Montag, 30. August 2004
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Deutscher Bundespräsident Köhler zu Arbeitsbesuch in Österreich
Die Reformprozesse in Deutschland und Österreich standen im Mittelpunkt der Gespräche, die der deutsche Bundespräsident Horst Köhler am 18. August bei seinem offiziellen Arbeitsbesuch in Wien mit Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel führte. Dabei könne man in Deutschland den Blick durchaus „nach Österreich richten“, so Köhler nach seiner Unterredung mit Fischer. Das deutsche Staatsoberhaupt begründete dies damit, dass es in Österreich trotz ähnlicher Reformen keine Demonstrationen gebe. Köhler meinte, man müsse „eine Balance finden“ zwischen einer zu hohen Geschwindigkeit bei den Reformen, „die die Gesellschaft überfordert“, und einer zu niedrigen, bei der man gegenüber den Wettbewerbern „an Boden verliert“. Die deutsche Arbeitsmarktreform „Hartz IV“ bezeichnete Köhler als prinzipiell richtig, man müsse aber auch „genau hinhören, was die Menschen bewegt“. Er habe mit Fischer auch darüber gesprochen, „was Sozialpartnerschaft heute in einer Welt der Anpassungen bedeutet“. Fischer zeigte sich von den Protesten in Deutschland betroffen und sagte, er wünsche sich „ein Deutschland, wo Reformen stattfinden und gleichzeitig Stabilität gegeben ist“. Er hoffe auf einen „möglichst breiten Konsens“. Die bilateralen Beziehungen wurden sowohl bei Köhlers Unterredung mit Fischer als auch bei dem Gespräch mit Schüssel als problemfrei charakterisiert. In europäischen Fragen herrsche, so Fischer, „ein Höchstmaß an Übereinstimmung“. Mit Bundeskanzler Schüssel war sich das deutsche Staatsoberhaupt über die Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit mit den neuen EU-Mitgliedern aus Mittel- und Osteuropa einig. Die EU war am 1. Mai um zehn neue Mitglieder erweitert worden. Köhler betonte auch, es sei im Interesse Österreichs und Deutschlands, „dass sich die Erweiterung gut vollzieht“.
Nach dem Gespräch mit dem Bundeskanzler besuchten die Präsidentenpaare – Horst und Eva Köhler, Heinz und Margit Fischer – das neue sensationelle Liechtenstein-Museum. Aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums des Österreichischen Fußballbunds (ÖFB) stand abends das Freundschaftsspiel Österreich-Deutschland (1:3) im Ernst Happel-Stadion auf dem Programm. ■

Versöhnungsfonds: Bedeutende NS-Entschädigungen ausbezahlt
Bis Ende Juli d. J. leistete der Österreichische Versöhnungsfonds Entschädigungszahlungen an 125.843 ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter. Insgesamt wird der mit 436 Mio. € dotierte Fonds Auszahlungen an geschätzte 140.000 Leistungsberechtigte erbringen. Bisher wurden 335 Mio. € ausgeschüttet. Der Fonds arbeitet noch bis Ende 2005.
NS-Zwangs- und Sklavenarbeiter wurden vor allem in Mittel- und Osteuropa rekrutiert. Demgemäß erfolgten 42.556 Auszahlungen in der Ukraine, 22.573 in Polen, 12.973 in Russland, 11.053 in Tschechien, 5.531 in Ungarn und 4.335 in Weißrussland. Weitere Entschädigungszahlungen ergingen an 26.802 Antragsteller in weltweit mehr als 60 Ländern.
Der mit Beiträgen des Bundes, der Länder und der Wirtschaft ausgestattete Fonds, am 20. Dezember 2000 konstituiert, zahlt in drei Kategorien: Sklavenarbeiter erhalten 7.630,65 €, Industriearbeiter 2.543,56 € und Arbeiter in der Landwirtschaft 1.453,46 €.
Ursprünglich war man von 150.000 noch lebenden Betroffenen ausgegangen, weshalb nun damit gerechnet wird, dass einige Dutzend Millionen Euro übrig bleiben werden. Dem Wunsch der jeweiligen nationalen Partnerorganisationen zufolge sollten die verbleibenden Mittel für humanitäre Projekte zum Nutzen noch lebender ehemaliger Zwangsarbeiter und deren Erben in den betroffenen Staaten verwendet werden.
Das Kuratorium unter Vorsitz von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel muss laut Versöhnungsfondsgesetz bis Ende 2004 entscheiden, wie die Restmittel des Fonds verteilt werden. ■

Israelischer Parlamentspräsident Rivlin besucht Österreich
Israels Parlamentspräsident Reuven Rivlin besucht offiziell am 6. September Österreich. Der Likud-Politiker ist der erste Knesset-Vorsitzende seit 1997, der in Wien zu Gast ist. Er folgt einer Einladung von Nationalratspräsidenten Andreas Khol und trifft u.a. Bundespräsident Fischer, Bundeskanzler Schüssel und Außenministerin Ferrero-Waldner. Weiters wird er den Nationalfonds und den Allgemeinen Entschädigungsfonds der Republik Österreich besuchen. ■

Bundespräsident Fischer mit Außenministerin Ferrero-Waldner in Prag
Bundespräsident Heinz Fischer weilte am 25. August bei einem eintägigen offiziellen Arbeitsbesuch in Prag. Im Zentrum der Visite standen Gespräche mit dem Tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus und dem neuen Ministerpräsidenten Stanislav Gross. Wie bei seinen ersten Auslandsbesuchen seit Amtsantritt Anfang Juli – in Ungarn und der Slowakei – wurde Fischer in Tschechien von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner begleitet. Anlässlich des Tschechien-Besuchs gab der Bundespräsident der österreichischen Tageszeitung „Kurier“ ein Interview, in dem strittige Themen wie die Beneš-Dekrete und die Kernkraft zur Sprache kamen. Fischer meinte, er sei „dafür, nicht in die Vergangenheit zu schauen. Nach dem EU-Beitritt Tschechiens müssen wir ein neues Kapitel aufschlagen – zum Wohl der Menschen in beiden Ländern“. Sicherlich werde er „keine aktuellen Fragen von den Gesprächen ausschließen. Das Atomkraftwerk Temelin oder die Einhaltung des Melker Abkommens sind jedoch Sache der Bundesregierung“.
Außenministerin Ferrero-Waldner, deren Ressort als designierte EU-Kommissarin auch die Gestaltung der Beziehungen zu den Nachbarn der EU umfassen wird, betonte das vorrangige Ziel der europäischen Nachbarschaftspolitik, mit den Nachbarländern die Vorteile der EU-Erweiterung von 2004 zu teilen, indem „Stabilität, Sicherheit und Wohlstand aller Betroffenen gestärkt werden“. Sie verwies weiters auf die Bedeutung der EU-Verfassung, die der Union ein Fundament geben werde. Sie forderte Engagement auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene: „Wir müssen die Akzeptanz der Menschen für die Verfassung nachhaltig stärken“. Im Mittelpunkt der Gespräche stand auch die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zwischen Österreich und Tschechien – so die Autobahn Wien-Brno/Brünn und die Schienenstrecke Linz-Çeské Budéjovice/Budweis, denen auch von der EU Priorität zuerkannt wurde. ■

Ferrero-Waldner neue EU-Kommissarin für Außenbeziehungen
Österreichs Außenministerin Benita Ferrero-Waldner wird neue EU-Kommissarin für Außenbeziehungen und EU-Nachbarschaftspolitik. Sie tritt damit die Nachfolge des scheidenden britischen EU-Außenkommissars Chris Patten an. Nach Bekanntgabe ihres künftigen Wirkungsbereiches am 12. August durch den designierten EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso sprach Ferrero-Waldner von einer „Schlüsselfunktion für die gesamte Europäische Union“ und einer „großen Auszeichnung für Österreich“.
Auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zeigte sich über Barrosos Entscheidung hoch erfreut: Ferrero-Waldners Nominierung zur Kommissarin für Außenbeziehungen sei „eine großartige Herausforderung für unsere Außenministerin“, so Schüssel. „Die Außenpolitik der EU ist eine der drei großen Bereiche der EU-Politik. Ich gratuliere Benita Ferrero-Waldner sehr herzlich zu dieser Nominierung und bin überzeugt, dass sie diese verantwortungsvolle Aufgabe hervorragend meistern wird“. ■

Österreichische Regierungsdelegation in Kasachstan und Kirgisien
Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer, Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, Kunst- und Medienstaatssekretär Franz Morak absolvierten Mitte August einen offiziellen Besuch in den zentralasiatischen Staaten Kasachstan und Kirgisien. Mit Ministerkollegen erörterten sie u.a. die Zusammenarbeit im Bildungsbereich sowie Universitätsvernetzungsprojekte. Weiters besuchten sie Universitäten, Schulen, Theater, Spitäler und trafen Künstler. In der kirgisischen Hauptstadt Bischkek wurde die von Österreich initiierte Ausstellung „Ost-West“ eröffnet, mit Werken österreichischer und zentralasiatischer Künstler.■

Regierung erhöht Hilfe für Darfur
Von dem Konflikt in Darfur (West-Sudan/Afrika) sind laut UNO rund 1,2 Mio. Menschen betroffen. Hunderttausenden droht der Hungertod. Wie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am 10. August bekannt gab, stockt die Regierung die Hilfe um 1 Mio. € auf, somit stellt Österreich 1,2 Mio. € zur Verfügung.
Eine andere Hilfsinitiative von ORF und „Nachbar in Not“ wurde am 17. August im Wiener ORF-Zentrum in Anwesenheit von Bundespräsident Heinz Fischer präsentiert. ■

IWF lobt Österreichs Budgetpolitik
Der Internationale Währungsfonds (IWF) sprach der österreichischen Bundesregierung für ihre Budget- und Steuerreform großes Lob aus, verlangte allerdings auch eine „grundlegende Neudefinition der Rolle des Staates“.
„Die Verantwortlichen (des IWF) haben die (österreichischen) Behörden für ihren Erfolg beim Budgetausgleich, der Zügelung der öffentlichen Ausgaben und für die Inangriffnahme eines Reformprozesses beglückwünscht, der in kurzer Zeit beeindruckende Ergebnisse erzielt hat“, heißt es Angaben der Nachrichtenagentur AFP zufolge in einem als „Kapitel 4“ bezeichneten IWF-Bericht.
Diese „gesunde“ Politik habe Österreich geholfen, „relativ gut die weltweite wirtschaftliche Verlangsamung zu verkraften“, betonte der Währungsfonds und unterstrich seine Unterstützung für die Ziele der Haushalts- und Fiskalpolitik der Bundesregierung.
Die kurzfristigen wirtschaftlichen Perspektiven seien generell günstig, so der Bericht. Der Erfolg der Steuerreformen hänge jedoch von einer dauerhaften Verringerung der Staatsausgaben ab, insbesondere im Bereich der öffentlichen Verwaltung, der Gesundheit und der Transferleistungen.
Der IWF schließe sich der Meinung der österreichischen Behörden an, wonach eine grundlegende Neudefinition der Rolle des Staates notwendig sei, um eine Verringerung der Steuern und ein ausgeglichenes Budget zu erreichen. ■

OMV erwirbt Petrom-Mehrheit
Österreichs größter Mineralölkonzern OMV besiegelte mit der Mehrheitsübernahme des staatlichen rumänischen Ölkonzerns Petrom die größte Auslandsbeteiligung in der heimischen Firmengeschichte. Den Vertrag zur Privatisierung der Petrom unterzeichneten Rumäniens Staatspräsident Adrian Nastase und OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer im Juli in Bukarest.
Demnach erhält die OMV für rund 1,4 bis 1,5 Mrd. Euro 51% an dem Unternehmen und das Vorkaufsrecht auf die restlichen Staatsanteile. Sein Konzern werde damit „klare Nummer eins in Mittel- und Osteuropa“, erklärte Ruttenstorfer.
Konkret kauft die OMV dem rumänischen Staat 33,34% der Petrom-Anteile ab und zahlt dafür 669 Mio. Euro. Gleichzeitig wird die Beteiligung durch eine Kapitalaufstockung auf 51% angehoben werden. Dafür rechnet die OMV mit einem Preis von 723 bis 855 Mio. Euro – der endgültige Preis hänge u. a. davon ab, ob die Osteuropabank EBRD einen Kredit in eine 2,1%-Beteiligung umwandle. Die OMV verpflichtet sich, 50% der Kapitalerhöhung binnen der ersten 30 Monate zuzuschießen, den Rest binnen weiterer zweieinhalb Jahre.
Zusätzlich übernimmt die OMV von Petrom laut rumänischer Regierung Schulden in Höhe von 292 Mio. Euro. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal erwartet.
Mit diesem Milliarden-Investment vergrößert die OMV ihr Netz von rund 1.782 auf 2.382 Tankstellen. Der Marktanteil in der Donauregion wächst von 13 auf 18%, in Rumänien erhöht die OMV ihren Anteil von 6 auf 30%. Darüber hinaus erhält der österreichische Konzern durch die Petrom-Mehrheit Zugang zu enormen Ölvorräten nicht nur in Rumänien, sondern auch in Kasachstan und im Schwarzen Meer. Die gesicherten Öl- und Gasreserven der Petrom betragen 1 Mrd. Fass Ölequivalent, jene der OMV liegen bei 410 Mio. Fass Ölequivalent. ■

Athen 2004: Olympiasiege für die österreichischen Unternehmen
Austro-Unternehmen waren bei Olympia in Athen sehr erfolgreich: So erweiterte Alpine-Mayreder-Bau die Verkehrsinfrastruktur im antiken Olympia und erhielt einen Auftrag über 216 Mio. € im Rahmen des U-Bahn-Ausbaus in Athen. Die Firma Bären-Batterie lieferte im Auftrag der staatlichen griechischen Telekom (OTE) Akkumulator-Batterien. Frequentis-Nachrichtentechnik lieferte das integrierte Kommunikationssystem IDCS für die Sicherheitszentrale der Spiele. Die VA Tech T&D errichtete eine gasisolierte Schaltanlage im Wert von ca. 7 Mio. € und Rosenbauer-International exportierte 50 Feuerwehrfahrzeuge im Wert von 8 Mio. €. In den letzten Jahren hatte die Firma nach Griechenland schon 72 Lösch- und Hubrettungsfahrzeuge im Wert von über 20 Mio. € exportiert. Die österreichischen Exporte nach Griechenland wuchsen 2002 um 27,3 %, 2003 nochmals um 13,7 % auf 524 Mio. €. Die Importe stiegen um 6,5 % auf 137 Mio. €. ■

Morak lädt Medienwelt nach Wien
Von 25. bis 27. November ist Wien Zentrum der Medienwelt: 400 internationale Fachleute treffen beim Europäischen Film- und Fernsehforum zum Informationsaustausch in der Nationalbibliothek zusammen und sollen als Ergebnis der Tagung die „Wiener Medienthesen“ formulieren. Das Forum wird vom Europäischen Medieninstitut in Düsseldorf veranstaltet, jedes Jahr an einem anderen Standort und vernahm heuer die Rufe von Medienstaatssekretär Morak, der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR), des ORF und vom Filmfachverband in der Wirtschaftskammer Österreich. Als Referenten werden u.a. Premiere-Chef Georg Kofler, „Big Brother“-Erfinder John de Mol, William M. Murray von der Motion Picture Association of America, EU-Kommissarin Viviane Reding erwartet. Das Generalthema lautet „Horizonte erweitern – Neue Länder, Neue Akteure, Neue Plattformen“. Wie Franz Morak erklärte, erwarte er sich eine Diskussion über den österreichischen Tellerrand hinaus, da die Debatten hier zu Lande „immer in den üblichen Bahnen laufen“. Besonderes Anliegen sei ihm auch die Einbindung der Mittel- und Osteuropäischen Staaten. ■

Europäisches Forum Alpbach: Grenzen und Grenzüberschreitungen
Zum 60. Mal findet heuer, seit 19. August bis 4. September, das Europäische Forum Alpbach (EFA) in Tirol statt. Das diesjährige Generalthema „Grenzen und Grenzüberschreitungen“ widmet sich den erweiternden Grenzen der EU als auch den vermeintlichen und tatsächlichen Grenzen der medizinischen und technischen Forschung, des Sozialstaates, des Geisteslebens und der Kultur. Dem Festakt wohnten Bundespräsident Heinz Fischer und sein tschechischer Kollege, Präsident Vaclav Klaus, bei. Den Eröffnungsvortrag hielt der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann, der proklamierte: „Europas Grenzen müssen erst erfunden werden!“ und hiermit eine langfristige Integration nicht nur der Türkei, sondern auch der Ukraine, Weißrusslands und Israels zur Diskussion stellte.
Zum Kern des EFA gehört die Seminarwoche, die auch heuer wieder einen tiefgründigen Dialog zwischen international tätigen Wissenschaftern und Studierenden ermöglichte. Auch die „Gespräche“ sind einmalig: Technologie-, Reform-, Architektur-, Medien-, Gesundheits-, Wirtschafts- und Politische Gespräche brachten wieder hochkarätige Gäste nach Alpbach wie etwa Oscar Lafontaine, der über „Grenzen des all-inclusive-Staates“ sprach. Interessante Schwerpunkte im Rahmen der Politischen Gespräche bot das Plenum zu „Grenzen der Globalisierung“, u.a. mit WTO-Direktor Roderick Abbott, sowie „Krisenmanagement und Krisenintervention – Schwerpunkt Südosteuropa“ mit EU-Konventsmitglied Lojze Peterle. An den Wirtschaftsgesprächen nahmen u.a. IV-Präsident Veit Sorger, OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer sowie die Ökonomen Dennis L. Meadows und Carl Christian von Weizsäcker teil. Im Rahmen der Gesundheitsgespräche referierte u.a. der Geschäftsführer des Instituts für Molekulare Biotechnologie, Josef Martin Penninger, über die Anwendung der Genomforschung. ■

Österreich-Schwerpunkt bei Film-Koproduzententreffen in Sarajevo
Österreich war Schwerpunkt beim viertägigen Koproduzententreffen „Cine Link“ des 10. Internationalen Filmfestivals Sarajevo (20. bis 28. August). Österreichische Filmschaffende und Vertreter von Filminstitutionen waren zum jährlichen Koproduktionsmarkt für Spielfilme in die bosnische Hauptstadt eingeladen, um an Diskussionen mit rund 80 ausländischen Filmemachern aus dem südosteuropäischen Raum teilzunehmen und in individuellen Treffen über konkrete Filmprojekte zu sprechen: die Produzenten Franz Novotny (Novotny Film), Gabriele Kranzelbinder und Alexander Dumreicher-Ivan¬ceanu (Amour Fou Film), Veit Heidischka (Wega-Film), Danny Krausz (Dor Film), Josef Aichholzer (Aichholzer Film), Andreas Hruza (Prisma Film) sowie die Geschäftsführer der Synchro Film (Alexander Wieser), des Filmfonds Wien (Peter Zawrel), des Österreichischen Filminstituts (Roland Teichmann) und des Fachverbandes der Audiovisions- und Filmindustrie Österreichs (Werner Müller).
Zwei Diskussionsrunden waren internationalen Koproduktionen gewidmet: Unter dem Motto „The Real Meaning of Coproduction“ erörterten Filmvertreter aus Europa die Bedingungen für eine gemeinsame Filmarbeit über die Heimatgrenzen hinaus aus wirtschaftlicher, rechtlicher und kultureller Sicht. Franz Novotny und sein serbischer Koproduktionspartner für den Film „Gori Vatra“ (Arbeitstitel „Fuse“) bestritten gemeinsam mit Peter Zawrel das Panel „Coproduction of European Neighbours: FUSE creativity and funds!“ und erläuterten die Erfahrungen und Herausforderungen für Gemeinschaftsproduktionen zwischen Österreich und Bosnien/Herzegowina. Im übrigen zeigen zahlreiche, vom Filmfonds Wien geförderte Projekte wie etwa „Zelary“, dass Filmschaffende der ost- und südosteuropäischen Staaten zunehmend wichtige Partner österreichischen Filmemacher sind. ■

Otto Anton Eder 1930-2004
Der legendäre ORF-Regisseur Otto Anton Eder ist in der Nacht auf den 25. August 75-jährig gestorben. Er war in zweiter Ehe mit Astrid Monika Eder-Lindner verheiratet, der amtierenden ORF-Generaldirektorin. Otto Anton Eder prägte maßgeblich Sendungen wie „Wünsch dir was“, „Der Fenstergucker“, „Quiz 21“, „Familie Leitner“, „Der Leihopa“, „Zeit im Bild“ und „Club 2“, „Guten Abend Österreich“, „Horizonte“, „Willkommen Österreich“ und das weihnachtliche „Licht ins Dunkel“, eine der erfolgreichsten Charity-Sendungen in Europa. Eder, 1930 in Klagenfurt geboren, studierte Theaterwissenschaft und wirkte dann als Regieassistent am Theater an der Wien und an den Wiener Kammerspielen. Schon bei den ersten Versuchssendungen des ORF war er dabei. 1968 führte er Regie beim ersten durchmoderierten TV-Programm der ORF-Geschichte. ■

Linzer Klangwolke: 25. Geburtstag
Am 18. September 1979 legte sich mit Bruckners Achter Symphonie die allererste Klangwolke über Linz und eröffnete die Ars Electronica, das Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft. Bis zu 150.000 Besucher sind seitdem jedes Jahr in den Donaupark geströmt, um Österreichs größtes Open-Air-Event zu erleben. Auch heuer locken kulturelle Leckerbissen: Der Komponist Peter Wolf lädt am 4. September mit „sense-ation“ zu einer „Sinfonie in sieben Sinnen“, für die Visualisierung zeichnet Christian Weißkircher verantwortlich. Der Besucher erwartet erneut eine eindrucksvolle Kombination von Projektionen aus Musik und Feuerwerk. Eine Woche später dürften die Kinder auf ihre Rechnung kommen: Im Mittelpunkt von Timna Brauers musikalischem Märchen „Die begeisterten Trommeln“ stehen verschiedene Schlaginstrumente. Ihren klassischen Abschluss findet die Klangwolken-Reihe am 12. September mit Gustav Mahlers Achter Symphonie. Das Konzert des Bruckner Orchesters unter Dennis Russell Davies, das im Brucknerhaus über die Bühne geht, wird wie schon in den Jahren zuvor mittels Video-Walls auch in den Donaupark übertragen. Die Klangwolken beeindrucken optisch wie akustisch: Die Übertragungsleistung der Tonanlage hat sich in den vergangenen 25 Jahren auf mittlerweile rund 250.000 Watt mehr als verzwölffacht. Die Veranstalter sind auf ihre angeblich „weltweit größte Dolby-Surround-Anlage“ zu Recht stolz. ■

„Heimatfilm“-Festival in Freistadt
Vom 25. bis 29. August fand in Freistadt (Oberösterreich) das 17. Festival „Der neue Heimatfilm“ statt, auch in Kinos von Katzdorf und Neukirchen/Enknach. Das Festival will seit Jahren vor allem einen Kontrapunkt zum hauptsächlich urbanen Medium Kino setzen und auch den Begriff des „Heimatfilms“ von seinen Klischees befreien. Jedes Jahr werden bis zu 25 Programme geboten, in den Genres Spiel-, Dokumentar- sowie Kurzfilme. In den letzten Jahren hat sich nach dem Schwerpunkt Schweiz ein Italien-Schwerpunkt entwickelt, bei dem Regisseure wie Giuliano Montaldo, Florestano Vancini, Carlo Lizzani oder Drehbuchautor Niccola Badalucco in Freistadt zu Gast waren. Bei der Eröffnung wurde „Augenleuchten“, der jüngste Film des Salzburgers Wolfgang Paulus gezeigt. Ebenfalls in Freistadt vertreten war der finnische Regisseur Mika Kaurismäki mit seinem neuesten Film „Honey Baby“. Mika galt heuer beim Filmfest München mit seinem Bruder Aki eine Retrospektive. Paulus und Kaurismäki sind schon seit der Filmschule München Freunde: Mika stand in den ersten Filmen von Paulus hinter der Kamera.
Ein Schwerpunkt war auch dem Schweizer Dokumentarfilmer Erich Langjahr gewidmet, der seit 30 Jahren in seinen Filmen nach der Identität des Menschen sucht. Anlässlich seines 60. Geburtstages wurde ihm der Würdigungspreis der Stadt Freistadt überreicht und eine Werkschau mit vier Filmen gezeigt. Exzellente Dokumentarfilme wurden vorgeführt, so Andreas Horvaths „This ain’t no heartland“, der beim Chicago-Dokumentarfilmfestival den Großen Preis erhielt.
Im Mittelpunkt der schon traditionellen Italien-Reihe stand der Schauspieler-Regisseur Corso Salani. Seine filmischen Erkundungen gehen vom Thema Reise aus, dass ihn vor allem in osteuropäische Länder führt. Sein Interesse gilt der Einbettung des Menschen in den sie umgebenden Raum. Die Emigration als zentrales Reisemotiv des modernen Kinos steht auch im Zentrum von Edmund Budinas „Lettere al vento“, einem eindrucksvollen autobiographisch gefärbten Film. Budina, der seit 1991 als Fabrikarbeiter in Italien lebt und selbst die Hauptrolle spielt, ist ein poetisch überhöhter Film im Stil von Emir Kusturica und mit Anleihen beim italienischen Neorealismus gelungen. Eine spezielle Filmschau war auch dem sardischen Kino gewidmet, dass mit Giovanni Columbus „Arcipelaghi“ eine archaisch-faszinierene Welt bot.
Die lokale Filmszene trat mit sechs Videofilmen hervor, u.a. mit Angela Summereders „Ort – Ried“. ■

Kloster Pernegg: Globart-Academy
Von 26. bis 29. August tagte im Kloster Pernegg (Waldviertel/Niederösterreich) die jährliche „Globart-Academy“. Im meditativen Raum gab es um das heurige Thema „Das neue Bild vom Menschen“ grundlegende Diskussionen, Lesungen und Musik, so von Karlheinz Essl. Der katholische Bischof Erwin Kräutler, der seit vielen Jahren in Brasilien gegen die skrupellose Plünderung und Ausbeutung Amazoniens kämpft, wurde nun mit dem „Globart Award“ ausgezeichnet. Tragende Persönlichkeiten waren weiters die Autoren Peter Turrini und Jiři Gruša, Ex-Vizekanzler Josef Riegler und Theaterintendantin Elisabeth Schweeger.
Globart, eine unabhängige Kulturinitiative im Rang einer nichtstaatlichen Organisation (NGO), möchte die Welten der Künste und Wissenschaften für ein neues Menschen- und Sozialbild fruchtbar machen, und zum friedlichen Zusammenleben der Völker und Kulturen beitragen. Globart ist überzeugt, dass die Ausdrucksmittel der Künste das Bewusstsein für die Einheit der Menschen fördern.
Die Pernegger Veranstaltung steht unter Schirmherrschaft von EU-Bildungs- und Kulturkommissarin Viviane Reding. ■

Prag und tschechische Länder in der Donaumonarchie 1791-1914
Noch bis 19. September erzählt eine Großausstellung im Prager Palais Clam-Gallas über die Wurzeln des modernen tschechischen Staates: „Das Jahrhundert der Habsburger. Prag und tschechische Länder in der Donaumonarchie 1791-1914“. Die Schau wandert anschließend in das zu einem Museum umgestalteten Schloss Ctenice.
Historiker halten Böhmen im 19. Jahrhundert für „österreichisch“ geprägt. Die Basis der heutigen Zivilgesellschaft wie auch der neuzeitlichen Nationalismen sind damals gelegt worden. Rechtlose Bevölkerungsschichten erhielten politische Mitsprache und eine tschechische Nation reifte mit hoch entwickelter Kultur in der Donaumonarchie heran. Die Ausstellung dokumentiert mit Kunstwerken, Porträts, Dioramen, Objekten mit Monarchiebezug die Durchdringung von dynastischen und nationalen Staatsideen im Alltagsleben. Während die Tschechen ursprünglich eine starke Loyalität gegenüber den Habsburgern zeigten, weil sie an eine gewaltlose Erreichung ihrer nationalen Bestrebungen glaubten, kam es ab den 1870er Jahren zu einer zunehmenden Kluft, als Kaiser Franz Josef auf Druck der Deutschen und Ungarn das angekündigte Staatsrecht für das Königreich Böhmen und Mähren widerrufen musste. ■

Archivkongress in Wien
Zum ersten Mal versammelten sich in Wien die Archivare der gesamten Welt von 23. bis 29. August zu ihrem im Vierjahresrhythmus abgehaltenen Internationalen Archivkongress. Veranstaltet vom Österreichischen Staatsarchiv in Kooperation mit dem Internationalen Archivrat (ICA), dem weltweiten Dachverband mit mehr als 1.700 Mitgliedern aus rund 180 Ländern, widmeten sich rund 2.000 Teilnehmer im Austria Center Vienna dem Generalthema „Archive, Gedächtnis und Wissen“. Der Staatsarchiv-Generaldirektor Lorenz Mikoletzky übernahm die ICA-Präsidentschaft für vier Jahre. ■

Olympische Spiele 2004 in Athen: Traumergebnis für Österreich
Mit sieben Medaillen bei den XXVIII. Olympischen Spielen in Athen kann Österreich auf die erfolgreichsten Sommerspiele seit Berlin 1936 zurückblicken. Gold durch Kate Allen im Triathlon bzw. Roman Hagara und Hans Peter Steinacher im Tornadosegeln, Silber durch Markus Rogan im Schwimmen (100- und 200 m Rücken), Andreas Geritzer im Segeln (Laser-Klasse) und Claudia Heill im Judo (Klasse bis 63 kg) sowie Bronze durch Christian Planer im Schießen (Kleinkaliber-Dreistellungsmatch).
Athen, das bei der 106. IOC-Session am 5. September 1997 in Lausanne den Zuschlag zur Ausrichtung der Olympischen Spiele bekam, konnte den Athleten, Funktionären und Zuschauern friedvolle, sichere und gut organisierte Spiele bieten. Mit Athen kehrten die Spiele an die historische Geburtsstätte zurück. Die Kombination von klassischen Kulturstätten und hochmodernen Sportanlagen (Olympic Stadion OAKA) gab den Spielen ein besonderes kulturelles Flair.
„Mit dem Förderungsmodell Top Sport Austria, durch das in den letzten zwei Jahren rund 2,4 Millionen Euro in konkrete Athen-Projekte geflossen sind, befinden wir uns auf einem erfolgreichen Weg“, betont Sport-Staatssekretär Mag. Karl Schweitzer, „Die Vorbereitungen unserer Sportler für die Olympischen Spiele waren noch nie so gut, wir müssen nun die entsprechenden zukunftsweisenden Initiativen setzen, um auch bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking erfolgreich zu sein“. ■

Staatssekretär Schweitzer unterstützt Sporthilfe-Image-Kampagne
Die Österreichische Sporthilfe führt mit Hilfe der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr eine „Integrierte Image-Kampagne“, die über diverse Medien (TV, Print, Poster und Internet) läuft. Ziel ist eine verbesserte Imagepositionierung zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Sporthilfe, damit für das gezielte Förderwesen des Nachwuchs- und Spitzensports neue Impulse gesetzt werden können. Vorgestellt wurde das Projekt durch die Direktorin der Griechischen Tourismuszentrale in Wien, Wasso Kaparou, durch Staatssekretär Schweitzer und seitens der Sporthilfe durch den Geschäftsführer Anton Schutti. Für diese Kampagne, bei der sich alles um das „Wünschen“ dreht, standen drei der insgesamt 375 von der Sporthilfe unterstützten Spitzensportler, in Wunsch-Posen Modell. Der „Goldene“ Tornadosegler Roman Hagara, der „Silberne“ Schwimmer Markus Rogan und der Weltmeister 2003 im Punkterennen (Rad) Franz Stocher. Als Besonderheit gibt es von der griechischen Tourismuszentrale für die österreichischen Medaillengewinner zusätzliche „Sonderprämien“, die jetzt nach den Spielen in Form von Urlaubsaufenthalten in Griechenland genossen werden können. ■

Österreichischer Fußballbund (ÖFB) feierte sein 100-jähriges Jubiläum
Der Österreichische Fußballbund (ÖFB) feierte am 17. August in der Wiener Staatsoper sein 100-jähriges Jubiläum mit der Gala „Sound of Football“. In Anwesenheit von FIFA-Präsident Joseph Blatter, UEFA-Präsident Lennart Johansson, Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Sport-Staatssekretär Mag. Karl Schweitzer, den Fußballlegenden Franz Beckenbauer und Michel Platini wurden besondere Leistungen österreichischer Fußballer ausgezeichnet.
Geehrt wurde Herbert Prohaska als Jahrhundert-Fußballer, der unvergessene Ernst Happel als Jahrhundert-Trainer, Teamkapitän Thomas Ivanschitz als herausragendes Talent, Anton Polster als ÖFB-Rekordschütze (44. Treffer in 95 Länderspielen) sowie Andreas Herzog als ÖFB-Rekordteamspieler (103 Länderspiele). Im Showblock konnten die 1.600 Gäste aus 48 Ländern nicht nur die Wiener Sängerknaben, sondern auch Zucchero, den Tenor Serge Nayda und den belgischen Sänger Helmut Lotti bewundern. ■