Montag, 22. Oktober 2007
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Bundeskanzler Gusenbauer: EU will Uni-Verfahren aussetzen
Im Konflikt um die Quotenregelung für das Medizinstudium zeichnet sich eine befristete Lösung ab: In einem Schreiben an Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat EU-Kommissionspräsident José Manuel Durão Barroso die Aussetzung des Verfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) für fünf Jahre angekündigt. Eine diesbezügliche Entscheidung werde in den nächsten Wochen vorbereitet. Dies stelle eine „Perspektive“ dar, wonach die „Kommission zu einer anderen Auffassung kommen könnte“, erklärte der Bundeskanzler am 17. Oktober bei einer Pressekonferenz im Parlament. Damit signalisiere Brüssel erstmals Akzeptanz und Verständnis für die spezifisch österreichische Problematik. Man gewinne dadurch fünf Jahre Zeit, die „von uns vorgebrachten Argumente noch deutlicher zu dokumentieren“ und für den quotengeregelten Uni-Zugang für Medizinstudenten aus anderen EU-Ländern eine endgültige Lösung zu finden, so Gusenbauer. Die in Aussicht gestellte Anerkennung der Problematik durch den Kommissionspräsidenten würde auch Rechtssicherheit für die Phase der Suspendierung des Verfahrens bedeuten.
Österreich habe der Kommission bereits umfangreiches Informationsmaterial übermittelt. „Unsere Berechnungen zeigen deutlich, dass durch den hohen Zustrom nicht-österreichischer Medizin-Studierender ab dem Jahr 2015 in Österreich ein Ärztemangel drohen könnte“, erklärte der Kanzler, der die Uni-Frage auch beim EU-Gipfel in Lissabon (18./19. Oktober) thematisierte.
Die österreichische Bundesregierung hat stets auf einen drohenden Ärztemangel verwiesen und daher mittels Quotenregelung 75 Prozent der Studienplätze für Österreicher reserviert. Von Brüssel wurde diese Regelung bisher als Diskriminierung ausländischer Studenten abgelehnt und mit einem Vertragsverletzungsverfahren vor dem EuGH beantwortet. In besagtem Schreiben an Gusenbauer zeigt Barroso nunmehr Verständnis für die Position Österreichs. Mit der geplanten Suspendierung des Verfahrens wolle man Österreich Zeit geben, um die Angemessenheit der Maßnahmen zu überdenken und mögliche neue Fakten vorzubringen. Auf Basis einer EU-rechtskonformen Lösung stehe einer späteren Einstellung des Verfahrens nichts im Wege. ■

Grünes Licht für Online-Fahndung
Auf Basis einer grundsätzlichen Einigung zwischen Justizministerin Maria Berger und Innenminister Günther Platter hat der Ministerrat am 17. Oktober grünes Licht für die Online-Fahndung gegeben. Die Details soll eine Arbeitsgruppe bis Februar 2008 ausarbeiten, im Herbst 2008 könnte das neue Fahndungsgesetz beschlossen werden.
Damit soll den Sicherheitsbehörden ermöglicht werden, auf privaten Computern verdächtiger Personen so genannte Trojaner zu installieren, um dieserart Zugang auf die Festplatte des PCs zu erhalten. Berger und Platter sehen keine Verletzung des Grundgesetzes, denn Bedingung für die Überwachung von E-Mails, Chats und Internet-Telefonaten ist, dass ein „dringender Tatverdacht“ auf ein schweres oder terroristisches Verbrechen „mit einer mindestens zehnjährigen Strafdrohung“ vorliegt. Darüber hinaus sind eine richterliche Genehmigung sowie die Kontrolle durch den Rechtsschutzbeauftragten erforderlich. Vorgesehen sind „umfangreiche Beschwerdemöglichkeiten“, etwa ein Beschwerderecht der Datenschutzkommission. ■

Kanzler Gusenbauer: Bildung als Schlüssel für Integration
Die von der Bundesregierung initiierte Integrationsplattform hat sich am 15. Oktober in Wien konstituiert. An der Auftaktveranstaltung nahmen neben der Regierungsspitze die zuständigen Minister sowie Vertreter von Ländern, Gemeinden, Sozialpartnern, Volksgruppen, Religionsgemeinschaften und NGOs teil. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer erklärte, dass die Kommission nicht die Regierungspolitik legitimieren, sondern neue, interessante Vorschläge erarbeiten solle. Als Beispiele nannte er Bildung und Sport. Vor allem die Integration über die Bildungspolitik ermögliche auch Zuwanderern die Chance auf gesellschaftlichen Aufstieg.
Die Integrationsplattform soll bis Ende Jänner einen Erstbericht präsentieren. Danach soll im Rahmen einer breiten Debatte bis zum Sommer 2008 eine Integrationsstrategie entwickelt werden, auf deren Basis Innenminister Günther Platter der Regierung ein Maßnahmenpaket vorlegen wird. Die Kommission soll zweimal jährlich Bericht erstatten. ■

Bundeskanzler Gusenbauer: „Der EU-Reformvertrag ist beschlossen“
Die EU-Staats- und Regierungschefs haben sich bei ihrem Gipfeltreffen in Lissabon (18./19. Oktober) über den EU-Reformvertrag geeinigt. EU-Ratsvorsitzender José Sócrates sprach von einer „Einigung für die Zukunft Europas“ und erklärte die institutionelle Krise der Union für beendet. Der neue Vertrag soll Anfang 2009 in Kraft treten und die auf 27 Mitgliedstaaten erweiterte Union effizienter machen. Das Prinzip der Mehrstimmigkeit wird ausgeweitet, Kommission und Parlament werden verkleinert. Zudem erhält die EU einen auf zweieinhalb Jahre ernannten Ratspräsidenten und einen Chefdiplomaten mit mehr Kompetenzen.
„Der Reformvertrag ist beschlossen, alle offenen Fragen wurden geklärt“, zeigte sich auch der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer sehr erfreut. Der „Vertrag von Lissabon“ werde am 13. Dezember in Lissabon unterzeichnet werden. Damit seien das Funktionieren der erweiterten Union und auch die nunmehr rechtsverbindlichen sozialen Grundrechte sichergestellt. Der Bundeskanzler verwies unter anderem auf die bessere Kompetenzaufteilung zwischen EU und Mitgliedstaaten. Zwar würden neue Kompetenzen von nationaler auf europäische Ebene übergehen, bei Fehlentwicklungen bestehe künftig allerdings die Möglichkeit der Rückführung auf die nationale Ebene. Zur Solidaritätsklausel (Beistandspflicht) hielt Gusenbauer fest, dass jede Militäraktion der Zustimmung aller EU-Länder bedürfe und zudem jeder Mitgliedstaat entscheiden könne, ob und wie er teilnehme.
Die Zeit der „Selbstbeschäftigung“ der EU sei beendet. Auf Basis des neuen Reformvertrages könne sich die EU in Zukunft wieder den aktuellen Anliegen der Bürgerinnen und Bürger widmen. Dazu zählt Gusenbauer Globalisierung, Klimaschutz und ein sozialeres Europa. Österreich werde durch die Verankerung der sozialen Grundrechte stark profitieren. Der Bundeskanzler betonte auch, sich im Zuge der EU-Klimaschutzpolitik für eine Einschränkung des Transitverkehrs stark zu machen.
Einer Volksabstimmung über den EU-Reformvertrag erteilte Gusenbauer für Österreich eine klare Absage. Diesen zu ratifizieren, sei Sache des Parlaments. Österreich habe schon bisher alle EU-Verträge über das Parlament ratifiziert. ■

Bundespräsident Fischer zu Arbeitsbesuch in Ägypten
Bundespräsident Heinz Fischer traf am 21. Oktober zu einem dreitägigen Arbeitsbesuch in Ägypten ein. Auf dem Programm stehen unter anderem Treffen mit Staatspräsident Hosni Mubarak und Ministerpräsident Ahmed Nazif. Erörtert werden neben bilateralen Themen die Lage im Nahen Osten, der Dafur-Konflikt, der Atomstreit mit dem Iran und die Entwicklung im Irak.
Begleitet wird Fischer von seiner Frau Margit und einer hochrangigen Delegation, der under anderem Außenministerin Ursula Plassnik, Staatssekretärin Christa Kranzl, WKO-Vizepräsident Richard Schenz und Vertreter der Wirtschaft sowie von Kultur und Universitäten angehören. ■

Kanzler Gusenbauer in Luxemburg
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer traf am 11. Oktober in Luxemburg mit Premierminister Jean Claude Juncker zusammen. Im Zentrum der Unterredung standen der EU-Reformvertrag, die Quotenregelung für ausländische Medizinstudenten in Österreich, der Klimaschutz und die Situation auf dem Westbalkan. ■

Frauenministerin Bures: „Menschenhandel ist Frauenhandel“
Anlässlich des „EU-Tages gegen den Menschenhandel“ nahmen am 16. Oktober Frauenministerin Doris Bures, Außenministerin Ursula Plassnik, Justizministerin Maria Berger und Innenminister Günther Platter gemeinsam Stellung zur Problematik des Frauenhandels. Alle sprachen sich für ein akkordiertes Vorgehen der Regierung aus und verwiesen auf den „Nationalen Aktionsplan gegen den Menschenhandel“. „Menschenhandel ist Frauenhandel“, erklärte Bures und unterstrich, dass rund 80 Prozent der Opfer Frauen oder Kinder seien. Angesichts der jährlich 700.000 betroffenen Frauen, die „betrogen, bedroht, genötigt und ausgebeutet“ werden, bestehe dringender Handlungsbedarf. Bures warnte davor, Frauenhandel nur mit Zwangsprostitution, Schlepperei oder illegaler Einwanderung zu assoziieren. Oft passiere Frauenhandel auch in Form von Ausbeutung der Arbeitskraft. Erfreulich sie die gesicherte Finanzierung der Interventionsstelle für betroffnen Frauen. ■

OeNB: Rekord bei österreichischen Auslandsinvestitionen
Sowohl die Beteiligungen österreichischer Unternehmen im Ausland als auch die ausländischen Direktinvestitionen in Österreich steuern 2007 auf neue Rekordwerte zu. Bereits im ersten Halbjahr investierten heimische Firmen mit rund 14 Milliarden Euro fast doppelt soviel im Ausland wie im Gesamtjahr 2006. Auch die ausländischen Direktinvestitionen im Inland stiegen mit rund 12 Milliarden Euro über das Doppelte.
„Die Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft hat zugenommen“, erklärte Aurel Schubert, Statistik-Chef der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), am 16. Oktober bei der Präsentation des „World Investment Report 2007“. Ein Großteil entfalle auf den Finanzsektor (Banken- und Versicherungen), der bei Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa eine herausragende Rolle spiele, so Schubert.
Die OeNB verweist darauf, dass alleine die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) durch Kompetenzübertragungen von der italienischen Konzernmutter UniCredit in Osteuropa die Bilanzsumme in diesem Geschäftsbereich von 40 auf 70 Milliarden Euro gesteigert habe. Im Gegenzug wurden 55 Millionen BA-CA-Aktien an die Italiener übertragen, was sich bei den ausländischen Direktinvestitionen in Österreich zu Buche schlägt. Aber auch Erste Bank, Raiffeisen und Volksbanken haben laut OeNB weiter investiert.
Größter Auslandsinvestor sei Österreich zu Jahreswechsel 2005/2006 (vorliegende Gesamtzahl) in Bosnien, Bulgarien, Slowenien und Kroatien gewesen. Zudem seien heimische Unternehmen auch in anderen osteuropäischen Ländern höchst aktiv gewesen. Ende 2005 waren 1048 heimische Betriebe an insgesamt 3013 Auslandstöchtern beteiligt. Damit sind die Beteiligungen im Jahresvergleich um 10,5 Prozent gestiegen. Insgesamt hatten österreichische Investoren 55,5 Milliarden Euro an Beteiligungen im Ausland veranlagt. Die ausländischen Firmenbeteiligungen in Österreich betrugen 58,9 Milliarden Euro. ■

Österreichische Entwicklungsbank startet 2008
Die geplante österreichische Entwicklungsbank soll Anfang 2008 ihren Betrieb aufnehmen. Einen entsprechenden Beschluss hat der Ministerrat am 17. Oktober verabschiedet. Damit werde eine wesentliche Lücke zwischen der bestehenden kommerziell ausgerichteten Ausfuhrförderung und der klassischen Entwicklungshilfe geschlossen, erklärten die beiden Staatssekretäre Hans Winkler (Außenministerium) und Christoph Matznetter (Finanzministerium).
Bisher liefen wirtschaftliche Kooperationen zwischen Österreich und Entwicklungsländern vor allem über zwei Kanäle: entweder als reine Ausfuhrförderung mit Garantien durch die Kontrollbank oder im Rahmen der offiziellen Entwicklungszusammenarbeit (EZA). Mit der neuen Entwicklungsbank werde nun gleichsam eine „dritte Tür“ für langfristige Projekte in den Entwicklungsländern und in Richtung kleine und mittlere Unternehmen geöffnet, so Matznetter.
Starten soll die Entwicklungsbank (als Tochter der Kontrollbank) vorerst mit einem Haftungsrahmen über 100 Millionen Euro. Bei Erfolg ist eine Erhöhung der Haftungen vorgesehen. ■

Rekord bei Betriebsansiedlungen in Österreich
Die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich legte heuer im Vergleich zu 2006 deutlich zu. In den ersten neun Monaten dieses Jahres haben zehn internationale Investoren ihre Unternehmenszentralen für (Ost-)Europa in Österreich eingerichtet. „Das sind bereits in den ersten drei Quartalen 2007 fünfmal mehr Headquarter-Ansiedlungen als im gesamten Vorjahr“, erklärte René Siegl, Geschäftsführer der Betriebsansiedlungsagentur ABA (Austrian Business Agency) laut Aussendung vom 15. Oktober. Nach den großen Konzernen würden nun zunehmend auch kleinere und mittelständische Firmen Österreich als Headquarter-Standort entdecken. Sechs der zehn von der ABA betreuten Firmen seien deutsche Mittelunternehmen. ■

Airbus A380: High Tech aus Österreich
Der am 15. Oktober gestartete neue Airbus A380 hat auch hunderte Bauteile von zehn österreichischen Unternehmen an Bord, darunter bei Landeklappenträgern und Triebwerksverkleidungen. Heimische Zulieferer sind: FACC, AMAG, HTP, TT-Tech, Böhler, Wild Austria, Isovolta, MCE, Test-Fuchs und Hitzinger. ■

Gusenbauer: Österreich muss zur Forschungs-Weltspitze aufschließen
Bei der Auftaktveranstaltung des von Wissenschaftsminister Johannes Hahn initiierten „Österreichischen Forschungsdialogs“ am 16. Oktober in Wien bezeichnete Bundeskanzler Alfred Gusenbauer das Aufschließen Österreichs zur technologischen Weltspitze als „alternativenlos“. Hahn selbst nannte als ein Ziel, in den kommenden zehn Jahren wieder einen österreichischen Nobelpreisträger zu haben.
In den letzten Jahren habe Österreich seine technologische Position verbessern und sich der Spitze annähern können, so Gusenbauer. In den nächsten Jahren müsse der Sprung an die Weltspitze gelingen – Alternativen gebe es keine: „Zu wenig radikale Innovation kann nicht dauerhaft kompensiert werden durch Kostensenkungsstrategien zulasten der Beschäftigten“. Derzeit lägen die Forschungsausgaben in Österreich bei 2,54 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), was über dem EU-Schnitt sei. Ziel müsse sein, zu den höchstentwickelten wissensbasierten Gesellschaften zu gehören. Einen wichtigen Anteil an dieser Entwicklung habe die Öffentliche Hand, wobei die Erhöhung der Ausgaben allein noch keine Steigerung des Wohlstands garantiere. Entscheidend sei die Effizienz, wo Österreich nur eine durchschnittliche Position innehabe. Gusenbauer nannte in diesem Zusammenhang auch die Evaluierung der gesamten heimischen Forschungsförderung durch das Infrastrukturministerium unter Minister Werner Faymann. Auch die internationale Einbindung der heimischen Forschung sei entscheidend, so der Kanzler weiter. Deshalb bewerbe sich Österreich auch um den Verwaltungssitz des European Institute for Technology. Gusenbauer verwies weiters auf den Zusammenhang von Forschung und Bildung. Ziel müsse sein, sämtliche sozialen und geschlechterspezifischen Barrieren abzubauen. Dabei gelte es vor allem, den Anteil der weiblichen ForscherInnen im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu steigern. Um junge Forscherinnen und Forscher verstärkt nach Österreich zu holen, wurde gerade die Zuwanderung der Forscherinnen und Forscher erleichtert; auch die Änderungen im Dienstrecht würden dazu einen Beitrag leisten.
Neben der Öffentlichen Hand habe natürlich auch der Unternehmenssektor eine zentrale Rolle bei der Forschung. Der Kanzler verwies dazu unter anderem auf den Innovationsscheck für Klein- und Mittelunternehmen und auf die Förderung der Entwicklung erneuerbarer Energien im Rahmen des Klimafonds. Forschungsförderung reiche freilich allein nicht aus, um die Unternehmen zu mehr Forschung zu motivieren; hier gehe es auch um Marktchancen. In diesem Zusammenhang verwies Gusenbauer auf den „Innovationsgipfel“ der Bundesregierung am 27. November, der künftig jährlich stattfinden soll. Abschließend sagte der Kanzler: „Besonders rohstoffarme, exportorientierte reiche Länder können ihr Niveau nur so lange halten, wie sie in der Lage sind, innovative Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die andere Länder noch nicht herstellen, aber sehr wohl benötigen“.
Wie Gusenbauer nannte auch Hahn die Erreichung einer dreiprozentigen Forschungsquote bis 2010 als einen zentralen Punkt der österreichischen Forschung, wobei auch die Nachhaltigkeit entscheidend sei. Das Vorhaben, Exzellenzcluster zu schaffen, werde von allen begrüßt, aber das Spannende werde sein, deren Inhalte zu definieren.
Der „Forschungsdialog“ ist laut eigener Homepage eine gemeinsame Veranstaltung aller mit dem Thema befassten Ministerien unter Führung des Wissenschaftsministers. Bis zu den Alpbacher Technologiegesprächen soll er „allen Interessierten eine Plattform bieten, die Forschungslandschaft Österreichs weiter zu denken und neu zu gestalten“. Über die Homepage soll außerdem ein „web-basierter Dialog mit der Öffentlichkeit“ stattfinden. Der Auftaktveranstaltung folgen jeweils sechs öffentliche Dialogveranstaltungen und sechs Kamingespräche in mehreren Städten Österreichs. Geplant ist außerdem eine parlamentarische Enquete. Am Ende des Forschungsdialogs soll ein „Vorrat an Ideen“ stehen, aus der die Politik ihre Schlüsse ziehen kann. Liefern soll er außerdem „Orientierungspunkte“ für spätere Maßnahmen wie etwa ein nationales Reformprogramm 2009-2011 und eine neue Strategie des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT). ■

Österr. Staatspreis für Europäische Literatur an A.L. Kennedy
Die schottische Autorin A.L. Kennedy, 41, erhält den österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2007. „Nach längerer Zeit wird der Staatspreis einer Schriftstellerin zuerkannt“, sagte Kulturministerin Claudia Schmied bei der Bekanntgabe der Entscheidung am 10. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse. Die Autorin sei „eine der wichtigsten und originellsten Stimmen der zeitgenössischen Literatur“. In ihren Werken verbindet A.L. Kennedy oft harten Realismus mit fantastischen Elementen. Berühmt wurde ihre Studie „On Bullfighting“ (1999), dt. „Stierkampf“ (2001). Zuletzt erschienen ihre Romane „Paradise“ (2004), dt. „Paradies“ (2005) und „Day“ (2007).
Frühere Preisträger waren Jorge Semprún (2006), Claudio Magris, Julian Barnes, Cees Nooteboom, Christoph Hein, Umberto Eco und António Lobo Antunes (2000).
Der Österreichische Staatspreis für Literaturkritik geht heuer an Franz Josef Czernin, 55. Damit habe die Jury laut Schmied „keinen ‚klassischen’ Rezensenten und Zeitungsschreiber“ vorgeschlagen, sondern einen „Schriftsteller und Dichter, bei dem der literaturkritische Essay und auch die Kritik an der Literaturkritik ein wichtiger Teil seines Werkes“ sei. Den Würdigungspreis erhält Michael Köhlmeier, 57, ein „Schriftsteller und Erzähler, der sich bei Kritik und Publikum großer Beliebtheit erfreut“. Kürzlich ist sein Roman „Abendland“ erschienen.
Die Wiener Autorin Brigitta Falkner, 48, und der kürzlich mit dem Anton Wildgans-Preis ausgezeichnete, in Bregenz geborene Wolfgang Hermann, 46, erhalten den Förderungspreis. Schmied unterstrich in ihrer Rede, dass die „Betonung auf ‚Preis’“ liege, „denn das hohe literarische Niveau, auf dem sich die beiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten, bewegen, verbietet es wohl in diesem Zusammenhang von Förderung zu sprechen“. Falkner wurde mit Büchern wie „Fabula Rasa“ oder „Bunte Tuben. Anagramm“ bekannt und ist vor allem durch ihre Performances bekannt, bei denen sie ihre Palindrome und Lipogramme gekonnt in Szene setzt. Hermann veröffentlichte zuletzt den Roman „Herr Faustini verreist“.
Als „sehr speziellen Preis“ bezeichnete Schmied den alle zwei Jahre vergebenen Österreichischen Staatspeis für Kinderlyrik, der an die Kinder- und Jugendbuchautorin Gerda Anger-Schmidt, 64, geht. Ausgezeichnet wird ihr mit Renate Habinger verfasstes Buch „Muss man Miezen siezen?“ (Residenz-Verlag). Schmied: „Sie wissen, dass mir als Unterrichtsministerin die Kinder- und Jugendliteratur besonders am Herzen liegt. Denn die Begeisterung für Literatur muss in der Kindheit und Jugend geweckt werden“. ■

Auch Wien bekommt Buchmesse
Gleichfalls auf der Frankfurter Buchmesse gaben Kulturministerin Schmied und Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny Details zu der ab 2008 geplanten neuen Buchmesse „Buch Wien“ bekannt. Die internationale Buchmesse wird erstmals von 20. bis 23. November 2008 in der Messe Wien (Prater) stattfinden und bietet künftig der traditionsreichen Buchwoche, die heuer zum 60. Mal im Rathaus abgehalten wird, eine neue Heimstätte. Zur Kombination aus Publikumsmesse und internationalem Fachbesucherbereich soll eine „Lesefestwoche“ kommen, in der über das gesamte Wiener Stadtgebiet verteilt Lesungen stattfinden werden. ■

Filmfestival Viennale 2007
Die Viennale 2007, die noch bis 31. Oktober läuft, folgt der bisher bewährten Festivalstruktur von Hauptprogramm, Tributes, Specials. Das Hauptprogramm, die Auswahl an aktuellen, abendfüllenden Spiel- und Dokumentarfilmen, umfasst heuer rund 120 neue Arbeiten. Sämtliche davon sind österreichische Erstaufführungen, einige internationale Premieren oder Weltpremieren, darunter „Monkey Warfare“ (Kanada), „El hombre robado“ (Argentinien), „Ma Wu Jia“ (China), „Balaou“ (Portugal) oder „Thomas Harlan – Wandersplitter“ (Deutschland). Dazu kommen die Uraufführungen österreichischer Produktionen wie „Nur kein Mitleid“ (Peter Kern), „Hermes Phettberg, Elender“ (Kurt Palm) oder „Gibellina – Il terremoto“ (Joerg Burger).
Weiters widmet sich die Viennale unbekannten Filmemachern, die eigensinniges und unabhängiges Kino schaffen, wie Laura Dunn, Gonçalo Tocha, Matthew Porterfield, Tan Chui Mui, Khavn, Nicolas Prividera oder John Gianvito. Aber auch große Regie-Namen sind Teil des Programms, unter anderem Gus van Sant, Ang Lee, Paul Schrader, Joel und Ethan Coen oder George A. Romero.
Die Retrospektive mit dem Titel „Der Weg der Termiten“ zeigt „Beispiele eines Essayistischen Kinos 1909-2004“. Es handelt sich um radikale, widersetzliche Arbeiten, formal und politisch.
Inhaltlicher Anspruch der Viennale sind die offene Programmierung, die Spannbreite und Unterschiedlichkeit der Arbeiten. Vielleicht auch, weil die Viennale jedem Starbetrieb fern steht, kommen heuer Fachleute wie unter anderem als Ehrengast US-Schauspielerin Jane Fonda, der Kameramann und zweifache Oscar-Preisträger Haskell Wexler, Regisseure wie Masahiro Kabayashi, Hal Hartley oder Todd Haynes. Große Autorenfilmer wie Peter Hutton, Harun Farocki, Nina Menkes oder Jean-Claude Rousseau sind seit vielen Jahren Besucher und Gäste des hochinteressanten, von Wien nicht mehr wegzudenkenden Filmfestivals. ■

Herbsthöhepunkt: Wien Modern 07
Das Festival für Musik der Gegenwart, Wien Modern, geht heuer von 1. November bis 1. Dezember im Wiener Konzerthaus, im Tanzquartier Wien, im Semperdepot und in der Alten Schmiede über die Bühnen. Schwerpunkte sind die Portraits von Luciano Berio und Georg Friedrich Haas. Berio (1925-2003) bestimmte in den 1950er Jahren die Anfänge der Elektroakustik mit und blieb Zeit seines Lebens Klangforscher, der eines der bedeutendsten Oeuvres der Musik des 20. Jahrhunderts hinterließ. Insgesamt 14 Konzerte, Filmvorführungen und Projekte geben einen Überblick über das Schaffen des Italieners, über den Freund Umberto Eco sagte: „Er will ganz einfach die Schranke niederreißen, die zwischen Kunst und Vergnügen errichtet worden ist“.
Der 1953 in Graz geborene Haas versucht die Weite mikrotonaler Klangräume zu erkunden. Klänge sind für ihn wie „Lebewesen“, die sich „in Raum und Zeit entfalten“. Rund 50 Kompositionen – darunter drei Opern, mehrere Streichquartette und zahlreiche Ensemble- und Orchesterwerke – machten ihn zu einem der international bedeutendsten Komponisten Österreichs. Die Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises 2007 koinzidiert mit der Werkschau bei Wien Modern, das zwölf Haas-Konzerte bietet.
Im Zentrum des Filmschwerpunkts steht eine Retrospektive, die dem Schaffen des 1956 geborenen niederländischen Filmemachers Frank Scheffer gewidmet ist. Dessen filmische und dokumentarische Arbeit ist eng verbunden mit der Geschichte der Musik im 20. Jahrhundert, die er in ihren vielfältigen Verzweigungen auslotet: von Mahler, Schönberg, bis zu Boulez, Berio, Stockhausen und Zappa. Zur Eröffnung wird Scheffers erster langer Film mit John Cage und Elliot Carter: „Time is Music“ (1987) gezeigt. Im Frühjahr 2007 hat das Filmmuseum Amsterdam das komplette Archiv des 51-jährigen Filmemachers übernommen – eine rare Ehre.
Ein weiterer Schwerpunkt von Wien Modern widmet sich Klangapparaten – von mechanischen Automaten über elektrisch betriebene Maschinen bis hin zu elektronischen Instrumenten und Turntables. Sie bleiben nicht nur (selbstspielende) Ausstellungsobjekte, sondern werden in einer Reihe von Konzerten und Performances zu aktiven Bestandteilen des Bühnengeschehens.
Dschungel Wien Modern bietet wiederum Musiktheater- und Tanz-Projekte, Performances, Konzerte und Workshops für ein junges und jung denkendes Publikum. ■

Kunsthistorisches Museum: Der späte Tizian und die Sinnlichkeit
Das Wiener Kunsthistorische Museum (KHM) zeigt in Kooperation mit der Gallerie dell’Accademia in Venedig und der Soprintendenza Speciale per il Polo Museale Veneziano bis 6. Jänner 2008 die Ausstellung „Der späte Tizian und die Sinnlichkeit der Malerei“. Geboten werden rund 60 Gemälde, davon über 30 Fremdleihgaben. Der Fokus der Bilder liegt auf Tizians letzten 25 Schaffensjahren, die vor dem Hintergrund seiner familiären Umstände, sowie der Rolle der Werkstattmitarbeiter betrachtet werden. 15 zeitgenössische Grafiken aus der Wiener Albertina verweisen auf die große Wirkung des Meisters. Tizians späte, heute sehr modern wirkende Malweise mit zunehmend offenerem Pinselstrich bis hin zur so genannten „Fleckenmalerei“ (pittura di macchie) irritierte seine Zeitgenossen. Erst in den letzten Jahren wurde seine revolutionäre Malweise als wirkungsvolles Stilmittel zur Steigerung der dargestellten Dramatik erkannt. Die Sinnlichkeit des späten Pinselstrichs erreicht ihren Höhepunkt bei erotisch-poetischen Themen, bei denen Tizian die Schönheit des weiblichen Körpers feiert. Die nach der Versicherungssumme gemessen teuerste Schau, die je im KHM gezeigt wurde, hat Bundespräsident Heinz Fischer am 17. Oktober eröffnet. In seiner Rede verwies er auf die wissenschaftliche Verantwortung der Museen. ■

Reformvertrag stärkt den Sport in Europa
Die Einigung auf den Reformvertrag von Lissabon war auch ein guter Tag für den Sport. Nachdem die Kommission im Sommer bereits mit dem „Weißbuch Sport“ ihre Überlegungen zur Europäisierung des Sports präsentiert hat, ist der neue Reformvertrag ein nächster bedeutender Schritt zu dessen Stärkung. Durch das Ergebnis der Regierungskonferenz wird die Bedeutung des Sports erstmals auch in einem europäischen Vertrag verankert und anerkannt. So heißt es im neuen Artikel 149 (1): „Die Union trägt zur Förderung der europäischen Dimension des Sports bei und berücksichtigt dabei dessen besondere Merkmale, dessen auf freiwilligem Engagement basierende Strukturen sowie dessen soziale und pädagogische Funktion.“ Damit ist sichergestellt, dass für den Sport aufgrund seiner spezifischen Merkmale auch Ausnahmen etwa im Bereich des Wettbewerbsrechts möglich sind. Im selben Artikel setzt sich die Union als neues Ziel die „Entwicklung der europäischen Dimension des Sports durch Förderung der Fairness und der Offenheit von Sportwettkämpfen und der Zusammenarbeit zwischen den für Sport verantwortlichen Organisationen sowie durch den Schutz der körperlichen und seelischen Unversehrtheit der Sportler, insbesondere der jüngeren Sportler.“ Damit anerkennt die Union auch ihre spezifische Verantwortung, die sie neben dem organisierten Sport und den Mitgliedsstaaten für den Sport und unsere Athletinnen und Athleten hat.■

Mit „Umwelt am Ball“ zur nachhaltigen EURO 2008
Die EURO 2008 soll nicht nur ein sportlich und wirtschaftlich nachhaltiges Fest werden, sondern auch punkto Umweltverträglichkeit neue Maßstäbe setzen. Mit der Initiative „Umwelt am Ball“ des Gesundheitsministeriums gemeinsam mit „2008 – Österreich am Ball“ wird daher eine Förderungsoffensive für Sportvereine, kommunale Betriebe und Tourismuswirtschaft gestartet. Unter der Marke „Umwelt am Ball“ wird die Umsetzung der Umweltziele des im Juni präsentierten Nachhaltigkeitskonzeptes beziehungsweise der Nachhaltigkeitscharta für die UEFA EURO 2008 vollzogen. Konkret geht es darum, die Umweltauswirkungen der Fußball-EM 2008 möglichst gering zu halten beziehungsweise zu kompensieren. Mit der „Umwelt am Ball“-Förderschiene werden Beratungs- und Investitionskosten für Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen unterstützt, die von kommunalen Einrichtungen, Sportvereinen und Tourismusbetrieben aus Anlass der EURO 2008 gesetzt werden. Zudem werden bis zum Anpfiff des Eröffnungsspiels alle vier EURO-Stadien in Wien, Klagenfurt, Innsbruck und Salzburg nach dem Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert sein. Bei der WM 2006 in Deutschland haben das nur die Allianz Arena in München und das Frankenstadion in Nürnberg geschafft. ■

Europaweite Aktionswoche gegen Rassismus im Sport
Doping, Gewalt und Rassismus sind die drei großen Gefahren des Sports. Das Länderspiel Österreichs gegen Cote d'Ivoire war dem Kampf gegen Rassismus im Fußball gewidmet und Auftakt zur europaweiten Aktionswoche des Netzwerkes „FARE – Football against Racism in Europe“, die von der österreichischen „Fair¬Play“-Initiative am Wiener Institut für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit koordiniert wird. Diese bislang größte Kampagne gegen Rassismus im Fußball findet vom 17. bis 30. Oktober mit über 700 Aktionen in 38 Ländern statt. Dank für dieses wichtige Engagement gilt dem Österreichischen Fußballbund (ÖFB) und der Österreichischen Fußballbundesliga sowie der FairPlay-Initiative. Das Bundeskanzleramt unterstützt die Anti-Rassismus-Programme im Zuge der UEFA EURO 2008 mit insgesamt 300.000 Euro. Anti-Rassismus wird aber auch darüber hinaus ein Thema bleiben. Seitens des BKA will man daher diese Aktivitäten auch nach der EURO 2008 fortsetzen, um die gewonnenen Erfahrungen für die österreichische Bundesliga zu nutzen. ■