Markt ist auch hier Deutschland, wo sich der Export mit einem Plus von 7,8 Prozent
zu Buche schlägt.
Die agrarischen Importe nach Österreich sind im Vorjahr um hochgerechnet 7,1 Prozent
auf 7,2 Milliarden Euro gestiegen, was die agrarische Handelsbilanz neuerlich nahezu ausgeglichen macht. ■

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Österreich zählt zu den Top-Investoren im Osten

Mit rund 76 Milliarden Euro sind Deutschland, Italien und Österreich die wichtigsten Investoren in Mittel- und Osteuropa (CEE). Mehr als 30 Prozent des Auslandskapitals stammen von Investoren aus diesen drei Ländern. Besonders gut hat Österreich die Chancen aus der Ost-Öffnung genutzt: Die heimischen Exporte in die CEE-Region haben sich seither verzehnfacht. Das besagt eine aktuelle Standortanalyse der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), die am 15. Jänner veröffentlicht wurde.
„Jeder zehnte Euro, der von ausländischen Unternehmen in Mittel-Osteuropa investiert wird, stammt aus Österreich“, erklärte Regina Prehofer, in der BA-CA für das Firmenkundengeschäft verantwortlich. „Mit einem BIP pro Kopf von rund 32.000 Euro ist Österreich der Markt mit der vierthöchsten Kaufkraft in der EU“, so Prehofer. ■

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Flughafen Wien erwartet erstmals mehr als 20 Millionen Passagiere

Der börsenotierte Flughafen Wien rechnet nach einem massiven Anstieg der Passagierzahlen im Jahr 2007 heuer sogar mit erstmals über 20 Millionen Fluggästen. Im Vorjahr sei das Passagiervolumen bei 254.870 Starts und Landungen um 11,3 Prozent auf 18,8 Millionen gestiegen, teilte das Unternehmen am 17. Jänner mit. ■

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Wendelin Schmidt-Dengler „Wissenschafter des Jahres 2007“

Der Germanist und Literaturwissenschafter Wendelin Schmidt-Dengler ist Österreichs „Wissenschafter des Jahres 2007“. Diese Auszeichnung hat der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten dem 65-jährigen Vorstand des Instituts für Germanistik der Universität Wien und Leiter des Literaturarchivs an der Österreichischen Nationalbibliothek am 8. Jänner in Wien überreicht. Gewürdigt wird damit vor allem das Bemühen von Forscherinnen und Forschern, ihre Arbeit und ihr Fach einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen und damit zum Imagegewinn der österreichischen Forschung beizutragen. Diese Auflage erfüllt Schmidt-Dengler in seiner Domäne Literatur- und Sprachwissenschaft seit Jahrzehnten vorbildlich: Sowohl Studenten als auch Medien und eine breite Öffentlichkeit schätzen dessen Fähigkeit, die aktuelle Relevanz seiner wissenschaftlichen Arbeit mit Eloquenz beziehungsweise brillanter Feder zu vermitteln: sei es in der Beschäftigung mit österreichischer Gegenwartsliteratur oder in der Wirkungsforschung der Antike. Dabei folgt der Gewürdigte stets dem von ihm oft zitierten Wittgenstein´schen Motto, wonach alles, was gesagt werden kann, auch einfach gesagt werden kann.
Schmidt-Dengler selbst sieht in der verliehenen Auszeichnung „jedenfalls strategische Vorteile“ für sein Fach. „Man freut sich natürlich persönlich sehr, aber wenn die Auszeichnung mich trifft, so trifft sie wohl auch die Kollegen und die vielen hervorragenden Studierenden der Germanistik“, unterstrich der „Literaturpapst“. Gerade diese sollten so zu spüren bekommen, „dass sie ein Fach studieren, das in der Öffentlichkeit auch eine Funktion hat“.
Geboren wurde Wendelin Schmidt-Dengler 1942 in Zagreb (Agram), wo sein Vater die größte Fleischfabrik Kroatiens besaß. Nach der Enteignung kam die Familie über Graz nach Wien. 1960 maturierte Schmidt-Dengler am Wiener Stubenbastei-Gymnasium. Nach dem Studium der Klassischen Philologie und Germanistik an der Uni Wien wurde er dort 1966 Assistent von Werner Welzig und 1989 ordentlicher Professor am Institut für Germanistik. Seit 1996 leitet er auch das Österreichische Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek.
Schmidt-Dengler hatte zahlreiche Gastprofessuren im In- und Ausland (Pisa, Neapel, Klagenfurt, Salzburg, Stanford u.a.) inne und kann auf eine Fülle von Publikationen und Auszeichnungen verweisen, darunter den Theodor-Körner-Preis (1968) und den Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik (1994). Als Messlatte für seinen wissenschaftlichen Erfolg will der passionierte Streiter für neue Literatur aber weder solche Preise noch seine zahlreichen Auftritte in den Medien oder bei Literaturveranstaltungen werten. „Man schreibt ein Buch. Das ist eine sehr alte Methode. Wenn am Ende die Bände dastehen, ob auf CD-Rom oder gedruckt, dann kann man zufrieden sein.“
Richtungweisend wurden seine Studien zur österreichischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts – Nestroy, Thomas Bernhard, Zwischenkriegszeit –, aber auch zur Antikenrezeption, ein Thema, dem er auch seine Dissertation über die „Confessiones“ des Augustus gewidmet hat. Mit Sprache und Dichtung setzte er sich auch als Herausgeber der Werke Doderers, Herzmanovsky-Orlandos und Albert Drachs auseinander.
Seine Liebe zu Griechen und Lateinern ist dem leidenschaftlichen Germanisten und Fußball-Fan (Rapid Wien) bis heute geblieben, von der Habilitation 1974 über die Wirkungsgeschichte antiker Mythologeme in der Goethezeit bis zu aktuellen Vorlesungen über den Vergleich von antiken und modernen Dramen.
Wie sein Vorgänger als „Wissenschafter des Jahres 2006“, der Philosoph Konrad Paul Liessmann, ist auch Schmidt-Dengler gleichermaßen Garant für volle Hörsäle und breitenwirksame wissenschaftliche Präsenz. „Wir als Geisteswissenschafter können leichter in der Öffentlichkeit kommunizieren, worum es uns in unserer Wissenschaft geht“, sieht Schmidt-Dengler seinen „Startvorteil“ gegenüber den Naturwissenschaften oder der Jurisprudenz, verweist jedoch gleichzeitig auf den ständigen Kampf um die Legitimation gegenüber den „harten Wissenschaften“.
Verbunden mit der Auszeichnung wurde heuer erstmals eine Trophäe verliehen. Die Skulptur aus Aluminiumschaum schuf Philipp Aduatz von der Universität für angewandte Kunst Wien. ■

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EU-„Jahr des Dialogs der Kulturen“

Die Europäische Union hat am 8. Jänner ihr „Jahr des Dialogs der Kulturen“ (EJID 2008) gestartet. Das sei eine Aufwertung dessen, was die Union in diesem Bereich bereits erreicht habe, erklärte der amtierende EU-Ratspräsident und slowenische Premier Janez Jansa im Vorfeld der offiziellen Auftaktveranstaltung in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana (Laibach).
Finanziert werden bis Jahresende mit einem Budget von 10 Millionen Euro nationale Projekte in den 27 EU-Mitgliedstaaten und sieben übergreifende europäische Vorhaben. So soll es laut Veranstalter vor der Fußball-EM EURO 2008 Treffen von KünstlerInnen und Kulturschaffenden in ganz Europa geben. Als Botschafter für das Dialog-Jahr konnte die EU prominente Künstler wie den französischen Chansonnier Charles Aznavour, den brasilianischen Schriftsteller Paulo Coelho oder die belgischen Filmemacher Jean-Pierre und Luc Dardenne gewinnen.
Die österreichische Eröffnungsveranstaltung des EJID 2008 findet am 28. Februar in der Wiener Stadthalle als „Konzert mit Willi Resetarits und Freunden“ statt, wie es am 8. Jänner in einer Aussendung des zuständigen Unterrichtministeriums hieß. Vom 4. April bis 6. Mai hält der „Dialog-Tour-Konvoi“ im Zentrum aller neun österreichischen Landeshauptstädte. In Wien wird unter anderem das Projekt „Radiodialoge – Stimmen der Vielfalt“ (www.radiodialoge.at) die Möglichkeit bieten, Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen in sechs Freien Radiostationen journalistisch auszubilden. Das Unterrichtsministerium wird laut Aussendung zudem seine Förderungen für bereits bestehende Schul-Projekte des interkulturellen Dialogs mit Modellcharakter aufstocken (www.projekt-quer¬denken.eu).
Außenministerin Ursula Plassnik unterstrich in einer Pressemeldung die wachsende kulturelle Vielfalt der sich erweiternden EU: „Damit Europa eine Region des Friedens, der Stabilität und der Sicherheit bleibt, ist der tägliche Dialog über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg einfach unerlässlich.“ Plassnik wies auch auf die besondere Bedeutung des Dialogs der Kulturen für die Integration von Migranten und die Entwicklung einer muslimisch-europäischen Identität im Rahmen eines „europäischen Islam“ hin. ■

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Peter Turrini erhält Würth-Preis

Der österreichische Autor Peter Turrini erhält den mit 25.000 Euro dotierten Würth-Preis für Europäische Literatur. Der 63-Jährige sei „ein unübersehbarer Theaterdichter des deutschen Sprachraums und ein Klassiker des politisch und gesellschaftskritisch erneuerten Volkstheaters“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Auch als Lyriker und Prosaschriftsteller habe es Turrini „meisterlich verstanden, das Feine im Groben und das Menschliche im Schrecklichen aufzudecken“. Die Auszeichnung wird am 9. Februar im Stuttgarter Schauspielhaus verliehen.
Turrini, 1944 in Kärnten geboren, gilt heute als meistgespielter österreichischer Dramatiker der Gegenwart. Zu seinen bekanntesten Stücken zählen „Tod und Teufel“, „Alpenglühen“ oder „Die Schlacht um Wien“. Bevor er sich 1971 als freier Schriftsteller in Wien niederließ, arbeitete Turrini unter anderem als Holzfäller, Stahlarbeiter und Werbetexter. Heute werden seine Stücke weltweit inszeniert und wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt.
Turrini ist der fünfte Autor, der den von der Würth-Gruppe gestifteten Preis erhält. Zuvor waren Hermann Lenz (1998), Claudio Magris (2000), Claude Vigée (2002), Harald Hartung (2004) und Herta Müller (2006) ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung soll den Blick auf ein Europa der kulturellen Vielfalt richten. ■

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Kulturpreis der Berliner Zeitung ging an Klaus Maria Brandauer

Der österreichische Schauspieler und Regisseur Klaus Maria Brandauer (64) erhielt heuer den Kulturpreis der Berliner Zeitung (B.Z.) in der Kategorie „Theater“. Die Auszeichnung erfolgte für seine Darstellung des Wallenstein in der viel beachteten Schiller-Inszenierung von Peter Stein am Berliner Ensemble. Brandauer habe einen „Meilenstein der Theaterkunst gesetzt“, so die Begründung der B.Z., er sei „der Maßstab für alle Schauspieler, die sich künftig mit dieser Rolle beschäftigen“. Der renommierte Preis wurde Brandauer am 17. Jänner im Berliner Axel-Springer-Haus verliehen. ■

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Hans Staudacher wurde 85

Hans Staudacher, einer der österreichischen Meister des Informel, feierte am 14. Jänner seinen 85. Geburtstag. Zu sehen ist sein Werk ab 1. Februar in der Wiener Galerie Gerersdorfer unter dem Titel „HERZlichst zum 85. Geburtstag“ mit einem Querschnitt der Arbeiten des Malers, der seine eigene lyrisch-abstrakte Bildsprache unbeeindruckt von wechselnden Stilen, Moden und Kunstdiskursen entwickelt hat. In der Galerie Hilger wird ab 25. Jänner ebenfalls eine repräsentative Auswahl von Staudachers grafischen und malerischen Arbeiten auf Papier und Leinwand präsentiert. Das Museum Moderner Kunst Kärnten widmete dem Jubilar bis 20. Jänner eine umfangreiche Retrospektive.
Hans Staudacher wurde am 14. Jänner 1923 in St. Urban am Ossiacher See (Kärnten) geboren und wuchs in Villach auf. Hatte sein Werk zunächst noch deutlich gegenständliche Bezüge, begann der Autodidakt bereits 1951 mit tachistischen Kunstharzbildern. Staudacher lebt seit den 1950er Jahren in Wien, entscheidend prägten ihn jedoch längere Aufenthalte in Paris. So setzte er sich intensiv mit dem Werk von George Mathieu und dem Lettrismus, der Verbindung von Bild und Schrift, auseinander.
1956 war das Jahr des Durchbruchs: Josef Hoffmann ernannte ihn zu einem der Vertreter Österreichs bei der Biennale in Venedig. Fortan zeigte er seine Werke unter anderem in der Wiener Secession und in internationalen Ausstellungen. 1965 wurde ihm einer der Hauptpreise auf der Biennale Tokio und die Josef Hoffmann-Ehrung der Wiener Secession zuerkannt, 1976 der Professorentitel, 1989 der Kulturpreis des Landes Kärnten. 2004 erhielt er unter anderem das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. ■

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Umfassende Alfred Hrdlicka-Retrospektive in Deutschland

„Kunst lebt nicht nur vom Lieblichen, sondern ist in der Sache politisch“, erklärte Österreichs bedeutendster zeitgenössischer Bildhauer Alfred Hrdlicka bei Eröffnung der großen Retrospektive „Alfred Hrdlicka. Bildhauer - Maler - Zeichner“ in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall
(Deutschland) am 18. Jänner. Zu sehen sind anlässlich seines 80. Geburtstages (27. Februar) rund 300 Arbeiten aus Stein und Bronze, auf Leinwand und Papier aus allen Schaffensperioden. Die Schau, die durch zahlreiche Leihgaben aus Österreich ergänzt wird, ist bis 29. Juni geöffnet und wird ab 8. August in adaptierter Form vom Wiener Künstlerhaus übernommen.
Hrdlicka hat sich immer wieder mit Themen wie Krieg, Gewalt und Faschismus auseinandergesetzt. Meist steht die menschliche Figur in ihrer realistischen, aber stets expressiv gestalteten Form im Fokus seines Schaffens. Die im Laufe von fünf Jahrzehnten entstandenen Werkreihen und Zyklen sind in der Ausstellung in zehn Themenkreisen zusammengefasst, unter vielsagenden Namen wie „Eros und Thanatos“, „Gewalt und Martyrium“ „Mythologische und biblische Themen“ oder „Schmerz und Psyche“. Zu sehen ist weiters eine Skizze zum „ Mahnmal gegen Krieg und Faschismus“ auf dem Albertinaplatz in Wien. ■

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Früher Kokoschka im Belvedere

Das Untere Belvedere in Wien präsentiert das frühe Schaffen Oskar Kokoschkas, des bedeutendsten Vertreters des österreichischen Expressionismus“, erstmals in Form einer Werkschau unter dem Titel „Kokoschka. Träumender Knabe – Enfant terrible“. Zu sehen sind die Arbeiten vom 24. Jänner bis 12. Mai.
Geprägt vom linearen Stil der „Wiener Secession“, erlangte Kokoschka mit seinen grafischen und auch literarischen Beiträgen für die Avantgarde-Zeitschrift „Sturm“ bereits früh internationale Anerkennung. Gleichzeitig sorgte er mit seinen Porträts für Aufsehen, in denen er sich nicht auf die Wiedergabe von Äußerlichkeiten, sondern der subjektiven Befindlichkeiten der Porträtierten konzentrierte.
Die rund 120 Exponate der Ausstellung vereinen sämtliche künstlerische Ausdrucksformen Kokoschkas und veranschaulichen seinen Weg vom „Träumenden Knaben“ des Jugendstils hin zum expressiven „Enfant terrible“ der europäischen Kunstgeschichte. Gezeigt werden auch ein Nachbau seiner Alma-Puppe und ein lange verschollen geglaubtes Wandbild Kokoschkas aus Alma Mahlers Haus am Semmering. ■

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Kulturforum New York thematisiert Todesstrafe

Mit Arbeiten von 20 heimischen und internationalen Künstlern thematisiert das Österreichische Kulturforum New York eines jener Themen, die die USA und Europa am meisten entzweien: Die Ausstellung „Under Pain Of Death“ (22.1. bis 10.5.) widmet sich der Todesstrafe – unter anderem mit Werken von Andy Warhol, Raimund Abraham oder Andres Serrano. ■

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„Österreich am Ball“- Trophy: EURO 08 dient mehr als nur dem Fußball

Die Fußball-Europameisterschaft (EURO 08) ist eine einzigartige Chance nicht nur für unseren Fußball, sondern auch dafür, das Sportland Österreich zu präsentieren. So wird mit der „Österreich am Ball“- Trophy heuer die gesamte Palette des Ballsports in den Mittelpunkt gerückt werden. „Damit können mehr Leute für den Sport gewonnen werden“, argumentieren Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka, „denn die beste Promotion für den Sport ist der Sport!“ Und so werden 15 Fachverbände - von American Football bis Wasserball - rund um die EURO 08 signalisieren, dass „Österreich am Ball“ ist. Die Europameisterschaft soll auch zeigen, welch guter Gastgeber unser Land ist, denn Österreich hat sich für Austragungen weiterer Großveranstaltungen anderer Sportarten beworben. So soll die Handball-WM 2010, die Faustball-WM 2011 und die Schwimm-WM im Jahr 2012 in Österreich stattfinden. ■

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Keine Beweise für Blutdoping

Große Aufregung herrschte in den letzten Wochen aufgrund von Vorwürfen, es gebe ein „Blutdoping-Labor“ in Österreich. Auch Hinweise auf namentlich genannte Sportler, die sich dem Blutdoping schuldig gemacht haben sollen, konnten sich bislang nicht bestätigen. Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka ist bereit, alle zur Verfügung stehenden Mittel im Kampf gegen das Doping zu ergreifen, verwehrt sich aber gegen Vorverurteilungen von Sportlern: „Jede Unterstützung für eine restlose Aufklärung, aber keine Beiträge zu Gerüchten,“ so Lopatka, der das Innenministerium und das ÖADC (Österreichisches Anti-Doping-Comité) um Ermittlungen ersucht hat und in Kontakt mit IOC und WADA steht. Sportminister Alfred Gusenbauer kündigte an, dass eine interministerielle Arbeitsgruppe legistische Maßnahmen prüfen wird, um systematisches Doping besser bekämpfen zu können: „Klar muss uns aber sein, dass organisiertes Doping auf mafiosen Strukturen beruht und dafür nicht das Anti-Doping-Gesetz, sondern das Strafrecht im Bereich des Arzneimittelgesetzes die Grundlage der Bekämpfung bietet.“ Derzeit können Personen, die einen Sportler etwa beim Blutdoping unterstützen, nur nach Paragraf 22 des Anti-Doping-Gesetzes bestraft werden. Die maximale Höhe der Verwaltungsstrafe beträgt dabei 21.800 Euro, allerdings nur in ganz schweren Fällen, wenn etwa das Leben eines Athleten gefährdet wurde, abseits davon gelten 3.630 Euro als Höchststrafe. ■

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Hockey- Herren holen EM-Bronze

Großer Erfolg für Österreich bei der Hallen-Hockey-EM in Jekaterinenburg. Die Österreicher setzten sich im Spiel um Platz drei gegen Spanien sicher mit 3:0 durch und eroberten damit die Bronzemedaille. Zuvor gab es einen rot-weiß-roten Sieg gegen Italien mit 10:4 und einen Kantersieg gegen die Schweiz mit 7:1. Nur gegen den neuen Europameister Deutschland (3:5) und Russland (4:5 nach Verlängerung) musste sich unser Nationalteam geschlagen geben. Der Einzug ins Finale war zum Greifen nahe. Es war die zweite EM-Bronzemedaille für den ÖHV nach 1988. Die rot-weiß-rote Auswahl hat als einziges österreichisches Team auch noch die Chance, sich für die Olympischen Spiele in Peking zu qualifizieren. ■

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Kunstbahn-Rodel-EM in Cesana: Österreichische Rodler erstklassig

Auch die Europameisterschaften der Kunstbahn-Rodler in Cesana/Italien endeten erfolgreich für unsere österreichischen Athleten. Veronika Halder holte im Einsitzer die Bronzemedaille, die Olympiasieger Andreas und Wolfgang Linger im Herren-Doppel Silber. Das Rodel-Team krönte ihre Leistungen noch mit einer Silber- Medaille im Team-Wettbewerb, wobei sie den ersten Platz nur um acht tausendstel Sekunden verfehlten. Der österreichische Rodelverband wurde mit diesem guten Ergebnis für die tolle Nachwuchsarbeit der letzten Jahre belohnt. In diesem jungen Team stecken noch viele Medaillenchancen für Österreich. ■

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