Montag, 28. August 2006
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Europäisches Forum Alpbach 2006
Im Tiroler Bergdorf Alpbach startete am 17. August zum 61. Mal das Europäische Forum Alpbach, das heuer mit rund 3000 Besuchern und Referenten aus 59 Nationen einen neuen Rekord verzeichnen dürfte. Diskutiert werden bis 2. September unter dem Generalthema „Suche nach Gewissheit und Sicherheit“ Zukunftsfragen der Menschheit, die in alle Bereiche der Politik, Wissenschaft und Wirtschaft reichen.
Geladen sind hochkarätige Wissenschaftler, darunter drei Nobelpreisträger, Wirtschaftsexperten, internationale Politiker, Medienvertreter sowie Studenten und engagierte Bürger. Angesagt haben sich auch Mitglieder der österreichischen Bundesregierung, darunter Außenministerin Ursula Plassnik und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Den Vorsitz führt Erhard Busek, EU-Sonderkoordinator des Stabilitätspaktes für Südosteuropa. ■

Außenpolitischer Bericht 2005
Außenministerin Ursula Plassnik präsentierte am 8. August im Ministerrat den Außenpolitischen Bericht 2005, in welchem umfassend über die wichtigsten Jahresereignisse der internationalen Politik und die Rolle Österreichs informiert wird.
Plassnik sprach von einem „anspruchsvollen und spannenden“ Jahr 2005 mit einer komplexen Themenstellung. Österreich habe im Rahmen der UNO, der EU bzw. während seiner EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2006 sowie auf bilateraler Ebene und nach Maßgabe seiner Möglichkeiten dazu beigetragen, Frieden, Sicherheit und Stabilität in unmittelbarer Nachbarschaft und in der Welt zu fördern.
Ein weiteres zentrales Anliegen sei es, die Außenpolitik als Serviceeinrichtung unmittelbar in den Dienst der Österreicherinnen und Österreicher zu stellen,erklärte Plassnik. Dafür stehe ein weltweites Netz an Partnern bereit. 2005 konnte in mehr als 2700 Fällen vor Ort konsularische Hilfe geleistet werden.
Schwerpunkte der österreichischen Außenpolitik lägen einerseits in einer engagierten Europapolitik zur Bewahrung des spezifischen europäischen Lebensmodells unter Berücksichtigung der sozialen Sicherheit und des Umweltschutzes. Zum anderen gelte es, so Plassnik, Österreichs unmittelbare Nachbarn, die Balkanländer, auf deren Weg Richtung Europa zu unterstützen und damit zu Stabilität und wirtschaftlicher Prosperität in der Region bzw. in Europa beizutragen.
Weitreichende Impulse habe Österreich auch mit seinem initiativen Dialog der Kulturen und Religionen gesetzt, u.a. mit der großen Islam-Konferenz im November 2005, unterstrich Plassnik.
Deutlich angestiegen ist die Dotierung für die Entwicklungszusammenarbeit. Die UNO-Vorgabe von 0,33 % des BIP für Entwicklungsprojekte wurde von Österreich bereits 2005 überschritten. Österreich wendete im Vorjahr 0,52 % des BIP bzw. 1,25 Mrd. Euro auf. ■

Bundeskanzleramt: Nikola Donig neuer außenpolitischer Sprecher
Nikola Donig (35), der bisherige Sprecher der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU in Brüssel, ist seit 16. August neuer außenpolitischer Sprecher von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Er trat damit die Nachfolge von Verena Nowotny an, die in dieser Funktion seit Mai 2001 tätig war und zu Fortbildungszwecken in die USA übersiedelt.
Der gebürtige Niederösterreicher absolvierte ein Betriebswirtschaftsstudium. Danach arbeitete er als Redakteur beim ORF Niederösterreich und im Hörfunk. Ab Herbst 2004 war Donig ORF-Korrespondent in Brüssel. Der Wechsel ins Außenministerium erfolgte im Dezember 2005. Im Bundeskanzleramt ist Donig nun für EU- und außenpolitische Themen zuständig. ■

Alexander Wrabetz ist der designierte ORF-Generaldirektor
Alexander Wrabetz wurde in der Sitzung des ORF-Stiftungsrates am 17. August, unter dem Vorsitz des ORF-Stiftungsrates Generaldirektor Klaus Pekarek, mit 20 von 35 möglichen Stimmen bei einer Enthaltung zum neuen Generaldirektor bestellt. Seine Funktionsperiode beginnt am 1. Jänner 2007 und endet am 31. Dezember 2011. Wrabetz wird Nachfolger von Generaldirektorin Monika Lindner. Bisher war er im ORF als Kaufmännischer Direktor tätig. Der SPÖ-nahe Kandidat wurde im ORF-Stiftungsrat von einer Regenbogenkoalition von SPÖ, BZÖ, Grünen, FPÖ und Unabhängigen unterstützt. Seine vorgeschlagene Geschäftsverteilung wurde vom Stiftungsrat einstimmig beschlossen. ■

Libanon: Tod des österreichischen UNO-Soldaten Major Lang
Eine DNA-Analyse brachte die traurige Gewissheit, dass der vermisste österreichische Milizoffizier Major Hans-Peter Lang (44) am 25. Juli bei einem israelischen Bombenangriff im Südlibanon getötet wurde. Bei dem Angriff auf den UNO-Posten Khiyam kamen noch drei weitere UNO-Soldaten ums Leben.
Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Außenministerin Ursula Plassnik und Verteidigungsminister Günther Platter sprachen den Angehörigen und Freunden des zweifachen Familienvaters ihr tief empfundenes Mitgefühl aus. Wie Kanzler Schüssel erklärte, finde „die Arbeit der UNO-Soldaten für die Sicherung des Friedens in gefährlichen Regionen statt. Major Lang hat sich mit ganzem Herzen und ganzer Kraft für diese Idee eingesetzt. Sein Engagement wird immer in Erinnerung bleiben“. ■

Europäische Union fordert sofortiges Ende der Kämpfe im Libanon
Die 25 Mitgliedstaaten der Europäischen Union forderten in einer gemeinsamen Erklärung zum Libanon-Konflikt „eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, der ein dauerhafter Waffenstillstand folgen soll“. Auf diesen Wortlaut haben sich die EU-Außenminister Anfang August geeinigt. Verurteilt wurden sowohl die Raketenangriffe der Hisbollah auf Israel als auch der Tod von Frauen und Kindern durch israelische Luftangriffe auf libanesische Dörfer. Angriffe auf UNO-Personal seien „inakzeptabel“.
Außenministerin Ursula Plassnik sagte, die Kompromissformel bringe zum Ausdruck, was im Vordergrund stehe: „Ein Ende des Blutvergießens zu erreichen und dann zu einem dauerhaften Frieden zu kommen“, so Plassnik. Die EU-Staaten drängen den UNO-Sicherheitsrat, „rasch“ einen „politischen Rahmen für eine dauerhafte Lösung, die für alle Parteien akzeptabel ist“, zu definieren und ein „robustes“ Mandat für eine internationale Schutztruppe in der Region zu verabschieden.
Um die Verabschiedung einer Libanon-Resolution im Weltsicherheitsrat wird heftig gerungen. In diversen Kompromissentwürfen wird zwar unisono ein Ende aller Kampfhandlungen gefordert, umstritten sind jedoch die Formulierung und Gewichtung jener Bedingungen, unter denen die beiden Kriegsparteien dazu bereit wären. Die libanesische Regierung fordert den sofortigen Rückzug aller israelischen Soldaten und will 15.000 eigene Soldaten zur Herstellung und Sicherung des Friedens in den Südlibanon entsenden. Die Israelis lehnen einen solchen Rückzug kategorisch ab, ehe nicht eine internationale Friedenstruppe in der Region stationiert sei.
Außenministerin Plassnik hat Israel zur „Verhältnismäßigkeit“ in seinen Reaktionen aufgerufen und betont, dass eine Beilegung des Konflikts nicht militärisch, sondern nur auf Ebene politischer Verhandlungen erfolgen könne.
Die Bundesregierung hat für die zivilen Opfer im Libanon eine Soforthilfe in Höhe von 500.000 Euro beschlossen. Weitere 175.000 Euro gehen an Hilfsprojekte von österreichischen Nichtregierungsorganisationen. ■

Deutscher Bundespräsident Köhler in Salzburg
Bundespräsident Heinz Fischer hat seinen deutschen Amtskollegen Horst Köhler am 8. August zu einem dreitägigen informellen Besuch in der Mozartstadt Salzburg empfangen. Am Rande der Salzburger Festspiele und eines umfangreichen Besichtigungsprogramms führten die beiden Staatsoberhäupter auch politische Gespräche. ■

Schüssel: Südosteuropa dynamischster Wachstumsraum Europas
Am diesjährigen Treffen für Stabilität in Südosteuropa in Salzburg (31. Juli bis 1. August) haben neben Gastgeber Bundeskanzler Wolfgang Schüssel unter anderem Kroatiens Premierminister Ivo Sanader und der albanische Premier Sali Berisha teilgenommen. Die Region Südosteuropa sei heute mit einem jährlichen Wachstum von 5 bis 6 % der „dynamischste Wirtschaftsraum in Europa“, betonte Schüssel. Das Investitionsvolumen in der Region betrage heuer knapp 50 Mrd. Euro. Alleine 15 Mrd. Euro kämen von österreichischen Investoren, wodurch auch für heimische Unternehmer große Chancen bestünden, so der Bundeskanzler. Er betonte weiters die Bedeutung der europäischen Perspektive für die Balkanländer, die während der österreichischen EU-Präsidentschaft bekräftigt worden sei. ■

Kanzler Schüssel: Positiver Trend am Arbeitsmarkt verfestigt sich
Die Bundesregierung hat beim Sommer-Ministerrat am 8. August die Verlängerung des so genannten „Blum-Bonus“ bis 29. Juni 2007 beschlossen. Diese Aktion zur Förderung von zusätzlichen Lehrstellen wäre am 31. August ausgelaufen. Die Finanzierung erfolgt aus dem Budget 2007.
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Vizekanzler Hubert Gorbach und Arbeitsminister Martin Bartenstein zeigten sich überzeugt, dass seit der Einführung des Blum-Bonus am 1. September 2005 ein „eindeutiger Gegentrend“ zur davor ansteigenden Jugendarbeitslosigkeit eingetreten sei. Derzeit befinden sich rund 13.400 Lehrlinge in dem Programm. Gefördert werden Betriebe, die zusätzliche Lehrstellen schaffen. Im ersten Jahr erhalten Unternehmer pro Lehrling und Monat 400 Euro, im zweiten Jahr 200 Euro und im dritten Jahr 100 Euro. In Summe ergibt das pro Lehrling 8.400 Euro. Im ersten Jahr war der Fördertopf mit rund 59 Mio. Euro dotiert.
Bundeskanzler Schüssel sprach unter Bezugnahme auf den jüngsten Bericht zur Arbeitsmarktsituation im Juli von einer „überproportionalen Steigerung der Arbeitsplätze“. Schüssel: „Der Trend hat sich deutlich verfestigt. Wir nähern uns dem historischen Höchststand von 3,4 Millionen Arbeitsplätzen. Das ist eine Steigerung um 55.000 Arbeitsplätze (+1,66 %) gegenüber dem Vorjahr.“
Diese Rekordbeschäftigung manifestiere sich auch im Rückgang der Arbeitslosen. Die Arbeitslosenrate sank laut Schüssel um fast 7 %. In absoluten Zahlen liege Österreich damit unter dem Wert des Jahres 1998. ■

Österreichs BIP wächst 2006-2010 im Schnitt um 2,2 Prozent
Die österreichische Wirtschaft wird im Zeitraum 2006 bis 2010 um durchschnittlich 2,2 % pro Jahr und damit um ¾ Prozentpunkte höher wach¬sen als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Das ist einer neuen Mittelfristprognose zu entnehmen, die das Institut für Höhere Studien (IHS) Ende Juli präsentiert hat. Für 2006 hat das IHS zuletzt Ende Juni ein BIP-Plus von 2,5 % (Wirtschaftsforschungsinstitut/Wifo: 2,6 %) vorausgesagt, für 2007 eine Abschwächung auf 2,2 % (Wifo: 2,1 %).
Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2005 belebe sich die österreichische Wirtschaft heuer kräftig und schwenke im restlichen Prognosezeitraum auf einen stabilen Wachstumspfad ein, heißt es in der IHS-Studie. Heuer werde mit 2,5 % Wachstum der Konjunkturhöhepunkt erreicht, aber auch in den Folgejahren falle das Wachstum nicht unter die 2-Prozent-Marke. ■

Kräftiger Anstieg bei Steuer-Einnahmen
Das Steueraufkommen ist im ersten Halbjahr 2006 stark gestiegen. Besonders auffällig ist dabei der Zuwachs bei der Lohnsteuer trotz Steuerreform. Von Jänner bis Juni flossen 8,593 Mrd. Euro in die Staatskasse. Damit zahlten die Österreicher um 536 Mio. Euro (6,7 %) mehr Lohnsteuer als im Vergleichszeitraum 2005.
Laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) könnten sowohl gestiegene Löhne in Kombination mit der Steuerprogression als auch die Zunahme von Vollzeitarbeitsplätzen die Ursachen dafür sein.
Auch die Einnahmen aus der Körperschaftssteuer (Köst) sind gestiegen. Waren diese Einnahmen wegen der Senkung der Köst von 34 auf 25 % mit einem Minus von 14 % veranschlagt, so stiegen diese bisher um 66 Mio. Euro (4,8 %) auf 1,423 Mrd. Euro. Laut Wifo-Expertin Margit Schratzenstaller könnten die höheren Gewinne der Unternehmer einer der Gründe dafür sein. ■

Kanzler Schüssel für Gesamtkonzept zur steuerlichen Entlastung
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel fordert ein Gesamtkonzept zur steuerlichen Entlastung der Bürgerinnen und Bürger. Die von Finanzminister Karl-Heinz Grasser entfachte Diskussion über die Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer sei begrüßenswert: „Es ist gut, dass einmal einige Vorschläge gemacht werden“, sagte Schüssel nach dem Sommer-Ministerrat am 8. August.
Der Bundeskanzler betonte, dass bereits jetzt die bis 2010 angekündigte Senkung der Abgabenquote auf 40 % erreicht sei. Für die kommende Legislaturperiode plane die Regierung einen „Impuls, der deutlich unter 40 % führt“, so Schüssel. ■

Österreich hat höchsten Anteil unabhängiger TV-Produktionen in EU
Österreich verzeichnet nach einem aktuellen Bericht der EU-Kommission den höchsten Anteil an unabhängigen TV-Produktionen in der EU. Wie die Brüsseler Behörde am 22. August mitteilte, lag der Anteil europäischer Sendungen von Produzenten, die von den TV-Veranstaltern unabhängig sind, in Österreich 2004 bei durchschnittlich 46 % (inkl. Privatsender). Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, kommen rund 63 % aller TV-Sendungen, die in den EU-Staaten gezeigt werden aus Europa. Nach der EU-Richtlinie „Fernsehen ohne Grenzen“ soll der Anteil europäischer Produktionen an der Sendezeit von überregionalen Fernsehveranstaltern in den europäischen Staaten mehr als 50 % betragen. Außerdem soll der Anteil unabhängiger Produktionen mindestens 10 % ausmachen. Aus der Erhebung der EU-Kommission geht nicht hervor, um welche Art von Werken – Film, TV-Film, Talk-Show, etc. – es sich handelt. In Österreich verzeichnete der ORF 2004 einen Anteil europäischer Produktionen von durchschnittlich 64 %, was einen leichten Anstieg gegenüber 2003 bedeutet. ■

Claudio Magris erhielt Staatspreis für Europäische Literatur 2005
Der Triestiner Germanist und Schriftsteller Claudio Magris hat am 31. Juli in der Salzburger Residenz den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2005 entgegen genommen. Wie der Schriftsteller-Kollege Martin Pollack in seiner Laudatio sagte, sei die Auszeichnung für Magris „geradezu maßgeschneidert“. Dieser zeigte sich von der Ehrung „sehr gerührt“. Er verdanke Österreich und dessen Kultur sowie seinen österreichischen Freunden sehr viel. Pollack bezeichnete den am 10. April 1939 geborenen Sprachbesessenen als „rastlosen Grenzgänger zwischen Literatur und Wissenschaft“, dessen „umfassende Bildung“ ihn zu einem „europäischen Intellektuellen par excellence“ mache. Er lobte weiters dessen unermüdlichen Kampf gegen den Nationalismus und übte in diesem Zusammenhang auch Kritik am österreichischen Umgang mit der Ortstafel-Frage in Kärnten. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel dankte in seiner Rede Claudio Magris für den „Kollateralnutzen“ seiner Bücher – etwa die „Wiederentdeckung des Donauraums“, die für eine „neue Partnerschaft im Herzen Europas“ stehe. In Magris habe man einen „unbestechlichen und skeptischen Freund“. Auch Kunststaatssekretär Franz Morak und die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller würdigten den „europäischen Schriftsteller“. Schon als 24-jähriger hatte Claudio Magris 1963 mit seiner Dissertation „Der habsburgische Mythos in der österreichischen Literatur“ internationales Aufsehen erregt. In ihr beschrieb er wie das Habsburgerreich nach seinem Zerfall 1918 in der Literatur als Mythos weiterlebte. In „Donau. Biographie eines Flusses“ (1986) ist Magris’ Reise bis in die Weiten des Mündungsdeltas am Schwarzen Meer auch eine Reise in die Vergangenheit Europas. Voraussichtlich 2007 wird Magris’ neues Buch „Alla cieca (dt.: blindlings)“ erscheinen. Es schildert, wie 2.000 italienische Arbeiter nach Ende des Zweiten Weltkriegs den Kommunismus in Jugoslawien mit aufbauen wollten. Von Tito als Stalinisten verdächtigt wurden die meisten von ihnen vertrieben. ■

Mock-Europapreis 2006 an Frankreichs Ex-Außenminister Dumas
Der ehemalige Präsident des Verfassungsrates (Verfassungsgerichts) und Außenminister Frankreichs, Roland Dumas, ist am 15. August im Rahmen des Toleranztages 2006 der Europäischen Akademie der Wissenschaften mit dem Alois Mock-Europapreis 2006 ausgezeichnet worden. Wie Altvizekanzler Mock erklärte, habe Dumas in all seinen hohen Funktionen „Österreich stets unterstützt, so vor allem auch die österreichischen Beitrittsbemühungen zur Europäischen Gemeinschaft bzw. Union“. Er sei stets ein großer Verfechter des europäischen Einigungsprozesses und insbesondere der deutsch-französischen Zusammenarbeit gewesen. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus habe Dumas die Chancen, die sich aus der Wiedervereinigung Deutschlands für den Frieden in Europa ergeben würden, erkannt. Er sei maßgeblich am Zustandekommen der Wiedervereinigung und des 2+4-Vertrages – zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Siegermächten – beteiligt gewesen, den er für Frankreich unterzeichnet habe. Mock wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Errungenschaften der europäischen Einigung – die noch nie da gewesene lange Friedenszeit, die Währungsunion, die erfolgreiche Erweiterung der Union auf 25 Mitgliedsstaaten – als viel zu selbstverständlich betrachtet würden. Er appellierte an die politisch Verantwortlichen, in ihren Bemühungen um eine europäische Verfassung nicht nachzulassen.
Der zum fünften Mal vergebene Mock-Europapreis, ein Bronzekopf eines Europäers, wurde von dem in Österreich lebenden griechischen Künstler Efthymios Warlamis geschaffen.
Der Sozialist Roland Dumas, dessen Vater 1944 als Widerstandskämpfer von der deutschen Besatzungsmacht hingerichtet wurde, stieg in den 1960er-Jahren zum Staranwalt in Paris auf – unter anderem vertrat er Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Pablo Picasso und den späteren Staatspräsidenten Francois Mitterrand, zu dessen engsten Vertrauten er gehörte. Unter Mitterrand war er Europaminister und Außenminister. ■

Brandauer ehrt Brecht: Kulinarische „Dreigroschenoper“ in Berlin
Am 14. August 1956 ist Bertolt Brecht erst 58-jährig in Ost-Berlin gestorben. Bis 3. September ehrt das von Claus Peymann geleitete Berliner Ensemble am Schiffbauerdamm, das Brecht und Helene Weigel 1954 gegründet hatten, den nach William Shakespeare weltweit erfolgreichsten Theaterautor mit Gastspielen aus Deutschland und mustergültigen Brecht-Inszenierungen aus Tokio, Budapest, Barcelona, Nizza, Zagreb und Florenz.
Bis 24. September zeigt der dem Schiffbauerdamm nahe gelegene, revitalisierte „Admiralspalast“ in insgesamt 45 Aufführungen Klaus Maria Brandauers Inszenierung der „Dreigroschenoper“ von Kurt Weill mit dem Libretto Brechts. Brandauers Arbeit wirkt bis in Nuancen durchdacht, vergleichsweise verhalten, besinnlich-melancholisch. Das Bühnenbild, in Brauntönen gehalten, wirkt einfach und hebt die Figuren hervor: In dem bis in kleinste Rollen ausgezeichneten Ensemble stechen Campino – sonst Rock-Sänger der Berliner Band „Die Toten Hosen“ – als Mackie Messer, Maria Happel als Spelunkenjenny, Gottfried John als Bettlerunternehmer Peachum und Katrin Sass als Mrs. Peachum hervor. Mit rauchiger Stimme bannt Birgit Minichmayr als Polly Peachum das Publikum. Ihr Gesang und Spiel sind unvergesslich. 1.700 Zuseher haben im Admiralspalast Platz. Bis 24. September sind sämtliche Aufführungen bis auf Restkarten ausverkauft. ■

Zum Tod von Paul Kruntorad
Wie erst in der ersten Augustwoche bekannt wurde, ist Paul Kruntorad am 30. Juli 71-jährig in Wien gestorben. 1935 in Budweis/Çeské Bu¬déjovice geboren, übersiedelte der Autor, Publizist und Kurator 1951 nach Wien, wo er bis zu seinem Tod lebte. Von 1961 bis 1964 war er Herausgeber von „Literatur & Kritik“. 1972 hielt er in den USA Vorträge über neue österreichische Literatur, lehrte auch in Wien an der Akademie der Bildenden Künste, in Klagenfurt und Los Angeles. Seine Publikationen umfassen u.a. den Roman „S. – Ein Modell“ oder das Kapitel „Prosa“ in Kindlers Literaturlexikon bis zu „Tschechische Kostbarkeiten. Kafka, das Schloss und die Schuhfabrik“ (2004). Vom unerwarteten Tod dieses Intellektuellen der Alten Schule zeigte sich Kunststaatssekretär Franz Morak tief getroffen: „Mit ihm verliert Österreich einen Anwalt der Künste und der Künstler durch Jahrzehnte, einen Kunst-, Literatur- und Theaterkritiker mit einem enormen Wissen und mit Kriterien, denen man vertrauen durfte. Im Gedankenjahr 2005 hat uns Paul Kruntorad in der Österreichischen Galerie die Physiognomie der Zweiten Republik in einer von ihm kuratierten Ausstellung von Bilddokumenten eindrucksvoll vor Augen geführt“. Als wichtiger Übersetzer aus dem Tschechischen habe sich Kruntorad vor 1989 vieler vom kommunistischen Regime verfolgter Schriftsteller angenommen. ■

Krems: "Die ungarische Seele"
Die Kunsthalle Krems zeigt bis 11. Februar 2007 die Ausstellung „Die ungarische Seele – Romantik und Realismus im Land der Magyaren“. In Kooperation mit der Ungarischen Nationalgalerie in Budapest sind dabei zahlreiche Gemälde aus der Zeit des politischen Ausgleichs zwischen den beiden Nachbarländern erstmals in Österreich zu sehen. Die ungarische Malerei des 19. Jahrhunderts ist Spiegel der Geschichte eines Volkes, das nach 150-jähriger Türkenherrschaft auch unter habsburgischer Führung das Joch der Unterdrückung spürte. Die blutige Niederschlagung der Revolution der Jahre 1948/49 zertrümmerte nachhaltig die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Der Freiheitskampf und der Wille zur Selbstständigkeit sind herausragende Thematiken der ungarischen Bildwelt, eindrucksvoll repräsentiert durch Mihály Munkácsy, dem wohl bedeutendsten ungarischen Künstler des Jahrhunderts. ■

Tourismus-Konferenz in Salzburg
Mehr als 130 Teilnehmer nahmen am 21. August in Salzburg an der 2. Konferenz europäischer Regionen des Instituts der Regionen Europas (IRE) teil. Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie Fachexperten kamen aus 26 Ländern und 40 Regionen Europas. Das Generalthema lautete „Tourismus und die Regionen Europas – neue Entwicklungen“. In Round Tables wurde über die Themen „Investment in Touristik-Immobilien und Hotelanlagen in Europa“, „Finanzierung von Tourismus-Projekten“, „Anreise und lokale Mobilität in den Tourismusdestinationen“ sowie „Destinationsmanagement – Technologien im Tourismus (e-tourism)“ diskutiert. ■

WAGNER:WERK Postsparkasse: Bauhaus-Designer Wolfgang Tümpel
Unter dem Titel „Wolfgang Tümpel (1903-1978): Silberschmied und Bauhauskünstler“ widmet das WAGNER:WERK Museum Postsparkasse in Wien dem ehemaligen Bauhauskünstler seine erste Einzelausstellung in Österreich. Neben herausragenden Entwürfen und Gebrauchsgegenständen, die Tümpel als Formgestalter für die Industrie entwickelt hat, sind auch ausgewählte Gold- und Silberschmiedeabreiten zu sehen – so silberne Tee- und Mokkaservice, Kandelaber, Schmuck, Schreibtischleuchten und die berühmte Tchibo-Dose. 1903 in Bielefeld geboren, wechselte er nach einer Goldschmiedlehre im Herbst 1922 an das Bauhaus in Weimar. Lehrer waren u.a. Johannes Itten, Paul Klee und Naum Slutzky. 1924 wird er in die Metallwerkstatt, von Lázló Moholy-Nagy geleitet, aufgenommen. Daneben ist er Mitarbeiter der Bühnenwerkstatt von Oskar Schlemmer. Nach der Schließung des Bauhauses gründete er 1927 seine erste eigene „Werkstatt für Gefäße, Schmuck, Beleuchtung“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Tümpel Professor in Hamburg, dann 1950 zur Weltausstellung nach Chicago eingeladen. Nie gibt er sich zufrieden, sein ganzes Leben sucht er nach neuen Gestaltungsansätzen für die „endgültige Form“. Sie sollte unabhängig von der Zeit Bestand haben, „modern, aber nicht modisch“ sein. ■

Die russische Opernsängerin Anna Netrebko nun auch Österreicherin
Die russische Sopranistin Anna Netrebko ist seit 1. August offiziell auch österreichische Staatsbürgerin. Im Chiemseehof, dem Sitz der Salzburger Landesregierung, hat sie von Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller den Staatsbürgerschaftsbescheid erhalten und die Gelöbnisformel unterzeichnet. Der Verleihung des Bescheides war ein Amtshilfe-Ersuchen der Stadt Wien, als zuständige Stelle für die Einbürgerung von Ausländern ohne derzeitigen Wohnsitz in Österreich, vorausgegangen. Dem Ersuchen wurde am 25. Juli von der Bundesregierung einstimmig stattgegeben. Wie Netrebko in ihrem Antrag anführte, hätte sie mit ihrer internationalen Opernkarriere in Österreich ihre künstlerische (Wahl-)Heimat gefunden. Bei ihren bisherigen Aufenthalten hätte sie Österreichs Kultur, Geschichte, Naturschönheit und Lebensart schätzen gelernt wie auch eine große Achtung, die hier der Kunst entgegengebracht werde. Der langjährige Salzburger Festspiel-Regisseur Otto Schenk würdigte Netrebko als „natürlich und unbefangen auftretende Künstlerin“, als eine Persönlichkeit mit einer wunderbaren Stimme. Anna Netrebko könne sich nunmehr in der Gesellschaft so bedeutender Künstler wie Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms fühlen, die alle zu Österreichern geworden seien. ■

Nina Blum inszeniert Kindertheater im Schloss Thürnthal
Die Schauspielerin Nina Blum, 32, inszenierte im Rahmen des Märchensommers Niederösterreich ihr erstes Theaterstück für Kinder im romantischen Schloss Thürnthal in Fels am Wagram: „Prinzessin sucht Prinz“ lautet ein interaktives Theaterstück für Kinder, die mit den Schauspielern durch das Schloss wandeln und am Ende an einem königlichen Fest mit Tanz und Musik, und bekocht von Starkoch Toni Mörwald, teilnehmen. Das märchenhafte Spiel gibt es noch bis 3. September. ■

Die "EURO 2008" ist ein nationales Anliegen
Mit 12. Dezember 2002 bekamen Österreich und die Schweiz den Zuschlag zur gemeinsamen Ausrichtung der Fußball-Europameisterschaft 2008. Mit diesem Auftrag wurde die drittgrößte Sportveranstaltung weltweit nach Österreich geholt. Die Finanzierungsverträge (technische Vorbereitung und Abwicklung der Erweiterungsbauten der EURO 2008 sowie erforderliche Investitionen) für die vier Stadien (Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg, Wien) wurden unterfertigt. Die Detailverhandlungen („stadium agreement“) hinsichtlich aller vier Stadienstandorte wurden mit 9. November 2004 abgeschlossen. Insgesamt investiert die öffentliche Hand (Bund, Länder, Gemeinden) rund € 160 Millionen in Bereitstellung für die EURO 2008 (Stadien Neubau und Ausbau, etc.). Im Zusammenhang mit den oben zitierten Optionen ergibt sich aus politischer Sicht Koordinierungs- und Darstellungsbedarf, der über die unmittelbare Turnierorganisation hinausgeht. Dies sollte auch unter dem Aspekt Berücksichtigung finden, dass Österreich im Vergleich zu Portugal die Aufwendungen zur Europameisterschaft zu 100% (Stadienbau) aus öffentlichen Mitteln bestreitet. Portugal konnte im Vorfeld zur EURO 2004 aufgrund seiner guten Fußballinfrastruktur (finanzkräftige Klubs) auch auf Mittel aus dem nichtöffentlichen Bereich zurückgreifen. Neben der großen sportlichen Herausforderung ist die EURO 2008 ein Sportereignis mit nachhaltigem Nutzen. Die von bisher zwei Studien aufgezeigten Wertschöpfungsmöglichkeiten für die österreichische Wirtschaft ergeben unterschiedliche Kommunikations-/Aufgabenfelder. Den hohen Investitionskosten von Seiten der öffentlichen Hand steht eine zusätzliche Wertschöpfung für die Bauwirtschaft von ca. € 87 Mio., eine touristische Nachfrage von ca. € 150 Mio. sowie ein Beschäftigungseffekt mit bis zu 6.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen gegenüber. Die EURO 2008 soll die erste sportliche Großveranstaltung sein, die die drei Grundpfeiler Ökologie, Soziales und Ökonomie gleichermaßen berücksichtigen wird. So kann die EM u.a. dazu genutzt werden, die Reputation in Bezug auf die professionelle Planung, Organisation und Durchführung von Großveranstaltungen zu erhöhen, zum anderen kann das Kultur- und Sportland Österreich den tausenden Touristen, insbesondere in den Regionen der Austragungsspielorte näher gebracht werden. „Die Abhaltung der EURO 2008 stellt somit eine ‚nationale Anstrengung’ dar, die entsprechend koordiniert, kommuniziert und in den Medien transportiert werden sollte, um in der breiten Öffentlichkeit den größtmöglichen Grad an Identifikation mit der EURO 2008 als österreichisch-europäisches Großevent zu erreichen“, so Schweitzer. ■

Impulsförderung für Höhenleistungszentrum Kühtai
Nach dem ersten Probejahr 2006 soll das Höhenleistungszentrum Kühtai/Innsbruck ob seiner Höhenlage sowie guten Voraussetzungen punkto Trainingsbedingungen (Finnenbahn, Laufstrecken, Nordic Walking, medizinischer Versorgung, Hotellerie, etc.) weiter ausgebaut und zur Top-Adresse für Top-Sportler nach der anerkannten Trainingsmethode „Live high - train low“ gemacht werden. Als neuer Olympiastützpunkt erhält das Höhenleistungszentrum Kühtai jetzt im August eine einmalige Impulsförderung von € 50.000 durch den Bund. Durch Kooperationen zwischen Kühtai, Innsbruck, dem Land Tirol, dem Bund und den deutschen Olympiastützpunkten wird das Zentrum wissenschaftlich begleitet und soll innerhalb eines Jahres auf eigenen Beinen stehen. Die wissenschaftliche Betreuung erfolgt zu einem Teil über die Universität Innsbruck und anderenteils über die deutschen Olympiastützpunkte (OSP Deutschland GmbH). „Wir erwarten uns einerseits einen Know how-Austausch zwischen Österreich und Deutschland und in bestimmten Sportarten, wie beispielsweise der Leichtathletik, konkrete Kooperationen zwischen Verbänden, Trainern und Trainingsprogrammen“, formuliert Schweitzer die Erwartung aller Beteiligten. ■