Montag, 24. Juli 2006
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Nationalratswahl 2006: Österreich wählt am 1. Oktober
Die Nationalratswahl 2006 findet am 1. Oktober statt. Die im Nationalrat vertretenen vier Parlamentsfraktionen haben am 14. Juli einstimmig den Beschluss gefasst, die XXII. Gesetzgebungsperiode vorzeitig zu beenden. Damit wird der Urnengang um knapp zwei Monate vorgezogen. Die letzte Nationalratswahl erfolgte am 24. November 2002.
Nach dem Auflösungsbeschluss des Nationalrates sind noch Beschlüsse der Bundesregierung und des Hauptausschusses nötig. Dort wird dann am 27. Juli die von der Regierung vorgelegte Verordnung mit dem Wahltag und dem Stichtag (voraussichtlich 1. August) abgesegnet. Mit der darauf folgenden Verlautbarung der Verordnung im Bundesgesetzblatt ist der Wahltermin endgültig fix. Der Stichtag ist vor allem für jene Kandidaten bzw. Listen von Bedeutung, deren Wahlvorschläge nicht von drei Abgeordneten unterschrieben werden. Erst ab diesem Tag können Wahlberechtigte bei den Gemeindeämtern Unterstützungserklärungen abgeben. (Erforderlich sind insgesamt 2600 Unterschriften.)
Wahlberechtigt sind rund sechs Millionen Österreicherinnen und Österreicher. Vergeben werden 183 Mandate. Die Parlamentsfraktionen der beiden Regierungsparteien ÖVP und BZÖ/Freiheitliche halten derzeit bei 79 bzw. 18 Mandaten, die SPÖ und die Grünen verfügen im Nationalrat über jeweils 69 bzw. 17 Mandate.
Sicher treten zur Nationalratswahl 2006 folgende Parteien und deren Spitzenkandidaten an:
Österreichische Volkspartei (ÖVP) – Wolfgang Schüssel; Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) – Alfred Gusenbauer; Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) – Peter Westenthaler; Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) – Heinz Christian Strache; Die Grünen (Grüne) – Alexander Van der Bellen; Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) – Mirko Messner. ■

Kanzler Schüssel: Wir haben viel umgesetzt
Dem Beschluss zur Selbstauflösung des Nationalrates gingen in der letzten Plenarsitzung am 14. Juli Debatten über das vorzeitige Ende der Legislaturperiode voraus. Vorab zog Bundeskanzler und ÖVP-Bundesparteiobmann Wolfgang Schüssel Resümee über die Leistungen der Bundesregierung und berichtete über die abgelaufene österreichische EU-Ratspräsidentschaft. Das vorzeitige Ende der Periode begründete Schüssel damit, dass man mehr als 100 Projekte des Regierungsübereinkommens bereits abgearbeitet habe. Die noch ausstehende Verfassungsreform und das Bundesmitarbeitergesetz seien Programm für die nächste Periode. Man könne ein „tolles Erfolgsprogramm“ vorweisen.
Zu den erfolgreichsten Regierungsprojekten zählte der Bundeskanzler u.a. die „größte Steuerreform der Zweiten Republik“, die Pensionsreform, die Verkürzung der Wehrdienstzeit und des Zivildienstes, das „Vorzeigeprojekt E-Card“, Maßnahmen für Bildung und Forschung sowie energie- und umweltpolitische Initiativen wie die Einführung von Dieselpartikel-Filtern.
„Nach allen Strukturindikatoren sind wir auf Platz drei der EU vorgerückt, im e-government sogar auf Platz eins, in der Wettbewerbsfähigkeit weltweit auf Platz drei“, so Schüssel. Österreich stehe heute gut da und es gebe eine vernünftige Basis, um auch für die nächsten Jahre eine gute Politik zu machen. „Wir haben viel umgesetzt und gut gearbeitet.“ Der Bundeskanzler verwies in diesem Zusammenhang auch auf die verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie gemäß dem Regierungsmotto „Sozial ist, was Arbeit schafft“. Heute gebe es 124.000 neue Arbeitsplätze und die Zahl der ganztägigen Kinderbetreuungsplätze sei von 40.000 auf 70.000 gesteigert worden. „Wir wollen auch das Land der lebenden Solidarität sein“, betonte Schüssel. ■

Umweltminister Pröll: Energieeffizienz ist Schlüssel für Wohlstand
Europa brauche weitere Impulse zur Steigerung der Energieeffizienz sowie zur Umsetzung besserer Regulative in der Umweltpolitik. Das sei ein „Schlüssel für künftigen Wohlstand“, sagte Umweltminister Josef Pröll am 15. Juli beim informellen EU-Umweltministerrat im finnischen Turku. „Wir werden Österreichs Spitzenreiterrolle in der Umwelttechnologie durch die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien aus Biomasse, Solarenergie, Wasserkraft und Windenergie weiter ausbauen“, so Pröll. Schon jetzt betrage der Anteil aus erneuerbaren Energiequellen an der heimischen Gesamtenergieerzeugung zwei Drittel. Das sei „EU-Spitze“. ■

Irische Präsidentin McAleese zu Besuch in Österreich
Die irische Präsidentin Mary McAleese traf am 17. Juli zu einem viertägigen Staatsbesuch in Österreich ein. Zentrale Themen der Gespräche mit Bundespräsident Heinz Fischer waren die aktuelle Lage im Nahen Osten sowie die Politik im Iran und im Irak.
In einer gemeinsamen Pressekonferenz (18. Juli) unterstrich Fischer das „unbestrittene Recht jedes Landes, auch Israels, sich gegen Angriffe zu verteidigen“, fügte jedoch hinzu, „dass die Akte der Verteidigung in Verhältnismäßigkeit stehen müssen zu dem, gegen was man sich verteidigt“. Der Bundespräsident verwies auf das „Recht und vielleicht sogar die Pflicht“, darauf zu drängen, von unverhältnismäßigen Maßnahmen, die eine unverhältnismäßig hohe Zahl an zivilen Opfern fordere, Abstand zu nehmen. Die Überlegungen von UNO-Generalsekretär Kofi Annan, mit UN-Friedenstruppen zu einer Deeskalation und zur Rettung von Menschenleben beizutragen, müssten gewissenhaft und ernsthaft geprüft werden, sagte Fischer.
Auch die irische Präsidentin McAleese gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Betroffenen nun auf jene Stimmen hören würden, „die für Vernunft, Ruhe und Verhältnismäßigkeit eintreten“.
Fischer und McAleese nahmen am 19. Juli gemeinsam an der Eröffnung der Bregenzer Festspiele teil (siehe Kunst). ■

Erster Kosovo-Gipfel in Österreich
Zum ersten Mal seit Ende des Kosovo-Krieges verhandeln die Staats- und Regierungschefs aus Belgrad und Pristina am 24. Juli unter Vorsitz der UNO in Wien über den künftigen Status der südserbischen Provinz Kosovo. Eröffnet wird der Wiener Kosovo-Gipfel im Beisein von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Außenministerin Ursula Plassnik. ■

Bundespräsident Fischer in Italien
Bundespräsident Heinz Fischer hat am 13. Juli in Florenz bei einem informellen Arbeitsgespräch mit Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano den europäischen Verfassungsentwurf als einen „guten Kompromiss“ bezeichnet, an dem „Italien ebenso initiativ mitgearbeitet hat wie Österreich“. Man werde sich bemühen, dieses Projekt auf Basis gemeinsamer europäischer Anstrengungen zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Fischer betonte, dass die künftige EU-Verfassung nicht die nationalen Verfassungen ersetzen, sondern europäische Angelegenheiten modern, effizient und bürgernah regeln solle.
Zum Thema Südtirol erklärte der Bundespräsident, dass die Minderheitenfragen dort „in einer Weise geregelt, ausgehandelt und gelöst werden, die vorbildlich ist“.■

Schüssel: „Österreich und Ungarn Herzländer des Donauraums“
Seinen ersten Auslandsbesuch als wiedergewählter Regierungschef absolvierte der ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány am 11. Juli in Österreich. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wertete die Visite als „Zeichen der Freundschaft unserer Länder“. Österreich und Ungarn seien durch eine Vielzahl von gemeinsamen Projekten (Regionale Partnerschaft, Donaugipfel) eng verbunden. Voraussichtlich ab Jänner 2007 werde der gesamte Donauraum EU-Mitglied sein, was eine „großartige Chance für Herzländer wie Ungarn und Österreich“ bedeute, so Schüssel.
Auch Gyucsány lobte die sehr guten bilateralen Beziehungen. „Österreich und Ungarn haben die gemeinsame Aufgabe, im Donauraum der Stabilität, der Verständigung und der wirtschaftlichen Prosperität zu dienen“, betonte Gyurcsány. ■

Slowakischer Außenminister Kubis besuchte Wien
Der neue slowakische Außenminister Jan Kubis ist am 21. Juli in Wien mit Außenministerin Ursula Plassnik zusammengetroffen. Erörtert wurde neben bilateralen und EU-Themen insbesondere die eskalierende Situation im Nahen Osten. Die Europäische Union sei in der Libanon-Krise „alles andere als untätig“, betonte Plassnik vor Journalisten. In einem gemeinsamen EU-Appell seien die „radikalen Kräfte“ im Gaza-Streifen und im Libanon zur sofortigen Einstellung ihrer Angriffe auf Israel aufgefordert worden. Ebenso sei Israel aufgerufen, „zur Verhältnismäßigkeit zurückzufinden“, so Plassnik. Die EU-Kommission stelle zudem weitere Geldmittel für humanitäre Hilfe bereit. ■

Wirtschaftsminister Bartenstein: Trendwende am Arbeitsmarkt
„Die österreichische Wirtschaft läuft auf Hochtouren, die Trendwende am Arbeitsmarkt hat voll eingesetzt“, zeigte sich Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein am 20. Juli bei einer Pressekonferenz in Wien sehr zufrieden. Es gebe eine „Rekordbeschäftigung“ und erstmals seit drei Jahren liege im Juni die Zahl der Arbeitslosen unter 200.000. Auch im Juli „schaut es gut aus“, so der Wirtschaftsminister.
Konkret sank die Arbeitslosenquote Ende Juni im Jahresvergleich um 7,1 % auf 196.000. Diese Trendwende am Arbeitsmarkt sei jeweils zur Hälfte auf das höhere Wachstum bzw. auf die Qualifizierungsmaßnahmen der Bundesregierung zurückzuführen. Erklärtes Ziel bleibe die Vollbeschäftigung, also bei der Arbeitslosenquote unter 4 % zu kommen, unterstrich Bartenstein. Österreich erlebe derzeit einen Beschäftigungsrekord. Im Juni sei die Zahl der unselbständig Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr um rund 50.000 auf 3,3 Millionen gewachsen.
Die Qualifizierungsoffensive habe „gut gegrif¬fen“, erklärte der Arbeitsminister. Veranschlagt sind für 2006/07 285 Mio. Euro für mehr als 60.000 zusätzliche Personen. Sie sollen zu besseren Qualifikationen und damit zu größeren Chancen auf dem Arbeitsmarkt verhelfen. Die Bereiche umfassen Eingliederungsbeihilfen für Wiedereinsteigerinnen, Kurse für Jugendliche, Arbeitslose ab 50 und für Langzeitarbeitslose sowie das Kombilohn-Modell. Insgesamt stehe damit rund 1 Mrd. Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung, so Bartenstein. Davon würden heuer 204.000 Personen profitieren. ■

Rekord bei Jobvermittlungen
Einen Rekord bei der Jobvermittlung meldet das Arbeitsmarktservice (AMS). Insgesamt haben 305.884 Jobsuchende im ersten Halbjahr 2006 mit Hilfe des AMS einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Das seien um 12.900 Personen oder 4,4 % mehr als im Vorjahreszeitraum, erklärte AMS-Vorstand Johannes Kopf am 14. Juli.
Den stärksten Zuwachs bei den Vermittlungen gab es im Bereich der Dienstleistungen. Zurückzuführen sei dies auf die intensivere Kundenbetreuung, den Ausbau des Stellenangebotes und die neuen Servicezonen, so Kopf. ■

Österreichs Wirtschaft wuchs 2005 mit 2,0 Prozent stärker als erwartet
Die österreichische Wirtschaft ist im Jahr 2005 nach vorläufigen Daten der Statistik Austria um 2,0 % und damit stärker gewachsen als die von den Prognoseinstituten erwarteten 1,8 %. Das teilte die Statistik Austria am 14. Juli mit.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist 2005 zu laufenden Preisen um 9,3 Mrd. Euro bzw. 3,9 % auf rund 245,1 Mrd. Euro angestiegen. Das BIP pro Einwohner lag mit 29.770 Euro um 3,2 % über dem Wert des Vorjahres. Das Bruttonationaleinkommen (BNE) erhöhte sich um 9,6 Mrd. Euro (+4,1 %).
Das durchschnittliche Wachstum der EU-15 betrug 2005 1,5 %, jenes der EU-25 (nach der Erweiterung 2004) lag laut Eurostat-Daten vom Juli bei 1,6 %. Die OECD-Länder verzeichneten im Durchschnitt neuerlich ein deutlich stärkeres Wachstum von 2,7 %. ■

2005 erfolgreiches Tourismusjahr
„Das Jahr 2005 war mit 119,2 Millionen Nächtigungen, 29,3 Millionen Gästen und einem Umsatz von 19 Mrd. Euro ein erfolgreiches Jahr für den Tourismus“, sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein am 13. Juli nach der Präsentation des Tourismusberichts 2005 im Ministerrat. Im Vergleich zu 2004 habe es bei den Nächtigungen einen Zuwachs von 1,7 %, bei den Gästen um 3,1 % gegeben. Die Umsätze seien um 3,8 % gestiegen.
Bartenstein verwies auf die große wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Österreich. Der Tourismus erreiche einen BIP-Anteil von 8,8 %. Tourismus- und Freizeitwirtschaft zusammen kämen auf einen Anteil von 16,3 %.
Laut Welttourismusorganisation (UNWTO) stieg die Zahl der Touristenankünfte im Vorjahr welt-weit um 5,5 %. Für Europa wurde ein durchschnittliches Wachstum von 4,6 % angegeben. ■

Raiffeisen International bietet für rumänische CEC-Sparkasse
Die börsenotierte Raiffeisen International (RI) hat am 17. Juli mit ihrer Muttergesellschaft Raiffeisen Zentralbank (RZB) ein verbindliches Offert für die mehrheitliche Übernahme der rumänischen Großsparkasse CEC gelegt. ■

Bregenzer Festspiele eröffnet
Bundespräsident Heinz Fischer hat am 19. Juli im generalsanierten Festspielhaus die 61. Bregenzer Festspiele eröffnet, die bis 20. August dauern. Den künstlerischen Auftakt bildeten am Abend ein Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker mit Werken von Haydn und Mozart. Auf der Werkstattbühne wird der Orchesterzyklus „Spiegel“ von Friedrich Cerha anlässlich seines 80. Geburtstages geboten. Seit 20. Juli geht die Wiederaufnahme von Verdis „Troubadour“ über die Seebühne, die 2005 über 170.000 Besucher verzeichnete.
An dem sehr gelungenen Festakt nahmen unter aanderen die irische Präsidentin Mary McAleese, der Liechtensteinische Regierungschef Otmar Hasler, Vizekanzler Hubert Gorbach und weitere Mitglieder der Bundes- und der Vorarlberger und Tiroler Landesregierung teil.
Der Bundespräsident würdigte das erneuerte Haus als „das schönste Geschenk zum 60-Jahr-Jubiläum“ der Festspiele. Das Festival sei eine „Visitenkarte österreichischer Kunst und Kultur“, die Einbeziehung zeitgenössischer Autoren und Komponisten lobte Fischer „als Signal, dass wir verstärkt junge Kunst in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit rücken. Sie hat uns viel zu sagen und von ihren Sichtweisen ist viel zu lernen“.
Auch Kunst- und Medienstaatssekretär Franz Morak und Festspielpräsident Günter Rhomberg stimmten in die Freude über das Jubiläum und die geglückte Sanierung mit ein – Morak bekannte sich als „Bewunderer der Bregenzer Festspiele“ und lobte sie als „kulturellen Leuchtturm über dem Bodensee“. Die Eröffnungs-Festrede nützte der Vorarlberger Autor Arno Geiger, Träger des deutschen Buchpreises 2006 („Es geht uns gut“), der viele Jahre auf der Seebühne gejobbt hatte, für eine „Liebeserklärung an die Seebühne“, aber auch für Kritik an Society-Auswüchsen.
Im Festspielhaus werden ab 7. August mit „Der Untergang des Hauses Usher“, „Jeux“ und „Prélude à l’après-midi d’un faune“ drei Werke Debussys gegeben. Als Operette am Kornmarkttheater wird ab 10. August Offenbachs „Blaubart“ gespielt. Mozarts Einfluss ist im Theater am Martinsplatz spürbar: Peter Turrinis „Der tollste Tag“, frei nach Beaumarchais’ Figaro-Vorlage, hat am 25. Juli Premiere. ■

China: Monumentale Ausstellung "Sculptural Architecture in Austria"
„Die Ausstellung ‚Sculptural Architecture in Austria’ findet unter dem Motto ‚Nachdenken über Architektur’ statt und bietet eine Bestandsaufnahme in einem Bereich, in dem Österreich neue Maßstäbe gesetzt hat. Die Ausstellung nimmt vordringlich Bezug auf die Ausformung des Begriffs Architektur durch die Jahrhunderte in seiner Logik und Konsequenz“, so Kunst- und Medienstaatssekretär Morak anlässlich der Präsentation der Ausstellung gemeinsam mit dem Kurator Prof. Arch. Hans Hollein und dem chinesischen Botschaftsrat Jianquan Liang. Morak ist es seit 2001 nun zum zweiten Mal gelungen, eine große österreichische Ausstellung im Bereich Architektur in China zu realisieren. Sie wird von 8. bis 23. August im National Art Museum of China (NAMOC) in Beijing und von 14. bis 23. November im Guangdong Museum of Art in Guangzhou zu sehen sein und findet im Rahmen des kontinuierlichen kulturellen Austausches zwischen China und Österreich statt.
Kurator Hollein stellte die zeitgenössische Architektur Österreichs in den Mittelpunkt der Präsentation. „Österreichische Architekten spielen eine bedeutende Rolle in der heutigen weltweiten Entwicklung einer skulpturalen Ausdrucksform, einer freien Dreidimensionalität in der Architektur des Raumes“, betonte Hollein. Das Phänomen der „Sculpural Architecture“ wird in der Schau von verschiedenen Standpunkten beleuchtet: Es zeigt sich in der mittelalterlichen Gotik, führt über das Barock in die frühe Moderne bis zur tonangebenden zeitgenössischen Architektur. Realisierte Bauten, Projekte und Visionen von über 50 Architekten und Teams werden mittels Fotos, Zeichnungen, Projekten und mit über 40 Modellen demonstriert. Teil der Ausstellung ist auch die sehr oft erste Arbeit von Architekten der jungen Generation in einem speziellen Gebiet, dem Einfamilienhaus. Zusätzlich haben die 3 Studios des Instituts für Architektur an der Universität für Angewandte Kunst – Zaha Hadid, Greg Lynn, Wolf D. Prix – speziell für die Ausstellung Modelle und Tafeln entworfen. Darüber hinaus sind auch Beispiele österreichischer Architektur in China zu sehen, etwa Baumschlager Eberle mit dem Apartment Towers Moma, PopMoma und Shangdi MOMA in Beijing. Zudem gestaltet Martha Schreieck eine Hommage an Roland Rainer, der nach seiner Chinareise 1972 das Buch “Die Welt als Garten: China“ veröffentlichte. Auch Bauten internationaler Architekten in Österreich werden präsentiert wie z.B. Zaha Hadids Berg Isel-Schanze oder Projekte von Dominique Perrault und Jean Nouvel.
Der Vertreter der chinesischen Botschaft in Österreich, Botschaftsrat Liang, betonte, dass die Ausstellung zum richtigen Zeitpunkt stattfinde, da China sehr offen gegenüber neuen Bereichen wie der Architektur sei und sich in einem radikalen Wandel befinde. Das Interesse an österreichischer Architektur sei groß. Dass die Ausstellung nun in China stattfinde, sei auch ein wichtiges Ereignis in den kulturellen Beziehungen zwischen China und Österreich. ■

Österreich in Locarno vertreten
Beim Filmfestival in Locarno, vom 2. bis 12. August, ist mit „Gefangene“ von Iain Dilthey auch ein österreichischer Beitrag im Wettbewerb um den Goldenen Leoparden. Der Film, eine deutsch-österreichische Koproduktion, erzählt von einem Mädchen, das von ihrer Wohnung auf ein Gefängnis blickt. Der Flirt mit einem Häftling wird nach dessen Ausbruch zur dramatischen Realität. ■

Zum Tod von Fred Wander
Der österreichische Schriftsteller Fred Wander ist am 10. Juli nach schwerer Krankheit in seiner Wiener Wohnung 89-jährig gestorben. Wander wurde 1917 als Sohn armer jüdischer Eltern in Wien geboren. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten – seine Eltern und seine Schwester wurden in KZs ermordet - versuchte er eine Flucht in die Schweiz. Dort wurde er von den Behörden allerdings an die Polizei des französischen Vichy-Regimes übergeben. Ein langer Leidensweg durch KZs führte in schließlich nach Auschwitz und Buchenwald. Nach Ende der Nazi-Diktatur zog Wander in die DDR, ohne deren Staatsbürger zu werden. Ein Literaturlehrgang in Leipzig weckte seine Berufung. Gemeinsam mit seiner Frau Maxie (Elfriede Brunner) machte er sich einen Namen als Dramatiker, Erzähler, Jugendbuchautor und Feuilletonist. Nach dem Tod seiner Frau, der ihn in eine tiefe Lebenskrise stürzte, kehrte er 1983 nach Wien zurück, wo er ein völlig zurückgezogenes Leben führte – hoch geachtet von zahlreichen seiner Schriftstellerkollegen. Zu seinen herausragenden Werken gehören die Erzählung „Der siebente Brunnen“ (1971), das sein Überleben in Auschwitz und Buchenwald zum Ausgangspunkt hat, der Roman „Hotel Baalbek“ (1991) und die Autobiografie „Das gute Leben“ (1996), dessen letzter Satz lautet: „Ich bin unterwegs, mein Gepäck ist leicht“. Wenige Tage vor seinem Tod wurde Fred Wander noch verständigt, dass er für sein literarisches Werk den Preis der Stadt Wien erhalten habe. ■

Trauer um Volksschauspieler Böhm
Der Volksschauspieler Toni Böhm, 1949 in Salzburg geboren, ist unerwartet in der Nacht auf den 14. Juli in Reichenau (Niederösterreich) gestorben. Hier brillierte er als kauziger Mann bei den Festspielen in Stefan Zweigs „Im Rausch der Verwandlung“. Sein Tod wurde erst kurz vor Vorstellungsbeginn entdeckt.
Böhms illustre und abwechslungsreiche Karriere führte ihn über das von Hans Gratzer geleitete Wiener Schauspielhaus in das Wiener Volkstheater, wo er u.a. zum Parade-Nestroy-Darsteller reifte. Aber auch als Schauspieler in zeitgenössischen Werken, etwa von Elfriede Jelinek und Thomas Bernhard, der Sandor Marai-Bühnenadaption „Die Glut“ oder „New York New York“ von Marlene Streeruwitz überzeugte er. Gleich zweimal, 1994 und 2005, wurde er mit dem Karl-Skraup-Preis ausgezeichnet. Im Theater an der Josefstadt war er zuletzt in Max Frischs „Andorra“ zu sehen. Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg, tief getroffen: „Seit Jahrzehnten hat kein anderer Schauspieler das Gesicht des Volkstheaters so unverwechselbar geprägt wie er“. ■

Wiener Filmacademy bietet Ausbildung zum Filmschauspieler an
Die Filmindustrie hat zunehmend Bedarf an ausgebildeten professionellen Filmschauspielern. Diese Marklücke möchte die Wiener „1st filmacademy“ füllen, die ab September erstmals den zweijährigen Studienlehrgang „Schauspielausbildung für Film und Fernsehen“ anbietet. Maximal 28 Teilnehmer werden vier Semester lang in allen Aspekten der Arbeit vor der Kamera unterrichtet. Vor Semesterbeginn findet am 9. und 10. September in Wien noch ein Casting statt. Die Academy ist ein gemeinnütziger Verein. Es lehren erfahrene Regisseure wie Ulrich Seidl („Hundstage“) und Harald Sicheritz („Hinterholz 8“) oder „Kommissar Rex“-Erfinder Peter Hajek bzw. Veit Heiduschka, Produzent von Österreichs prominentestem Filmregisseur, Cannes-Preisträger Michael Haneke („Die Klavierspielerin“). ■

Nach einem Jahr: Österreichischer Musikfonds ist ein großer Erfolg
Kunst- und Medienstaatssekretär Franz Morak hat mit der Einrichtung des österreichischen Musikfonds 2005 einen Grundstein zur Professionalisierung des heimischen Musikmarktes gesetzt. Der Musikfonds ist als Initiative zur Förderung österreichischer Musikproduktionen gedacht, um damit ihre Verwertung und Verbreitung zu steigern und Österreich als Kreativstandort zu stärken. Der Fonds steht allen musikschaffenden Urhebern, Interpreten, Musikproduzenten, Musikverlagen und Labels offen. Der Musikfonds wird vom Bundeskanzleramt und namhaften Institutionen des österreichischen Musiklebens finanziert und ist mit jährlich 600.000 Euro dotiert. Wie Morak in einem Interview mit dem Magazin für die österreichische Musik- und Medienbranche „Sound & Media“ sagte, sei der Fonds nach einem Jahr sehr gut angenommen worden. „Die Anzahl der Projekteinreichungen von rund 500 zeigt den hohen Bedarf einer solchen Einrichtung und der Output von über 70 Förderungen ist eine beachtliche Zahl“. Morak möchte, dass „österreichische Popmusik Bestandteil der heimischen Medienlandschaft wird. Der Fonds bringt viele Ebenen in Bewegung, aber auch unter Zugzwang: – die Kreativen ebenso wie die Produzenten, Vermarkter und Medien“. Auch im Ausland bestehe Interesse an der neuen österreichischen Förder-Einrichtung. Morak will weiterhin in die Musikbranche investieren und sich „dafür einsetzen, dass in Österreich professionelle Strukturen aufgebaut werden“. Letztlich könne „der Fonds aber nur Geburtshelfer sein, laufen müssen die Künstler, deren Produzenten und Manager aber selbst“, wie Georg Tomandl, Tonstudiobetreiber, Vorstand im Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie in der Wirtschaftskammer und Obmann des Österreichischen Musikfonds meinte, sei es dem Musikfonds gelungen, eine Vielzahl an jungen österreichischen Bands und Künstlern an die Öffentlichkeit gebracht zu haben, wobei die Labels die von ihnen ausgewählten nun auch längerfristig begleiten müssen. Zu den bisher veröffentlichten, vom Musikfonds geförderten Produktionen gehören u.a. die Vokalgruppe Bauchklang („Many People“), die Ethno-Pop-Gruppe Fatima Spar und die Freedom Fries („Zirzop“), Klangforum Wien, Ensemble Recherche, Ensemble Nova („Trias Musiktheater“), die Neuwirth Extremschrammeln („Wien g’spürn“) und die Heavy Metal-Band Stahlhammer („Opera Noir“). ■

Dominique Perrault: Feine Architektur-Ausstellung „Meta-Buildings“
Gerade 36-jährig gewann Dominique Perrault 1989 einen der bedeutendsten Architekturwettbewerbe: Mit der Bibliothèque Nationale de France in Paris, die als eine der „Grand Travaux“ in der Ära von François Miterrand 1995 fertig gestellt wurde, gelang ihm der internationale Durchbruch. Auch in Österreich leistete er wichtige Beiträge zur zeitgenössischen Architektur: Unter seiner Federführung entstanden das Rathaus in Innsbruck sowie drei MPreis-Märkte in Wattens und Zirl. Ein schwieriges Projekt, noch in Planung, wird ab 2007 auf 110.000 m2 in der Wiener Donau-City realisiert: Vienna DC Tower 1 und 2. Die Beiden Türme 220 und 160 Meter hoch mit glänzenden Fassaden wie Spirallinien sollen bis 2009 überwältigendes „Eingangstor“ für die Donau-City bilden. Das Architekturzentrum Wien zeigt in „Architecture Meta-Buildings“ bis 23. Oktober aktuelle sensationelle Projekte des Architekten, u.a. den University Campus Center in Séoul, die Erweiterung des Marinsky-Theaters in St. Petersburg und das Olympische Tennis-Stadion in Madrid. Für Perrault ist Architektur die Entdeckung der Langsamkeit, „eine Kunst der Arrière-garde“. Meta-Buildings sind laut Perrault „Gebäude, die die Dimension herkömmlicher Bauten maßstäblich und konzeptionell zu Gunsten der Umgebung überschreiten. Ein Meta-Building verwandelt einen Ort in einen anderen und arbeitet mit dem umgebenden Raum zusammen. Ein Meta-Building ist nicht nur ein Gebäude, sondern Teil einer urbanen Substanz“. ■

Staatssekretär Schweitzer: Grundlegendes zu Sport und Gesundheit
„Mehr als die Hälfte der Österreicher (60 Prozent) betreibt wenig bis keinen Sport.“ „Der bewegte Mensch ist ein gesunder Mensch.“ „Gesunde Menschen entlasten das Gesundheitssystem.“ Diese an sich lapidaren Erkenntnisse sind den meisten von uns bekannt und werden in Bezug auf die medizinisch-ökonomische Wirksamkeit von immer mehr Studien bestätigt. Sie müssen jetzt konkret im österreichischen Gesundheitswesen umgesetzt werden.

Sport und Bewegung sparen Kosten
„Bewegung und Sport erhalten im Rahmen der derzeit geführten politischen Diskussion um die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems verstärkte Aufmerksamkeit in Hinblick auf die in ihnen schlummernden Kosten sparenden Potentiale“, betont Schweitzer. So berechnete das Institut für Höhere Studien – unter der Annahme, dass alle Erwerbstätigen durch betriebliche Gesundheitsförderungsprogramme erreicht werden und alle erwerbstätigen Personen, denen auf sie individuell zugeschnittenen Empfehlungen Folge leisten – volkswirtschaftliche Einsparungseffekte in der Höhe von bis zu 3,64 Milliarden Euro. Das sind 1,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes! Weiters bringt der bereits jetzt vorhandene Level an Sportausübung in Österreich auch nach Abzug der sozio-ökonomischen Kosten verursacht durch Sportunfälle einen positiven volkswirtschaftlichen Saldo in der Höhe von 263,7 Mio. Euro pro Jahr.

Präventives Potential von Bewegung und Sport verstärkt nutzen
„Bei der Nutzung des präventiven Potentials von Bewegung und Sport für den Gesundheitsbereich stehen wir allerdings erst am Anfang“, so Schweitzer. Der Bereich Früherkennung, Gesundheitsförderung, Gesundheitsfestigung und Krankheitsverhütung macht bei den Ausgaben der Krankenversicherungen nur einen sehr geringen Anteil aus, womit das Einsparungspotential aus diesem Bereich als enorm zu bezeichnen ist. Der Anteil der Prävention nimmt im Vergleich betreffend die einzelnen Ausgaben der Krankenversicherung mit den Bereichen Früherkennung und Gesundheitsförderung sowie Gesundheitsfestigung und Krankheitsverhütung lediglich 1,2% in Anspruch, das sind rund 145 Millionen Euro.

Präventive Sportangebote sollen im Katalog der Krankenkassen sein
„Die Aufnahme von präventiven Sportangeboten in den Leistungskatalog gesetzlicher Krankenkassen muss so rasch wie möglich ein Diskussionspunkt werden“, so Schweitzer. Die positiven medizinischen und volkwirtschaftlichen Aspekte und Effekte von präventiven Sportangeboten können als unbestritten bezeichnet werden. Ziel ist die Entlastung der Finanzen des Gesundheitssystems. So kann laut aktuellen WHO-Studien durch körperliche Aktivität das Risiko von frühzeitigen Erkrankungen und damit notwendigen Operationen erheblich reduziert werden. Von 100.000 Bypassoperationen am Menschen in den besten Jahren sind 95.000 unnötig, wenn sich Radfahren (wieder) selbstverständlicher in den Alltag einbringen ließe.

Nutzung vorhandener Strukturen des organisierten Sports
„Die Ausschöpfung vorhandener gesundheitsfördernder Potentiale - wie Bewegung und Sport - trägt langfristig wesentlich zur Entlastung des Gesundheitssystems bei“, betont Schweitzer. Die mit dem Qualitätssiegel „Fit für Österreich“ ausgezeichneten Bewegungsprogramme der Sport-Dachverbände ASKÖ, ASVÖ und SPORTUNION konzentrieren sich auf ein praxisnahes Angebot, die Ausbildung einer dauerhaften und individuellen Gesundheitskompetenz sowie einen freudvollen Zugang zur Bewegung in allen Lebensabschnitten. ■