Montag, 21. Juli 2003
Innenpolitik
Wirtschaft
Kultur / Medien / Wissenschaft
Bundespräsident Klestil in Tschechien
Bundespräsident Thomas Klestil weilte am 17. 7. in Begleitung seiner Frau Margot Klestil-Löffler zu einem offiziellen Arbeitsbesuch in Prag, wo er mit dem tschechischen Staatsoberhaupt Vaclav Klaus u.a. Themen wie das bilaterale Verhältnis von Tschechien und Österreich und die Kooperation im grenznahen Raum erörterte. Klestil bezeichnete die vergangenen Erklärungen von Präsident Klaus und Ministerpräsident Vladimir Spidla als „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“. Klaus hatte im März die Abschiebungen von Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg eine „aus heutiger Sicht unannehmbare Tat“ genannt. Spidla hatte in Göttweig (Niederösterreich) erklärt, die deutsch-tschechische „Schlussstrich“-Erklärung aus dem Jahr 1997 sei auch für Österreich gültig. Darin hatte Prag die Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg und die dabei entstandenen „Exzesse“ bedauert.
Tschechien tritt mit 1. 5. 2004 der EU bei. Dieses positive Ziel vor Augen lobten beide Präsidenten, dass sich die Beziehungen zwischen Wien und Prag „äußerst positiv entwickeln“ (Klestil) und „offen und freundschaftlich“ (Klaus) seien. Der Dialog Wien-Prag werde aber noch weiter geführt, meinten Klestil und Klaus übereinstimmend.

Türkischer Ministerpräsident Erdogan zu Arbeitsbesuch in Österreich
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan stattete Österreich ab 11. 7. in Begleitung einer großen Wirtschaftsdelegation einen zweitägigen Arbeitsbesuch ab. Hauptthemen eines Gesprächs mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel waren der angestrebte EU-Beitritt der Türkei und die Vertiefung der bilateralen Handelsbeziehungen. Erdogan betonte die Entschlossenheit Ankaras, auf einen EU-Beitritt hinzuarbeiten und nannte 2004 „das Jahr der Implementierung der nötigen Reformen“ – etwa bei der Umsetzung der Kopenhagener Menschenrechtskriterien. Großer Dank gelte Österreich, das die EU-Ambitionen der Türkei stets unterstützt habe. Schüssel gratulierte Erdogan „zu den Reformen, die er in wenigen Monaten zustande gebracht hat“ und die voll auf Linie der europäischen Ziele lägen. Schüssel forderte weiters eine „ehrliche Auseinandersetzung in der EU“ über einen Beitritt der Türkei. Auf dem Programm standen zudem eine Unterredung mit Bundespräsident Thomas Klestil und die Teilnahme an einer Veranstaltung der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Die Türkei ist wichtigster Handelspartner in der Region Naher und Mittlerer Osten. 2002 stiegen die österreichischen Exporte um 32% auf 554 Mio. Euro.

Lettlands Präsidentin Vike-Freiberga besuchte Österreich
Die lettische Staatspräsidentin Vaira Vike-Freiberga kam am 10. 7. zu einem dreitägigen Besuch nach Österreich. Neben Gesprächen mit Bundespräsident Thomas Klestil und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in Wien stand auch ein Aufenthalt in der steirischen Landeshauptstadt Graz, der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt, auf dem Programm. Im Zentrum der Unterredungen waren EU-Fragen. Lettland stimmt als letztes der zehn Beitrittsländer am 20. 9. über seinen EU-Beitritt ab. Erörtert wurde insbesondere die künftige EU-Verfassung. Österreich und Lettland hatten sich im EU-Reformkonvent gegen die Abschaffung der rotierenden Ratspräsidentschaft ausgesprochen und plädieren für die Beibehaltung eines stimmberechtigten EU-Kommissars pro Mitgliedsland. Beide Seiten betonten, auf EU-Ebene auch künftig eng zusammenarbeiten zu wollen.

Schweizer Justizministerin Metzler bei Bundeskanzler Schüssel
Die Schweizer Justiz- und Polizeiministerin Ruth Metzler traf am 8. 7. anlässlich eines Kurzbesuches in Wien mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Innenminister Ernst Strasser und Justizminister Dieter Böhmdorfer zusammen. Erörtert wurden u.a. das Sicherheitsdispositiv der Europa-Fußballmeisterschaft 2008 und die EU-Erweiterung sowie Fragen des E-Government und der Möglichkeiten zu beschleunigten Verfahren beim Europäischen Gerichtshof in Straßburg. Metzler lud Schüssel zu einem offiziellen Besuch in die Schweiz ein.

Nationalrat für EU-Erweiterung
Alle vier Parlamentsparteien stimmten am 9. 7. im Nationalrat dem Ermächtigungsgesetz für die EU-Erweiterung zu. Das Ermächtigungsgesetz ist verfassungsrechtliche Voraussetzung für die Ratifikation der EU-Beitrittsverträge, die der Nationalrat im Herbst beschließen wird. In der vorhergehenden Debatte verwies Bundeskanzler Wolfgang Schüssel auf die historische Chance für Österreich. „Die Erweiterung bringt uns ins Herz Europas“, sagte der Bundeskanzler. Der einstimmige Beschluss sei ein „wichtiges Signal nach außen“. „In dieser neuen Union wird Österreich eine Mitteleuropa-Gruppe mitbilden können. Ich freue mich, dass die Erweiterung längst Realität ist und auch gelebt wird“, so Schüssel vor dem Plenum. Die Beziehungen zu den Nachbarländern seien bestens. Zu den österreichisch-tschechischen Beziehungen hob der Bundeskanzler die Bedeutung der jüngsten Göttweiger Erklärung des tschechischen Premiers Vladimir Spidla hervor. „Ich finde es eine großartige Geste, dass er diese Erklärung trotz schwieriger innenpolitischer Lage abgegeben hat“, sagte Schüssel.

Nationalrat: Letzte Sitzungswoche vor Sommerpause
Mehr als 70 Tagesordnungspunkte an drei Plenartagen standen ab 8. 7. auf dem Programm der letzten Sitzungswoche des Nationalrates vor der Sommerpause (bis 15. 9.). Beschlossen wurde u.a. das Ermächtigungsgesetz für die EU-Erweiterung, das Öffnungszeitengesetz 2003 (Ausweitung der Ladenöffnungszeiten), ein neues Telekommunikationsgesetz (Mitnahme der Handy-Nummer bei Wechsel des Betreibers) und Postgesetz (Mitbenutzung der Hausbrieffächer für private Zusteller), der Verkauf von 62.000 Bundeswohnungen, ein Immobilien-Investmentfondsgesetz (langfristige Anlagen), eine Wasserrechtsnovelle (Verbesserung der Wasserqualität, Nachhaltigkeit) und ein Agrarrechtsänderungsgesetz (EU-konforme Einfuhr von Pflanzen) sowie die Ausgliederung der Entwicklungshilfe, ein verschärftes Tabakgesetz (Senkung der Schadstoffhöchstwerte), eine Novellierung des Kinderbetreuungsgeldes (mehr Geld für Zwillinge und Drillinge) und eine Novellierung des Berufsausbildungsgesetzes (integrative Berufsausbildung für Behinderte).

Misstrauensanträge der Opposition: Schüssel stellt sich hinter Minister
Einigkeit demonstrierten die beiden Regierungsparteien (ÖVP und FPÖ) in der letzten Plenarwoche des Nationalrates vor der Sommerpause. Die Misstrauensanträge der Oppositionsparteien (SPÖ und Grüne) im Zusammenhang mit dem Ankauf von 18 Eurofightern sowie externen Beraterhonoraren und angeblichen Honorarnoten für Vorträge von Finanzminister Karl-Heinz Grasser wurden abgelehnt. Grasser und Verteidigungsminister Günther Platter genießen weiterhin das volle Vertrauen der Regierungsspitze. Schüssel zeigte sich überzeugt, dass beide Minister in Sachen Abfangjäger verantwortungsbewusst gehandelt hätten. Die „Profis“ in der Beschaffungskommission des Verteidigungsministeriums hätten sich für den Eurofighter ausgesprochen. Dieser sei der „technisch beste Flieger“, so Schüssel. Der Finanzminister habe in keiner Weise interveniert. Auch Grassers hohe Berater-Ausgaben verteidigte der Bundeskanzler. Er sei „sehr froh“, dass der Finanzminister Fachleute von außen eingesetzt habe. Dies habe etwa bei den Privatisierungen und der Verwaltungsreform im Vergleich zum Aufwand ein Vielfaches an Einsparungen gebracht. Grasser wies alle Vorwürfe entschieden zurück. Er habe nie persönlich Honorare erhalten, für einzelne seiner Vorträge seien von den Veranstaltern Spenden direkt an sozial Bedürftige ergangen. Untersuchungen des Finanzministeriums bestätigten, dass „keinerlei steuerrechtliche Verfehlungen“ vorlägen.

Bundesregierung beschloss rund 13 Mio. Euro Presseförderung
Die Vergabe der Allgemeinen und Besonderen Presseförderung für 2003 wurde vom Ministerrat am 8. 7. beschlossen. Die Bundesregierung wird heuer insgesamt 12,935 Mio. Euro an Subventionen ausschütten. Für die Besondere Presseförderung zum Erhalt der Medienvielfalt stehen 7,384 Mio. Euro zur Verfügung, die Allgemeine Presseförderung ist mit 5,551 Mio. Euro dotiert.

Trauer über Tod von Burgenlands Ex-Landeshauptmann Karl Stix
Große Trauer und tiefe Bestürzung löste der Tod des früheren burgenländischen Landeshauptmannes Karl Stix aus. Der sozialdemokratische Politiker erlag am 5. 7. mit 63 Jahren einem Krebsleiden. Vertreter aller Parteien würdigten Stix als Menschen und Politiker. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sprach von einem „Politiker mit Weitsicht und Sendungsbewusstsein“. Stix war fast 10 Jahre Landeshauptmann und als Mann des Konsenses auch auf Bundesebene ein gefragter Ratgeber.

Bundeskanzler Schüssel im Nationalrat: Erklärung zur wirtschaftlichen Lage
In der letzten Plenarsitzung des Nationalrates vor der Sommerpause am 10. 7. stellte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an den Beginn seiner Erklärung zum Thema „Wirtschaftliche Lage und Maßnahmen für den Wirtschaftsstandort Österreich“ die „zentrale Frage von heute“, wie Wachstum qualitativ, nachhaltig und ökologisch zu stimulieren sei. Dabei räumte er ein, dass die wirtschaftliche Lage derzeit nicht rosig sei, „wir trauen uns aber zu, diese Probleme zu lösen“, so Schüssel und erhob Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik zur „Chefsache“.
Alle Strukturreformen der Regierung hätten das Ziel, „die Hände frei zu haben für eine wachstumsorientierte, beschäftigungsorientierte Wirtschaftspolitik“ und nicht, um „Geld zu sparen“, sagte der Bundeskanzler. Das Vertauen in die Wirtschaftspolitik, das man über Jahre aufgebaut habe, könne „schnell verspielt“ sein. Allen Parteien gelte daher die Bitte, Investoren in Österreich nicht dauerhaft zu verschrecken.
Viele Probleme seien gelöst worden, Österreich stehe „heute wesentlich besser da als vor zehn Jahren“. Arbeitsmarkt, Abbau von Beamten, „enorme“ Privatisierungsschritte, „große“ Liberalisierungen (Energie- und Telekombereich), hohe Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Wissenschaft würden den Beweis dafür liefern, hob Schüssel hervor. Es sei gelungen, 4 Mrd. Euro Schulden der ÖIAG abzubauen, verteidigte der Bundeskanzler die Privatisierungspolitik.
Was die Situation am Arbeitsmarkt angehe, gebe es heute im Vergleich zu 1994 130.000 Arbeitsplätze mehr. Österreich habe die höchste Beschäftigungszahl seit Bestehen der Zweiten Republik. „3,2 Millionen Menschen haben Arbeit und Brot“, sagte Schüssel. Zur Konsolidierung des Arbeitsmarktes gebe es u.a. ein Sonderprogramm für Jugendliche und eine Senkung der Lohnnebenkosten.
Geholfen hätten dabei laut Schüssel auch die Investitionen seitens der EU in Höhe von insgesamt 15 Mrd. Euro (1995-2006) in Österreichs Regionen, in die Strukturpolitik und Modernisierung des ländlichen Raums. Durch die EU-Erweiterung würden in Österreich bis 2010 fast 30.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Um den Wirtschaftsstandort Österreich innerhalb der EU bestmöglich abzusichern, seien weitere Senkungen der Abgabenquote sowie die Steuersenkungen 2004 und 2005 in Vorbereitung.

voest-Verkauf – Bundeskanzler Schüssel: Käufer genau ansehen
Im Privatisierungswettbewerb um die voestalpine schien es, dass strategische Investoren wie Magna oder Thyssen Krupp vorerst aus dem Rennen seien, wie Finanzminister Karl-Heinz Grasser am 10. 7. vor Journalisten erklärte. Wenig später betonte der Finanzminister jedoch, generell niemanden ausschließen zu können. Nicht zur Debatte stünde dies beim Verkauf der Telekom Austria, wobei drei Varianten offen stünden: Finanzinvestoren, ein Verkauf über die Börse oder strategische Interessenten. Hier gebe es keinen Zeitdruck.
Die Vorgabe für den voestalpine-Verkauf an den Vorstand der Verstaatlichten Holding ÖIAG laute: Erhalt sicherer Arbeitsplätze, Entscheidungszentralen in Österreich sowie Erhalt und Ausbau von Forschungs- und Entwicklungskapazitäten. Die Verkaufserlöse der ÖIAG-Privatisierungen würden nicht ins Budget fließen, schloss Grasser aus. Dies wäre nicht Maastricht-konform, sehr wohl aber die eingeforderten Sonderdividenden (2004: 100 Mio. Euro). „Die Gewinnsituation der ÖIAG zeigt, dass wir weit weniger nehmen, als wir könnten“, sagte der Finanzminister.
Auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel kündigte am 10. 7. in einem ORF-Interview (ZiB 2) an, man werde sich die Käufer der voestalpine ganz genau ansehen. „Natürlich wollen wir auch einen guten Preis erzielen“, so Schüssel. Die bisherigen Privatisierungen seien erfolgreich und zu Gunsten des Budgets, des Steuerzahlers und der Arbeitnehmer verlaufen, unterstrich der Bundeskanzler.

Konferenz der Wirtschaftsminister Süd-osteuropas in Wien – Investoren gewinnen
„Die heutige Konferenz von Ministern aus den Ländern Südosteuropas demonstriert den politischen Willen der Länder der Region, notwendige Reformen rasch umzusetzen und sendet damit ein deutliches Signal an Investoren“, erklärte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein am 11. 7. in der Wiener Hofburg anlässlich einer Konferenz, zu der er gemeinsam mit der OECD und dem Stabilitätspakt für Südosteuropa die Wirtschafts- und Außenminister der Länder Südosteuropas geladen hatte. Die Integration der betreffenden Länder in die europäischen Strukturen und schließlich deren EU-Mitgliedschaft seien die großen Herausforderungen für die Zukunft, so Bartenstein. Der Wirtschaftsminister zeigte sich überzeugt, dass dieses auf dem jüngsten EU-Gipfel in Thessaloniki formulierte Ziel einer stärkeren Integration Südosteuropas rasch umgesetzt werden könnte. Nächster bedeutender Schritt sei die Errichtung einer Freihandelszone zwischen jenen Ländern und der EU. Der Koordinator des Stabilitätspakts für Süd-osteuropa, Erhard Busek, betonte, dass die Länder Südosteuropas ihre Kooperation verstärken und gemeinsam die Bedingungen für ausländische Investoren verbessern wollen. Ein entsprechender Beschluss für Investitionserleichterungen sei in Wien gefasst worden. Zentrales Thema der kommenden Jahre werde die wirtschaftliche Stabilität sein, sagte Busek. Laut einer Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschafts-vergleiche (WIIW) würden ausländische Direktinvestitionen eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Erholung in der Region spielen. Zu den vereinbarten Reformschritten zählen u.a. vereinfachte Zulassungs- und Registrierungsver-fahren, Möglichkeiten des Grunderwerbs für die Errichtung von Anlagen sowie Erleichterungen bei Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen für Schlüsselpersonal.

Heimische Bauindustrie mit Investitionstätigkeit des Bundes zufrieden
Die heimische Bauindustrie sei mit der aktuellen Entwicklung der Investitionen im Bundesbereich „momentan absolut zufrieden“, erklärte der Präsident der Vereinigung industrieller Bauunternehmungen Österreichs (VIBÖ), Porr-Chef Horst Pöchhacker, bei einem Pressegespräch am 8. 7. in Wien. Ein großes Problem stelle allerdings die rückläufige Investitionstätigkeit der Länder und Gemeinden dar, wofür die Bauindustrie fehlende Anreize im Finanzausgleich verantwortlich macht. Die Konjunktursituation am Bau sei von „vorsichtigem Optimismus“ geprägt, so Pöchhacker. Das Wifo rechne derzeit mit einem realen Bau-Produktionszuwachs von 1,4% für 2003 und 1,7% für 2004. Damit wachse die Baubranche erstmals seit 1998 rascher als die Gesamtwirtschaft. Die positiven Einschätzungen würden vor allem auf dem Hoch- und Tiefbau basieren. Der Aufschwung im Tiefbau etwa sei im Wesentlichen auf kräftige Investitionsimpulse der Sondergesellschaften des Bundes im Bereich der hochrangigen Verkehrsinfrastruktur (Straßen und Schienen) zurückzuführen.

Erstmals in Europa: OMV-Tochter Econgas versteigert Gas übers Internet
Erstmals wird in Europa Gas bei einer Internet-Auktion zu erwerben sein. Am 17. 7. werden von der OMV-Tochter Econgas 250 Mio. Kubikmeter – der Jahresbedarf von 125.000 Haushalten – versteigert. 22 Bieter (in- und ausländische Händler und Industriekunden) haben sich angemeldet. Erwartet wird, dass die Angebote zwischen 1,09 und 1,32 Cent je kWh (12,8 bis 15,5 Cent je Kubikmeter) liegen. Mit der Versteigerung erfüllt die Econgas eine Auflage, die im Zuge des Kartellverfahrens von der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde erteilt worden ist. Der Großkundenvertrieb mit einem Jahresvolumen von 5,5 Mrd. m3 ist eine Tochter der OMV (50%) und der Landesversorger Wiengas, EVN, OÖ Ferngas, Linz Gas und Begas.

Magna Steyr startete Produktion von Saab 9.3 Cabrio
Magna Steyr in Graz startete am 8. 7. offiziell mit der Produktion des Saab 9.3 Cabrio. Bei voller Auslastung sollen täglich 102 Autos gefertigt werden, gab der Vorstandsvorsitzende von Magna Steyr, Herbert Demel, bei der Eröffnung bekannt. Er betonte die Wichtigkeit für den Standort Graz, an dem nun jährlich 22.000 Cabrios produziert werden sollen. Das Projekt läuft bis 2010, geplant ist die Herstellung von insgesamt 150.000 Fahrzeugen. Das Saab 9.3 Cabrio ist eine Zusammenarbeit mit Saab Automobile, einer Tochter von General Motors, dem weltgrößten Automobilhersteller. Insgesamt wurden 60 Mio. Euro investiert, die Entwicklung dauerte drei Jahre. Der Gesamtumsatz soll bis 2010 3 Mrd. Euro betragen. Demel unterstrich die strategische Bedeutung der Kooperation mit General Motors. Das Saab 9.3 Cabrio sei die erste Produktion bei Magna Steyr, die von der Planung bis zur Serienfertigung durch die Firma selbst abgewickelt werde.

Bundeskanzler Schüssel zu aktuellen Fragen der gegenwärtigen Kunst und Kultur
In der Fragestunde des Nationalrats am 9.7. führte Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel zahlreiche Aktivitäten an, die die österreichische zeitgenössische Kunst international bestmöglich positionieren. Neben der Teilnahme an internationalen Buchmessen und an großen Biennalen wie Venedig, Sao Paulo und Shanghai habe Kunststaatssekretär Franz Morak außerdem den Schwerpunkt Architektur gesetzt. Eine Reihe von Architekturpräsentationen würde international Furore machen, etwa eine große Architekturausstellung im Kulturforum New York. Auch im Bereich der Bildenden Künste habe man wichtige Akzente gesetzt. Die in der Verlagsförderung getätigten Impulse seien gerade für den kleinen Markt Österreich besonders wichtig, unterstrich der Kanzler. Ein spektakulärer zusätzlicher Impuls im Kulturbereich sei durch das Kulturjahr der europäischen Kulturhauptstadt 2003 Graz entstanden. Schüssel dankte der steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic und der Familie Herberstein, dass ab 2004 eine dauerhafte Präsentation der Werke des Bildhauers Bruno Gironcoli auf Schloß Herberstein möglich sein werde: „Dieser große Künstler verdient es wirklich“. Der Bundeskanzler ging in der Fragestunde in Bezug auf die Kultur auch auf die EU-Erweiterung ein und verwies auf die seit dem Jahr 2000 regelmäßigen Kulturministertreffen in Österreich. 2004 werde man rund um das Erweiterungsdatum 1.5. einen besonderen künstlerischen Schwerpunkt setzen, wo man sich gegenseitig präsentiere. „Die Erweiterung wird dann erfolgreich sein, wenn wir uns auch neugierig aufeinander machen“. Es müsse dies ein Projekt der Wirtschaft, der Künstler und der Bürgergesellschaft werden.

Bregenzer Festspiele eröffnet: Reden von Klestil, Morak und Jamie Bernstein
Bundespräsident Dr. Thomas Klestil eröffnete am 16.7. die bis 19.8. dauernden 58. Bregenzer Festspiele. Die Eröffnungsrede im Festspielhaus hielt Jamie Bernstein, Tochter von Leonard Bernstein, dessen „West Side Story“ auf der Seebühne zur Aufführung gelangt. Jamie zitierte u.a. aus einem Briefwechsel ihres Vaters mit ihrer Mutter, der die Entstehungsgeschichte des Musicals beleuchtet. Sie fand auch die richtigen Töne gegen Xenophobie, Vorurteile und für die Liebe – die zentralen Themen des Werks. Künstlerisch begannen die Festspiele im Haus mit der Premiere der Oper „Das schlaue Füchslein“ von Leos Janacek. Für Kunststaatssekretär Franz Morak hat die Oper symbolischen Charakter. In der Geschichte vom Füchslein, das aus seiner Gefangenschaft ausbricht, sieht Morak eine Analogie zu den Völkern der ehemaligen kommunistischen Diktaturen. Im kommenden EU-Erweiterungsprozess „sollten wir uns bewusst werden, dass die kulturelle Identität eine der größten Stärken unserer Kontinents ist“. Anlässlich der „West Side Story“-Aufführungen hielt Morak fest, das wir „bei der demokratischen Festigung unseres Landes den USA viel zu verdanken“ hätten. Erneut verwies Morak auf die Mannigfaltigkeit und das kulturelle Potential der Landschaften und Regionen Europas abseits der Metropolen, wo „’Hauptstädter’ manchmal abschätzig von ‚Provinz’ sprechen“. Hauptstadt sei überall dort, wo sich große Künstler und Visionäre mit ihren Mitteln artikulierten. Bezugnehmend auf Janaceks Herkunft – dieser wurde 1854 in Hukvaldy/ Nordmähren geboren und wirkte später in Brünn als Orgellehrer und Leiter der Philharmonischen Gesellschaft – meinte Morak: „Von Brünn nach Bregenz – entspricht es nicht der kulturellen Vielfalt Europas!“ Bundespräsident Klestil beschäftigte sich in seiner Eröffnungsrede u.a. mit der gesellschaftlichen Rolle der zeitgenössischen Kunst. Nicht zuletzt durch die Erweiterung des „Kunst aus der Zeit“-Zyklus seien die Festspiele durch eine gelungene Symbiose von moderner Kunst und breitenwirksamen Klassikern zu einem der wichtigsten Festivals in Europa geworden. „Wir leben heute nicht nur in einer Epoche gravierender, ja totaler Veränderungen, sondern vor allem in einer Zeit der Verunsicherungen“, so der Bundespräsident zum gesellschaftlichen Umfeld der zeitgenössischen Kunstproduktion. Die Verstärkung der sozialen Kluft als Kehrseite der Globalisierung, die schwache Wirtschaftslage, der internationale Terrorismus oder die Infragestellung des „Generationenvertrages“ führe dazu, dass es „mit dem Vertrauen der Menschen weitgehend vorbei“ sei. Der „gesellschaftliche Verdrängungswettkampf“ sei auch auf der „politischen Bühne“ zu beobachten: „Die Verflachung der politischen Alltagskultur bedeutet auch einen Schritt weg von der Zivilisation“. Zeitgenössische Kunst könne auf diese gesellschaftlichen Fragen zwar keine exakten Antworten geben, jedoch „unsere Sensibilität gegenüber jenen Entwicklungen stärken, die einen Rückschritt in der Geschichte der Menschen bedeuten würden“. Kunst dürfe kein reiner Selbstzweck sein, sondern müsse „uns schulen, wachsame Zeitgenossen zu sein und durch ein festes und freies Urteil auch in den Lebensalltag einzugreifen“.
Die Bregenzer Festspiele 2003 sind die letzten unter der künstlerischen Verantwortung von Langzeitintendant Alfred Wopmann, der sich nach 20 Jahren in den Ruhestand verabschiedet und das Ruder an den Briten David Pountney übergibt. Das Programm ist umfangreich wie noch nie: Mehr als 70 Veranstaltungen von Oper über klassisches Konzert und Schauspiel bis „Kunst aus der Zeit“ werden geboten. Allein für 28 Vorstellungen von „West Side Story“ auf der riesigen Seebühne wurden rund 190.000 Karten aufgelegt. Zusatzaufführungen mussten eingeschoben werden, um die Nachfrage zu decken. Insgesamt stehen für alle Veranstaltungen rund 209.000 Tickets zur Verfügung. Sowohl der Bundespräsident als auch der Staatssekretär würdigten ausführlich die Leistungen Alfred Wopmanns. Franz Morak: „Er hat neue Maßstäbe gesetzt und damit auch die Seefestspiele bahnbrechend neu definiert. Untrennbar sind die großen Erfolge der letzten 20 Jahre auf der Seebühne mit dem Namen Alfred Wopmann verbunden“.

Ernest Blochs „Macbeth“ beim KlangBogen
Der Schweizer Komponist Ernest Bloch (1880-1959) studierte Violine und Komposition, war Dirigent und machte sich vor allem im Bereich der Kammermusik und der Symphonik einen Namen. Bloch lebte viele Jahre als Professor in den USA und starb in Portland/Oregon. Seine einzige Oper „Macbeth“ wurde in französischer Sprache 1910 in Paris trotz heftiger antisemitischer Anfeindungen uraufgeführt und kontroversiell aufgenommen. Erst 28 Jahre später kam es zu einer zweiten Produktion. In Österreich war das wichtige Werk bis dato noch nie zu sehen und erlebte jetzt im Rahmen des Festivals KlangBogen im Theater an der Wien eine triumphale europäische Erstaufführung in englischsprachiger Originalfassung, erstellt von Bloch und Alex Cohen. In der beeindruckenden originellen Musik finden sich auch Anklänge an Wagner, Debussy, Mussorgski und Britten. Die düstere Shakespeare-Adaption fesselt vor allem auch szenisch und visuell – eine grandiose Leistung von Regisseur Keith Warner und Lichtdramaturgen Wolfgang Göbbel. Warner macht in seiner Sichtweise deutlich, dass Medienkontrolle Macht bedeutet. Die drei Hexen – Erla Kollaku, Christa Ratzenböck, Nadia Krasteva – wirken als mediale Drahtzieher der Usurpation und beeinflussen mit brennenden Zeitungen den Lauf der Welt. Denn wer die Schlagzeilen und die Toten von morgen kennt, steht an der Spitze des Terror-Staates. Es spielte das Radio Symphonieorchester Wien unter Shao-Chia Lü, den glänzenden Festival-Chor studierte Janko Kastelic ein. Überragend in ihrem machtlüsternen Wahnsinn die Lady Susan Bullock und Macbeth Donnie Ray Albert – beide vom Publikum bejubelt.
Weitere Aufführungen: 24., 29.7. Infos: www.klangbogen.at.

KUNSTHALLE wien: Attack! Kunst und Krieg in den Zeiten der Medien
Geschichte wird gemacht – in den Zeiten der Medien mehr denn je. „Attack!“ versucht den Krieg unter zeitgenössischen Kommunikationsbedingungen zu begreifen und in seiner visuellen Vielfalt darzustellen: Künstler bearbeiten Medienbilder, um traumatische Folgen und zerstörerische Effekte des Krieges zu analysieren und dem eine eigene Bildlichkeit entgegenzusetzen. Medien in der Ausstellung können genauso afghanische Teppiche mit Panzer- und Feuerwaffenmotiven sein, wie die geschmückten Handgranaten und Maschinenpistolen von Antonio Riello oder die fingierten Zeitschriftencovers von Uroš Djuriæ, auf denen Krieg, Porno und Popkultur eine unheilige Symbiose eingehen. Den anhaltenden Nahost-Konflikt greift Sigalit Landau in einem Stacheldraht-Hula-Hoop symbolisch auf. Eine Auswahl berühmter Kriegsreportagen internationaler illustrierter Magazine vom Spanischen Bürgerkrieg bis Vietnam zeigt beispielhaft die Entwicklung und Wirkung von Kriegsfotografie im Medium der ersten Verbreitung auf. „Attack!“ bewegt sich zwischen Grauen, Faszination und Trauma. Denn „der Krieg als solcher“, schreibt der Militärhistoriker Martin van Creveld trocken, „erfreut sich bester Gesundheit und steht kurz vor dem Eintritt in eine neue Epoche“. Die Ausstellung mit rund 40 Künstlern wurde von Gabriele Mackert und Thomas Mießgang kuratiert und ist bis 21.9 zu sehen. Infos: www.kunsthallewien.at.

Ulrich Seidl in Karlovy Vary ausgezeichnet
Der österreichische Regisseur Ulrich Seidl („Hundstage“, „Models“, „Tierische Liebe“) hat am 12.7. mit seinem TV-Film „Jesus, Du weißt“ den Dokumentarfilm-Wettbewerb beim Filmfestival in Karlovy Vary (Karlsbad, Tschechien) gewonnen. Der Hauptpreis für den besten Spielfilm ging an „Das Fenster gegenüber“ („La finestra di fronte“) des in Italien lebenden türkischen Regisseurs Ferzan Ozpetek. US-Schauspieler Morgan Freeman erhielt einen Ehrenpreis für sein Lebenswerk. „Jesus, Du weißt“ enthält Porträts von sechs Menschen, die in einer sehr engen Beziehung zu Jesus Christus stehen. Der Film zeigt „durchschnittliche Gläubige“, wie sie in unterschiedlichsten Lebenssituationen ganz persönlich mit Jesus sprechen. Der selbst sehr katholisch erzogene Regisseur wollte sich in seinem Film auch mit seiner eigenen „zutiefst religiösen Erziehung und Jugend“ auseinander setzen. Als Jugendlicher habe er gegen sein „autoritär geprägtes, katholisches Elternhaus“ revoltiert. Jetzt sehe er einiges differenzierter: „Heute weiß ich, dass ich die Basis des Christentums in mir trage, zum Beispiel die Idee der Solidarität“. Österreich war auf dem Festival mit insgesamt elf Produktionen oder Koproduktionen vertreten. So im Spielfilm-Wettbewerb mit er deutsch-österreichischen Koproduktion „Der gläserne Blick“ von Markus Heltschl. In der Reihe „Horizons“ waren Ruth Maders Streifen „Struggle“ sowie „Meine Schwester Maria“ von Maximilian Schell eingeladen. In der „Variety’s Critics Choice“ konnte man Andrea Dusls „Blue Moon“ und „Sie haben Knut“ von Stefan Krohmer sehen. Neben dem Auftritt von „I am from nowhere“ von Georg Misch bei den „Special Video Screenings“ waren auch vier Filme im „Forum of Independents“ vertreten: Peter Payers „Ravioli“, Virgil Widrichs „Fast Film“, „Im Anfang war der Blick“ von Bady Minck und „Pas de repos pour les braves“ von Alain Guiraudie. Insgesamt wurden in Karlovy Vary rund 250 Filme aus 40 Ländern gezeigt. Das 1946 gegründete Festival, das anfangs im Wechsel mit dem Moskauer Filmfestival veranstaltet wurde, ist eines der ältesten in Europa.

Morak überreicht Karl Hodina Ehrenkreuz
Der Wiener Musiker und Maler Karl Hodina, 68, wurde mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse geehrt. In seinen Dankesworten meinte der legendäre Akkordeonist, Heurigen- und Jazzmusiker: „Ich bin stolz darauf, ein Österreicher zu sein und in einer Demokratie leben zu dürfen. Ich habe es auch anders erlebt, schon als Kind, wo ich in der Schule nicht zeichnen dürfte, was ich wollte“. In seiner Begrüßung meinte Kunststaatssekretär Franz Morak, Hodina sei „ein Symbol, das man aus Tradition etwas neues schaffen kann“. Freund und Geriatrie-Spezialist Dr. Franz Böhmer ging in seiner launigen Laudatio auf Hodinas Vita ein: 1935 im 16. Wiener Gemeindebezirk, in Ottakring, in eine Arbeiter-Familie geboren, wurde er Lithograf, wandte sich aber bald der Malerei im Stil des Phantastischen Realismus und auch dem Jazz zu. Im Bereich des Wienerlieds schuf Hodina Klassiker wie „Herrgot aus Stan“ („Herrgott aus Stein“). Auch architektonische Projekte verwirklichte der Universalist – so etwa bei der Autobahnraststätte Arnwies bei Graz. Fasziniert von südamerikanischer Musik arbeitet Karl Hodina in letzter Zeit auch häufig mit dem in Österreich lebenden brasilianischen Gitarristen Alegre Correa.

Schubertiade Schwarzenberg 2004
Ein Festival ganz für Franz Schubert: Das war die Idee Hermann Preys, als 1976 die erste Schubertiade in Hohenems gegründet wurde. Heute ist die Schubertiade Schwarzenberg mit jährlich rund 70 Veranstaltungen und mehr als 30.000 Besuchern das bedeutendste Schubert-Festival der Welt. Nirgendwo sonst stehen innerhalb kürzester Zeit eine derart große Anzahl von Liederabenden mit den besten Sängern auf dem Programm. Kammerkonzerte und Klavierabende auf höchstem Niveau bilden einen weiteren Schwerpunkt – ergänzt durch einzelne Orchesterkonzerte, Lesungen und Meisterkurse. Berühmt ist die Schubertiade für ihren intimen Charakter in der traumhaften Vorarlberger Landschaft, die der „Wanderer“ Franz Schubert wohl zu schätzen wüsste. Mit Schwarzenberg hat die Schubertiade jetzt ihren festen geografischen Ort gefunden: Wegen der reizvollen landschaftlichen Umgebung und der gastronomischen Infrastruktur bietet Schwarzenberg optimale Vorraussetzungen für ein Musikfestival, das sich an einen Kreis von Kennern wendet. Das nun vorliegende Programm für 2004 weist die größten Namen der Schubert-Interpretation auf: etwa die Pianisten Alfred Brendel, Heinrich Schiff, Michael Gees oder Mitsuko Uchida. Bei den Sängern reicht die Palette von Juliane Banse, Cecilia Bartoli über Bo Skovhus, Christoph Prégardien bis zu Thomas Hampson und Michael Schade. Alle großen Streicher wie das Tokyo String Quartet oder das Alban Berg Quartett sind vor Ort. Infos und Karten: Tel: 0043/5576/72091, Fax: 0043/5576/75450, e-mail: info@schubertiade.at, www.schubertiade.at.