Montag, 27. September 2004
Innenpolitik
Europa / International
Wirtschaft
Kultur / Medien / Wissenschaft
Sport
Kanzler Schüssel: 800 zusätzliche Lehrplätze für Jugendliche
Der Bund und ausgegliederte Einrichtungen des Bundes werden 800 zusätzliche Lehrplätze für Jugendliche anbieten. Dies kündigte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am 21. September nach dem Ministerrat an. „Wir wollen damit einen eigenen Beitrag für die von Egon Blum geleitete Lehrlingsoffensive leisten. Damit wird von der Bundesverwaltung und ihren Betrieben ein nachhaltiger Beitrag gesetzt, den jungen Menschen eine erstklassige Ausbildung zu geben“, betonte Schüssel unter Hinweis darauf, dass damit ein weiterer Beschluss der Regierungsklausur umgesetzt werde.
Derzeit befinden sich im unmittelbaren Bundesbereich rund 200 Lehrlinge in Ausbildung. Bei ausgegliederten Einheiten, darunter den ÖBB und Universitäten, sind es 1.630 Lehrlinge. Ab 2005 sollen in Summe rund 2.600 neue Lehrstellen angeboten werden. Dies sei, so Schüssel, der höchste Stand seit zehn Jahren.
Konkret werden etwa 800 zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen. In ausgegliederten Einheiten, u.a. den Bundesforsten, der Statistik Austria oder den Bundestheatern, werden weitere 140 Lehrplätze eingerichtet.
Die neuen Ausbildungsplätze werden in Zusammenarbeit mit allen Ressorts geschaffen. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen IT- und Kommunikationsberufe, Elektronik und Elektrik, Techniker, Mechaniker und Labortechnik, Umwelttechnologie sowie Verwaltung. ■

Landtagswahl in Vorarlberg: Absolute Mehrheit für ÖVP
Bei den Landtagswahlen in Vorarlberg am 19. September erlangte die Österreichische Volkspartei (ÖVP) unter Landeshauptmann Herbert Sausgruber mit einem Zugewinn von rund 9 Prozentpunkten knapp 55% der gültigen Stimmen und eroberte damit die absolute Mehrheit zurück. Massive Verluste mussten die Freiheitlichen (FPÖ) hinnehmen, die nun hinter der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) nur noch dritte Kraft im Land sind. Die Grünen erzielten deutliche Stimmenzuwächse. Die Wahlbeteiligung lag bei 60%.
Landeshauptmann Sausgruber führte als Grund für seinen Erfolg an, dass die Politik der Volkspartei im Land offenbar sehr gut angekommen sei. Erste Gespräche mit den anderen Parteien wurden aufgenommen. Trotz absoluter Mandatsmehrheit im Vorarlberger Landtag (1945-1999) hatte die ÖVP dort nie allein regiert.
Ergebnisse im Detail:
Wahlbeteiligung: 60,2%
ÖVP: 54,9% (+9,2%)/21 Mandate (+3)
SPÖ: 16,9% (+3,9%)/6 Mandate (+1)
FPÖ: 12,9% (-14,5%)/5 Mandate (-6)
Grüne 10,2% (+4,1%)/4 Mandate (+2) ■

Nationalrat: Außenministerin Benita Ferrero-Waldner nahm Abschied
Der Auftakt zur neuen Saison des Nationalrats am 22. September stand ganz im Zeichen des Abschieds von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner. Wenige Wochen vor ihrem Wechsel nach Brüssel zog die Außenministerin und designierte EU-Kommissarin (für EU-Außenbeziehungen) im österreichischen Parlament Bilanz über ihre neunjährige Tätigkeit im Außenamt. „Ich glaube, ich kann die Stafette gut weitergeben“, resümierte sie, „denn Österreich steht gut da“. Die Opposition sprach Ferrero-Waldner unisono ihre Glückwünsche aus. Die Entscheidung über deren Nachfolge im Außenressort fällt in den nächsten Wochen.
Es seien die zehn wichtigsten Jahre für Österreich seit 1945 gewesen. Und sie habe das Glück gehabt, diese Zeit mitzugestalten, sagte Ferrero-Waldner. Als „Marksteine“ ihrer Arbeit im Außenamt bezeichnete sie nach dem EU-Beitritt Österreichs die Einführung des Euro sowie den Beitritt zum Schengenraum. Die Zeit der Sanktionen habe sie mit „Standfestigkeit“ gemeistert, erklärte die künftige EU-Kommissarin und betonte auch ihr Engagement in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit und Menschenrechtserziehung. Ihre Schwerpunkte in der EU-Kommission sieht Ferrero-Waldner in der Arbeit an der EU-Verfassung sowie in der Konsolidierung und Fortführung der Erweiterung.
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erinnerte daran, dass Ferrero-Waldner zur Zeit der Sanktionen „in unglaublicher Weise für Österreich gekämpft“ habe. „Es ist eine wirkliche Befriedigung und auch eine Gerechtigkeit, dass diesem Land die Würde in der Person Ferrero-Waldners zurückgegeben wurde“ und sie künftig für die ganze Union die Außenbeziehungen ordne. ■

Tschechiens Premier Stanislav Gross zu Besuch in Österreich
Der neue tschechische Ministerpräsident Stanislav Gross absolvierte am 24. September einen eintägigen Besuch in Österreich, wo er mit Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Nationalratspräsident Andreas Khol zusammentraf. Im Zentrum der Gespräche standen bilaterale Themen und die aktuelle Türkei-Debatte.
Zur Frage der Entschädigung der deutschen Minderheit erklärte Gross, dies sei „ein tschechisch-tschechisches Thema“. In der laufenden Diskussion um eine „humanitäre Geste“ sei bisher noch kein Konsens erzielt worden. Der Prager Außenminister Cyril Svoboda hatte kürzlich angeregt, jene Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Tschechien bleiben durften und zuvor gegen die Nationalsozialisten gekämpft hätten, zu entschädigen.
Bundeskanzler Schüssel erklärte, in den Beziehungen zwischen Wien und Prag gebe es „intensive freundschaftliche Kontinuität“. Man werde vor allem die regionale Kooperation und enge Zusammenarbeit auf EU-Ebene fortführen und vertiefen. Für die Übergangsfristen auf dem Arbeitsmarkt zeigte Gross Verständnis. Internationale Verpflichtungen müssten erfüllt werden. „Wir verstehen, dass jeder Prozess seine Regeln hat“, so der tschechische Premier. Gleichzeitig lobte Gross, was Österreich bisher getan habe. Schüssel ergänzte, dass bereits jetzt „tausende tschechische Bürger in Österreich arbeiten“. Im Parlament liege zudem ein Grenzgänger-Abkommen zur Beschlussfassung.
Dem EU-Beitritt der Türkei steht Tschechien positiv gegenüber. „Die Türkei sollte eine europäische Zukunft haben“, sagte Gross. Schüssel wiederholte die österreichische Position: „Wir warten die Kommissionsberichte ab“, betonte der Bundeskanzler.
Schüssel erhielt eine offizielle Einladung nach Prag. ■

Bundespräsident Heinz Fischer besuchte Slowenien
Bundespräsident Heinz Fischer besuchte am 15. September Slowenien. Auf dem Programm standen u.a. Gespräche mit dem slowenischen Staatspräsidenten Janez Drnovsek auf Schloss Brdo bei Kranj sowie mit Regierungschef Anton Rop und Parlamentspräsident Feri Horvat in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana (Laibach).
Erörtert wurden die bilateralen Beziehungen sowie internationale Themen bzw. Fragen zur europäischen Verfassung, EU-Regionalpolitik und zur Lage in Südosteuropa.
Beide Seiten würdigten die hervorragenden zwischenstaatlichen Beziehungen und unterstrichen die viel versprechenden Perspektiven der künftigen Kooperation. ■

Ferrero-Waldner bei UNO-Generalsekretär Annan in New York
Im Zeichen ihres Abschieds aus dem Wiener Außenamt und des bevorstehenden Wechsels in die Brüsseler EU-Kommission stand am 24. September ein Besuch von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner bei UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Österreich und die UNO wollen ihre sehr guten Beziehungen noch weiter vertiefen und ausbauen, berichtete Ferrero-Waldners Sprecherin Astrid Harz nach dem Zusammentreffen über das Gespräch. Ferrero-Waldner habe Annan zu seiner Rede bei der Eröffnung der 59. Generalversammlung gratuliert. „Das Recht muss Grundlage eines internationalen Systems sein, das Frieden und Sicherheit schafft“, so die Außenministerin. Dies sei auch die Idee der Gründer der Vereinten Nationen gewesen.
Tags zuvor hatte Ferrero-Waldner in ihrer letzten Rede als Österreichs Vertreterin vor den Ver¬einten Nationen Österreichs Bekenntnis zum „gemeinsamen Handeln“ in der Weltpolitik un¬terstrichen und von den Mitgliedsländern die Achtung des Völkerrechts eingemahnt. ■

Südtirol-Gipfel in Wien
Unter Vorsitz von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner fand am 16. September im Bundeskanzleramt ein Südtirol-Gipfel statt, an dem u.a. der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder, SVP-Obmann Elmar Pichler und Nationalratspräsident Andreas Khol teilnahmen.
Beraten wurde über die geplante italienische Föderalismusreform, die in einigen Punkten die Südtirol-Autonomie gefährden könnte. Ferrero-Waldner versicherte Südtirol Österreichs „ungebrochene Unterstützung“ gemäß seinen Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen. ■

OMV-Aufsichtsrat stimmte Kapitalerhöhung grundsätzlich zu
Der Aufsichtsrat des börsenotierten Mineralölkonzerns OMV AG hat den bestehenden Beschluss der Hauptversammlung über die Erweiterung des Rahmenkapitals konkretisiert und grundsätzlich einer Kapitalerhöhung um bis zu 5 Mio. Aktien zugestimmt. Dies gab OMV-Aufsichtsratschef ÖIAG-Vorstandsdirektor Rainer Wieltsch am 24. September im Klub der Wirtschaftspublizisten bekannt.
Die OMV-Hauptversammlung hatte heuer einen bis 2009 laufenden Kapitalrahmen von 8 Mio. Aktien genehmigt.
Der OMV-Vorstand könne nun die Details einer solchen Kapitalerhöhung ausarbeiten, erklärte Wieltsch und deutete neuerlich an, dass die Staatsholding ÖIAG im Falle einer Kapitalerhöhung nicht mitziehen werde. Wieltsch rechnet nicht damit, dass ein konkretisierter Antrag des Vorstands auf eine Kapitalerhöhung vor dem für das 4. Quartal geplanten Closing des Petrom-Deals erfolgen kann.
Derzeit wickelt der österreichische Energiekonzern OMV die größte Firmenakquisition in der Unternehmensgeschichte ab – den mehrheitlichen Kauf des rumänischen Ölkonzerns Petrom um 1,5 Mrd. Euro. Weitere Großinvestitionen sind im Gas-Infrastruktur- und Raffineriebereich geplant. Die OMV ist der größte börsenotierte Industriekonzern Österreichs. Größter Eigentümer ist mit 35% die Staatsholding ÖIAG.
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hatte bei seinem Besuch der OMV-Raffinerie in Schwechat am 16. September das Unternehmen als „einen der wichtigsten Player in der österreichischen Wirtschaft mit internationalem Format“ bezeichnet.
Für die vor kurzem erfolgte Akquisition des rumänischen Erdölproduzenten Petrom hatte sich auch der Bundeskanzler eingesetzt. Man unterstütze Firmen, wenn ein internationales Lobbying nötig sei, so Schüssel. „Die OMV ist wie fast alle Unternehmen, an denen die ÖIAG beteiligt ist, hoch profitabel und zahlt heute Dividenden an den Staat, während wir vor einigen Jahren noch Verlustabdeckungen leisten mussten. Unsere Strategie, nicht in die Unternehmen einzugreifen, hat sich als richtig herausgestellt. Die Wirtschaft braucht keine Zurufe aus der Politik“, sagte der Bundeskanzler.
Besonders unterstrich der Bundeskanzler die hohe Investitionstätigkeit der OMV. Die geplanten Investitionen am Standort Schwechat seien Beweis für das Vertrauen der Wirtschaft in die Zukunft. „Der Aufschwung gewinnt Gestalt“, so Schüssel. Zur Eigentümerstruktur der OMV gebe es im übrigen „überhaupt kein Fragezeichen“, betonte der Bundeskanzler. ■

VA Tech: Grünes Licht für Kapitalerhöhung
Die Aktionäre der VA Technologie (VA Tech) haben am 21. September in einer außerordentlichen Hauptversammlung einer Kapitalerhöhung zugestimmt. Danach könnte der Aufsichtsrat bereits am 29. September über den genauen Rahmen der Aufstockung entscheiden und diese noch heuer vornehmen. Der Ausgabepreis werde wahrscheinlich mehr als 45 Euro betragen, erklärte VA Tech- Vorstandsvorsitzender Klaus Sernetz. Erwartet werden bis zu 200 Mio. Euro für die Unternehmenskasse. ■

Martin Huber neuer ÖBB-Chef
Der Aufsichtsrat der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wählte am 23. September einstimmig den bisherigen Vorstand im Baukonzern Porr, Martin Huber (44), zum Vorstandssprecher der neuen ÖBB-Holding. Der bisherige ÖBB-Chef Rüdiger vorm Walde übernimmt ab 2005 den Posten als Personenverkehrs-Vorstand. ■

Tiroler Riedel Glas kauft deutschen Glashersteller Nachtmann
Das österreichische Traditionsunternehmen Riedel Glas in Kufstein (Tirol) übernahm mit 17. September den deutschen Glashersteller Nachtmann und Spiegelau. Mit den nun 1.900 Mitarbeitern soll heuer ein Gesamtumsatz von 220 Mio. Euro erreicht werden, kündigte Riedel am 20. September an.
Die F.X. Nachtmann AG produziert an fünf Standorten in Bayern hand- und maschinengefertigte Kelchgläser und Geschenkartikel und erzielte mit 1.500 Mitarbeitern und einer Produktion von 50 Mio. Stück einen Jahresumsatz von 120 Mio. Euro. Das 170jährige Unternehmen ist zudem Eigentümer der Marken Nachtmann, Spiegelau und Marc Aurel. ■

Linz: Offizielle Bewerbung für Europäische Kulturhauptstadt 2009
Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer und die Linzer Stadtväter – Bürgermeister Franz Dobusch und Vizebürgermeister bzw. Kulturreferent Erich Watzl – deponierten am 13. September bei Kunststaatssekretär Franz Morak die offizielle Bewerbung von Linz als Europäische Kulturhauptstadt 2009. „Entschlossen und professionell vorgebracht“ empfand Morak diese Bewerbung, der hier die Möglichkeit sieht, sich EU-weit zu profilieren. Linz ist die einzige Stadt aus Österreich, die sich im Rahmen der Ausschreibung geworben hat. Gespräche mit der Partnerstadt Vilnius (Litauen), der voraussichtlich zweiten Kulturhauptstadt 2009, sind im Oktober geplant. Mit einer Entscheidung in Brüssel ist Anfang 2006 zu rechnen.
Linz wird sich als „Labor der Zukunft“ präsentieren. Mit der Ars Electronica hat sich die Stadt international einen Namen als Kompetenzzentrum und Hauptstadt der europäischen Medienkunst gemacht. Für Linz als Kulturhauptstadt spricht ein dichtes Netz an Kultureinrichtungen und –institutionen, darunter als Aushängeschild das Lentos Kunstmuseum für Moderne Kunst wie auch das Internationale Brucknerfest und die Klangwolke. Demnächst soll auch ein neues Musiktheater gebaut werden. „Kultur für alle“ wird u.a. durch das „Pflasterspektakel“ und das „Festival der Regionen“ gelebt. Um ein attraktives Kulturprogramm für 2009 zu gestalten, schätzt Linz die Kosten auf 60 bis 70 Mio. €, die je zu einem Drittel vom Bund, Land und Stadt finanziert werden sollen. ■

Biennale Venedig 2005: Hans Schabus vertritt Österreich
Max Hollein, vor kurzem zum Kurator des Österreich-Beitrags der Biennale Venedig 2005 ernannt, hat seine Wahl getroffen: Der 1970 in Kärnten geborene und in Wien lebende Künstler Hans Schabus soll im Hoffmann-Pavillon der Giardini „eine physische und psychische Neudimensionierung des Raumes“ und eine „kritische Analyse des Ortes“ (Hollein) schaffen. Schon 2003 war Schabus eine viel beachtete Umgestaltung der Wiener Secession gelungen. Laut Hollein wende sich Schabus mit seinen poetisch kraftvollen Fotografien, Videos und Installationen „klar an das Individuum“, was im politisch geprägten Kunstdiskurs zuletzt gefehlt habe. Kunststaatssekretär Morak hofft, dass Schabus’ subversive Kraft in Venedig Aufsehen erregen wird. Ab 20. November transformiert der Künstler das Bregenzer Kunsthaus in einen „komplex verschachtelten, architektonischen und mentalen Parcours der Entdeckung des eigenen Ich“. ■

Koller-Preise: Staatspreis für Improvisierte Musik an Michael Mantler
Der (verzweigte) Hans Koller Preis, eine Kooperation des Bundeskanzleramtes, der Stadt Wien, der Bank Austria, von Thomastik Infeld und dem Austrian Music Office, ist nach dem aus Wien stammenden legendären Jazzkomponisten und –saxophonisten Hans Koller benannt. Der vom Bundeskanzleramt gestiftete Preis für den „Musiker des Jahres“ wird seit 2004 alle vier Jahre als Österreichischer Staatspreis für Improvisierte Musik vergeben und geht erstmalig an den Komponisten und Trompeter Michael Mantler. 1943 in Wien geboren, studierte er hier Trompete und Musikwissenschaft und später in den USA. Als Teil der New Yorker Avantgarde spielte er u.a. mit Cecil Taylor. 1968 gründete er die Jazz Composer’s Orchestra Association (JCOA) mit dem Ziel, neue Kompositionen für Jazzorchester zu beauftragen, zu publizieren und zu präsentieren. 1972 etablierte er das New Music Distribution Service, das in der Folge viele unabhängige Plattenlabels unterstützte. 1974 gründete er seine eigene Firma WATT. Es folgten zahlreiche Aufnahmen, u.a. mit der Carla Bley Band. Seit 1991 lebt er in Kopenhagen. Zu Mantlers Arbeiten zählen u.a. Aufnahmen von Liedern mit Texten von Samuel Beckett („No Answer“), Harold Pinter („Silence“), Edward Gorey („The Hapless Child“) oder Paul Auster („Hide and Seek“) oder das multimediale Musiktheaterwerk „The School of Languages“.
Den European Jazz Prize 2004 erhält der 1964 in Västeras (Schweden) geborene Pianist Esbjörn Svensson. Sein Trio gilt als eine der innovativsten Jazzbands der Gegenwart.
Zum Newcomer des Jahres wurde der Trompeter Lorenz Raab gekürt, zum(r) Side(wo)man des Jahres die Percussionistin Ingrid Oberkanins, zur CD des Jahres „Day Dream“ von Herwig Gradischnig und Oliver Kent. ■

Jazz-Festival im Porgy & Bess in Wien: Serbia-Montenegro
Bis 2. Oktober läuft im Wiener Porgy & Bess das Festival „Step Across The Border: Serbia-Montenegro“. Die inzwischen eigenständigen Staaten, früher Teile Jugoslawiens, sind musikalisch betrachtet weiße Flecken auf der europäischen „Jazzlandkarte“. Dies entspricht nicht der tatsächlichen künstlerischen Qualität dieser Balkan-Region mit ihrer hochinteressanten Mixtur aus lokalen Folklorismen und improvisierter Musik. Der erste, der damit berühmt wurde, war der Trompeter Dusko Gojkovic, mit seinem klassischem Album „Swinging Macedonia“ (1966). Das Gojkovic-Quintet spielte am 26. Oktober. Seinen Stil haben bis heute zahlreiche Musiker des „Balkan Jazz“ weiterentwickelt. So spielt Jovan Maljokovic am 30. Oktober seinen „Balkan Salsa“. Mit der Jovica Ajdarevic Brass Band klingt das Festival aus. ■

Kontraste 2004: „Seltsame Musik“
Die Kontraste 2004 in der Minoritenkirche Krems (Niederösterreich) bieten seit 24. September „Seltsame Musik“, extreme Klangkunst von Grenzgängern, u.a. Sven-Åke Johanssons „Ouvertüre für Handfeuerlöscher“ oder Gordon Monahans „New and Used Furniture Music“. Alle Mitwirkenden am Kremser Festival stehen in vorderster Linie für eine experimentelle Klangkunst von heute, die sich gleichwohl technik- und ideologiekritisch verhält. Am 25. Oktober, vor dem österreichischen Staatsfeiertag, widmen sich dann die Berliner „Einstürzenden Neubauten“ um Musikpoeten Blixa Bargeld einem „Grundstück“. ■

Burgtheater: Brandauer als Nathan
Der deutsche Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing ist nicht nur totes Standbild auf dem Wiener Judenplatz: Sein „Nathan der Weise“, Ideal eines vernunftgeleiteten, human agierenden Juden im spätmittelalterlichen Kreuzfahrerstaat Jerusalem geht derzeit an der Wiener Burg über die Bühne, verhalten, leise, hintergründig, in Gestalt von Klaus Maria Brandauer, dessen nuanciertes Spiel in der einfach-klaren Inszenierung Nikolaus Hemlebs voll zur Geltung kommt. Der deutsche Regisseur konzentriert sich ohne vordergründige Aktualisierung ganz auf Lessings Text, der mit seiner „Ring-Parabel“ heute so utopisch und aktuell anmutet wie vor 225 Jahren.
Neben K. M. B. beeindrucken u.a. Mareike Sedl (Recha) und Peter Matić (Patriarch). Der Premiere wohnten u.a Staatssekretär Franz Morak und Nationalratspräsident Andreas Khol bei. ■

Yiddish Theatre Montreal in Wien
Seit 10 Jahren besuchen jiddische Theater Wien. Im Jubiläumsjahr gastiert von 9. bis 14. November das von Bryna Wasserman geleitete Yiddish Theatre Montreal im Wiener Theater Akzent, mit dem Musical „Anatevka“ von Joseph Stein/Jerry Brock (Musik) und Sheldon Harnick (Buch) nach Schalom Alejchems „Tevje, der Milchige“ bzw. mit der Revue „On 2nd Avenue“ von Zalmen Mlotek und Moishe Rosenfeld. Die zauberhaften, berührenden Vorstellungen werden in Jiddisch mit deutscher Simultanübersetzung gegeben. ■

Wittgenstein-Preis: Carl E. Schorske
Der Ludwig-Wittgenstein-Preis 2004 der Österreichischen Forschungsgemeinschaft wird dem US-Kulturhistoriker Carl E. Schorske, 89, am 1. Oktober in Wien überreicht. Die hohe Auszeichnung wird „aus gegebenem Anlass, jedoch höchstens einmal im Jahr“ für die hervorragende Leistung einer Persönlichkeit oder ein hervorragendes Werk auf wissenschaftlichem Gebiet vergeben. Schorske unterrichtete von 1946 bis 1980 als Professor für Kultur- und Ideengeschichte u.a. in Berkeley und Princeton. Mit seinem Buch „Fin-de-Siècle Vienna: Politics and Culture“ (1980) machte er das Wien um 1900 weltweit populär und leistete einen wesentlichen Beitrag zur neueren österreichischen Geschichtsschreibung.
Zu Ehren des Preisträgers findet am 1. Oktober in der Universität Wien ein Symposion statt. ■

Buchhandelspreis an Erich Hackl
Der Autor, Übersetzer und Herausgeber Erich Hackl, 1954 in Steyr (Oberösterreich) geboren, wird am 15. November anlässlich der Eröffnung der Buchwoche im Wiener Rathaus mit dem Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln ausgezeichnet. Hackl gebe, so die Begründung, jenen eine Stimme, die durch Unrecht, Diktatur oder menschliches Unvermögen an den Rand gedrängt sind, und bewahre sie mit seiner Literatur vor dem Vergessen. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen „Auroras Anlass“, „Abschied von Sidonie“, „Die Hochzeit von Auschwitz“. ■

Jüdische Persönlichkeiten auf österreichischen Briefmarken
Anlässlich des 100. Todestages Theodor Herzls im Juli 2004 erscheint bei der Österreichischen Post eine Briefmarke mit Herzls Porträt. Diese Marke ist allerdings nicht das einzige Porträt eines jüdischen Österreichers auf österreichischen Briefmarken – zahlreiche Politiker, Ärzte, Künstler und Wissenschaftler finden sich auf Marken der letzten Jahrzehnte. Die Kleinausstellung im Jüdischen Museum Wien zeigt bis 26. Oktober in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Post AG einen Querschnitt durch das österreichische Geistesleben. Ausgestellt werden neben den Briefmarken auch verschiedene Entwürfe u.a. mit Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein, Arthur Schnitzler, Arnold Schönberg, Lise Meitner, Hans Kelsen und Bruno Kreisky. ■

Kunstforum: Tamara de Lempicka
Bis 2. Jänner 2005 zeigt das BA-CA Kunstforum die Ausstellung „Tamara de Lempicka – Femme fatale des Art Déco“. Die Malerin, geboren in Polen und aufgewachsen in St. Petersburg, kommt auf der Flucht vor der Russischen Revolution nach Paris und wird mit Bildern von großer erotischer Kraft eine der gefragtesten Künstlerinnen. Wie niemand anderer fängt sie den Life Style der Roaring Twenties ein, ihr Selbstporträt von 1929 in einem offenen Sportwagen wird Synonym der Epoche. 1939 emigriert sie in die USA, später beeinflusst sie die Werbung und Modefotografen wie Helmut Newton. Ihre Bilder gehören heute Donna Karan, Madonna oder Jack Nicholson. Sie sind in Wien zu sehen, wo die Schau gemeinsam mit der Royal Academy of Arts erarbeitet wurde. ■

Wien: Massenware Luxusgut
Das Technische Museum Wien zeigt bis (vorläufig) 31. März 2005 die Ausstellung „Massenware Luxusgut. Technik und Design zwischen Biedermeier und Wiener Weltausstellung“, die 1.200 Objekte der kaiserlichen Sammlung in den Mittelpunkt stellt. Man geht von zwei Eckdaten aus: Der Kaiserkrönung Franz I. 1804, der die Gründung der Sammlung folgte, und 1873, als die bislang einzige Weltausstellung in Wien stattfand. In sechs Themenbereichen wird die materielle Kultur des Habsburgerreiches von Rohstoffen über Roh- und Halbfabrikate bis hin zu Fertigprodukten präsentiert, wobei die Entwicklung und Bearbeitung von Roh- und Werkstoffen, die sich verändernden Fertigungstechniken und auch die ökonomisches Handeln mitbestimmenden sozialen Hintergründe thematisiert werden. Der Ausstellungsteil „Einzelstück und Serie“ weist den Weg zur mechanischen Massenfertigung. „Bedarf und Luxus“ zeigt auch, wie neue Herstellungsmethoden vormalige Luxusgüter zu Produkten des täglichen Lebens für breite Gesellschaftsschichten machen. ■

Hofmobiliendepot: Bauhaus-Möbel
Das Hofmobiliendepot/Möbel Museum Wien zeigt bis 9. Jänner 2005 die Ausstellung „bauhaus-möbel – Eine Legende wird besichtigt“. Zu sehen sind Möbelentwürfe, -experimente, -serien, die aus den Bauhaus-Werkstätten stammen, die von 1919 bis 1934, ursprünglich in Weimar, dann in Dessau und schließlich in Berlin gewirkt haben. „Bauhaus“ war, wie der erstklassige Katalog beschreibt, vieles: Design-Büro, Schule, Werkstatt. Gründer Walter Gropius wollte praktische Möbel für das Volk entwerfen, detto der geniale Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe dachte an einfach-klare Architektur – soziale Ideen waren vorrangig. Die Nazis schlossen das Bauhaus 1933. Seine pädagogischen Innovationen und sein experimenteller Freigeist wurden auch durch die US-Emigration der Bauhaus-Gründer in alle Welt getragen. So wäre heute z.B. IKEA ohne Bauhaus-Ideen unvorstellbar. ■

Schubertiade Schwarzenberg 2005
Zwischen 13. Mai bis 10. September 2005 glänzt die Schubertiade Schwarzenberg (Vorarlberg) mit dem weltweit besten Programm für Fans der Musik von Franz Schubert. Bei Orchester-, Kammerkonzerten, Klavier- und Liederabenden, tritt alles auf, was Rang und Namen hat. ■

Sportstaatssekretariat und Sektion Sport im neuen Gesicht ONLINE
Die Homepage des Staatssekretariats für Sport und der Sektion Sport des Bundeskanzleramtes erstrahlt seit 16. September neu gestaltet im Internet. Übersichtlich, informativ und im neuen Design bietet www.sport.austria.gv.at für alle Besucher der Homepage interessante Informationen. Neben Informationen zu vielen Themenbereichen des Sports wird auch das Arbeitsumfeld des Staatssekretärs für Sport, Mag. Karl Schweitzer, umfangreich dargestellt. In 27 Themenbereichen (linke Seite) von Anti-Doping, Auszeichnungen/Ehrungen, Behindertensport, Bundessporteinrichtungen, Europa, Förderungsabrechnung, Förderbereiche, Förderungsmittel, Formulare, Gesellschaft und Sport, Gesetze/Verordnungen/Richtlinien, Haus des Sports, Internationale Zusammenarbeit, Leistungszentren, Links/ Partner, Logo, Schule, Skilehrwesen, Sportstruktur, Sportwissenschaft, Staatsbürgerschaftswesen, Sportbericht, Sportleistungsabzeichen, Sportservice, Studien, Veranstaltungen bis hin zu Wasserrettungswesen können die User einen Einblick in das Sportgeschehen des Bundeskanzleramtes erfahren. Weiterführende Links (rechte Seite) bieten eine rasche Darstellung verschiedener Top-Events („Tag des Sports“, etc.) und besonderer innovativer Projekte („Fit für Österreich“, „Top Sport Austria“, „Challenge 2008“). Selbstverständlich ist auch eine Alternativ-Version verfügbar, damit auch Menschen mit Behinderungen ein optimaler Zugang ermöglicht wird. Staatssekretär Schweitzer ist von der umfangreichen Online-Darstellung beeindruckt: „Mit diesem Internet-Angebot bieten wir allen Personen - von jung bis alt - eine optimale Plattform und ermöglichen ihnen einen guten Einblick in die vielfältigen Aufgaben und Bereiche des Sports“. ■

Sport und Justiz: Innovatives Sportprojekt in Justizanstalt
Am 17. September 2004 fand im Rahmen des jährlichen Sportfestes der Justizanstalt Gerasdorf der offizielle Startschuss für das innovative Sportprojekt unter dem Arbeitstitel „sports goes prison“. Ziel der von Christine H. Seemann initiierten Idee ist es, die jugendlichen Straftäter durch gezielte Sportangebote während der Haft zum Sport zu motivieren und ihnen über den Sport eine Integrationsmöglichkeit für die Zeit danach zu ermöglichen. Nach der Haftentlassung wird über das Projektmanagement Kontakt zum Verein Neustart (ehemalige Bewährungshilfe) aufgenommen, der dem Jugendlichen den Kontakt zum nahesten Sportverein seines Wohnorts herstellt, ihn dorthin begleitet und bestmöglich eingliedert. Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer zeigt sich von der Idee begeistert: „Die soziale Funktion des Sports, vor allem seine integrative Kraft, ist ein wesentliches Element der täglichen Arbeit in den Sportvereinen. Der Sportverein kann den Jugendlichen als Auffangnetz dienen, er bietet Rückhalt und vermittelt überdies Werte wie Fairness, Disziplin und Teamgeist“. ■

Vierter „Tag des Sports“ in Wien
Breiten- und Spitzensport präsentierten sich gemeinsam auf dem Wiener Heldenplatz. Mit der Ehrung von rund 200 Spitzensportlern für ihre Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften sowie anderen internationalen Events, der Präsentation einer „Hermann-Maier“-Briefmarke, mehr als 80 Mach-mit-Stationen sowie der Präsentation aller Dach- und Fachverbände konnte sich der Sport 120.000 begeisterten Besuchern darstellen. Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel und Sport-Staatssekretär Mag. Karl Schweitzer nutzten die Gelegenheit, den Sportlern und Sportorganisationen für ihre große Leistungsbereitschaft, die so große Erfolge gebracht hatte, zu danken. Anwesend waren etliche Medaillengewinner von Athen wie Kate Allen, Christian Planer, Claudia Heill und Andreas Geritzer, die noch gesondert von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer geehrt werden. Das Highlight „Tag des Sports“, welches jung bis alt mobilisierte, wird sicherlich auch einen fünften Anlauf erleben. ■