Montag, 27. August 2007
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Neues Haushaltsrecht ab 2009
Das neue Haushaltsrecht ist am 8. August durch den Ministerrat abgesegnet worden. Es sieht in mehreren Etappen neue Regeln für die Budgeterstellung des Bundes vor. Künftig wird der Finanzminister zweimal jährlich (im Mai und September) einen „Gesamtbericht über den Budgetvollzug“ für alle Ministerien und anderen Institutionen mit einem eigenen Budget (unter anderem Rechnungshof) vorlegen. Damit werde man mehrmals jährlich feststellen, „wo wir im Budget- und Personalvollzug stehen“, erklärte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer lobte den Beschluss als Basis für eine „solide, transparente und nachhaltige Budgetpolitik“.
Eine grundsätzliche Einigung aller Parlamentsparteien auf neue Regeln für die Budgeterstellung erfolgte bereits 2005. In Kraft treten soll das neue Haushaltsrecht in zwei Etappen: Ab 2009 sollen die Ausgaben des Bundes in mehrere Kategorien (zum Beispiel „Recht und Sicherheit“, „Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie“) gegliedert und auf vier Jahre im Voraus geplant werden. Auf dieser Basis werden dann die detaillierten Budgets der Ministerien erstellt. Außerdem sollen übrig gebliebene Budgetmittel jeweils ins nächste Jahr mitgenommen werden können.
Ab 2013 erlauben so genannte „Globalbudgets“ einen flexibleren Einsatz der Mittel. Im Gegenzug sollen sich die Ressorts zur Einhaltung von „Leistungsvorgaben“ verpflichten. ■

Regierung einigte sich auf Etappenplan für Steuerreform
Im sommerlichen Ministerrat einigte sich die Bundesregierung auch auf einen Etappenplan für die Erstellung der Steuerreform. Damit erteilten Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Vizekanzler Wilhelm Molterer jeweiligen Forderungen nach einem Vorziehen der Steuerreform eine deutliche Absage. Es bleibt bei dem geplanten Termin Jänner 2010. Im Februar 2009 soll die Entlastung in Begutachtung gehen, im April und Juni jeweils die Beschlüsse im Ministerrat beziehungsweise Nationalrat erfolgen.
Trotz boomender Konjunktur, üppig sprudelnden Steuereinnahmen und einem geringer als erwartet ausgefallenen Budgetdefizit 2007 (0,7 % des BIP) müsse weiterhin gespart und die gute Wirtschaftslage dazu genutzt werden, um das Haushaltsdefizit weiter zu senken, lautete das Argument. „Wir bekennen uns nicht nur zum Sparen, sondern auch zu Investitionen in die Zukunftsbereiche Forschung und Entwicklung, Bildung sowie soziale Aufgabenstellungen. Das ist die Devise der Bundesregierung“, so Gusenbauer. Die Steuerreform solle den Wirtschaftsstandort und die Kaufkraft in Österreich stärken. Geplant sind unter anderem eine Reform der Einkommenssteuertarife, Entlastungen des Mittelstandes sowie neue Einkommensgrenzen für den Spitzensteuersatz.
Verständigt hat man sich zudem auf die weitere Finanzierung des Freiwilligen Sozialen Jahres. Damit erhalten engagierte junge Menschen wie bisher eine monatliche Sonderförderung von 150 Euro für die entgangenen Familienbeihilfe. ■

Beamtenministerin Bures: Verhaltenskodex für Öffentlichen Dienst
Frauenministerin Doris Bures, im Bundeskanzleramt auch zuständig für Beamte und Medien, kündigte Anfang August einen umfassenden Anti-Korruptions-Verhaltenskodex für den Öffentlichen Dienst an. „Österreichs Verwaltung schneidet beim Thema Korruption im internationalen Vergleich derzeit schon sehr gut ab“, so Bures. Mit breit angelegten Präventivmaßnahmen könne das Ergebnis noch verbessert werden, betonte die Beamtenministerin unter Hinweis auf den renommierten jährlichen Korruptionsindex von Transparency International, wonach Österreich im Jahr 2006 EU-weit die fünfte und weltweit die elfte Stelle belegte.
Die geplanten Verhaltensrichtlinien würden das Vertrauen der Bevölkerung in die Verwaltung noch mehr stärken und den MitarbeiterInnen im Öffentlichen Dienst durch klare und transparente Verhaltensregeln Sicherheit geben. Der im Regierungsprogramm vereinbarte so genannte Code of conduct soll von einer interministeriellen Arbeitsgruppe unter Einbindung aller Ressorts erarbeitet werden und Ende 2008 vorliegen.
Österreich verfüge zwar bereits über rechtliche Regelungen zur Vorbeugung von Korruption (unter anderem Geschenkannahme, Befangenheit, Nebenbeschäftigung), der Code of conduct verfolge allerdings eine „umfassendere Anti-Korruptions-Strategie, die das Bewusstsein der Bediensteten für ihre Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit noch mehr stärkt“, erklärte Bures. ■

Bundeskanzler Gusenbauer bei Festakt 100 Jahre IUSY in Berlin
Die Sozialistische Jugendinternationale (IUSY) feierte am 25. August unter dem Motto „100 Years of Struggle for Peace and Equality“ in Berlin ihr 100-jähriges Bestehen. Beim Festakt im Friedrichstadtpalast war Österreichs Bundeskanzler und SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer der Hauptredner. Er sagte unter anderem, dass der Fortschritt der europäischen Gesellschaften vor allem das Verdienst der nationalen Arbeiterbewegungen und Gewerkschaften sei, die sowohl auf parlamentarischer Ebene als auch in den Betrieben radikale Verbesserungen durchsetzen konnten. In seiner Rede ging Gusenbauer auch auf den Kollaps des Kommunismus im Jahr 1989 ein und betonte: „Es gibt keinen Sozialismus ohne Demokratie und Menschenrechte“. Die Demokratisierung in Europa sei nicht durch Krieg erfolgt, sondern „das Resultat der Kraft von Ideen, nämlich der Idee von Freiheit“ gewesen. Die Rolle der Sozialistischen Internationale sei es, für eine Internationale der Menschen und Werte einzutreten – gegen eine des Geldes und Profits. Die weltweite Aufgabe der Sozialdemokraten bestünde darin, in Zeiten der Globalisierung für eine entsprechende Verteilung und Gerechtigkeit zu kämpfen. Gusenbauer erinnerte unter anderem auch an die Chile-Solidaritätsfront der 70er Jahre, und wie in den 90ern dann demokratische Verhältnisse in Chile durchgesetzt wurden und nun eine Sozialistin der Regierung vorstehe.
Bei dem Festakt, an dem rund 3.000 junge Menschen aus Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika teilnahmen, sprachen auch der deutsche SPD-Vorsitzende Kurt Beck, die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Kemal Dervis, Administrator des UN-Entwicklungsprogramms. ■

Europäisches Forum Alpbach widmet sich „Entstehung von Neuem“
„Emergence – Die Entstehung von Neuem“ lautet das Generalthema des Europäischen Forums Alpbach 2007. Bis 1. September machen rund 500 Referenten und 2.800 Besucher das Tiroler Bergdorf zum Zentrum der politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Diskussion. Ein großer Teil der österreichischen Bundesregierung vom Bundeskanzler Alfred Gusenbauer abwärts kommt nach Alpbach. Außerdem werden hochrangige Gäste aus den Nachbarländern erwartet. Zugesagt haben unter anderem aus Tschechien Staatspräsident Vaclav Klaus und Außenminister Karl Schwarzenberg sowie der slowenische Wissenschafts- und Technologieminister Jure Zupan. Die Europäische Union ist u.a. durch den Präsidenten des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering, und EU-Energiekommissar Andris Piebalgs vertreten. An den Wirtschaftsgesprächen nimmt der Wirtschafts-Nobelpreisträger 2006 Edmund Phelps teil. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Forums-Präsident Erhard Busek. ■

Südosteuropäische Premiers tagten in Salzburg
Zum sechsten Mal fand Ende Juli in der Mozartstadt Salzburg das „Treffen für Stabilität in Südosteuropa im 21. Jahrhundert“ statt. Im Mittelpunkt des Round-Table-Gesprächs standen regionale Probleme und Anliegen wie Energiepolitik, Zusammenarbeit in der Donaukooperation, Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen sowie weitere Schritte zur EU-Integration.
Der Einladung von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer waren die Ministerpräsidenten Sali Berisha (Albanien), Ivo Sanader (Kroatien), Zeljko Sturanovic (Montenegro) Vasile Tarlev (Moldawien) gefolgt. Auch Außenministerin Ursula Plassnik und der Koordinator des Stabilitätspaktes für Südosteuropa, Erhard Busek, nahmen an dem informellen Treffen teil. ■

Friedensappelle zum Hiroshima-Tag
Anlässlich des Gedenkens an die hunderttausenden Opfer des Abwurfes der beiden ersten Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki (6. beziehungsweise 9. August 1945) richtete Bundespräsident Heinz Fischer einen eindringlichen Friedensappell an „alle Menschen, die sich für Frieden, Freiheit und Demokratie engagieren“.
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer forderte zum 62. Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima die Abschaffung aller Nuklearwaffen. Weiters würdigte er die Bemühungen der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) bei der Suche nach einer Lösung der Atomkonflikte mit Nordkorea und dem Iran. ■

Gute Konjunktur beschert hohe Steuereinnahmen
Die boomende Wirtschaft verschafft dem Finanzminister bei den Steuereinnahmen auch heuer ein kräftiges Plus. Im ersten Halbjahr 2007 stieg das Steueraufkommen um beachtliche 7 Prozent auf rund 31 Millarden Euro. Markante Zuwächse gab es vor allem bei den Unternehmen: Die Einnahmen aus der Körperschaftssteuer stiegen bis Juli um mehr als 42 Prozent. Ein deutliches Plus von fast 8 Prozent wurde auch bei der Lohnsteuer verzeichnet. Geringer fiel der Zuwachs bei der Umsatzsteuer aus: Er liegt bei 3,6 Prozent.
Aufgrund der hohen Steuereinnahmen dürfte das heimische Defizit heuer 0,7 Prozent und, nicht wie im Budgetgesetz vorgesehen, 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen. Auch im Vorjahr hatte die gute Wirtschaftslage zu einem niedrigeren Defizit geführt und statt 1,7 Prozent nur 1,1 Prozent betragen.■

Arbeitslosenquote sinkt weiter
Dank der anhaltend guten Konjunktur ist die Arbeitslosigkeit in Österreich auch im Juli weiter zurückgegangen. Gegenüber Juli 2006 sank die Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent auf 5,1 Prozent (nach nationaler Berechnung), wie Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein Anfang August bekannt gegeben hat. Der diesjährige Juli-Wert der Arbeitslosigkeit sei der niedrigste seit 2001. Damit sieht Bartenstein die Vollbeschäftigung in „greifbarer Nähe“. Fünf Bundesländer würden bereits die von der EU für Vollbeschäftigung definierte 4-Prozent-Quote unterschreiten.
Die Zahl der vorgemerkten Jobsuchenden ist im Vergleich zu Juli 2006 um 5,7 Prozent auf 185.420 zurückgegangen. Gegenüber dem heurigen Vormonat Juni sind das saisonal bedingt knapp 1 Prozent mehr Jobsuchende. Die Zahl der Beschäftigten ist hingegen trotz der Sommerferien von Juni auf Juli um fast 2 Prozent (rund 64.000 Personen) auf 3,43 Millionen gestiegen.
Nach EU-Berechnung lag die österreichische Arbeitslosenquote im Juli bei 4,3 Prozent (-0,5 Prozent gegenüber Juli 2006). Damit rangiert Österreich unter den Top-Fünf der EU, nach den Niederlanden, Dänemark, Zypern und Irland.
Laut Wirtschaftsminister wird das für die gute Arbeitsmarktlage verantwortliche und über dem EU-Durchschnitt liegende heimische Wirtschaftswachstum nicht nur – wie bisher – durch die boomenden Exporte getragen, sondern auch zunehmend vom steigenden Binnenkonsum. ■

IHS: Österreichs BIP wächst auch 2007-2011 stärker als Euro-Raum
Österreichs Wirtschaft wird wie in den letzten fünf Jahren auch im Zeitraum 2007 bis 2011 stärker als der Euro-Raum wachsen. Das heimische Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll im Schnitt real um jährlich 2,6 Prozent zulegen gegenüber einem Plus von 2 ¼ Prozent in den Euro-Ländern. Das ist der neuen Mittelfristprognose des Instituts für Höhere Studien (IHS) von Ende Juli zu entnehmen. Aufgrund der Hochkonjunktur seit 2006 erwarten die Experten auch ein Anhalten des Aufschwunges am Arbeitsmarkt: Bis 2011 dürften knapp 190.000 zusätzliche Jobs entstehen und die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition bei 6 Prozent liegen, prognostiziert das IHS.
Positive Wachstumsimpulse kommen weiterhin von der Exportwirtschaft. Gestützt wird die Konjunktur – bei einer generell anziehenden Investitionstätigkeit – auch von den Konsumausgaben der privaten Haushalte. Das Wachstum des heimischen BIP werde sich in den nächsten Jahren allerdings verlangsamen. Nach 3,3 Prozent im Vorjahr werde das BIP heuer um 3,1 Prozent ansteigen, 2008 um 2,8 Prozent und 2011 um 2,2 Prozent.■

Handelsbilanz von Jänner bis Mai 2007 mit deutlichem Plus
Österreichs Exportunternehmen bleiben die treibende Kraft der heimischen Wirtschaft. Der österreichische Außenhandel verzeichnete in den ersten fünf Monaten 2007 einen deutlichen Zuwachs. Den vorläufigen Ergebnissen der Statistik Austria zu Folge lag der Gesamtwert der Importe von Jänner bis Mai mit 45,25 Milliarden Euro um 7,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Ausfuhren verzeichneten ein Wachstum von 9,9 Prozent auf 45,71 Milliarden Euro.
Somit ist die österreichische Außenhandelsbilanz der ersten fünf Monate positiv: Die Warenverkehrsbilanz weist ein Aktivum von 460 Millionen. Euro auf. Aus den EU-Staaten bezog Österreich Waren im Wert von 33,86 Millarden Euro (+8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Der Wert der Warenexporte in die EU betrug 32,91 Milliarden Euro (+9,8 Prozent). ■

Bund fördert Kunst mit und über sozial benachteiligte Menschen
Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur schreibt für das Jahr 2007 einen Würdigungspreis und einen Förderungspreis für Projekte der Kunst im sozialen Raum aus. Prämiert werden Kunstprojekte zur Partizipation sozial benachteiligter Menschen. Einreichungen sind bis Sonntag, 30. September 2007, möglich. Der Würdigungspreis ist mit 11.000 Euro dotiert und wird für bereits ausgeführte Projekte zuerkannt, während der Förderungspreis mit 7.500 Euro einem laufenden oder im Planungsstadium befindlichen Kunstprojekt gilt. Die zu honorierenden Leistungen müssen unter aktiver Einbeziehung sozial benachteiligter Menschen erbracht werden und deren kreative Kompetenz, positive Darstellung ihrer Befähigung und deren nachhaltige gesellschaftliche Partizipation zum Ziel haben. Teilnahmeberechtigt sind Künstlerinnen und Künstler, gemeinnützige Kunst- und Kulturvereine sowie nicht auf Gewinn orientierte Zusammenschlüsse von Künstlerinnen und Künstlern und Kulturarbeitenden mit Sitz in Österreich. ■

Bundeskanzler Gusenbauer zum Tod von Regisseur Franz Antel
„Alles Leinwand“ hieß 2001 eine Ausstellung des Wien Museums, in dem das Lebenswerk des Filmregisseurs Franz Antel gewürdigt wurde. In der Nacht auf den 12. August ist der Regie-Altmeister 94-jährig in einem Wiener Pflegheim entschlafen. 1913 in Wien geboren, besuchte der Sohn eines Postbeamten und einer Hausfrau ab 1931 die Erste Wiener Tonfilmakademie. Schon 1933 drehte er den Sportfilm „Vagabunden“. 1935 begann Antel für die Berliner Terra-Film als Produktionsleiter zu arbeiten, erwarb 1937 die deutsche Staatsbürgerschaft, die er bis 1960 behielt. 1939 kurzfristig zum Militärdienst eingezogen, wurde er Produktionsleiter der neugegründeten Wien-Film. 1941 musste er neuerlich einrücken und geriet später in Berlin in sowjetische Gefangenschaft. 1945 gelang ihm die Rückkehr nach Wien und ins Filmgeschäft: Er drehte den später preisgekrönten Tourismusfilm „Österreich ruft die Welt“. Beim Publikum erfolgreich wurde sein erster Spielfilm „Das singende Haus“, ein Lustspiel mit Hans Moser, Curd Jürgens und Susi Nicoletti. Über 20 Jahre blieb Antel seinem bevorzugten Genre, dem heiteren Lustspiel vor werbeträchtiger Heimatkulisse, treu. Publikumshits entstanden in Serie wie „Der alte Sünder“, „Kaiserwalzer“, „Rosen aus dem Süden“ und „Lumpazivagabundus“. Paul Hörbiger und Hans Moser brillierten 1951 in dem Antel-Klassiker „Hallo Dienstmann“. Aufsehen erregte Oskar Werner im Oberst Redl-Drama „Spionage“. Das künstlerisch erfolgreichste Filmprojekt gelang Franz Antel Anfang der 80er Jahre mit „Der Bockerer“. Mit Karl Merkatz in der Hauptrolle eines gegen die NS-Diktatur aufmüpfigen Fleischhauers kam der Film weltweit zu Festival- und Preisehren. In drei weiteren Folgen führte der Regisseur das Geschehen über die sowjetische Besatzung („Österreich ist frei“, 1996) und Ungarnaufstand („Die Brücke von Andau“, 1999/2000) bis zum Prager Frühling und den sowjetischen Einmarsch in die CSSR („Prager Frühling“, 2003) weiter.
Begehrt waren die Einladungen Franz Antels. Für seine Gäste kochte er selbst sein legendäres Brünner Krautfleisch.
Getroffen vom Tod des Regisseurs sagte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer unter anderem: „Franz Antel war eine österreichische Legende. Dass Filme mehr sein können als bloße Unterhaltung, hat er in seinen Verfilmungen des Bockerers bewiesen. Sie wurden gleichsam zum komisch tragischen Spiegelbild der österreichischen Seele. Franz Antel war ein geselliger und politischer, ein streitsamer und liebenswerter Mensch. Wir werden seinen Humor, sein Streben nach Professionalität und seinen bedingungslosen Einsatz für den Film vermissen. Österreich hat mit seinem Tod einen großen Künstler verloren“. ■

Gusenbauer würdigt den verstorbenen Historiker Raul Hilberg
Bundeskanzler Gusenbauer hat den verstorbenen US-Historiker Raul Hilberg als einen der Ersten gewürdigt, die „das wissenschaftliche Schweigen über die große Katastrophe des 20. Jahrhunderts durchbrochen“ haben. Hilbergs Werk habe wesentlich dazu beigetragen, die zahlreichen Holocaust-Verleugner und Revisionisten in das publizistische und wissenschaftliche Abseits zu stellen. „In einer Zeit, als die Opfer des NS-Rassenwahns noch nicht selbst über ihre Erlebnisse sprechen konnten und viele der Täter und Mitläufer wieder begannen, die Taten zu leugnen, hat er mit der fundierten wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser Tragödie begonnen“, sagte der Kanzler. Durch seinen Tod verliere die Welt ein mahnendes Gewissen. Raul Hilberg wurde 1926 in Wien geboren und floh 1939 mit seinen Eltern in die USA.

Trauer um den ehemaligen Rektor der Uni Wien Alfred Ebenbauer
Der ehemalige Rektor der Universität Wien, der Altgermanist und Präsident des Österreichischen Austauschdienstes, Alfred Ebenbauer, ist am 11. August 61-jährig unerwartet gestorben. Wissenschaftsminister Johannes Hahn würdigte Ebenbauer als „Pionier mit Augenmaß“, der „die Autonomie der Universitäten vorbereitet und dabei nie die Zielhorizonte aus den Augen verloren hat“. Uni Wien-Rektor Georg Winckler und Rektoren-Chef Christoph Badelt bezeichneten den Verstorbenen als „kritischen Denker“ und „hervorragenden Germanisten, der es in unvergleichlicher Weise verstand, seine Begeisterung für die Universität und das Fach an KollegInnen, Studierende und die Öffentlichkeit weiterzugeben“. Für SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal war der Altrektor „auch in heiklen Fragen immer einer, der sich für klare Worte auf wissenschaftlicher Basis einsetzte. Seine deutlichen Worte zum Pernkopf-Atlas haben das Schweigen über die dunklen Vorgänge an den Universitäten zwischen 1938 und 1945 gebrochen“. Der aus der Obersteiermark Stammende stand von 1991 bis 1998 an der Spitze der größten Universität des Landes, war von 1991 bis 1993 Vorsitzender der Rektorenkonferenz und galt als einer der Wegbereiter des Universitätsorganisationsgesetzes (UOG) 1993. Bis zuletzt fungierte er als Vorstand des Instituts für Germanistik der Uni Wien.
Für Aufsehen sorgte er, als er während seiner Amtszeit als Rektor eine Untersuchung über einen anatomischen Atlas des 1955 verstorbenen österreichischen Mediziners Eduard Pernkopf in Auftrag gab. Dabei stellte sich heraus, dass von 1938 bis 1945 an der Anatomie der Universität Wien mit Leichen von Hingerichteten gearbeitet wurde, darunter Widerstandskämpfern und Juden.
Große Verdienste erwarb sich Ebenbauer durch sein Engagement bei der Errichtung des UniCampus im Alten AKH. 2005 wurde er mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. ■

Erstmals Staatsstipendien für Video- und Medienkunst
Für das Jahr 2008 werden vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur erstmals bis zu drei Staatsstipendien für Video- und Medienkunst, die mit insgesamt je 13.200 Euro dotiert sind, ausgeschrieben. Die Auszahlung erfolgt in zwölf Monatsraten. Teilnahmeberechtigt sind alle österreichischen oder nachweislich seit drei Jahren in Österreich lebenden freiberuflichen Künstlerinnen und Künstler. Von der Bewerbung ausgeschlossen sind Studentinnen und Studenten. Die Vergabe erfolgt über Vorschlag einer unabhängigen Jury. Vom Ergebnis der Jurysitzung werden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer schriftlich informiert. Einreichungen sind bis spätestens 31. Oktober 2007 (Datum des Poststempels) an die Abteilung VI/3 der Kunstsektion im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Minoritenplatz 3, 1014 Wien, zu richten. ■

Neupölla: Erstes Österreichisches Museum für Alltagsgeschichte zeigt „50 Jahre Kamp(stau)seen“
Anlässlich der 700-Jahr-Feier der ersten urkundlichen Nennung Neupöllas als Markt eröffnete Landeshauptmann Erwin Pröll im August 1997 in Neupölla nahe Altenburg (Waldviertel/Niederösterreich) einen „Kulturhof“ und das „Erste Österreichische Museum für Alltagsgeschichte“. Während der „Kulturhof“ eine Vielfalt von Veranstaltungen (Konzerte, Theateraufführungen, Diskussionen) ermöglicht, bietet das vom Kunsthistoriker Friedrich Polleroß eingerichtete regionalgeschichtliche Museum einen Überblick über die Alltagsgeschichte und die sozialen Veränderungen der ländlichen Bevölkerung der letzten 300 Jahre am Beispiel der Region zwischen Zwettl und Horn, wobei auch die „Nachtseite der Heimatgeschichte“ nicht ausgeblendet wird.
Anlässlich der 50-Jahrfeier der Fertigstellung des Kraftwerkes Ottenstein zeigt das Museum derzeit mit Hilfe der EVN und auch der Bewohner in der Umgebung bis 16. September eine hochinteressante Sonderausstellung zur Geschichte der Kampkraftwerke. Umfassend und anschaulich werden die damaligen schwierigen Verhältnisse im sowjetisch besetzen Waldviertel rekonstruiert. Deutlich wird auch, wie sich das Denken änderte – von der Technikbegeisterung und der neuen Landschaftsgestaltung der 50er und 60er Jahre bis zur Ökologiebewegung der 80er Jahre, die sich erfolgreich gegen einen weiteren Kraftwerksausbau im Kamptal stemmte. Faszinierend auch der von Leopold Hollensteiner und Friedrich Polleroß gestaltete Dokumentarfilm „Beton, Schweiß und Strom. 50 Jahre Kampkraftwerke aus der Sicht der Arbeiter“ mit Interviews unter anderem eines Maurers, eines Zimmermanns und eines Elektrikers aus Pölla. Die Kraftwerke sind nicht ohne Opfer entstanden: So kam es zum Beispiel beim Einsturz eines Gerüsts auch zu Todesopfern unter den Arbeitern. ■

Pakistanisch-österreichische Universität in Lahore geplant
Pakistan plant mit österreichischem Know-how eine technische Universität in Lahore in der pakistanischen Provinz Punjab. Lahore ist mit rund 8 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Pakistans naher der Grenze zu Indien. Pakistans Wissenschaftsminister Atta ur Rahman verhandelte in Wien mit Vertretern österreichischer Universitäten und Wissenschaftsminister Johannes Hahn über die nächsten organisatorischen Schritte für die geplante „Pakistan-Austrian University“.
Pakistan unternimmt seit Jahren große Anstrengungen für den Ausbau eines modernen Bildungssystems. Deshalb ist auch die Errichtung von neun technischen Universitäten mit europäischen Standards geplant. Österreich erhielt als eines der ersten Länder den Zuschlag für die konkrete Umsetzung der genannten Universität. Für den Aufbau der Universität sind von pakistanischer Seite 350 Millionen Euro auf zehn Jahre vorgesehen. An der Universität soll auch ein Technologiepark für österreichische Unternehmen angeschlossen werden, der von einem pakistanischen Venture Fonds unterstützt werden soll. Österreichische Partner sind der Österreichische Austauschdienst (ÖAD) und ein Universitätskonsortium, bestehend aus den Technischen Universitäten Wien und Graz, der Montanuniversität Leoben und der Universität für Bodenkultur Wien. Österreich wurde laut Wissenschaftsministerium aufgrund des Erfolgs eines Doktoratsprogramms für pakistanische Studenten nach einer internationalen Evaluierung als bevorzugter Partner für die Zusammenarbeit ausgesucht. Derzeit arbeiten und forschen im Zuge dieses Programms bereits mehr als 200 von österreichischen Professoren ausgesuchte pakistanische PhD-Studenten an österreichischen Unis. Wissenschaftsminister Hahn sieht es als „Auszeichnung und Anerkennung für Österreichs Forschungs- und Universitätslandschaft, an diesem wichtigen Entwicklungsprojekt federführend beteiligt zu sein“. ■

Faszinierendes Buch: Böhmischer Adel - Familiengeschichten
Der tschechische Publizist und Fotograf Vladimír Votýpka hat in einem faszinierenden Buch die Schicksale böhmischer Adelsfamilien während der letzten Jahrzehnte ausgeleuchtet. Die Palette reicht dabei von den Czernins, Kinskys über die Lobkowicz’ und Mensdorff-Pouillys bis zu den Schwarzenbergs. Mit zumindest jeweils einem Familienmitglied hat Votýpka Interviews geführt, die schmerzvolle Lebensbrüche offenlegen. Sowohl bei den Nationalsozialisten als auch bei den Kommunisten zählten die Aristokraten oft zu den ersten Opfern, verloren den Großteil ihres Besitzes und wurden verfolgt.
Übersetzt wurde das außergewöhnliche Buch von unserem Kollegen im Bundespressedienst, dem glänzenden Historiker (auch für sudetendeutsche Fragen) und Bohemisten Walter Reichel und seiner Frau Simin Reichel, einer studierten Psychologin und Bohemistin. ■

Priessnitz-Preis 2007 für Austro-Amerikanerin Ann Cotten
Die 1982 in Iowa (USA) geborene und in Wien aufgewachsene Autorin Ann Cotten erhält den Reinhard Priessnitz-Preis 2007, der seit 1994 in Erinnerung an den 1985 40-jährig in Wien verstorbenen Autor vom Bund gestiftet wird. Die Jury mit Gustav Ernst, Gerhard Jaschke und Robert Schindel lobt die „ungewöhnliche Sprachdynamik“, die „unkonventionellen Spracherfindungen“ der Autorin, von der heuer ihre lyrische „Fremdwörterbuchsonette“ im deutschen Suhrkamp Verlag erschienen ist. ■

EURO 2008: Österreichs Stadien hoch modern und barrierefrei
Die Österreichische Bundesregierung wird alles unternehmen, um die Fußball-Europameisterschaft zu einem Fußballfest für alle zu machen. Davon konnten sich Behindertenanwalt Herbert Haupt und Behindertenvertreter Alexander Ceh bei einer Stadionbesichtigung im Wiener Ernst Happel-Stadion gemeinsam mit Journalisten ein Bild machen. Die EURO 2008 wird neue Maßstäbe beim barrierefreien Zugang der vier EM-Stadien setzen. Gemessen an Stadienplätzen gibt es mehr Rollstuhlfahrer-Zuschauerplätze als bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland. Schon damals wurde Barrierefreiheit groß geschrieben. In Deutschland wurden pro Spiel im Schnitt 70 Rollstuhlfahrer-Zuschauerplätze zur Verfügung gestellt, in Österreich werden es pro Spiel im Schnitt über 80 sein. Wien, Innsbruck, Klagenfurt und Salzburg übertreffen sogar die hohen Standards der UEFA-Empfehlungen für Barrierefreiheit. Denn im „Nachhaltigkeitskonzept Österreich-Schweiz für die EURO 2008“ wurde als Zielsetzung zur Barrierefreiheit festgelegt, dass es zwei Behindertenplätze pro 1000 Zuschauer in den Stadien geben wird und zusätzlich zwei Behindertenplätze pro 1000 Besucher in den Fanzonen. Anlässlich des Länderspiels Österreich-Tschechien wurde das Praterstadion im neuen Glanz eröffnet. Im Stadion, dessen Bausubstanz noch aus dem Jahr 1931 stammt, werden für die EURO 2008 im Endausbau 100 Rollstuhlfahrer-Zuschauerplätze eingerichtet sein. Im Übrigen ist hinsichtlich Qualität und Komfort für die Rollstuhlfahrerinnen und Fahrer das „jüngste“ EM-Stadion in Klagenfurt wohl am Höchsten zu bewerten. ■

Ausgliederung der Bundesporteinrichtungen erfolgreich
Rekordauslastung, Wirtschaftlichkeit und Modernisierungen – das sind die positiven Folgen der Ausgliederung der Bundesporteinrichtungen im Jahr 1999. Der Bund als Förderer sparte dadurch seither mehr als 23 Millionen Euro, die der allgemeinen Sportförderung zugute kamen. Bei seinem Besuch im Bundessport- und Freizeitzentrum (BSFZ) Schloss Schielleiten konnte sich Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka gemeinsam mit Michael Sulzbacher, dem Geschäftsführer der Bundessporteinrichtungen GesmbH (BSPEG), vor Ort ein Bild von den Verbesserungen machen. Der Bund fördert die Bundessporteinrichtungen GesmbH mit jährlich mehr als 5 Millionen Euro. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt eindeutig im österreichischen Sport und hier bei der Jugend- und Nachwuchsarbeit sowie der Trainer- und Übungsleiterausbildung und weniger finanzkräftigen Vereinen und Verbänden. Durch die Bundessporteinrichtungen stellt der Bund heute eine Sportinfrastruktur für Ausbildung und Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung, die europaweit einzigartig ist, weil es sowohl für Sommer- als auch für Wintersport entsprechende Einrichtungen zu kostengünstigen, weil geförderten Tarifen gibt. Die Ausgliederung der Bundesporteinrichtungen stellt sich jedenfalls nach neun Jahren als großer Erfolg dar. Das Erfolgsmodell der Bundessporteinrichtungen ist auch Vorbild beim Aufbau der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) Austria, die ebenfalls als Gesellschaft mit beschränkter Haftung arbeiten soll. ■

Österreichs Athletinnen und Athleten bei Universiade sensationell
Die Sommer-Universiade brachte großen Erfolg für Österreichs Athletinnen und Athleten. Mit fünf Medaillen waren vor allem die Schwimmerinnen und Schwimmer so überragend, dass man auch bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking mit ihnen rechnen muss: Markus Rogan gewann Gold und Silber über 200 und 100 Meter Rücken, Fabienne Nadarajah Gold über 50 Meter Delfin, Jördis Steinegger Bronze über 400 Meter Kraul, Mirna Jukic holte nach ihrem Comeback ebenfalls Bronze über 100 Meter Brust.
Regina Time gewann Silber im Gewehr-Liegendschießen auf der 50-Meter-Distanz. Gold gab es für Gerhard Mayer im Diskus-Werfen, Judoka Hilde Drexler wurde wie bereits im Vorjahr Dritte der Studentenweltmeisterschaft und sorgte damit für die achte österreichische Medaille – eine kaum zu erwartende Bilanz. ■